Krätze

Die Krätze (Scabies) gehört zu einer Gruppe von übertragbaren Erkrankungen, welche durch Parasiten verursacht werden. Ihre Bezeichnung in der Medizin ist “Skabies”. Sie ist zwar eine lästige, aber dennoch heilbare Erkrankung. Besonders auffällig ist ein intensiver, nachts zunehmender Juckreiz. Die Übertragung erfolgt durch engen Körperkontakt und dies bei Erwachsenen vor allem beim Sexualkontakt, ist aber auch beim gemeinsamen Spielen vonKindern und über gemeinsam benutzte Kleidung, Bettwäsche und Handtücher möglich. Verlässliche Zahlen über die Anzahl der Erkrankten liegen nicht vor, erschwert wird dies auch aufgrund der Scham der Betroffenen und der entsprechend hohen Dunkelziffer.

Krätze: Ursachen/Risikofaktoren

Der Erreger der Skabies ist die Krätzmilbe. Die weiblichen Milben sind fast halben Zentimeter groß und man kann sie gerade noch mit dem bloßen Auge erkennen. Das Männchen ist hingegen nur halb so groß. Nach der Begattung geht das Männchen zugrunde und das begattete Weibchen gräbt kleine Gänge in die Hornschicht der Haut. Am Ende der Gänge legt sie 2-3 Eier pro Tag und stirbt selbst nach wenigen Wochen ab. Aus diesen Eiern entwickeln sich innerhalb von 3 Wochen zunächst Larven, dann sogenannte Nymphen und schließlich wiederum geschlechtsreife Milben, die dann zurück an die Hautoberfläche wandern. Bis die Infektion aber bemerkt wird vergehen einige Wochen, denn zunächst erfolgt eine Sensibilisierung des menschlichen Abwehrsystems gegen die Milben, worauf dann der stark juckende Hautausschlag entsteht. Auch könnte die zunehmende Reiselust eine Rolle bei der Krätze spielen. In manchen Hotels mit niedrigem Hygienestandard wird die Bettwäsche nicht ausreichend gereinigt, so dass es hierdurch zur Übertragung von Krätzmilben kommen kann.

Krankheitsbild

Wie der Name Krätze schon besagt, steht der quälende Juckreiz im Vordergrund für die Patienten. Auffällig ist dabei die Verstärkung des Juckreizes bei Wärme und dies vor allem durch die Bettwärme, aber auch durch das Aufhalten in sehr warm geheizten Räumen. Typisch sind auch die Orte des Juckreizes am Körper. Die häufigsten Stellen sind die Fingerzwischenräume, die Ellenbeuge, die Achselhöhle, im Bereich der Brustwarzen, der Gürtellinie und des Bauchnabels sowie bei Erwachsenen nahezu immer auch im Genitalbereich. Abgesehen von diesen ganz charakteristischen Stellen können Krätzmilben auch Nacken, Rücken, Gesicht und Kopfhaut befallen. Da die Beschwerden durch eine allergische Reaktion des körpereigenen Abwehrsystems zustande kommen, können die ersten Anzeichen mit einer Verzögerung von bis zu vier Wochen auftreten.

Auswirkungen

Da diese Erkrankung im Erwachsenenalter häufig durch sexuellen Kontakt übertragen wird, sollte bei der Feststellung einer Infektion die jeweiligen Kontaktpersonen darüber informiert werden. Die Kontaktpersonen sollten bei Vorliegen ähnlicher Symptome rasch einen Hautarzt aufsuchen. Problematisch ist, dass in der Zeit der Therapie generell jeder Körperkontakt mit anderen Menschen zu vermeiden ist. Dies bedeutet gerade für Kinder eine sehr starke Einschränkung, ist aber für den Erfolg der Therapie dennoch notwendig. Daher werden Kinder von Kindergarten und Schule ferngehalten und Erwachsene für die Zeit der Behandlung krankgeschrieben.

Insbesondere bei Kindern ist es wichtig, neben der ursächlichen Behandlung der Milben, den quälenden Juckreiz, durch eine zusätzliche weitere Therapie zu verringern. Zum einen, weil Kinder sich sehr stark kratzen und sich so möglicherweise Sekundärinfektionen durch Bakterien zuziehen, und zum anderen um es dem Patienten zu ermöglichen, sich wieder wohl in seiner Haut zu fühlen. Viele Patienten leiden nämlich wegen des Juckreizes unter Schlaflosigkeit.

Prinzipiell ist es für den Patienten wichtig zu verstehen, dass es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, wobei durch eine genaue Erklärung der Übertragungsart auch Ängste verringert werden. Schließlich ist die Krätze bei korrekter Einhaltung der Therapie in nur wenigen Tagen heilbar.

