Läuse

Durch Läuse verursachte Krankheiten sind in Deutschland weiter verbreitet als gemeinhin angenommen wird. Circa alle 10-15 Jahre rollt eine regelhafte „Läuseplage” übers Land. Läuse können zwar nicht springen, aber sie krabbeln schnell von Kopf zu Kopf. Die Betroffenen schämen sich meist darüber als “verlaust” und somit als “verdreckt” zu gelten. Dieses Vorurteil ist allerdings zurückzuweisen, denn das Auftreten einer Läuse-Infektion ist nicht auf mangelnde Körperpflege zurückzuführen. Im medizinischen Fachjargon werden Lauserkrankungen allgemein als “Pedikulose” bezeichnet.

Ursachen/Risikofaktoren

Die Krankheiten, welche durch Läuse ausgelöst werden, gelten als parasitäre Erkrankungen. Die Läuse sind allesamt flügellose Insekten, d.h. sie können weder springen noch fliegen, dafür aber sehr schnell laufen. Damit ist klar, dass sie entweder durch direkten Körperkontakt oder über kurze “Umwege” von Mensch zu Mensch übertragen werden können.

Das Jucken wird dadurch hervorgerufen, dass sich die Läuse alle 2-3 Stunden mit Blut vollsaugen. Damit das Blut beim Saugen nicht gerinnt, geben sie in die Stichwunden Speichel ab. Der Speichel der Läuse wiederum erzeugt den Juckreiz und dieser führt zum Kratzen.

Benannt sind die Lausarten nach den Orten, an denen die befruchteten Weibchen ihre Eier, die sogenannten “Nissen”, ankleben:

  • die Kopfläuse befallen den behaarten Kopfbereich, dabei bevorzugt das Haar hinter den Ohren
  • die Kleiderläuse leben in Kleidungsstücken und können somit fast alle Hautpartien befallen
  • die Filzläuse befallen die Scham-, Achsel- und Brusthaare und manchmal sogar die Wimpern

Die Übertragungsarten sind dennoch etwas unterschiedlich:

  • Kopfläuse durch Kontakt mit infizierten Kopfhaaren über gemeinsam benützte Kämme, Mützen, Hüte oder Schals.
  • Kleiderläuse durch ausgeliehene Kleidungsstücke
  • Filzläuse werden beim Geschlechtsverkehr, gelegentlich auch durch Kleidung und Bettwäsche übertragen

Krankheitsbild

Als ersten Hinweis verspüren alle Patienten einen starken Juckreiz. Die Krankheitserscheinungen treten dabei in den Bereichen der “Spezialisierung” der jeweiligen Läuse auf:

Kopfläuse verursachen einen Juckreiz am Kopf und Hauterscheinungen an der Haargrenze hinter den Ohren und im Nacken
bei Kleiderläusen kommen Schwellungen, Rötungen und Hauteiterungen am Rumpf und an den Gliedmaßen vor. Manchmal finden sich rote pickelartige Erscheinungen.
die Filzläuse rufen durch ihre Bisse kleine, blaue Flecken hervor

Auswirkungen

Der starke Juckreiz verleitet die Betroffenen natürlich zum Kratzen, wobei sich dadurch diese aufgekratzten Stellen recht schnell mit Bakterien infizieren können. Solche entzündeten Läusebisse bedürfen dann einer langwierigeren Therapie, heilen aber in der Regel vollständig ab.

Häufig sind mehrere Familienmitglieder, Partner und auch enge Freunde gleichzeitig betroffen, was dann von allen Betroffenen eine sehr konsequente Therapie benötigt.

Erkennung/Untersuchungen

Alarmiert und beunruhigt durch den starken Juckreiz finden die meisten Patienten den Weg zu ihrem Arzt. Oft kann aber auch der Patient durch eigene Beobachtung und Untersuchung die nur 2mm großen Läuse selber entdecken. Aber auch dabei unterscheiden sich die Läusearten:

Bei den Kopfläusen können weißliche schuppenähnliche Gebilde, die fest an den Haaren heften, bemerkt werden. Im Gegensatz zu Hautschuppen lassen sich diese nicht von den Haaren abstreifen.

Filzläuse sind als gelbgraue Punkte auf der Haut sichtbar und ihre winzigen, punktförmigen Eier befinden sich auf den Schamhaaren. Meist kann man die sich bewegenden Läuse auch direkt entdecken.

Die Kleiderläuse und deren weißliche Eier sind meist in den Nähten der Kleidung zu finden.

