Prostatakrebs

Krebs der Prostata (Vorsteherdrüse) gehört zu den häufigsten bosartigen Erkrankungen des höheren Mannesalters. Jenseits des 50. Lebensjahres ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes. Schätzungsweise ist jeder zweite Mann über 70 Jahren betroffen, wobei nur etwa 50 % Krankheitssymptome bekommen, während die anderen 50 % der Krebse klinisch stumm bleiben. Dies hängt damit zusammen, dass sich die Geschwulst des Prostatakrebs nur sehr langsam entwickelt und über Jahre keine Beschwerden verursacht und damit unentdeckt bleibt.

Ursachen/Risikofaktoren

Sowohl das Wachstum der Prostata als auch des Krebs werden über das männliche Sexualhormon Testosteron gesteuert. Ohne Testosteron kein Krebs – Eunuchen entwickeln daher nie ein Prostatakarzinom. Über Risikofaktoren, die eine Entartung der Prostata fördern könnten, ist wenig bekannt. Möglicherweise ist eine fettreiche Ernährung mit hohem Cholesteringehalt mit einem höheren Prostatakrebsrisiko verbunden.

INFO Eunuchen
Eunuchen sind durch Kastration zeugungsunfähig gemachte Männer. Früher wurden sie gern als Haremswächter eingesetzt oder wegen ihrer durch die Kastration bedingten hohen Stimme als Hofsänger.

Krankheitsbild

Die Erkrankung verursacht im Frühstadium keine Beschwerden. Im fortgeschrittenen Stadium äußert sie sich ähnlich wie die gutartige Prostatavergrößerung durch z. B. häufigen Harndrang, verzögerten Harnstrahl oder Potenzstörungen. Oft hat der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwulste (Metastasen) ausgestreut, vor allem in das Skelett. Rückenschmerzen sind häufig der erste Anlass, einen Arzt aufzusuchen.

Erkennung/Untersuchungen

Früherkennung durch Tastuntersuchung der Prostata mit den Fingern oder einer Ultraschallsonde durch den After. Nutzen Sie unbedingt die jährliche Vorsorgeuntersuchung beim Arzt, die Ihnen ab dem Alter von 45 Jahren kostenlos zusteht! Bei Verdacht auf Prostatakrebs muss sich eine Biopsie anschließen, das heißt aus der Prostata werden Gewebeproben entnommen und mikroskopisch auf Krebszellen untersucht. Außerdem kann der Arzt bei der Blutuntersuchung bestimmte „Tumormarker” im Blut messen, z.B. den PSA-Wert (prostata-spezifisches Antigen). Überschreitet er den Normalwert, erhärtet das den Verdacht auf ein Prostatakarzinom.

Therapie

Gute Heilungschancen bestehen, wenn die Krebsgeschwulst, der Tumor, noch klein ist und die Prostatakapsel noch nicht gesprengt hat. Die gesamte Prostata, und mit ihr der Tumor, können dann durch einen chirurgischen Eingriff entfernt werden (Prostatektomie). Ist die Krebsgeschwulst groß und hat die Grenzen der Prostata bereits überschritten, wird sich der behandelnde Arzt meistens für eine Strahlentherapie entscheiden. Ist die Krebserkrankung schon metastasiert, d. h. haben sich z. B. in den Knochen bereits Tochtergeschwulste (sogenannte Metastasen) gebildet, wird eine Hormonbehandlung angewendet, die im Körper die Wirkung der männlichen Hormone (Testosteron) unterdrückt. Damit kann das Weiterwachsen der Krebsgeschwulst oft für viele Jahre verhindert werden. Diese Therapie kommt einer chemischen Kastration Info gleich und kann heute in den meisten Fällen die chirurgische Kastration durch Entfernung der Hoden ersetzen. Als Nebenwirkung geht das sexuelle Verlangen zurück und es können in den ersten Monaten der Therapie – ähnlich wie bei der Hormonumstellung der Frau in den Wechseljahren – Hitzewallungen auftreten. Reagiert der Tumor nicht ausreichend auf die Hormontherapie, kann eine Chemotherapie angewendet werden. Die oft starken Schmerzen bei Knochenmetastasen können entweder durch eine Bestrahlung oder durch Schmerzmittel bekämpft werden.