Erkennung/Untersuchungen

Wegweisend ist der vom Patienten als quälend empfundene Juckreiz an meist typischen Körperstellen. Auch der Hinweis, dass er sich vor allem unter der Bettdecke verstärkt, stellt für das Erkennen einer Krätze eine sehr wichtige Information dar. Bei der Untersuchung der juckenden Hautstellen kann man typische gangartige, längliche kleine Hauterhebungen erkennen.

Geübte Untersucher können dabei am Ende des Ganges die Milbe als dunkles Pünktchen sehen. In solcher “reinen” Form lässt sich die Krätze allerdings nicht immer betrachten. Meist kommt es durch häufiges Aufkratzen der befallenen Haut zu einem “bunten” Bild verschiedener Erscheinungen, mit roten Kratzspuren auf der Haut bis hin zu kleinen eitrigen Entzündungen. Diesen Hautausschlag bezeichnen Experten als Ekzem.

Schwierig zu diagnostizieren ist die “gepflegte” Krätze.
Darunter versteht man mit Krätzmilben infizierte Patienten mit guter Haut- und Körperpflege, die lediglich über einen starken Juckreiz klagen und kaum auffällige Hauterscheinungen haben.

Der letztliche Beweis einer Infektion mit Krätzmilben erfolgt für den Arzt unter dem Mikroskop. Dazu kratzt der Arzt mit einer scharfen Rasierklinge die Hauterhebungen solange an der Oberfläche an, bis er die als dunkle Pünktchen zu erkennenden Milben entdeckt.

Diese entnimmt er dann mit einer Nadel oder mit einem Tesafilmstreifen und legt sie unter das Mikroskop. Auf diese Weise kann er die Milben, deren Eier und eventuell auch Kotballen erkennen. Erst damit ist gesichert, dass es sich um eine Infektion mit Krätzmilben handelt. Nicht immer gelingt es diesen letzten Beweis zu führen und bei typischen Beschwerden ist dies auch nicht unbedingt notwendig. Zu erwähnen ist noch eine besonders schwere Form der Krätze, die vor allem bei Patienten mit einer Immunschwäche auftritt und Borkenkrätze (Skabies norwegica) genannt wird.
Außerdem gibt es noch die Ernte- oder Herbstkrätze, wobei die Milben auf Pflanzen leben. Sie wird, wie der Name sagt, nur im Herbst meist bei Erntearbeiten übertragen. Weitere Milbenerkrankungen der Haut können durch Übertragung von Tiermilben auf den Menschen entstehen. Tiermilben können in der Haut von Kaninchen, Hasen, Katzen, Hunden, Hühner oder Vögel leben. Die Krätze nennt man bei Tieren Räude.

Therapie

Die Krätze ist gut heilbar. Die Behandlung besteht aus zwei Schritten: zum einen sollen die auf der Haut befindlichen Milben abgetötet werden und gleichzeitig die Milben vernichtet werden, die sich möglicherweise noch in der Kleidung und in der Bettwäsche befinden. Nur so kann eine erneute Infektion verhindert werden. Zu beachten ist, dass alle engen Kontaktpersonen wie Sexualpartner und Familienmitglieder mitbehandelt werden sollten und zwar sicherheitshalber auch dann, wenn sie keine Beschwerden zeigen. Zur Vernichtung der Milben auf der Haut stehen zwei Substanzen als Emulsion (Lotion) zur äußerlichen Anwendung zur Verfügung:

  • Lindan für Erwachsene in Form einer dreitägigen Ganzkörper-
    behandlung und bei Kindern als stundenweise Behandlung.
  • Benzylbenzoat wird bei Säuglingen und Schwangeren eingesetzt.
  • Crotamiton hat eine geringere abtötende Wirkung; von Vorteil ist seine juckreizstillende Eigenschaft.

Gleichzeitig ist es notwendig, die gesamte zuletzt getragene Kleidung und Bettwäsche abzukochen. Falls dies nicht möglich ist, sollte sie nach dem Waschen getrennt von der anderen Bekleidung aufbewahrt werden. Bei der Oberbekleidung genügt das Auslüften über mindestens 4 Tage, da die Milben außerhalb der Haut nur 2-3 Tage überleben können. Da die medikamentöse Behandlung die Haut reizt und austrocknet, sollten anschließend rückfettende Bäder und Salben verwendet werden. Aus diesem Grund können die Hauterscheinungen zunächst noch weiter bestehen. Trockene Haut juckt, deshalb kann auch der Juckreiz für einige Zeit anhalten. Ein Fortbestehen der Hauterscheinungen und des Juckreizes nach der Therapie bedeutet also nicht unbedingt, dass die Behandlung versagt hat. Über die Fortführung der Therapie darf nur der Arzt entscheiden.

