Grauer Star

Der Graue Star ist weltweit die häufigste Ursache für eine Erblindung. Während in den Entwicklungsländern etwa 17 Millionen Menschen eine Erblindung durch Katarakt droht, sind in den zivilisierten westlichen Staaten nur wenige betroffen. Allein in Deutschland werden jährlich über 400.000 Betroffene (rechtzeitig) operiert. Dann wird die alte eingetrübte Linse in einer Routineoperation durch eine neue künstliche ersetzt. Einige Wochen nach dem Eingriff sieht der Patient – eventuell unterstützt durch eine Brille oder Kontaktlinsen – in der Regel wieder so gut wie vor Ausbruch der Erkrankung.

Ursachen/Risikofaktoren

Die Anlage zum grauen Star wird vererbt – und zwar dominant. Das bedeutet für die Nachkommen eines Katarakt-Patienten, dass sie mit einer Wahrscheinlichkeit von 50% im Laufe ihres Lebens ebenfalls betroffen sein werden. Abgesehen von dieser genetischen Disposition kann sich der Graue Star auch durch Komplikationen während der vorgeburtlichen Entwicklung oder in Verbindung mit anderen Erkrankungen bilden.

Besonders während der ersten drei Monate der Schwangerschaft sind Viruserkrankungen der Mutter oder Röntgenbestrahlungen (radioaktive Strahlen) eine ernsthafte Gefahr für die normale Entwicklung des Kindes. Röteln, Mumps, Windpocken, Gelbsucht oder Kinderlähmung können ebenso wie das Röntgen die Ursache für eine Eintrübung der Linse bereits vor der Geburt sein.

Verschiedene Erkrankungen im späteren Leben können Katarakte begünstigen, beispielsweise sofern die Gabe von Insulin bei Patienten mit Diabetes mellitus schlecht eingestellt ist, die Schilddrüse operativ entfernt wurde, als Folge dessen versehentlich auch Nebenschilddrüsengewebe mitentfernt und dadurch Störungen des Kalziumstoffwechsels mit Krampfanfällen verursacht wurden, oder der Patient an einer Regenbogenhautentzündung, Netzhautablösung oder speziellen Netzhauterkrankungen leidet. Möglicherweise erhöhen auch bestimmte Medikamente, Rauchen und UV-Strahlen das Risiko, an einer Linsentrübung zu erkranken.

Eine meist schnelle Eintrübung der Linse innerhalb weniger Stunden ist die Folge von Verletzungen des Auges: Dringen beispielsweise nach einer Schädigung der Linse Kammerwasser oder feine Splitter in die Linse ein, kann sich ebenso wie nach einer Augapfelprellung eine plötzliche Trübung der Linse einstellen.

Krankheitsbild

Der Graue Star verursacht keine Schmerzen. Das Sehvermögen wird anfangs nicht beeinträchtigt und die Augen gewöhnen sich teilweise an die nur langsamen Veränderungen. Daher bemerkt der Betroffene die Linsentrübung meist erst im fortgeschrittenen Stadium.

Die Erkrankung tritt in verschiedenen Formen auf. Je nach den Regionen auf der Linse, die von der Trübung erfasst sind, nennt man sie Total-, Schicht-, Kern-, Pol-, Kranz- oder Speichenstar, oder ‘hintere Rindentrübung’. Das Sehvermögen ist entsprechend unterschiedlich eingeschränkt. Beim Kernstar beispielsweise tritt eine Trübung in der Mitte der Linse auf, die allerdings pulverartig ist. Nur die Fernsicht ist dadurch stark beeinträchtigt, Lesen macht den Betroffenen in der Regel keine Probleme. Bei der hinteren Rindentrübung ist es genau umgekehrt – das Sehen in der Ferne ist nicht beeinträchtigt, dafür ist die Nahsicht gestört. Allen Formen ist gemeinsam, dass die Augen (besonders nachts) lichtempfindlicher sind als gewöhnlich. Das Bild ist dann verschwommen und verzerrt.

Auswirkungen

Je nach der Ursache der Erkrankung vergehen oft Jahre bis der Graue Star zur “Reifung” kommt. Beim sogenannten Altersstar, der meist Patienten jenseits des 60. Lebensjahres ereilt, verschlechtert sich das Sehen unmerklich aber stetig. Tritt die Katarakt als Folge eines Unfalls auf, bei dem beispielsweise die Linsenkapsel reißt, kann das Sehvermögen des Auges innerhalb weniger Stunden enorm abnehmen und eine vollständige Trübung nach sich ziehen. Im schlimmsten Fall führt der Graue Star zur Erblindung. Die einzige mögliche Behandlung: Eine Operation, bei der die alte Linse entfernt und durch eine neue künstliche ersetzt wird.

Erkennung/Untersuchungen

Mit Hilfe eines sogenannten Ophthalmoskops kann der Augenarzt die Linsentrübung feststellen. Das handliche Gerät ist mit einem Spiegel, verschiedenen Linsen und einer Lichtquelle ausgerüstet. Der Arzt kann damit den Glaskörper sowie die Linse, die Netzhaut, die Einmündung des Sehnervs sowie die Venen und Arterien der Netzhaut fokussieren und einzeln untersuchen. In fortgeschrittenem Stadium ist der Graue Star allerdings schon mit bloßem Auge zu erkennen. Ein Sehtest zeigt, inwieweit das Sehvermögen des Betroffenen eingeschränkt ist. Daraufhin entscheidet der Arzt über die Therapie.

