Hepatitis C

In Deutschland gibt es annähernd 800.000 Hepatitis-C-Virusträger. Schätzungen des Robert-Koch-Instituts in Berlin zufolge stecken sich jährlich 5000 Personen in Deutschland neu an. Die Hepatitis C ist eine weltweit verbreitete Erkrankung. Es handelt sich dabei um eine Leberentzündung, die durch das Hepatitis C Virus ausgelöst wird. Allerdings wissen die meisten Erkrankten nichts von ihrer lebensbedrohlichen Erkrankung. In manchen Gebieten Afrikas und Asiens sind zum Teil mehrere Prozent der Bevölkerung mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Die chronische Hepatitis C gehört heute zu den häufigsten chronischen Lebererkrankungen.

Den Angaben der amerikanischen Seuchenbehörde (Center for Disease Control and Prevention, CDCP) zufolge sind etwa 4 Mio. Amerikaner chronisch mit dem Hepatitis-C-Virus infiziert. Nach Angaben des CDCP steht die chronische Hepatitis C bereits an neunter Stelle in der Todesursachenstatistik weltweit.

Zur Zeit sind vom Hepatitis C Virus mindestens sechs Untertypen (Genotypen) bekannt. Die Art der auftretenden Untertypen kann von Region zu Region verschieden sein. So sind in Europa und Nordamerika die Typen 1a, 1b, 2 und 3 am häufigsten anzutreffen. Dabei ist Typ 3 vor allen unter Drogenabhängigen verbreitet. Unter den intravenösen Drogenabhängigen (d.h. Drogenabhängigen, die spritzen) wird der Anteil derjenigen, die an Hepatitis C erkrankt sind, auf 80 % geschätzt.

Ursachen/Risikofaktoren

Hepatitis C Viren werden hauptsächlich über Blutkontakte übertragen. Anders als bei der Hepatitis B scheinen Infektionen über andere Körperflüssigkeiten nur selten zu erfolgen. Bis vor einigen Jahren dürften Blutübertragungen aus Blutkonserven in den Industrieländern die häufigsten Infektionsquellen der Hepatitis C gewesen sein. Heute ist das Risiko einer Übertragung durch Blutkonserven durch die regelmäßige Überprüfung minimiert. So geht man davon aus, dass lediglich noch eine von 62.000 Blutkonserven mit Hepatitis C infiziert ist. Das Risiko einer Infektion über Blutkonserven liegt damit bei etwa 1:50.000. Eine sichere Bestimmung des Ansteckungsweges ist wie bei den meisten Neuinfektionen nicht möglich.

Eine verstärkte Bedeutung hat die Übertragung unter intravenösen Drogenabhängigen, wobei mangelnde Hygiene und vor allem der wechselseitige Austausch von unsauberen Injektionsnadeln ein wesentlicher Grund sein dürften. Die Infektionswahrscheinlichkeit bei Sexualkontakten ist dagegen eher gering und wird wesentlich durch die verwendeten Sexualpraktiken bestimmt. Allerdings steigt das Risiko des Ehepartners eines an Hepatits C Erkrankten, ebenfalls an Hepatitis C zu erkranken, im Laufe der Ehejahre deutlich an. Der Anteil der beruflichen Infektionen ist eher niedrig. Jedoch gibt es zunehmend gesicherte Berichte über Hepatitis-C-Infektionen durch Nadelstichverletzungen. Auch ist eine Patientengefährdung durch Hepatitis-C-positive Ärzte beschrieben worden. Für Kinder von Hepatitis-C-positiven Müttern wird ein Übertragungsrisiko von allenfalls 10 % genannt.

