Hepatitis B

In Deutschland sind ca. 600.000 Menschen von einer Hepatitis-B-Infektion betroffen, jährlich kommen etwa 50.000 Neuerkrankungen hinzu. Gut 25% der Betroffenen sind zwischen 15 und 25 Jahren alt, über 10% sind jünger, die Altersgruppe zwischen 25 und 45 Jahren ist mit über 40% am meisten gefährdet.

Hepatitis B ist weltweit verbreitet – hohe Durchseuchungsraten existieren vor allem in Zentral- und Südafrika, in Südostasien und Südamerika. In Deutschland gilt Hepatitis B irrtümlicherweise als Krankheit einiger Risikogruppen. So sind z. B. Ärzte, Krankenschwestern, Dialyse-Patienten, Homosexuelle oder Drogensüchtige aufgrund der Übertragungswege zwar besonders gefährdet, aber die restlichen Bevölkerungsgruppen machen mit ca. 75% den Großteil der Betroffenen aus. Weitgehend unbekannt ist es auch, dass das Hepatitis-B-Virus 100mal infektiöser als HIV ist.

Übertragung/Risikofaktoren

Das Hepatitis-B-Virus (HBV) wird durch kleinste Spuren von Blut, Speichel oder anderen Körperflüssigkeiten übertragen – Eintrittspforten sind bereits winzige Verletzungen der Haut oder der Schleimhäute. So kann die Infektion etwa unter kleinen Kindern durch wildes Toben verbunden mit Kratzen und Beißen oder durch die gemeinsame Benutzung von Gegenständen des täglichen Lebens verbreitet werden.

Auch Trends wie Piercing und Tätowierungen oder verletzungsträchtige Mannschaftssportarten wie Fußball sind mögliche Ansteckungsquellen. Ein besonders wichtiger und häufiger Übertragungsweg ist der Geschlechtsverkehr. Das Hepatitis-B-Virus ist 100mal infektiöser als HIV, damit ist Hepatitis B die wichtigste sexuell übertragbare Erkrankung. Auch HBV-positive Schwangere können eine Infektion auf das Ungeborene übertragen.

Krankheitsbild

Die Krankheit kommt erst nach ca. zwei bis sechs Monaten zum Ausbruch und hat damit eine ungewöhnlich lange Inkubationszeit. Eine akute Hepatitis-B-Infektion äußert sich vorerst in einem unspezifischen Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Fieber und Appetitlosigkeit sowie gelegentlich in Gelenkbeschwerden undSchmerzen im rechten Oberbauch..Nach einigen Tagen bricht die Gelbsucht aus – eine Gelbfärbung der Haut und Schleimhäute tritt auf, begleitet von einer Dunkelfärbung des Urins und einem entfärbtem Stuhl. So eindeutige Symptome haben allerdings nur etwa 35% aller Betroffenen, bei Säuglingen und Kindern bleibt die Erkrankung wegen untypischer Anzeichen sogar in etwa 90% der Fälle völlig unerkannt. Bei einem komplikationsfreien Verlauf klingen die Beschwerden nach drei bis fünf Wochen ab.

Auswirkungen

Die Gefahr der Hepatitis B liegt in ihren Komplikationen. Im schlimmsten Fall kann bereits in der akuten Phase die Leber massiv geschädigt werden. Dieser Verlauf, der als fulminante Hepatitis bezeichnet wird, geht mit dem Ausfall aller Leberfunktionen einher und führt nicht selten zum Tode. Eine Rettung der Patienten ist oft nur durch eine sofortige Lebertransplantation möglich.

Die akute Hepatitis B kann aber auch in eine chronische Form übergehen – die Chronifizierungsrate liegt für Erwachsene bei 5 bis 10% und für Säuglinge und Kleinkinder sogar bei erschreckenden 60 bis 90%. Die Patienten sind nicht nur eine permanente Infektionsquelle, sondern sie entwickeln oft eine Leberverhärtung (Zirrhose), auch als „Schrumpfleber” bezeichnet, oder Leberkrebs. Patienten mit „Schrumpfleber” weisen häufig eine ausgeprägte Müdigkeit auf, fühlen sich schwach und ihre Leistungsfähigkeit ist oft stark eingeschränkt. Verdauungsbeschwerden und rheumaähnliche Erscheinungen können dazukommen. Im Endstadium können eine Bauchwassersucht, Blutungen aus der Speiseröhre und Beeinträchtigung der Gehirnfunktion bis zur Bewusstlosigkeit auftreten. 1500 bis 2000 Menschen sterben in Deutschland jedes Jahr an den Folgen einer Hepatitis B.

Erkennung/Untersuchungen

Zusätzlich zu den entsprechenden Krankheitsanzeichen können ca. sechs Wochen nach der Ansteckung die Hepatitis-B-Viren (sogenannte HBV-Antigene) und die entsprechend gebildeten Abwehrzellen, sogenannte Antikörper, im Blut über spezielle biochemische Tests nachgewiesen werden.

Therapie

Die Behandlungsmöglichkeiten einer Hepatitis B sind beschränkt. Für eine akute Hepatitis B gibt es keine Therapie. Zur Behandlung schwerverlaufender chronischer Hepatitis-B-Infektionen wird Interferon-Alpha über mehrere Monate eingesetzt. Der Erfolg der Interferon-Therapie ist um so besser, je früher die Behandlung einsetzt. Die Heilungschancen sind dennoch gering: Nur etwa 10% der Behandelten werden vollkommen gesund, und etwa ein Drittel bleibt Virusträger, zeigt aber (fast) keine Krankheitsanzeichen mehr.