Therapie

Bei der Therapie ist es wichtig, dass neben der Behandlung der Hauterscheinungen, die Läuse direkt abgetötet werden auf den Haaren und in der Kleidung.
Zur direkten Vernichtung der Kopf- und Filzläuse werden zwei verschiedene Wirksubstanzen als Gel oder Emulsion verwendet:

  • Lindan für Erwachsene und Kinder
  • Pyrethrum wird bei Säuglingen und Schwangeren eingesetzt.

Dabei werden die Substanzen stundenweise aufgetragen und anschließend wieder ausgewaschen. Diese Behandlung wird je nach Anordnung des Arztes nach einigen Tagen wiederholt.

Diese Prozedur ist bei Kleiderläusen nicht durchzuführen. Stattdessen sollte eine konsequente Desinfizierung der Kleidungsgegenstände erfolgen. Gleichzeitig sollte man bei Kopfläusen Haarbürsten, Kämme und Haarschmuck in mindestens 60° warmes Wasser legen. Bei allen Lausinfektionen ist dann noch notwendig Unterwäsche, Bettwäsche und Handtücher einer 60°-Wäsche zu unterziehen oder auszukochen. Weitere eventuell infizierte Gegenstände kann man regelrecht “aushungern”, indem man sie in einem Plastiksack verschließt und diesen mindestens zwei Wochen lang so warm wie möglich aufbewahrt.

Vorsorge

Einen generellen Schutz gerade für Kinder gibt es natürlich nicht, denn in Kindergärten und Schulen ergeben sich durch gemeinsames Spielen sehr viel Körperkontakte und prinzipiell wäre es unsinnig das gegenseitige Verleihen von Kleidungsgegenständen zu untersagen.

Gemäß § 45 Abs.1 Bundes-Seuchenschutz-Gesetz (BSeuchG) dürfen Lehrer, zur Vorbereitung auf den Beruf des Lehrers in Schulen tätige Personen, Schüler, Schulbedienstete und in Schulgebäuden wohnende Personen, die verlaust sind, die dem Unterricht dienenden Räume nicht betreten, Einrichtungen der Schule nicht nutzen und an Veranstaltungen der Schule nicht teilnehmen, bis nach dem Urteil des behandelnden Arztes oder des Gesundheitsamtes eine Weiterverbreitung der Verlausung durch sie nicht mehr zu befürchten ist. Achtung: Diesen § mit dem neuen Infektionsschutzgesetz vergleichen, das zur Zeit im Bundestag zur Verabschiedung vorliegt. Ich habe bisher leider kein Exemplar.

Bei bekannter Läuseinfektion sollte man den Körperkontakt mit diesen Personen meiden, sowie keine Kämme und Haarbürsten gemeinsam benutzen oder sich Mützen, Schals oder Handtücher ausleihen.

Aktuelles

Einige frei verkäufliche Mittel gegen Kopfläuse enthalten nach Darstellung des «Öko-Test»-Magazins Spritzgifte, wie sie in der Landwirtschaft gegen Schädlinge eingesetzt werden. Solche Wirkstoffe – beispielsweise natürliches Pyrethrum aus Chrysanthemen oder künstliche Pyrethroide – könnten Übelkeit, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel auslösen, heißt es im „Öko-Test-Sonderheft Kleinkinder”.

Von sechs untersuchten Mitteln gegen Kopfläuse sei keines ohne Einschränkungen empfehlenswert. Am besten schneiden drei Mittel ab, die eine Substanz aus dem tropischen Neem-Strauch Kokos- oder Sojaöl enthalten. Nervenschädigungen könne ein Mittel verursachen, das als Spray verkauft wird. Nach Ansicht des Arzneimittelexperten Prof. Gerd Glaeske solle das Produkt, das am stärksten über die Lunge in den Körper aufgenommen werde, wegen seiner Nebenwirkungen vom Markt genommen werden, schreibt «Öko-Test». Kopfläuse nisten sich leicht ein, wenn Köpfe zusammengesteckt werden, beispielsweise beim Spielen und Toben. Die Insekten krallen sich vor allem im Nacken, an Ohren und Schläfen in den Haaren fest und heften ihre Eier dicht an die Kopfhaut. Von dort lassen sie sich mit einer einfachen Haarwäsche nicht entfernen.

Wichtige Adressen

Die Adresse ihres zuständigen Gesundheitsamtes bekommen sie beim
Bundesministerium für Gesundheit
Am Propsthof 78a
53121 Bonn
Tel.: 0228 / 941-0
Fax: 0228 / 941-4900

Dienstsitz Berlin:
Mohrenstraße 62
10117 Berlin
Telefon: 030 / 20640-0
Telefax: 030 / 20640-4974

Empfehlenswerte Links

www.deam.de/krank/00385.htm

www.dermis.net

Kategorie: Krankheiten
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