Krankheitsbild

Zwischen der Ansteckung mit dem Hepatitis-C-Virus und dem Auftreten erster Krankheitszeichen können 3-12 Wochen vergehen. Der Infizierte ist in dieser Zeit symptomfrei, eine Ansteckung anderer Personen kann aber bereits erfolgen. Die akute Hepatitis-C-Infektion beginnt häufig mit Symptomen, die von einem grippalen Infekt nicht unterschieden werden können. In der Mehrzahl der Fälle verläuft die Erkrankung milde und wird in vielen Fällen vom Patienten gar nicht oder lediglich als banaler Allgemeininfekt wahrgenommen. Nur in etwa 25 % der Fälle schließt sich eine Gelbsucht Info an. Bei der akuten Hepatitis-C-Infektion sind schwere oder gar tödlich verlaufende Fälle selten, jedoch liegt das Risiko eines Übergangs in eine chronische Hepatitis-C-Erkrankung zwischen 50 und 90 %.

Der gesamte Krankheitsverlauf erstreckt sich oft über Jahre bis Jahrzehnte, ohne dass die Virusträger von ihrer Erkrankung etwas wissen. Sie fühlen sich müde und abgeschlagen, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit lässt nach, sie sind psychisch labil.
Schätzungen der CDCP (Center for Disease Control and Prevention) zufolge entwickeln 20-50 Prozent der chronisch infizierten Hepatitis-C-Patienten eine Leberzirrhose, d.h. die Leber verhärtet sich und schrumpft, wodurch ihre Funktionsfähigkeit eingeschränkt ist. Aus der Leberzirrhose entwickelt sich wiederum in 20-30 Prozent ein Leberzellkarzinom (Leberkrebs) oder ein Leberversagen, das eine Lebertransplantation erfordert. Ein Leberversagen infolge einer Hepatitis C stellt in den USA die Hauptindikation für eine Lebertransplantation dar. Unbehandelt heilt eine chronische Hepatitis C selten aus.
Neben den beschriebenen, späteren Lebererkrankungen, die auf eine Hepatits C Infektion zurückzuführen sind, leiden mehr als die Hälfte der chronisch Erkrankten zusätzlich unter der Entzündung von Gelenken (Polyarthritis), Entzündung der Nierenkörperchen (Glomerulonephritis) und Gefäßentzündung (Vaskulitis).

INFO Gelbsucht
Hepatitis-B-Viren beeinträchtigen in erster Linie die natürlichen Leberfunktionen. So wird der Abbau und die Ausscheidung des Farbstoffs aus zugrundegegangenen roten Blutkörperchen und die Produktion der für den Verdauungsvorgang wichtigen Galle stark gestört. Der rote Blutfarbstoff wird in das gelbe Bilirubin umgewandelt, das von der Leber nicht mehr weiterverarbeitet und mit der Galle ausgeschieden werden kann. Es wird nun einerseits in Haut und Schleimhäuten abgelagert, was zu einer gelben Verfärbung führt; andererseits wird es über die Niere in den Urin ausgeschieden, der sich dadurch dunkelbraun färbt. Parallel wird der Stuhl hell, weil die aus dem Abbau des Bilirubins stammenden Gallenfarbstoffe nicht mehr gebildet werden.

Auswirkungen

Schätzungen der CDCP (Center for Disease Control and Prevention) zufolge entwickeln 20-50 Prozent der chronisch infizierten Hepatitis-C-Patienten eine Leberzirrhose. Hierbei handelt es sich um eine Leberverhärtung, es wird auch von einer “Schrumpfleber” gesprochen.Hiervon entwickeln wiederum 20-30 Prozent der Erkrankten ein Leberzellkarzinom (Leberkrebs) oder ein Leberversagen. Das Leberversagen erfordert eine Lebertransplantation. In den USA stellt Leberversagen infolge einer Hepatitis C – Infektion die Hauptindikation für eine Lebertransplantation dar.

In Deutschland werden jährlich etwa 700 Lebertransplantationen durchgeführt. Dabei werden kleine Teile der Leber eines Spenders dem Erkrankten eingesetzt. Die neuen Leberzellen wachsen im Körper schnell und übernehmen die Funktion der alten Leber. Die Bedeutung der Lebertransplantation steigt. Lebererkrankungen bei Männern mittleren Alters stellen in Deutschland die dritthäufigste Todesursache dar.

