Aromatherapie mit ätherischen Ölen: Wirkung, Anwendung & Übersicht der Düfte

Unter Aromatherapie versteht man die Behandlung mit 100% naturreinen Duftstoffen in Form von ätherischen Ölen. Ätherische Öle sind keine fetten Öle, wie etwa das Olivenöl. Sie verdunsten vielmehr rückstandslos und werden daher auch als flüchtige Öle bezeichnet. Sie werden aus Pflanzen gewonnen und entfalten über ihren Geruch eine bestimmte Wirkung. Eine Aromatherapie darf in Deutschland nur ein Arzt oder Heilpraktiker mit einer entsprechenden Zusatzausbildung anbieten. Eine Erstberatung kostet zwischen 150 und 200 DM. Weitere Beratungsgespräche kosten etwa die Hälfte.

Aufgrund der Wirkung von vier sogenannten Basisdüften (Citrus, Holz, Blüten und Wurzeln) ermittelt der Therapeut die Vorlieben des Ratsuchenden. Erfahrungsgemäß fühlt sich jeder von dem Duft angezogen, der ihn unterstützt und stärkt. Schwächende Düfte werden abgelehnt. Die Duftstoffe können Fähigkeiten und Stimmungen über einen gewissen Zeitraum stärken. Ziel der Behandlung ist es, Schwächen zu überwinden und bestimmte Anlagen und Fähigkeiten mit Hilfe der Öle zu stärken, bis die dadurch erworbene neue Lebenserfahrung ausreicht, so dass man auf die unterstützende Wirkung bestimmter Düfte verzichten kann. Die Erfahrungen der Aromatherapie können jedoch auch im Alltag gezielt eingesetzt werden.

Wieso können Düfte unsere Stimmung verzaubern?

In der Nasenscheidewand werden feinste Duftstoffe registriert. Durch die Wahrnehmung dieser Duftstoffe werden Signale an das limbische System ausgesendet. Das limbische System ist ein Teil des Gehirns. Hier werden u.a. Gefühle und Erinnerungen gespeichert. Diese im limbischen System gespeicherten Erfahrungen regeln das Triebverhalten des Menschen und seine Gemütsbewegungen.

Erinnerungen werden wach

Die Wirkung von Aromastoffen, die die Stimmung beeinflussen, kann man sich damit erklären, dass Menschen durch den Duft in Stimmungen versetzt werden, die sie schon einmal erlebt haben. Während des gesamten Lebens werden alle Erlebnisse, Gespräche, Situationen und die dabei erlebten Gefühle wie auf Tonbändern im Gehirn aufgezeichnet werden. Die Aufzeichnung der Erlebnisse erfolgt dabei getrennt von den Gefühlen. Hat sich die Fähigkeit des Menschen, sich durch eigenes Denkvermögen mit Situationen, Erlebnissen, Gehörtem oder Gelesenem auseinander zu setzen, entwickelt, so werden die eigenständig entwickelten Gedanken ebenfalls separat aufgezeichnet.

Der Mensch kann sich nur an einen Bruchteil dieser Erlebnisse, Gedanken und Gefühle bewusst erinnern. Das persönliche Empfinden aller Lebenssituationen wird jedoch mit den gespeicherten Gefühlen und Gedanken in Zusammenhang gebracht. Die Gefühle, die eine Person in bestimmten Lebenssituationen erlebt, sind Gefühle, die mit früher erlebten Situationen zusammenhängen und durch die neue Situation wieder aufgeweckt werden.

Ein Teil der Wirkung von Duftsprays ist darauf zurückzuführen, dass über die unbewusste Verknüpfung von bestimmten Aromen mit bestimmten Situationen Gefühle geweckt werden, die zu der früher erlebten Situation gehören. Verwendet ein Gebrauchtwagenhändler ein Duftspray in seinen gebrauchten Autos, dann hat der Wagen den typischen Geruch einer Mischung von neuem Holz, Leder und Kunststoff. Dadurch werden beim Käufer Gefühle geweckt, die er empfunden hat, als er mit einem Neuwagen gefahren ist. Das hat zur Folge, dass er sich in dem gebrauchten Augen so angenehm und sicher fühlt wie in einem Neuwagen. Dieses Gefühl wirkt sich auf seine Gedanken aus. Er wird sich über kleine Mängel vielleicht weniger ärgern und seine angenehmen Gefühle werden seine Kaufentscheidung u.U. positiv beeinflussen.

Wirkung der Aromen auf das Nervensystem

Erhält das limbische System Signale, so wird einerseits die Erinnerung an Gefühle in bereits erlebten Situationen geweckt. Andererseits werden Botenstoffe freigesetzt, die das vegetative Nervensystem steuern. Das vegetative Nervensystem dient der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts im Körper. Es kann durch das Bewusstsein und den Willen nicht gesteuert werden. Das vegetative Nervensystem gliedert sich in zwei Teilsysteme, die eine entgegengesetzte Wirkung haben: den Sympathicus und den Parasympathicus. Wird der Sympaticus durch Botenstoffe angeregt, so wird die Leistungsfähigkeit gesteigert. Herz, Kreislauf und Atmung werden aktiviert, die Verdauungstätigkeit wird vermindert. Wird der Parasympaticus durch Botenstoffe angeregt, so wird eine Ruhe- und Erholungsphase eingeleitet, die Leistung von Herz, Kreislauf und Atmung sinken und die Verdauungstätigkeit nimmt zu.

