Gallensteine

Fat – Female – Fertile – Forty – Fair
Die sogenannte „5 F-Regel” beschreibt den typischen Patienten mit Gallensteinen. Übersetzt beschreiben diese „5 Fs” die größte Risikogruppe für Gallensteinleiden: Das sind übergewichtige blonde Frauen im Alter von über 40 Jahren, die bereits Kinder geboren haben. Seltener leiden auch Männer und sehr selten Kinder unter Gallensteinen. Insgesamt treten steingefüllte Gallenblasen in der deutschen Bevölkerung bei jedem 10. bis 15. auf. Elegante Therapiemöglichkeiten wie die Auflösung der Steine mit Medikamenten oder Stoßwellen und minimal-invasive Operationstechniken haben dem Gallensteinleiden inzwischen seinen Schrecken genommen.

Ursachen/Risikofaktoren

Fat – Female – Fertile – Forty – Fair: übersetzt heißt das soviel wie übergewichtig, weiblich, fruchtbar, vierzig Jahre alt und blond. Diese „5 F-Regel” richtet sich nach den klinischen Erfahrungen von Ärzten und besagt, dass übergewichtige blonde Frauen im Alter von über 40, die bereits Kinder geboren haben, die größte Risikogruppe für Gallensteinleiden darstellen. Des weiteren besteht für das Auftreten von Gallensteinen eine familiäre Veranlagung. Oft hatte schon die Mutter oder Großmutter eine steingefüllte Gallenblase. Der Gallensaft wird in der Leber gebildet und in den Darm über den Gallengang abgeleitet. Im Darm wird die Galle für die Verdauung fettreicher Nahrung benötigt. Als Reservoir für Gallensaft dient die Gallenblase, die sich an der Unterseite der Leber befindet. Sie speichert den Gallensaft und gibt ihn bei Bedarf in den Zwölffingerdarm ab. Gallensteine entstehen, wenn der Gallensaft in seiner Zusammensetzung nicht im richtigen Gleichgewicht vorliegt.

Eine Veranlagung dafür besteht durch eine Schwangerschaft, die Einnahme der Antibabypille, bei der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) oder bei fettreicher Ernährung und bei Übergewicht (Adipositas). Dies alles sind Risikofaktoren für die Entwicklung von Gallensteinen, die durch ein Ungleichgewicht der Lösungsverhältnisse im Gallensaft entstehen. Im Gallensaft befindet sich z.B.: Cholesterin, das ausfallen und zu den häufigen Cholesterinsteinen führen kann. Man teilt Gallensteine ein in die häufig auftretenden Cholesterinsteine ( in ca. 80% der Fälle bestehen die Gallensteine aus einer Kombination aus Cholesterin, Pigment und Kalk) und die seltenen Pigmentsteine.

Krankheitsbild

Gallensteine werden oftmals nicht bemerkt. Mediziner nennen diesen Zustand „asymptomatisch”, also ohne Krankheitszeichen. Nur bei 25% aller Steinträger kommt es zu Symptomen:

Kolik, häufig durch fettes Essen ausgelöst – typischerweise an Festtagen wie Weihnachten – die sich durch anfallsartige sich steigernde Schmerzen im rechten Oberbauch äußern. Die Schmerzen können dabei in den Rücken oder die rechte Schulter ausstrahlen.
Allgemeinsymptome sind: Völlegefühl, Blähungen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Schweißausbrüche, u.a.

Kommt es zu einem Anstau der Gallenflüssigkeit kann evtl. Fieber, eine Gelbfärbung von Haut und Schleimhäuten (Ikterus) auftreten. Des weiteren Juckreiz, heller Stuhl und dunkler Urin.

Auswirkungen

Eine bestehende Steingalle kann zu folgenden Leiden führen:

  • Entzündung der Gallenblase, die meist durch die Verbindung Steine und bakterieller Infektion mit Darmkeimen entsteht.
  • Verlegung des Gallenganges und somit des Gallenabflusses durch kleine Steine oder Steinfragmente (Konkremente), was konsekutiv sehr schmerzhafte Koliken hervorrufen kann.
  • Stauung der Galle mit praller Füllung der Gallenblase (Gallenblasenhydrops) durch Verlegung des Gallenganges.
  • Durchbruch der Gallenblase (Perforation)
  • Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die lebensbedrohlich sein kann.

Gallensteinileus: Ein großer Stein gelangt durch die Gallenblase hindurch in den Darm und kann dort zum Darmverschluss (Ileus) führen.