Erkennung/Untersuchungen

Die Erkennung der Krankheit ist durch eine Blutuntersuchung möglich. Bei der Blutuntersuchung fällt zunächst die Erhöhung des Leberenzymspiegels (Transaminasewerte) auf. Durch spezifische Untersuchungsmethoden kann das Hepatitis C Virus und Antikörper gegen dieses Virus im Blut des Erkrankten eindeutig nachgewiesen werden. Auch der Untertyp kann bestimmt werden. Außerdem kann die Menge der vorhandenen Hepatitis C Viren im Körper eines Erkrankten erfasst werden. Schließlich wird eine Gewebeprobe von der Leber auf Hepatitis C Viren untersucht. Dadurch kann das genaue Ausmaß der Erkrankung erst festgestellt werden.

Therapie

Eine optimale Behandlungsform gibt es nicht. Mehrere klinische Studien haben gezeigt, dass der Verlauf einer Hepatitis-C-Infektion und das Ansprechen auf eine Interferon-Therapie vom Genotyp des Hepatitis C Virus abhängig ist. Interferon Alpha galt lange Zeit als das Medikament der Wahl zur Behandlung der chronischen Hepatitis C. Es handelt sich dabei um einen Hemmstoff der Virussynthese. Während der Virustyp 1 b besonders schlecht auf dieses Mittel reagiert, spricht der unter Drogenabhängigen weit verbreitete Typ 3 gut auf die Behandlung mit Interferon Alpha an. Allerdings können Drogenabhängige nur dann mit Interferon behandelt werden, wenn sie auf Drogenkonsum verzichten. Eine Beseitigung der Viren durch die alleinige Behandlung mit Interferon ist nicht möglich.
Die alleinige Interferon-Behandlung bewirkt bei etwa 50 % der Patienten eine Normalisierung des Leberenzymspiegels. Nach Absetzen der Therapie erleiden jedoch etwa 50% dieser Patienten einen Rückfall.

Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose sollten aufgrund der möglichen schweren Nebenwirkungen nicht mit Interferon behandelt werden.

Im Mai 1999 wurde ein Wirkstoff namens Ribavirin in Deutschland zugelassen. Ribavirin wird in einer Kombinationsbehandlung mit Interferon eingesetzt. Es hemmt das Wachstum von Viren. Nach ersten Erfahrungen mit dieser neuen Behandlungsmethode hat sich die Chance auf Heilung, d.h. Beseitigung der Viren, verdoppelt. Sie liegt beim Genotyp 3 bei 60 % und beim Genotyp 1 bei 40 %. Jüngere Menschen, in deren Organismus sich die Viren noch nicht so stark vermehrt haben, haben eine höhere Heilungschance, vor allen Dingen, wenn die Leber noch nicht massiv angegriffen wurde. Obwohl die Einführung der Kombinationsbehandlung mit Interferon und Ribavirin deutliche Fortschritte gebracht hat, muss sie immer noch als klinische Erprobung charakterisiert werden.

Zu den Nebenwirkungen einer Behandlung mit Ribavirin zählt die hämolytische Anämie Info, die jedoch mit einer Senkung der Dosierung wieder abklingt. Weitere Nebenwirkungen sind Hautausschläge und eine Beeinträchtigung der Atemwege. Eine Schwangerschaft ist während und bis zu sechs Monate nach Beendigung der Behandlung unbedingt zu vermeiden. Patienten mit koronaren Herzerkrankungen sollten nicht mit Ribavirin behandelt werden.

