Prostatabeschwerden

Haben Männer im vorgerückten Alter Probleme beim Wasserlassen, ist das sehr oft auf eine Vergrößerung der Prostata (Vorsteherdrüse) zurückzuführen. Die von Fachleuten als gutartige (benigne) Prostatahyperplasie (kurz: BPH) oder als Prostata-Adenom bezeichnete Erkrankung ist ein typisches Problem älterer Männer: Schätzungsweise 3 Millionen Männer über 50 Jahren haben eine BPH. Etwa zwei Drittel aller Männer über 60 Jahren haben bereits mehr oder weniger stark ausgeprägte Symptome, die auf eine vergrößerte Vorsteherdrüse zurückzuführen sind. Behandlungsbedarf besteht nur dann, wenn die Prostatahyperplasie zu Schwierigkeiten beim Wasserlassen führt.
Die benigne Prostatahyperplasie ist keine Krebserkrankung. Sie muss vom Prostatakrebs, der meist mit ähnlichen Symptomen beginnt, unterschieden werden. Auch eine Entzündung der Prostata Info (Prostatitis) tritt mit ähnlichen Beschwerden in Erscheinung.

INFO Die Prostata
Die gesunde Prostata ist etwa kastaniengroß. Sie liegt unmittelbar am Blasenausgang und umschließt ringförmig den Anfangsteil der Harnröhre. Zusammen mit Hoden, Nebenhoden, Samenleitern, Samenblase und Penis ist die Prostata Teil der männlichen Geschlechtsorgane. Ihre natürliche Aufgabe ist die Produktion des Prostatasekrets. Beim Samenerguss wird es zusammen mit den Samenzellen ausgeschieden und erhält deren Beweglichkeit und Lebensfähigkeit.

 

INFO Prostataentzündung (Prostatitis)
Einer von 2000 Männern erkrankt irgendwann im Leben an einer Prostataentzündung. Sie äußert sich mit häufigem Harndrang sowie mit Schmerzen und Störungen beim Wasserlassen, aber auch mit blutigem oder eitrigem Urin und Fieber. Ursache sind Krankheitserreger (z.B. Kolibakterien, Streptokokken), die durch die Harnröhre oder auf dem Blutweg in die Prostata gelangen. Zur Behandlung stehen wirksame Antibiotika (verschreibungspflichtig) zur Verfügung. Unbehandelt kann die Prostataentzündung chronisch werden und dann zu Fruchtbarkeits- und Potenzstörungen führen. Außerdem können Fisteln und Abszesse entstehen.

Ursachen/Risikofaktoren

Eine Prostatavergrößerung entsteht möglicherweise durch altersbedingte Verschiebung des hormonellen Gleichgewichts. Der allmähliche Umbau des Prostatagewebes beginnt bei den meisten Männern zwar schon mit Mitte 20, schreitet aber sehr langsam fort. Wächst die Prostata, wird die Harnröhre verengt und der Harnfluss behindert. Mit einer Beeinträchtigung des Harnstrahls ist in aller Regel nicht vor Mitte 50 zu rechnen. Ausschlaggebend ist dabei aber nicht allein die Größe des Organs, sondern vielmehr die zunehmende Spannung des Muskelgewebes in der Prostata. Ein Teil der BPH-Symptome ist auf die Vergrößerung, ein Teil auf die erhöhte Muskelspannung in der Prostata zurückzuführen. Diese Gewebeveränderun und -zunahme führen zu mehr oder weniger starken Störungen beim Wasserlassen (Miktionsstörungen) . Die Lebensqualität des Mannes wird dann durch ständiges Harnträufeln oder zahlreiche nächtliche Toilettengänge oft erheblich eingeschränkt.

Krankheitsbild

Die Prostatahyperplasie macht sich mit folgenden Symptomen bemerkbar:

  • Verzögerter Harnstrahl
  • Schwacher, dünner Harnstrahl
  • Häufiger Harndrang, besonders nachts
  • Unvollständige Blasenentleerung bis hin zum kompletten Harnverhalt
  • Nachtröpfeln des Harns
  • Nächtliches Einnässen
  • Potenzstörungen

Verschlimmert sich die Erkrankung, können Harnwegsinfektionen hinzukommen und sich mit Blut im Urin und brennenden Schmerzen beim Wasserlassen äußern. Als Zeichen einer Nierenfunktionsstörung können Durst, Gewichtsabnahme, Erbrechen, Durchfall und Benommenheit auftreten. Diese Beschwerden stören den Nachtschlaf , führen zu Einschränkungen im Arbeitsleben, und machen oftmals eine normale Freizeitgestaltung unmöglich. Längere Autofahrten oder Orte ohne WC müssen gemieden werden.