Die Aromastoffe können daher, indem sie die Freisetzung von bestimmten Botenstoffen auslösen, entspannend, angstlösend oder leistungssteigernd wirken. Sie können auf diesem Weg die Verdauungstätigkeit beeinflussen (Lemongras, Bergamotte), die Konzentrationsfähigkeit steigern (Veilchen, Zitrone) oder in Stress-Situationen eine entspannende, beruhigende Wirkung (Baldrian, Kamille, Rose) haben.

Manche ätherische Öle enthalten Stoffe, die antibakteriell oder durchblutungsfördernd wirken. Diese Öle wirken direkt durch die Substanzen, die sie enthalten. So kann man sich die durchblutungsfördernde, erfrischende Wirkung von Rosmarinöl oder die schleimlösende Wirkung von Eukalyptusöl erklären.

Welche ätherischen Öle helfen bei Alltagsproblemen?

Problem Wirkung Duftöl
Angst angstlösend Bergamotte, Baldrian, Fenchel, Rose, Weihrauch, Kampfer, Majoran, Zypresse, Muskatellasalbei
Antriebsschwäche belebend Eukalyptus, Grapefruit, Orange, Zitrone, Muskatellasalbei, Rosmarin, Pfefferminze
Appetitlosigkeit appetitanregend Bergamotte, Zitrone
Depression, Enttäu-
schung
stimmungsauf-
hellend
Lavendel, Rose, Kümmel, Basilikum, Ylang-Ylang
Entzündungen antibakteriell
heilungsfördernd
Eukalyptus, Kamille, Ringelblume
Erkältung antibakteriell
schleimlösend
Eukalyptus, Lavendel
Erschöpfung entspannend
beruhigend
Geranie, Sandelholz, Kamille, Pfefferminze, Rose, Bergamotte, Zitrone, Ylang-Ylang
Fieber fiebersenkend Bergamotte, Zitrone
Husten schleimlösend Eukalyptus, Lavendel, Sandelholz
Konzentrations-
schwäche
belebend, erfrischend Zitrone, Eukalyptus
Kopfschmerzen, Migräne schmerzlindernd Zitrone, Eukalyptus, Kamille, Lavendel, Rose,Pfefferminze
Mutlosigkeit, Selbstvertrauen fehlt angstlösend, antriebssteigernd Ingwer, Bergamotte, Lavendel, Lorbeer, Thymian
Nervosität beruhigend, ausgleichend Sandelholz, Rose, Kamille, Baldrian
Reizbarkeit beruhigend, besänftigend Kamille, Lavendel, Thymian, Salbei, Rose
Schlafstörungen entspannend Ylang-Ylang, Baldrian, Majoran, Lavendel, Rose, Melisse, Salbei, Kamille
Stress entspannend, beruhigend Geranie, Weihrauch
Verdauungsbeschwerden verdauungsanregend Rose, Bergamotte

Aromatherapie Anwendung im Alltag

Ätherische Öle sollten nicht unverdünnt auf die Haut aufgebracht werden. Es gibt jedoch eine Vielzahl von Anwendungsmöglichkeiten:

1. Inhalation

Ätherische Öle entfalten ihre Wirkung dadurch, dass man sie riecht. Man kann also einige Tropfen von einem Öl auf ein Tuch, auf das Kopfkissen, ins Wasser eines Luftbefeuchter oder in eine Wasserschale in einer Duftlampe geben. Das Öl wirkt über den Raumduft entspannend, stimmungsaufhellend oder konzentrations-
fördernd – ganz nach Ihrer Wahl. Auch bei Erkältungskrankheiten haben sich bestimmte ätherische Öle bewährt (z.B. Eukalyptus, Fichtennadel). Sie befreien die Atemwege und wirken antibakteriell, wodurch das Ansteckungsrisiko vermindert wird.

2. Bäder

Einige Tropfen von einem ätherischen Öl können auch im Badewasser ihre Wirkung entfalten. Das Wasser sollte nicht zu heiß sein. Ideal ist eine Badezeit von 5 bis 20 Minuten.

3. Massagen

Für Massagen und Einreibungen sollten 5 bis 6 Tropfen des ätherischen Öls mit etwa 10 ml Jojoba-, Avocado- oder Mandelöl gemischt werden. Die durchblutungsfördernde Wirkung von Rosmarin oder die entspannende Wirkung von Sandelholz kommen auf diese Weise gut zum Tragen.

4. Kompressen

Bei Entzündungen, Prellungen und Zerrungen helfen kalte Kompressen mit ätherischen Ölen, bei Durchblutungsstörungen, Rheuma, Muskel- und Gelenkbeschwerden helfen warme Kompressen mit ätherischen Ölen. Einige Tropfen ätherisches Öl werden mit einem Emulgator (z.B. Seife) gemischt und in Wasser gerührt. Ein Tuch wird damit getränkt. Vorsicht – bei akuten Entzündungen sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen!

5. Packungen

Brust- oder Wadenwickel sind die bekanntesten Packungen, die eine heilungsfördernde Wirkung haben. Die Kompressen werden mit einem trockenen Tuch abgedeckt. Der Behandelte sollte auch nach der Anwendung von Packungen noch 2 Stunden ruhig liegen.

6. Abwaschungen

Abwaschungen werden mit einer Mischung aus ätherischen Ölen, Seife und Wasser durchgeführt. Mit einem getränkten Tuch wird der Körper mit einer angenehmen Wassertemperatur von den Füßen zum Herzen abgerieben. Waschungen kräftigen den Organismus und fördern die Abhärtung.

Aromatherapie kann Sie im Alltag stärken und Ihnen so helfen in vielen Situationen in der richtigen Stimmung zu sein. Darüberhinaus können länger anhaltende Stimmungsschwankungen und Befindlichkeitsstörungen mit Hilfe der Aromatherapie günstig beeinflußt werden.