Sonnenallergie

Sonnenallergie wird besser Lichturtikaria oder polymorphe Lichtdermatose genannt. Es handelt sich nämlich nicht um ein “echte” Allergie. Bei einer echten allergischen Reaktion bildet der Körper gegen einen bestimmten Stoff, der von außen auf ihn einwirkt oder aufgenommen wird (Pollen, Staub, Medikamente, Nahrungsmittel), ganz spezielle “Abwehrmittel”, sog. Antikörper. Diese werden bei Allergikern in einer übernormal großen Menge produziert. Die gebildeten Antikörper sollen helfen, die körperfremden Stoffe zu beseitigen. Durch diese Abwehrreaktion im Körper werden die allergischen Beschwerden ausgelöst. Das ist bei einer Sonnenallergie nicht der Fall. Hier entstehen allein durch die Wirkung der Sonnenstrahlen Stoffe, die bei entsprechender Empfänglichkeit des Menschen allergieähnliche Hautveränderungen hervorrufen. Schätzungen zufolge leidet jeder Fünfte in Deutschland unter einer sog. Sonnenallergie.

Sonnenallergie: Ursachen/Risikofaktoren

Man vermutet, dass bei ca. 80% der Patienten langwellige UV-A-Strahlen für die allergischen Krankheitserscheinungen verantwortlich sind. Diese sind an der Bildung von zellschädigenden chemischen Verbindungen, sog. freien Radikalen Info im Gewebe beteiligt. Die freien Sauerstoffradikale sollen eine wesentliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung spielen. Ursache für die Hautveränderungen ist wahrscheinlich die Freisetzung von Botenstoffen wie Histamin. Diese rufen allergieähnliche Erscheinungen wie Hautrötung und Juckreiz hervor.

Krankheitsbild

Bei einer Sonnenallergie treten Stunden bis Tage nach intensiver Sonneneinwirkung typische Hautveränderungen auf. Meist klagen die Patienten über starken Juckreiz. Daneben entstehen Hautausschläge mit Bläschen, Knötchen, Rötungen oder Quaddeln. Die Erkrankung hat ihren Namen “Polymorphe Lichtdermatose” den vielfältigen Hautveränderungen zu verdanken. So können diese bei einem Patienten in sehr vielfältiger Form auftreten, aber dazu auch noch von Patient zu Patient sehr stark variieren. Die Hautveränderungen treten nur an den Körperstellen auf, die dem Sonnenlicht ausgesetzt wurden. Das sind meist Dekolleté, Oberarme und Schultern.

Von der klassischen Sonnenallergie kann man noch die sog. Mallorca-Akne unterscheiden. Als solche bezeichnet man Hautveränderungen, die durch Inhaltsstoffe (Emulgatoren oder bestimmte Fette) von Kosmetika, Sonnencremes oder Parfums hervorgerufen werden. Diese Stoffe können z.B. nach einem langen Sonnenbad bei den Betroffenen ebenfalls starken Juckreiz, rote Flecken, Knötchen und kleine Pickel entstehen lassen. Wegen der typischerweise nach starker Sonneneinstrahlung auftretenden Pickel wird diese Erkrankung als Mallorca-Akne bezeichnet, obwohl sie nichts mit einer richtigen Akne zu tun hat. Es sind ebenfalls vor allem die dem Sonnenlicht ausgesetzten Hautpartien wie Schultern, Arme und Dekolleté betroffen. Wird die Sonne gemieden, verschwinden die Pickel meist innerhalb von wenigen Tagen ohne weitere Behandlung. Den Juckreiz kann man gut mit Substanzen behandelt werden, welche die Histaminausschütttung verhindern. Will man der Mallorca-Akne vorbeugen, muss man auf fett- und emulgatorfreie Kosmetika zurückgreifen. Zudem ist auch auf fettfreie Sonnenschutzmittel zu achten. Hier eignen sich besonders Sonnengele.

