Windpocken

Windpocken – auch Varizellen genannt – sind weltweit verbreitet und gehören zu den häufigsten Infektionskrankheiten im Kindesalter: Über 90 % der Erwachsenen haben als Kinder die Windpocken durchgemacht. Windpocken verlaufen meist harmlos, sind jedoch für Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem und Neugeborene eine ernstzunehmende Gefahr. Außerdem riskiert jeder einmal an Windpocken Erkrankte, im späteren Leben an einer Gürtelrose zu erkranken.

Windpocken: Übertragung/Risikofaktoren

Der Erreger der Windpocken ist das Varizella-Zoster-Virus, das zu der Familie der Herpes-Viren gehört. Die Windpocken werden durch Tröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen, z.B. beim Husten oder Niesen. Selbst in einem Abstand von 10 Metern von einem Kranken kann man sich noch anstecken. Eine Ansteckung bei Kindern zu verhindern, ist folglich fast unmöglich.

Krankheitsbild

Die Windpocken-Erkrankung beginnt mit leichtem Krankheits- gefühl und Fieber. Ein typisches Krankheitszeichen ist ein unangenehm juckender Hautausschlag, der etwa 11 bis 22 Tage nach der Ansteckung auftritt und sich von Kopf und Rumpf ausgehend ausbreitet. Die hellroten Knötchen entwickeln sich innerhalb von wenigen Stunden zu etwa linsengroßen, flüssigkeitsgefüllten Bläschen. Sie können auch an der Kopfhaut oder an den Schleimhäuten (Mund, Nase, Genitalien) auftreten. Nach einigen Tagen platzen die Bläschen, trocknen aus und heilen schließlich unter Krustenbildung ab . Kinder haben durchschnittlich 250 (zwischen 50 und mehreren hundert) verschiedenartiger Ausschläge (Flecken, Knötchen, Bläschen, Krusten) gleichzeitig auf ihrer Haut.

Auswirkungen

Aufgrund der hohen Ansteckungsgefahr treten Windpocken am häufigsten im Kindesalter zwischen 4 und 8 Jahren auf. Befallen sie ältere Kinder oder Erwachsene, können sie ausgeprägter und komplikationsreicher verlaufen.Mögliche seltene Folgen sind eine Gehirn-, Mittelohr-, Lungen- oder Leberentzündung. Besonders gefährdet sind Menschen mit einem geschwächten Abwehrsystem, wie z.B. chronisch Kranke, Leukämie- oder AIDS-Patienten. Windpocken-Infektionen während der ersten 5 Monate einer Schwangerschaft können zu schweren Fehlbildungen des Kindes führen. Bei einer Erkrankung der Mutter um den Geburtstermin kommt das Baby ohne schützende Antikörper zur Welt und läuft Gefahr, lebensbedrohlich an Windpocken zu erkranken oder gar daran zu versterben. Nach einer Erstinfektion verbleiben die Erreger in den Nervenzellen nahe dem Rückenmark (in den Spinalganglien) stumm, aber lebensfähig (latent) und können nach Jahren bis Jahrzehnten wieder reaktiviert werden. Durch eine Reaktivierung des Varizella-Zoster-Virus kann beim Erwachsenen eine andere Erkrankung die Gürtelrose ( Zoster) – hervorgerufen werden.

Erkennung/Untersuchungen

Eine Diagnose ist aufgrund des typischen Hautausschlags relativ eindeutig zu stellen. Andere „Kinderkrankheiten” wie Masern, Scharlach und Röteln verursachen zwar auch rote Hautflecken, jedoch keine Bläschen. Im Zweifelsfall ist ein Nachweis spezifischer Antikörper im Blut des Patienten möglich.

Therapie

Die Therapie von normalen Windpocken bei einem gesunden Kind ist in der Regel ebenso unproblematisch wie die Erkrankung. Meist sind einige Tage Bettruhe und etwas juckreizstillende Puder ausreichend. Durch Aufkratzen der juckenden Bläschen kann es zu eitrigen Entzündungen und/oder Narbenbildung kommen, weshalb empfohlen wird Kindern die Fingernägel kurz zu schneiden. Häufiges Händewaschen verhindert die Infektionsgefahr zusätzlich. Erkrankte Kinder sind bis zu 3 Wochen ansteckend und können daher weder Kindergarten noch Schule besuchen. Berufstätige oder alleinerziehende Eltern kann dies vor große finanzielle Probleme stellen.

Bei Schwangeren und Menschen mit einer Immunschwäche kann im Fall einer Exposition die Verabreichung von Antikörpern den Ausbruch der Krankheit unterdrücken oder zumindest abschwächen. Eine absolute Sicherheit bietet aber diese passive Immunisierung nicht.

Impfschutz

Der einzige zuverlässige Schutz vor einer Infektion bietet die Impfung. Mit der Impfung werden dem Körper abgeschwächte, nicht ansteckungsfähige Varizella-Zoster-Viren zugeführt. Der Körper produziert nun gezielt Abwehrstoffe und wird auf diese Weise immun. Geimpft werden können gesunde Kinder ab 12 Monaten. Menschen, für die eine Windpocken-Infektion ein besonderes Gesundheitsrisiko darstellt, und deren Kontaktpersonen können ebenfalls geimpft werden. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt folgenden Risikopatienten unbedingt eine Schutzimpfung: Kinder mit schwerer Neurodermitis, Leukämie, bösartigen Tumoren oder geschwächter Immunabwehr, Geschwistern und Eltern dieser Kinder, sowie Frauen mit Kinderwunsch.

Häufige Fragen

Woher stammt der Name Windpocken?
Die hohe Ansteckungsgefahr und die schnelle Verbreitung – buchstäblich „mit dem Wind” – gaben den Windpocken ihren Namen. So gilt z.B. ein kurzzeitiger Aufenthalt in einem Zimmer mit einem Infizierten als sicherer Weg sich anzustecken.

Gibt es Fälle von Windpocken trotz Impfung?
Bei gesunden Kindern bis zum 13. Geburtstag ist der Impfschutz vor einer Windpocken-Erkrankung fast 100%ig. Bei Erwachsenen beträgt der Impfschutz etwa 90 %. Bei Risikopersonen mit höherem Lebensalter oder abgeschwächtem Immunsystem liegt die Schutzrate nach Impfung bei 80%. Wenn es jedoch nach einer Impfung im Ausnahmefall zu einer Erkrankung kommen sollte, verläuft diese milder mit nur wenig Bläschen.

Wichtige Adressen

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Telefon: 01888 754-0
Telefax: 01888 754-2328
E-Mail: zentrale@rki.de

Kategorie: Krankheiten
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