Brennen beim Wasserlassen und starker Harndrang können auch durch eine Entzündung der Harnröhre oder der Blase (Harnwegsentzündung, Blasenentzündung) durch Bakterien- oder Virusinfektionen verursacht sein oder im Rahmen einer Geschlechtskrankheit auftreten. Das Risiko steigt bei häufig wechselndem Geschlechtsverkehr ohne Schutzmaßnahmen (Kondome). Unwillkürlicher Harnverlust ist oftmals Anzeichen einer Harninkontinenz.

Auswirkungen

Die BPH verläuft langsam und muss sich nicht zwangsläufig weiterentwickeln. In jedem Erkrankungsstadium kann ein Stillstand eintreten. Die Lebenserwartung der Patienten wird durch die Erkrankung nicht beeinflusst. Schreitet die Erkrankung aber voran, kann sich bei andauerndem Harnverhalt der Urin bis in die Nieren zurückstauen. Die Nieren werden dadurch nachhaltig geschädigt. Weitere Folgen können Blutungen, Blasensteine, Harnwegsinfekte mit Fieber, Schüttelfrost und Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen sein.

Erkennung/Untersuchungen

Die Diagnose erfolgt über die rektale (durch den After) Untersuchung der Prostata. Mit den Fingern oder mit einer Ultraschallsonde kann der Arzt die Prostata abtasten und ihre Größe und Härte beurteilen. Die Untersuchung ist schmerzfrei. Auch eine Ultraschalluntersuchung durch die Bauchdecke ist möglich, bei der neben der Prostata auch Blase und Nieren untersucht werden. Außerdem wird der Harnfluss gemessen (Uroflowmetrie). Anhand eines Fragebogens wird der Arzt Art, Stärke und Häufigkeit Ihrer Beschwerden dokumentieren. Bei der Blutuntersuchung wird u.a. der PSA-Wert gemessen (prostata-spezifisches Antigen). Damit soll ein Prostatakarzinom orientierend ausgeschlossen werden. Ein sicherer Ausschluss ist nur durch eine Gewebeprobe (Biopsie) möglich.

Therapie

Beobachtetes Abwarten

Die Beschwerden der BPH treten oft wellenförmig auf. Sind die Symptome nicht sehr stark ausgeprägt und fühlen Sie sich in Ihrer Lebensqualität nicht besonders eingeschränkt, können Sie abwarten, ob es auch ohne Behandlung zu einer Besserung kommt – allerdings unter ärztlicher Beobachtung. Vorher muss selbstverständlich ein Prostatakrebs durch entsprechende Untersuchungen ausgeschlossen worden sein.

Pflanzenextrakte

Bei leichteren Beschwerden eignen sich Pflanzenextrakte (Phytopharmaka) (apothekenpflichtig), die sogenannte Phytostereole wie z.B. Beta-Sitosterol enthalten. Sie können die Beschwerden der Prostatavergrößerung lindern und haben kaum Nebenwirkungen. Häufig eingesetzt werden Extrakte aus Brennesselwurzel, Sägepalmenfrucht, Kürbissamen, Roggenpollen oder Hypoxis rooperi-Knollen.

Weitere Medikamente

Alpha-1-Rezeptorantagonisten bzw. Alpha-Blocker (verschreibungspflichtig) wie Alfuzosin, Doxazosin, Tamsulosin und Terazosin entspannen die glatten Muskelzellen in der Prostata, am Blasenhals und in der Harnröhre. Sie nehmen damit den Druck von der Harnröhre und erleichtern das Wasserlassen. Sie eignen sich besonders für Patienten, deren Beschwerden durch hohe Muskelspannungen in der Vorsteherdrüse verursacht sind. Die Wirkung der Alpha-Blocker setzt schon nach kurzer Zeit ein.

5-Alpha-Reduktasehemmer (rezeptpflichtig): Der Wirkstoff Finasterid kann die Prostata verkleinern und die Symptome lindern. Er eignet sich besonders für die Behandlung einer großen Prostata. Es kann bis zu sechs Monaten dauern bis die Wirkung einsetzt.

Operation

Im fortgeschrittenen Stadium mit ausgeprägten Beschwerden oder wenn Komplikationen auftreten kann eine Operation erforderlich werden. Dabei wird entweder die Prostata komplett durch einen Schnitt durch die Bauchdecke entfernt (radikale Prostatektomie) oder mit einer Elektroschlinge durch die Harnröhre abgetragen (Transurethrale Prostataresektion, kurz: TURP).

