Schuppen

Kopfschuppen gelten als das am weitesten verbreitete Haarproblem. Etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland leiden darunter, klagen über Juckreiz und die kosmetische Beeinträchtigung. Schuppen, auch Squamae genannt, sind kleie- oder plättchenförmige Hornzellen, die sich leicht lösen lassen. In den meisten Fällen sind sie lediglich ein Schönheitsproblem. Es können sich jedoch auch andere Störungen dahinter verbergen, die möglicherweise ärztlich behandelt werden müssen (z. B. Schuppenflechte).

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kann davon ausgegangen werden, dass es sich bei “herkömmlichen” Schuppen um eine besonders milde Form eines seborrhoischen Ekzems handelt. Bei der Seborrhoe (sebum, lat. für Talg, rhoe griech. für fließen), also Talgfluss oder auch Schmerfluss, handelt es sich um eine Störung der Talgdrüsenfunktion. Daher begegnet man dieser an sich harmlosen Erkrankungen an Hautstellen mit besonders viel Talgdrüsen wie z. B. dem Gesicht oder dem behaarten Kopf. Mehr als 10 % aller Männer und Frauen leiden an dieser meist anlagebedingten gesteigerten Absonderung der Talgdrüsen.

Schuppen: Ursachen/Risikofaktoren

Unterschiedliche Störungen des Gesamtorganismus führen zu Schuppenbildung. Neben genetischen Ursachen, kann es sich auch um Folgen von psychischem Stress und Nährstoffmangel handeln. In vielen Fällen ist die Kopfhaut durch ungeeignete Pflegemittel ausgelaugt und ausgetrocknet. Dadurch kann der natürliche Schutz der Haut derart zerstört sein, dass sie gegen Bakterien und Hautpilze keine Abwehr mehr bietet.
Die Haut unterliegt einem Prozess ständiger Erneuerung. Ihre oberste Schicht (Epidermis) erneuert sich durchschnittlich alle 28 Tage. Innerhalb dieser Zeit gelangen die neu gebildeten Hautzellen in die Hornschicht und schilfern dort ab. Normalerweise sind diese Hautpartikel so klein, dass man sie nicht bemerkt. Beim Symptom “Kopfschuppen” ist die Zellteilung in der Oberhaut des Kopfes um etwa das Doppelte gesteigert. Die Verhornung der Zellen erfolgt nur unvollständig und sie werden in großen Zellverbänden, den Schuppen, abgestoßen.

Erst in den letzten Jahren wurde ein Zusammenhang zwischen der Hauterkrankung “Seborrhoisches Ekzem” und dem eigentlich harmlosen Hefepilz Malassezia furfur – ehemals Pityrosporum ovale – festgestellt. Dieser Sprosspilz gedeiht besonders gut in Hautregionen, in denen Talg produziert wird. Substanzen aus diesen Mikroben zersetzen Komponenten des überschüssig produzierten Hauttalgs. Dadurch entstehen freie Fettsäuren, welche die Haut reizen. Der hervorgerufene Juckreiz und das anschließende Kratzen begünstigt die weitere Besiedlung der Haut mit den schädigenden Mikroben. Dies wiederum verstärkt die Zersetzung des Talges usw.
Neben der vermehrten Produktion spielt auch die Zusammensetzung des Talges eine wichtige Rolle. Ein höherer Anteil an bestimmten Fettsäuren ist dafür verantwortlich, dass sich der pH-Wert Info der Hautoberfläche verändert und deren Schutzmantel zerstört wird. Dadurch wiederum werden optimale Lebensbedingungen für den Hefepilz geschaffen.

Malassezia furfur ist ebenfalls dafür verantwortlich, dass der Erneuerungszyklus der Hautzellen krankhaft gesteigert ist. Als Folge der Infektion kommt es zu einer beschleunigten Nachbildung und ungenügenden Verhornung der Zellen und diese führt zu sichtbaren Schuppen.

