Herpes-Infektion

Meist fängt es ganz harmlos an: Ein roter Fleck am Lippenrand, ein Prickeln und Pieken – und wenige Stunden später sind die mit Flüssigkeit gefüllten, schmerzhaften Bläschen da. Einige Tage später platzen sie auf und verkrusten – und man wartet auf die Abheilung. Lippenherpes (Herpes labialis), eine Virusinfektion, kennt fast jeder, viele aus eigener leidvoller Erfahrung.

Schätzungsweise leiden 15-30% der Bevölkerung an rezidivierenden, das heißt, immer wiederkehrendem Lippenherpes. Rund 10 Millionen Bundesbürger erwischt es jährlich ein- bis zweimal. Bei manchen tritt der Lippenausschlag sogar alle paar Wochen erneut auf, meist an immer der selben Hautstelle.

Die Infektion wird durch Speicheltröpfchen von Mensch zu Mensch übertragen. Was viele nicht wissen: Viren aus der Gruppe der Herpes-Viren können auch Bläschen im Bereich der Geschlechtsorgane hervorrufen (Herpes genitalis). Die Infektion wird beim Geschlechtsverkehr übertragen und kann unter der Entbindung auf das Neugeborene übertreten.

Herpes: Ursachen/Risikofaktoren

Lippenherpes und Genitalherpes sind Viruserkrankungen, die durch Herpes-Viren ausgelöst werden. Für Lippenherpes ist vor allem das Herpes simplex-Virus Typ 1 (HSV 1), für Herpes im Genitalbereich vorwiegend das Herpes simplex-Virus Typ 2 (HSV 2) verantwortlich. Beide Virustypen können aber auch andere Körperstellen befallen.

Fast alle Menschen kommen irgendwann im Leben, meist schon im Kindesalter, mit Herpes simplex-Viren in Kontakt. Experten gehen davon aus, dass bereits die Hälfte aller 5-jährigen Kinder eine Infektion mit HSV 1 hinter sich hatte. Diese erste Infektion verläuft häufig ohne Symptome und völlig unbemerkt. Ein kleinerer Teil der Kinder – vielleicht 5 % – erkrankt bei der Erstinfektion an einer sehr ansteckenden Mundfäule, der sog. Stomatitis bzw. Gingivostomatitis aphthosa. Die Infizierten bleiben dann lebenslang Virusträger, auch wenn sich das Virus oft nie mehr bemerkbar macht und sie keine Beschwerden haben. Bei anderen kann die Infektion in Phasen einer geschwächten Immunabwehr immer wieder aufflackern.

Die Infektionsrate mit HSV 2 steigt nach der Pubertät an, also im sexuell aktiven Alter. Etwa 15-25% der jungen Erwachsenen sind Träger des Herpes simplex-Typ 2-Virus. Die erste Infektion verläuft entweder unbemerkt oder sehr schmerzhaft. Bei etwa der Hälfte der Infizierten tritt die Erkrankung immer wieder auf. Herpes genitalis wird zumeist durch engen körperlichen Kontakt und Geschlechtsverkehr übertragen. Oft wissen die Betroffenen gar nichts von ihrer Infektion und von der Ansteckungsgefahr, da die Viren nicht nur dann aus dem Körper ausgeschieden werden, wenn sichtbare Bläschen vorhanden sind. Es gibt auch symptomlose Phasen, in denen der Körper Krankheitserreger mit den Genitalsekreten oder dem Speichel ausscheidet. Diese Zeiten kündigen sich durch allgemeine Mattigkeit und ziehende Schmerzen im Genitalbereich an – Hinweise, die leider so unspezifisch sind, dass sie oft übersehen werden.

Außerhalb des Körpers sterben die Herpes-Viren schnell ab. Deshalb besteht kaum Gefahr, sich im Schwimmbad oder über Toilettenartikel und Handtücher anzustecken.

Krankheitsbild

Herpes labialis: Lippenherpes äußert sich mit juckenden oder schmerzenden Bläschen an den Lippen oder auf der Mundschleimhaut, die sich vorher durch Kribbeln, Jucken oder Spannen ankündigen.

Die Bläschen sind mit Flüssigkeit gefüllt, die Tausende von Herpes-Viren enthält. Nach einigen Stunden oder Tagen platzen sie auf, trocknen aus und hinterlassen Krusten, die nach etwa 7 – 10 Tagen von selbst abheilen. Narben bleiben in der Regel nicht zurück. In schweren Fällen kann der Lippenherpes sich aber zu einem mehr als rein kosmetischen Problem auswachsen: Es können auch Fieber, Abgeschlagenheit und Entzündungen am Zahnfleisch und an der Mundschleimhaut auftreten.

Herpes genitalis: Genitalherpes ist eine Hauterkrankung im Bereich der Geschlechtsorgane und des Afters, die sich mit zahlreichen flachen Bläschen, Rötung und Schwellung der betroffenen Genitalschleimhaut äußert. Die Bläschen können in Gruppen zusammenstehen und zusammenfließen und sich zu schmerzhaften Geschwüren entwickeln. Oft geht die Erkrankung mit Lymphknotenschwellungen, manchmal mit leichtem Fieber und Problemen beim Wasserlassen einher.