Auch verschiedene Methoden, die ohne Operation eine Verkleinerung der Prostata erzielen wollen, machen in letzter Zeit verstärkt von sich reden: z.B. Laseranwendungen, Wärmebehandlungen Hyperthermie, Mikrowellenthermotherapie) und verschiedene Kältetherapien (Kryotherapie). Lassen Sie sich die Vor- und Nachteile der verschiedenen Verfahren von Ihrem Arzt genau erklären.

Vorsorge

Einer Prostatavergrößerung kann man nicht vorbeugen. Durch regelmäßige Untersuchungen und eine rechtzeitige Behandlung kann man aber Komplikationen wie Harnverhalt, Harnrückstau und Schädigungen der Nieren verhindern. Spätestens ab dem 45. Lebensjahr sollten Sie die kostenlose jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Urologen wahrnehmen.

Häufige Fragen

Was kann ich tun, um eine Vergrößerung der Prostata zu vermeiden?
Sie können nichts tun, um die Krankheit zu verhindern, da sie eine altersbedingte Erscheinung ist. Sie können allerdings dazu beitragen, dass die Prostatavergrößerung frühzeitig erkannt und behandelt wird: Gehen Sie nicht erst dann zum Arzt, wenn Sie Beschwerden haben. Nehmen Sie ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig an der jährlichen kostenlosen Vorsorgeuntersuchung teil. Der Arzt wird dabei mit einer Tastuntersuchung durch den After (mit den Fingern oder mit einer Ultraschallsonde) die Größe und Härte der Prostata beurteilen. Auf diese Weise kann auch ein Prostatakrebs im Frühstadium entdeckt werden, wenn noch gute Heilungsaussichten bestehen.

Wie kann ich selbst zu meinem Wohlbefinden beitragen?
Die Beschwerden beim Wasserlassen werden durch langes Sitzen, Alkohol, Verstopfung und Kälte verstärkt. Sie können sich durch viel Bewegung und Wärme (z. B. Sitzbäder) Erleichterung verschaffen. Reduzieren Sie Ihren Kaffee- und Alkoholgenuss und achten Sie auf eine ausgewogene, vitamin- und ballaststoffreiche Ernährung. Regelmäßiger Stuhlgang ist wichtig. Meiden Sie langes Sitzen.

Ist die Prostatavergrößerung gefährlich?
Wenn die Harnröhre durch das Prostatawachstum so weit verengt ist, dass die Blase nicht mehr vollständig entleert werden kann, kann es zu einem Harnrückstau und einer Schädigung der Nieren kommen.

Besteht ein Zusammenhang zwischen der benignen Prostatahyperplasie und dem Prostatakrebs?
Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem Prostatakrebs und der auch als “Altersprostata” bezeichneten Hyperplasie. Die Altersprostata ist kein Risikofaktor für eine Krebsentwicklung. Man unterscheidet an der Prostata zwischen den Innendrüsen und den für die Funktion wichtigen Außendrüsen. Bei der benignen Prostatahyperplasie kommt es zu einem Wachstum der inneren Drüsen. Beim Prostatakrebs handelt es sich meistens um ein ungeordnetes verstärktes Wachstum der Außendrüsen. Männer können allerdings an beiden Erkrankungen gleichzeitig leiden.

Mit welchen Auswirkungen habe ich nach einer Prostataoperation zu rechnen?
Nach einer Entfernung der Prostata über einen Schnitt durch die Bauchdecke (radikale Prostatektomie) kommt es in vielen Fällen zu Erektionsstörungen und einer (vorübergehenden) Harninkontinenz. Die sanftere Abtragung der Prostata mit einer Elektroschlinge über die Harnröhre (transurethrale Prostataresektion (kurz: TURP)) birgt ein sehr viel geringeres Risiko für unangenehme Spätfolgen als die radikale Prostatektomie. Libido und Potenz bleiben nach diesem Eingriff meistens erhalten. Es kommt aber immer zu einer Unfruchtbarkeit, da der Samen wegen des zerstörten inneren Schließmuskels nicht nach vorne, sondern nach innen in die Blase entleert wird. Eine Inkontinenz ist selten. Noch längere Zeit nach dem Eingriff besteht eine höhere Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen.

Wichtige Adressen

GIH – Gesellschaft für Inkontinenzhilfe e.V.
Geschäftsstelle
Friedrich-Ebert-Straße 124
34119 Kassel
Tel.: 0561 / 78 06 04
Fax: 0561 / 77 67 70

Kategorie: Krankheiten
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