Schmerztherapie bei Krebserkrankungen

Krebspatienten müssen heute keine Schmerzen mehr erleiden. Welche Patienten welche Schmerzmittel und in welcher Dosierung erhalten sollten, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) in einer Empfehlung (sogenanntes WHO-Stufenschema) geregelt, an der sich Ihr behandelnder Arzt orientieren kann. Wichtig ist, dass Sie sich genau an die Einnahmeempfehlungen Ihres Arztes halten. Bei Dauerschmerzen sollten starke Schmerzmittel beispielsweise nicht „nach Bedarf” genommen werden, also dann wenn die Schmerzen schlimmer werden, sondern konsequent und regelmäßig nach einem festen Zeitplan über den Tag verteilt. Neben der Einnahme von Tabletten oder der Anwendung von Zäpfchen gibt es auch die Möglichkeit, bestimmte Schmerzmittel als Pflaster auf die Haut aufzukleben.

Folgende Schmerzmittel (Analgetika) stehen zur Verfügung:

Sogenannte Nichtopioid-Analgetika:
Hierzu gehören z. B. Paracetamol (apothekenpflichtig), Metamizol (rezeptpflichtig), Indometacin (rezeptpflichtig), Ibuprofen (apothekenpflichtig), Naproxen (rezeptpflichtig). Auch apothekenpflichtige Schmerzmittel sollten über einen längeren Zeitraum nur nach Absprache mit Ihrem Arzt eingenommen werden. Zumal viele dieser Schmerzmittel die Magenschleimhaut angreifen und eine Gastritis oder Ulkuskrankheit verursachen können. Der Arzt kann Ihnen zum Schutz des Magens Säurehemmer oder -blocker verordnen.

Opioid-Analgetika: Reichen die genannten Wirkstoffe zur Schmerzkontrolle nicht mehr aus, kann der Arzt zusätzlich mittelstarke oder starke Opioid-haltige Schmerzmittel verordnen. Opioide sind Abkömmlinge des Morphins. Bei sachgerechter Einnahme der modernen Präparate müssen Sie jedoch eine Suchtentwicklung nicht befürchten. Opioid-Analgetika sind grundsätzlich rezeptpflichtig und unterliegen teilweise der Betäubungsmittelverschreibungsverordnung. Das bedeutet, dass der Arzt ein besonderes Rezeptformular ausstellen muss.

Mittelstarke Opioide: z. B. Codein, Tramadol, Tilidin (mit Naloxon), Dihydrocodein.
Starke Opioide: z. B. Fentanyl, Morphinsulfat, Buprenorphin. Diese hochwirksamen Opioid-Analgetika können als Nebenwirkungen Verstopfung (Obstipation) oder Übelkeit und Erbrechen hervorrufen. Abführende Substanzen wie Lactulose oder Natriumpicosulfat sowie brechreizstillende Mittel (Antiemetika) wie Metoclopramid helfen, diese Nebenwirkungen zu lindern.

Vorsorge

Gehen Sie nicht erst zum Arzt (Urologen), wenn Sie Beschwerden haben. Nehmen Sie ab dem 45. Lebensjahr regelmäßig an der jährlichen kostenlosen Vorsorgeuntersuchung teil.

Nach Erkenntnissen der Wissenschaftler vermindern Sojaprodukte bei entsprechender Ernährung das Risiko an Prostatakrebs zu erkranken um bis zu 30 %. Diese Wirkung wird auf die in der Sojabohne enthaltenen Stoffe mit hormonähnlicher Wirkung (Phyto-Östrogene) zurückgeführt. Sie besetzen in den Zellen die Stellen, die normalerweise von Östrogenen besetzt werden und hemmen dadurch die Wirkung der Östrogene. Im Handel befinden sich inzwischen Produkte, die Extrakte von Phyto-Östrogenen enthalten. Japaner erkranken wesentlich seltener an Prostatakrebs als westliche Männer.

Wichtige Adressen

Deutsche Krebsgesellschaft e.V.
Paul-Ehrlich-Straße 4
60596 Frankfurt
Tel.: 069 / 63 00 960
Fax: 069 / 63 91 30

Deutsche Krebshilfe
Thomas-Mann-Str. 40
53111 Bonn
Tel.: 0228 / 72 99 00
Fax: 0228 / 72 99 11

Bundesverband Deutsche Schmerzhilfe e.V.
Sietwende 20
21720 Grünendeich
Tel: 04142 / 81 04 34
Fax: 04142 / 81 04 35

Deutsche Schmerzliga e.V.
Roßmarkt 23
60311 Frankfurt
Tel.: 069 / 29 98 80 75
Fax: 069 / 29 98 80 33

Kategorie: Krankheiten
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