In einer neuen Studie soll nun untersucht werden, ob die Behandlungserfolge durch die zusätzliche Gabe von Amantadin verbessert werden können. Amantadin wird bisher zur Vorbeugung einer Grippe-Erkrankung bei älteren Menschen und Menschen mit einer eingeschränkten Infektabwehr eingesetzt. Es verhindert die Vermehrung der Viren nach bereits erfolgter Ansteckung.

Vorsorge

Das größte Problem bei der Vorsorge ist sicherlich, dass die meisten Erkrankten nichts von ihrer Infektion wissen. Vorsorge können daher in erster Linie die Träger von chronischen Hepatitis C Viren leisten, die von ihrer Infektion wissen. Sie können selbst dafür sorgen, dass sie den Erreger nicht auf andere übertragen. So kann die Weitergabe der Erkrankung durch mit Blut verunreinigte Gegenstände dadurch verhindert werden, dass der Infizierte Zahnbürsten, Rasierklingen, Nagelclips, Nagelscheren und Rasierapparate strikt alleine benutzt. Die sexuelle Übertragung kann durch die Verwendung von Kondomen verhindert werden. Bei Verletzungen sollte der Kontakt mit Blut von Infizierten vermieden werden.
Blutprodukte werden auf Hepatitis-C-Viren geprüft. Außerdem werden bei Blutkonserven vorbeugend eventuell vorhandene, aber unerkannt gebliebene Viren inaktiviert. Personen, die an einer Hepatitis-C-Infektion leiden, dürfen weder Blut noch Plasma spenden.
Ein Impfstoff steht bei der Hepatitis C bisher nicht zur Verfügung. Die Entwicklung eines Aktivimpfstoffs ist durch die verschiedenen Untertypen des Virus stark erschwert.

Häufige Fragen

Kann die Hepatitis C auch durch Nahrungsmittel übertragen werden, wie die Hepatitis A?
Bisher ist es nicht bekannt, dass eine Ansteckung mit Hepatitis C Viren über Nahrungsmittel möglich ist. Die einzige bekannte Ansteckung erfolgt über Blutkontakte.

Kann man sich vor einer Ansteckung durch Hepatitis C Viren auf Fernreisen schützen?
Sie sollten den Kontakt mit dem Blut anderer Menschen meiden. Tragen Sie Schutzhandschuhe, wenn Sie einem Verletzten helfen. Gegenstände, die mit dem Blut der Nutzer in Kontakt gekommen sein könnten, sollten Sie nicht benutzen. Zahnbürsten, Nagelscheren, Nagelclips, Rasierapparate u.ä. sollten Sie nicht mit Einheimischen gemeinsam benutzen. Benutzen Sie bei sexuellen Kontakten Kondome. Sicherheitshalber können Sie einige Einmalspritzen und – kanülen für den Notfall mit auf die Reise nehmen und die lokalen Ärzte bitten, Sie nur mit Ihren mitgebrachten Spritzen und Kanülen zu behandeln.

Wichtige Adressen

Hepatitis Selbsthilfe e. V.
Ensingerstraße 25
89073 Ulm
Tel.: 0731/6026719
Beratungstelefon unter 0731/9213436
Mo.-Fr. 8-12 Uhr und Mo.-Do. 16-19 Uhr
Fax: 0731/9213436
Email: hepatitis@hcv-shg-bund.de
Homepage: http://www.hcv-shg-bund.de
(Unter der Webadresse der Deutschen Hepatitis Selbsthilfe e. V. finden Betroffene und Angehörige Wissenswertes zu allen Formen
der Hepatitis – mit konkreten Hilfestellungen und Anschriften von
Selbsthilfegruppen.)

Hepatitis-Hilfe Saar e. V.
Bergstraße 10
66539 Wellesweiler
Beratungstelefon unter 06821/41932, Mo.-Fr. 10-17 Uhr
Fax: 06821/41932
Email: cmarquis@handshake.de

Deutsche Leberhilfe e. V.
Möserstraße 56
49074 Osnabrück
Tel.: 0541/357 44 13

Kategorie: Krankheiten
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