Krankheitsbild/Auswirkungen

Je mehr verhornte Zellen sich ansammeln, um so größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich zu Schuppen zusammenballen. Die Kopfhaut wird insgesamt dadurch empfindlicher, Pilze und Bakterien finden eine idealen Nährboden und verursachen Juckreiz und Entzündungen. Die Störung des Gleichgewichts der Kopfhaut kann zu zwei unterschiedlichen Arten von Schuppen führen:

  1. trockene Kopfschuppen, Seborrhoea sicca
    kleine, farblose Plättchen im ganzen Haar verteilt, die bei jeder
    Kopfbewegung herabrieseln
  2. fettige Kopfschuppen, Seborrhoea oleosa
    relativ große, gelbe Plättchen, die einen öligen Film hinterlassen
    wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt

Klassische Leitsymptome des Seborrhoischen Ekzems sind:

  • Rötung (Erythem)
  • Juckreiz (Pruritus) und
  • Schuppung

bestimmter talgdrüsenreicher Hautareale, bevorzugt an der Kopfhaut. Die Schuppung ist unterschiedlich ausgeprägt, zeigt ein gelblich-fettig-talgiges Aussehen und kann mitunter nässen. Neben der Kopfhaut begegnen einem diese Stellen auch im Gesicht, am Hals, im Nacken, auf der Brust und auf dem Rücken.

Neben den störenden “optischen” Anzeichen, ruft ein starker Schuppenbefall auch häufig psychische Beeinträchtigungen hervor. Der Betroffene entwickelt nicht selten Schamgefühl und Unsicherheit – spätestens dann sind Schuppen kein “rein kosmetisches Problem” mehr.

Therapie

Ziel der Therapie ist es, die Ursache für die Schuppenbildung zu beseitigen, den eventuell auftretenden Juckreiz zu stillen und das gestörte Kopfhautmillieu wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Im Handel gibt es hierfür eine große Anzahl unterschiedlicher Präparate. Beispielsweise sind in Apotheken spezielle Schuppenshampoos oder -lösungen erhältlich, die teilweise pilztötende Inhaltsstoffe haben. Beispiele dieser Wirkstoffe sind Ketoconazol, Naftifin oder Clotrimazol. Weitere Inhaltsstoffe wie Aloe Vera regenerieren die Kopfhaut. Diese Produkte werden zu Beginn 2 bis 3mal in der Woche benutzt, später reduziert sich die Anwendung auf einmal wöchentlich. Sind die Schuppen erfolgreich verschwunden, kann man erst einmal eine Pause einlegen. Kehren die Schuppen wieder, sollten Sie die Behandlung wieder aufnehmen.

Bei einer ganz leichten Form von Schuppen kann man es auch mit einer Joghurtpackung versuchen und einer anschließenden Haarspülung aus einem Thymian- oder Salbeiaufguss, vermischt mit 2 EL Essig.

Um die angegriffene Kopfhaut nicht noch mehr zu belasten ist es besser, Sprays, Haargel, zu heißes Fönen oder andere Stylingprodukte nur sparsam und nicht zu häufig anzuwenden.

Eine eiweißreiche Kost mit viel frischem Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukten stabilisiert den Nährstoff- und Mineralhaushalt. In Einzelfällen müssen bestimmte Nahrungsmittel weggelassen werden, die den Zustand der Haut allgemein verschlechtern (Zucker, Alkohol, fettreiche Speisen).

Bei einer stärkeren Ausprägung des Seborrhoischen Ekzems wird versucht, die überschüssige Verhornung zum Stillstand zu bringen und die Talgproduktion zu hemmen. Dazu benutzt man Stoffe, die Teer, Schwefel oder Salicylsäure enthalten. Diese werden in Form von Shampoos oder Lösungen angeboten. Kortisonpräperate sollten nur bei ausgedehnten und hartnäckigen Entzündungen und auch dann nur kurzfristig angewendet werden.

Vorsorge

Eine ausgewogene, fettarme Ernährung, viel Trinken und eine milde Haarpflege wirken beruhigend auf die Schuppenbildung.

Häufige Fragen

Können Haarspray und Gel Schuppen verursachen?
Ja, wenn die Haut empfindlich ist und zu Schuppen neigt, können Stylingprodukte Schuppen verursachen.

Kann man sich dennoch täglich die Haare waschen?
Ja. Allerdings sollte man entsprechend milde Schampoos benutzen, die die Kopfhaut nicht austrocknen und die Haare, wenn dies überhaupt notwendig ist, nicht zu heiss föhnen.

Kategorie: Krankheiten
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