Vorsorge

Hygienische Vorsichtsmaßnahmen und konsequente Kondombenutzung können die Übertragungsrate der Hepatitis B zwar senken, aber den sichersten Schutz bietet die aktive Impfung gegen Hepatitis B.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) des Robert Koch-Institutes in Berlin empfiehlt seit Mitte der 90er Jahre generell die Hepatitis-B-Impfung für Säuglinge (3., 5. und 15. Lebensmonat), Kleinkinder und bis dato ungeimpfte Jugendliche zwischen dem 11. und 18. Lebensjahr, um auf diesem Wege Hepatitis B in Deutschland allmählich auszurotten. Unbedingt ratsam ist die Impfung auch für medizinisches und zahnmedizinisches Personal, Patienten, die häufig Blutpräparate erhalten, Dialyse-Patienten, männliche Homosexuelle, Drogensüchtige und Prostituierte. Hierfür stehen sehr gut verträgliche Hepatitis-B-Impfstoffe zur Verfügung. Die Kosten der Hepatitis-B-Impfungen werden in den meisten Bundesländern bis zum 18. Lebensjahr von den Krankenkassen übernommen.

INFO Hepatitis-B-Impfstoffe
Der Hepatitis-B-Impfstoff wird heute aus Hülleiweissen gentechnisch veränderter Hefezellen gewonnen.

Um bei entsprechender Indikation gleichzeitig auch vor einer gefährlichen Hepatitis-A-Infektion zu schützen, ist der Einsatz eines Kombinationsimpfstoffs sinnvoll. Eine Hepatitis-B-Impfung schützt übrigens auch vor einer Hepatitis-D-Infektion. Die Hepatitis-B-Impfung und auch die Kombinationsimpfung gegen Hepatitis A und B umfasst insgesamt drei Impfungen. Die zweite Impfung erfolgt im Abstand von vier Wochen nach der ersten, die dritte dann sechs Monate später. Erst nach der dritten Impfung besteht bei über 90 % aller Geimpften ein vollständiger Schutz, der nach heutigem Wissen über Jahre anhält. Ob eine Wiederimpfung überhaupt notwendig ist, ist derzeit noch nicht klar; frühestens muß sie nach 10 Jahren durchgeführt werden. Eine Kontrolle, gerade bei Risikogruppen, sollte nach diesem Zeitraum erfolgen.

Häufige Fragen

Weshalb wird eine Hepatitis-B-Infektion chronisch?
Die genaue Ursache ist noch nicht geklärt – vermutlich spielen genetische Faktoren eine Rolle. Bekannt ist nur, dass bei Menschen mit stark geschwächtem Immunsystem wie bei AIDS-Patienten oder Personen nach Organtransplantation, eine Chronifizierung häufig ist. Auch bei Neugeborenen, die sich bereits im Mutterleib angesteckt haben, ist eine chronische Hepatitis B aufgrund des unausgereiften Abwehrsystems fast immer die Folge.

Sind drei Impfungen wirklich notwendig?
Mit einem vollständigen Schutz ist erst etwa zwei Wochen nach der dritten Impfung zu rechnen. Nach der ersten Impfung weisen etwa 50%, nach der zweiten ca. 80% der Impflinge schützende Abwehrzellen (Antikörper) auf. Insgesamt sprechen zwischen 95 und 98% der Geimpften auf die Impfung an, d. h. nur ein winziger Prozentsatz produziert keine bzw. kaum Antikörper gegen Hepatitis-B-Viren. Diesen Anteil von sogenannten Non-Respondern gibt es auch bei anderen Impfungen.

Bei welchen Auslandsreisen ist es empfehlenswert, sich gegen Hepatitis B impfen zu lassen?
Ein Hepatitis-B-Impfschutz ist vor allem bei langfristigen Aufenthalten oder häufigen Reisen in Gebiete mit erhöhtem Hepatitis-B-Vorkommen wie Afrika, Asien, Mittel- und Südamerika sowie Süd- und Osteuropa ratsam.

Weitere Impfempfehlungen, gezielt zu Ihrem Reiseland, finden Sie bei uns unter fit for travel!

Wichtige Adressen

Hepatitis Selbsthilfe e. V.
Ensingerstraße 25
89073 Ulm
Tel.: 0731/6026719
Beratungstelefon unter 0731/9213436
Mo.-Fr. 8-12 Uhr und Mo.-Do. 16-19 Uhr
Fax: 0731/9213436
Email: hepatitis@hcv-shg-bund.de
Homepage: http://www.hcv-shg-bund.de
(Unter der Webadresse der Deutschen Hepatitis Selbsthilfe e. V. finden Betroffene und Angehörige Wissenswertes zu allen Formen
der Hepatitis – mit konkreten Hilfestellungen und Anschriften von
Selbsthilfegruppen.)

Hepatitis-Hilfe Saar e. V.
Bergstraße 10
66539 Wellesweiler
Beratungstelefon unter 06821/41932, Mo.-Fr. 10-17 Uhr
Fax: 06821/41932
Email: cmarquis@handshake.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Möserstraße 56
49074 Osnabrück
Tel.: 0541/357 44 13

Kategorie: Krankheiten
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