Bei den Produkten zur Behandlung der Krätze ist zu beachten:

  • nicht im Gesicht verwenden
  • nur auf der Haut anwenden
  • nicht mit Schleimhäuten in Berührung bringen
  • nicht länger einwirken lassen als vorgeschrieben
  • nicht häufiger auftragen als vorgeschrieben
  • während der Behandlung den Aufenthalt in sehr warmen Räumen
    und heiße Bäder vermeiden
  • keinen Sexualkontakt, solange sie die Substanz noch auf dem
    Körper aufgetragen ist

Eventuell auftretende Nebenwirkungen sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit oder Verwirrheitszustände.

Vorsorge

Eine Vorsorge im herkömmlichen Sinne gibt es nicht, allerdings sollte jeder, der mit Krätzmilben infiziert ist, verantwortlich genug sein, dieses seinem Sexualpartner und Familienmitgliedern mitzuteilen. Diese Kontaktpersonen sollten sich dann untersuchen und ebenfalls behandeln lassen.

Eine schwierige Lage besteht gerade bei Kindern, die meist Opfer von Spott und Ausgrenzung ihrer Spielkameraden werden . Daher sollten deren Ängste und Kränkungen ernst genommen werden und ihnen genau erklärt werden, dass es sich nur um zeitlich begrenzte Maßnahmen handelt.

Häufige Fragen

Wie kann ich mich vor einer Infektion durch Krätzmilben schützen?
Eine sichere Vorbeugung ist nicht möglich, denn prinzipiell kann die Krätze auf jede Person übertragen werden. Meist bemerken es die Infizierten erst nach einiger Zeit und geben bis dahin die Milbe weiter, ohne es zu wissen. Daher ist es bei Bekanntwerden einer Krätzmilbeninfektion um so wichtiger, mögliche Kontaktpersonen umgehend zu benachrichtigen. Denn nur so lässt sich der Kreislauf weiterer Ansteckungen unterbrechen.

Ab wann ist es sinnvoll, zum Arzt zu gehen ?
Sobald Sie selber den Verdacht haben, Krätze zu haben, z.B. durch ein schon länger bestehenden Juckreiz an den typischen Körperstellen. Dabei kann es vorkommen, dass Sie der behandelnde Arzt vielleicht noch weitere Male kommen lässt, um sich der Diagnose sicher zu sein, denn besonders bei einem frühen Erkrankungszeitpunkt gelingt der mikroskopische Beweis nicht immer sofort.

Reicht es aus, lediglich die Wäsche kochendheiß zu waschen?
Nein, denn damit lassen sich nicht die Milben vernichten, welche sich noch am Körper befinden. Umgekehrt führt die alleinige medikamentöse Behandlung schnell zur erneuten Ansteckung über die vielleicht noch in der Wäsche vorhandenen Milben. Die gleichzeitige konsequente Behandlung von Wäsche und Haut führt hingegen zum Erfolg.

Was muss ich machen, wenn ich aus Versehen doch etwas von der Lösung an die Lippen oder sogar in den Mund gelangt?
Sie sollten sofort den Mund mindestens 10 Minuten lang mit kaltem Wasser ausspülen, dabei das Wasser aber nicht schlucken, sondern alles wieder ausspucken. Anschließend sollten sie Kontakt zu ihrem behandelnden Arzt aufnehmen. Prinzipiell sollten Sie sich nach dem Auftragen der Emulsion die Hände sehr gründlich mit Seife waschen.

Wird man leichter erneut angesteckt, wenn man einmal bereits eine Infektion mit Krätzmilben gehabt hat?
Nein. Prinzipiell ist das Risiko für eine weitere Infektion für jede Person unabhängig davon ob sie zuvor bereits einmal an Krätze erkrankt war. Allerdings sind Personen stärker gefährdet, die ein schwächeres Abwehrsystem haben wie z. B. Patienten, die gerade eine Chemotherapie machen.

Wichtige Adressen

Die Adresse Ihres zuständigen Gesundheitsamtes bekommen sie beim Bundesministerium für Gesundheit
Am Propsthof 78a
53121 Bonn
Tel.: 0228/941-0
Fax: 0228/941-4900

Dienstsitz Berlin:
Mohrenstraße 62
10117 Berlin
Tel.: 030 / 20640-0
Fax: 030 / 20640-4974

Kategorie: Krankheiten
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