Mirizzi-Syndrom: Ein Stein im Gallenblasenhals komprimiert den benachbarten Gallengang oder führt zu narbigen Verengungen. Circa 1% aller Steinblasen lassen das unter Druck stehende Gewebe entarten und führen zum Gallenblasenkarzinom.

Erkennung/Untersuchungen

Eine Steingallenblase kann, aber muss sich nicht durch Schmerzen äußern. Eine sehr etablierte Methode, um Steine in der Gallenblase festzustellen ist die Sonographie. Im Röntgenbild sind nur die verkalkten Steine zu sehen. Die meisten Steine (ca. 75%) sind aber nicht verkalkt und so im Röntgenbild nicht zu erkennen. Die Methode der Wahl ist die Sonographie (Ultraschall), mit der man Gallensteine in der Gallenblase und mit einiger Erfahrung auch im Gallengang (Ductus Choledochus) feststellen kann.

Diese kann man besonders gut durch Untersuchungen wie die ERCP (endoskopisch retrograde Cholangiographie) oder PTC (Perkutane transhepatische Cholangiopankreatikographie) entdecken. Meist wird die ERCP vor endoskopischen Gallenblasenentfernungen durchgeführt, um Steine im Gang auszuschließen.

Therapie

Sobald Beschwerden auftreten wird die Gallenblase meist komplett entfernt. Das lässt sich machen, weil die Gallenblase beim Menschen nur als Vorratsspeicher für die Gallenflüssigkeit dient und man problemlos ohne sie leben kann. Circa 25 % aller Steinträger werden irgendwann „steinkrank” und sollten sich dann einer Gallensteinentfernung unterziehen. Diese kann auf dem konservativen Weg mittels medikamentöser Steinauflösung (Litholyse) oder durch Steinzertrümmerung mit Stosswellen (ESWL= extrakorporale Stosswellenlithotripsie) durchgeführt werden, oder operativ:

Die Methode der Wahl ist hierbei die minimal-invasive Entfernung mit dem Endoskop (laparoskopische Cholezystektomie), wobei sehr gute Ergebnisse erzielt werden und nur 4 kleine Narben am Bauch zurückbleiben. Mittlerweile wird diese Methode routinemäßig an sehr vielen Krankenhäusern angewandt. Seltener – meist bei Komplikationen – greift man auf die herkömmliche Operationsmehode, die Cholezystektomie zurück, bei der die Gallenblase vom Chirurgen durch einen kleinen Schnitt unterhalb des rechten Rippenbogens „entbunden” wird.

Welche Methode geeignet ist, ob medikamentöse Therapien sinnvoll sein können, entscheidet der behandelnde Arzt. Nachteil der nicht-operativen Therapien ist u.a. die hohe Rückfallquote.

Vorsorge

Steinträger ohne Beschwerden werden nicht vorsorglich behandelt. Da oftmals erhöhte Blutfette die Ursache für Gallensteinleiden sind, ist als Vorsorge vor der Steinentstehung eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte und eine fettarme Ernährung unter Umständen vorbeugend. Günstig sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie z.B. im Olivenöl vorhanden sind und ansonsten sind beim Einkauf fettarme Produkte vorzuziehen.

Häufige Fragen

Ich habe seit Jahren Gallensteine, aber noch nie Schmerzen oder Koliken. Sollte ich die Gallenblase dennoch wegen des Krebsrisikos operieren lassen?
Nein, eine sogenannte „stumme” Gallenblase operiert man nicht. Diese Meinung ist das Ergebnis des Vergleichs des Risikos einer Operation mit dem Risiko zur Entstehung eines Gallenblasenkrebses . Operiert wird erst nach dem Auftreten von Beschwerden.

Meine Gallenblase ist vor kurzem operativ entfernt worden. Was habe ich jetzt zu beachten?
Im Grunde können Sie essen, wonach Ihnen ist. Da aber eine hohe Wahrscheinlichkeit besteht, dass Sie Cholesterinsteine hatten, sollten Sie auf Ihre Blutfette achten. Dazu gehören regelmäßige Kontrollen beim Arzt und beim Essen ist auf die Fettzufuhr zu achten. Günstig sind mehrfach ungesättigte Fettsäuren, wie sie z.B. im Olivenöl vorhanden sind und ansonsten beim Einkauf fettarme Produkte vorzuziehen.

Kategorie: Krankheiten
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