Aber nicht nur äußerlich aufgetragene Stoffe können Beschwerden machen. In Kosmetika, Sonnenschutzmitteln, Medikamenten und Nahrungsmitteln können Bestandteile enthalten sein, die über die Haut oder den Darm aufgenommen und über das Blut in den gesamten Körper transportiert werden. Sie allein machen in der Regel keine Probleme. Nehmen diese Menschen jedoch ein ausgiebiges Sonnenbad, kann es durch die Kombination aus aufgenommenem Stoff und UV-Strahlen zu einer Schädigung der Hautzellen kommen. Man bezeichnet dies auch als eine phototoxische Reaktion. Stunden nach der Sonneneinstrahlung treten Beschwerden wie Brennen, Stechen, Schwellung und Rötung der Haut sowie ein starker Sonnenbrand auf. So können ätherische Öle, wie sie z. B. im Earl-Grey-Tee enthalten sind, oder künstliche Süßstoffe solche Reaktionen auslösen. Einige Medikamente erhöhen zudem die Lichtempfindlichkeit der Haut und somit das Risiko, einen Sonnenbrand zu bekommen. Daher sollte man besonders bei regelmäßiger Tabletteneinnahme den Hausarzt nach solchen möglichen Wechselwirkungen fragen.

In sehr seltenen Fällen kann es bei Menschen mit einer besonderen Veranlagung tatsächlich zu einer “echten” Photoallergie kommen. In diesen Fällen treten die Beschwerden nicht nach dem ersten Sonnenkontakt auf. Erst nach einer Sensibilisierungsphase, in der spezifische Antikörper gebildet wurden, kommt es zu Hautveränderungen mit Juckreiz, Rötung, Bläschen- und Krustenbildung.

Erkennung/Untersuchungen

Die Sonnenallergie lässt sich in den meisten Fällen anhand der Beschwerden und der vorangegangenen, ausgiebigen Sonnenbäder erkennen. Die Benutzung von Kosmetika oder die Einnahme von Medikamenten kann ein Hinweis auf eine Mallorca-Akne oder eine phototoxische Reaktion sein. Im Falle einer Photoallergie können Hauttests (Epicutantests), die der Hautarzt durchführt, bei der Erkennung helfen.

Therapie

In der Akutphase helfen Antihistaminika, den starken Juckreiz zu lindern und das Fortschreiten der Hautveränderungen zu stoppen. Antihistaminika sind Medikamente, welche die Ausschüttung von Histamin aus bestimmten Zellen verhindern. Da Histamin einer der wichtigsten Botenstoffe bei der Auslösung allergischer Beschwerden ist, kann man durch die regelmäßige Einnahme von Antihistaminika in vielen Fällen die Beschwerden lindern oder ganz verhindern. Sie können bei bekannter Sonnenallergie auch vorbeugend genommen werden. Man beginnt dann bereits 3 Tage vor Urlaubsbeginn mit der Einnahme und führt sie über die gesamte Aufenthaltsdauer fort. Zudem kann man mit langsam steigernder Bestrahlung in einem Solarium oder unter der heimischen Sonne die Haut allmählich an das Sonnenlicht gewöhnen. Damit sollte man jedoch mindestens 6 Wochen vor Reiseantritt beginnen. Die gleichzeitige Einnahme von Vitaminen wie B6, B12 und ß-Karotin sowie von Kalzium bringt bei manchen Patienten ebenfalls eine Besserung. Der genaue Wirkmechanismus ist hier jedoch nicht bekannt. Kortisonhaltige Salben lindern zwar schnell Juckreiz und Entzündung, verhindern aber nicht den Wiedereintritt der Erscheinungen unmittelbar nach Behandlungsende.

INFO Antihistaminika
sind Medikamente, die die Wirkung von Histamin neutralisieren. Da bei allergischen Reaktionen vermehrt Histamin ausgeschüttet wird, verhindern Antihistaminika die überschießende Entzündungsreaktion, die im Rahmen von Allergien abläuft.