Therapie

In der Regel schlägt der Arzt dem Patienten über kurz oder lang die Operation vor. Die Optimierung der Sehschärfe mit angepassten Kontaktlinsen oder Brillen ist eine befristete Lösung, da die Linse kontinuierlich weiter eintrübt. Medikamente werden überwiegend aus psychologischen Gründen eingesetzt, aber nicht, weil sie das Sehvermögen entscheidend verbessern könnten.

Daher bleibt die Operation des Auges als letzte, aber auch wirkungsvollste Methode. Dabei wird dem Patienten, dessen Auge lokal betäubt wird, die erkrankte Linse (der Linsenkern und die Linsenrinde, aber nicht die Linsenkapsel) entnommen. Mit einer Ultraschallsonde zerkleinert der Arzt die alte Linse, ehe er sie absaugen und die verbliebene Kapsel reinigen kann. Eine Intraokularlinse, d. h. ein Linsenimplantat aus Kunststoff oder Silikon, wird dann in die Kapsel geschoben, womit der Eingriff abgeschlossen ist. Für Augenärzte ist diese ambulante, schmerzfreie Katarakt-Operation Routine und verläuft praktisch immer erfolgreich und ohne Komplikationen. Sie kann bis ins hohe Alter durchgeführt werden. Die Kosten werden von den Krankenkassen voll übernommen.

Wichtiger Hinweis

Wenn Sie eine beginnende Linsentrübung bemerken, empfiehlt sich der sofortige Gang zum Augenarzt. Dieser klärt die Ursachen ab und bespricht mit Ihnen, in Abhängigkeit von Ihren beruflichen und privaten Anforderungen, ob ein operativer Eingriff bei Ihnen notwendig und möglich ist.

Vorsorge

Gegen den sogenannten Altersstar lässt sich vorbeugend nichts unternehmen. Feten im Mutterleib sowie Diabetiker sind hingegen zum einen durch das Röntgen zum anderen durch eine ungenaue Einstellung der Insulinzufuhr gefährdet, an Katarakt zu erkranken. Dem können die Beteiligten selbst entgegenwirken: Ist die bildgebende Diagnostik für eine schwangere Frau nicht zu umgehen, sollte der behandelnde Arzt die Patientin über Alternativen zum Röntgen unterrichten. Ein Diabetiker sollte stets hohen Wert auf eine exakte Einstellung seiner Insulingabe legen.

Häufige Fragen

Das operative Austauschen der trüben alten durch neue künstliche Linsen ist die einzige Behandlungsmöglichkeit des grauen Stars. Gibt es Patienten, die sich nicht operieren lassen dürfen?
Etwa 95% aller Patienten kommen für einen solchen Eingriff in Frage. Bei einigen Vorerkrankungen der Patienten schließt sich diese Augenoperation aus – wie bei extremer Kurzsichtigkeit (der Myopie), bei starken Netzhautveränderungen, die durch die Zuckerkrankheit bedingt sind, oder etwa bei Hornhautentartungen am Auge.

Der Eingriff erfolgt meist ambulant. Was muss der Patient vor und nach der Operation beachten?
Das Auge sollte möglichtst keimfrei sein. Um dies zu gewährleisten, tropft er sich schon einige Tage vor der Operation antibiotische Tropfen ins Auge. Auch nach der Operation liegt die größte Gefahr in einer Infektion. Tropfen sowie Salben mit Antibiotika verringern in der Regel die Wahrscheinlichkeit von Komplikationen durch eine Infektion. Besonders wichtig: Auch wenn das Auge wegen der anfänglichen Reizungen juckt – reiben Sie auf keinen Fall im Auge, denn der Schnitt könnte wieder aufplatzen!

Sehe ich nach der Operation sofort wieder optimal?
Nein. Zwar kann mit einem Ultraschallgerät die notwendige Stärke für die künstliche Linse berechnet werden, doch sind meist nachträglich eine Brille oder aber Kontaktlinsen zur Korrektur der Sehschärfe fällig. Allerdings ändert sich der Brechungszustand des Auges in der ersten Zeit nach der Operation noch. Deshalb: Die endgültige Brille oder Sehhilfe möglichst erst vier bis sechs Wochen nach dem Eingriff verordnen lassen!

Wichtige Adressen

Deutschsprachige Gesellschaft für Intraokularlinsen-Implantation und
refraktive Chirurgie
Pauwelstraße
52074 Aachen
Tel.: 0241/8088-227
Fax: 0241/8888-490

Evangelischer Blinden- und Sehbehindertendienst Deutschland e.V.
Lessingstraße 5
35039 Marburg
Tel.: 06421/42222
Fax: 06421/51817

Universitäts-Augenklinik Giessen
Friedrichstraße 18
35385 Giessen
Tel.: 0641/99-43820 bzw. 99-43821
Fax 0641/99-43809
Homepage: http://www.uni-giessen.de/~gkw1/pat-inf.html

Kategorie: Krankheiten
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