Vorsorge

Die Sonne zu meiden ist die effektivste, aber nicht immer die einfachste Lösung. Auch wenn man versucht, der Sonne so weit möglich aus dem Weg zu gehen, reicht das häufig nicht aus. Daher ist zusätzlich die konsequente Anwendung von Sonnenschutzcremes mit einem hohen Lichtschutzfaktor (über LSF 10) dringend zu empfehlen. Hier muss man speziell auf einen UV-A- und UV-B-Schutz achten. Dafür stehen Sonnencremes mit physikalischen Lichtschutzfiltern zu Verfügung. In ihnen befinden sich kleine mineralische Teilchen, die das Sonnenlicht auf der Hautoberfläche reflektieren und es erst gar nicht bis zur Haut vordringen lassen. Die Sonnencremes, aber auch die übrigen Körperpflegeprodukte sollten emulgator- und fettfrei sein, um die mögliche Entstehung einer Mallorca-Akne zu verhindern. Hier eignen sich besonders Sonnengele. Sonnenallergiker sollten vor einem geplanten Urlaub ihre Haut durch Solarienbesuche an die Sonne allmählich gewöhnen. Auch das kann die möglichen allergischen Beschwerden reduzieren.

weitere Infos

Neuere Untersuchungen legen den Verdacht nahe, dass eine Fehlfunktion im Hautstoffwechsel die Ursache der Sonnenallergie sein könnte. Diese ist möglicherweise durch die gestörte Aufnahme von zwei Vitaminen, der Folsäure und der Nikotinsäure bedingt. Diese beiden Vitamine spielen bei der Bildung des Hautfarbstoffes Melanin eine wichtige Rolle. Melanin ist unter anderem für die Bräunung der Haut und damit auch für einen zusätzlichen Sonnenschutz verantwortlich. Daher kann versucht werden, durch die Gabe der beiden Vitamine in Tablettenform das Auftreten einer Sonnenallergie zu verhindern.

Häufige Fragen

Ich hatte schon einmal eine Sonnenallergie und möchte im Sommer ans Meer in Urlaub fahren. Was kann ich tun, um einer Sonnenallergie vorzubeugen?
Am Meer und im Gebirge ist die UV-Belastung besonders hoch. Gewöhnen Sie Ihre Haut langsam an die Sonne, steigern Sie die Dauer des Sonnenbades vorsichtig und allmählich. Verzichten Sie dabei auf Parfüms, Deodorants und Kosmetika. Achten Sie bei den Sonnenschutzmitteln auf einen hohen UVA-Filter und benutzen Sie emulgator- und fettfreie Mittel.

Wie kann ich mich sonst noch schützen?
Tragen Sie stets in der Sonne leichte Bekleidung aus Naturfasern (Baumwolle/Leinen) und meiden Sie vor allem die intensive Mittagssonne zwischen 12 und 15 Uhr.

Wichtige Adressen

Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (DAAB)
Hindenburgstraße 110
41061 Mönchengladbach
Der DAAB ist die älteste Patientenorganisation in Deutschland. Er wurde von Allergikern gegründet und ist Anlaufstelle für Allergiker, Asthmatiker und Neurodermitiskranke. Der DAAB will beim täglichen Umgang mit der Erkrankung helfen.

Beratungstelefon: 02161/10207 oder 81940
(Mo-Fr.: 9:30 bis 12:30 Uhr)
Tel.: 02161 / 183024 oder 814940, Fax.: 02161 / 208502

Deutsche Haut- und Allergiehilfe e.V.
Gotenstraße 164
53175 Bonn
Tel.: 0221 / 367910

Allergie- und Umweltkrankes Kind e.V. (AUK)
Annegret Braun
Westerholter Str. 142
45892 Gelsenkirchen

AUK ist eine Selbsthilfeorganisation für Patienten mit Allergien und umweltbedingten Krankheiten. Sie bietet Informationen, Beratungen, Seminare, Vorträge und spezielle Kurse für Allergiker und Patienten mit umweltbedingten Erkrankungen
Tel.: 0209 / 30530 oder 369306, Fax: 0209 / 30530

Kategorie: Krankheiten
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