Auswirkungen

Trotz ihrer lästigen Begleiterscheinungen sind Lippen- und Genitalherpes gutartige Erkrankungen. Bei Männern kann eine Herpes genitalis-Erkrankung manchmal zu Problemen beim Wasserlassen, zu Verstopfung und Erektionsstörungen führen.

Ernsthafte Komplikationen können jedoch entstehen, wenn Herpes bei Schwangeren, bei Patienten mit Neurodermitis oder bei Menschen mit geschwächter Immunabwehr auftritt, z.B. bei AIDS- oder Leukämie-Patienten oder bei Kindern nach typischen Kinderkrankheiten wie Masern, Röteln oder Windpocken. Bei der Geburt kann das Herpes-genitalis-Virus auf das Neugeborene übertragen werden. Dies führt zu einer lebensbedrohlichen Herpes-Infektion, die den ganzen Körper, auch das Gehirn des Kindes betreffen kann. Bei Immungeschwächten heilen die Hautverletzungen oft schlecht ab oder die Infektion breitet sich auf innere Organe wie z.B. Lunge und Leber aus. Bei Neurodermitikern können große Flächen der ohnehin geschädigten, empfindlichen Haut vom Herpes-Ausschlag befallen werden. Es kann zu hohem Fieber und Hautschwellungen kommen.

Problematisch ist auch eine Herpes-Infektion am Auge:
Durch Hornhautgeschwüre und Vernarbungen kann die Sehfähigkeit beeinträchtigt werden. Eine gefürchtete Komplikation besonders bei Neugeborenen und jungen Säuglingen ist die Herpes-Enzephalitis. Dabei kann das Virus Entzündungen und gewebezerstörende Prozesse im Gehirn auslösen und zum Tode führen. Durch die heutigen guten Behandlungsmöglichkeiten der Herpes-Infektion sind solche Fälle aber zum Glück selten geworden.

Erkennung/Untersuchungen

Herpes kann durch eine sogenannte “Blickdiagnose” festgestellt werden. Das heißt, wenn Sie die Bläschen Ihrem Arzt zeigen, wird er in der Regel sofort erkennen, worum es sich handelt.

Therapie

Bei Herpes labialis gibt es neben der Anwendung von antiviralen Medikamenten, sogenannten Virustatika, eine Reihe von “Hausmitteln“:

  • Auftupfen von Alkohol oder Zinkpaste (ein bewährtes Hausmittel ist auch Zahnpasta) im akuten Stadium kann die Bläschen schneller zum Austrocknen bringen
  • Vaseline weicht die Krusten auf
  • Eiskalte Kompressen oder Eiswürfel bekämpfen Juckreiz, Schmerz und Schwellung

Antivirale Medikamente:

  • Aciclovir-Creme (apothekenpflichtig) oder -Tabletten (rezeptpflichtig). Lindert Schmerzen und Juckreiz, verhindert die Virusvermehrung.
  • Penciclovir-Creme (apothekenpflichtig): Wird mehrfach täglich dünn auf die befallenen Hautstellen aufgetragen, lindert Schmerzen und Juckreiz, verhindert die Virusvermehrung auch dann, wenn bereits Bläschen aufgetreten sind.
  • Famciclovir-Tabletten (apothekenpflichtig): Vermindert die Vermehrung von Herpes simplex Virus Typ 1 und 2 sowie von Varizella-zoster-Viren.

Vorsorge

  • Eine Infektion mit Herpes-Viren können Sie kaum verhindern. Allenfalls können Sie die Zahl der Rezidive verringern, indem Sie Risikofaktoren meiden.
  • Schützen Sie Ihre Lippen bei intensiver Sonneneinstrahlung mit einem hohen Lichtschutzfaktor (10 und höher).
  • Stärken sie Ihr Immunsystem durch ausgewogene, vitaminreiche Ernährung.
  • Vermeiden Sie möglichst übermäßige körperliche und seelische Belastungen.
  • Virustatische Medikamente sollten gleich beim ersten Kribbeln angewendet werden. Das kann den Krankheitsverlauf mildern.
  • Auch wenn die Bläschen stark jucken, sollten Sie nicht kratzen, es kann sonst zu einer Sekundärinfektion mit Bakterien kommen, die den Heilungsprozeß stark verzögert.
  • Neugeborene und werdende Mütter müssen unbedingt von Herpes-Patienten ferngehalten werden.
  • Benutzen Sie beim Geschlechtsverkehr Kondome. Sie schützen nicht nur vor Herpes genitalis, sondern auch vor anderen sexuelle übertragbaren Erkrankungen wie HIV und Hepatitis B und Hepatitis C.

Häufige Fragen

Hat mich jemand angesteckt, wenn ich zum ersten Mal einen Lippenherpes habe?
Wahrscheinlich nicht. Wahrscheinlicher ist, dass Sie früher schon einmal eine Herpes-Infektion hatten und dass Sie zu der großen Mehrzahl der Menschen gehören, bei denen die Erstinfektion ohne Symptome verlaufen ist. Sie sind seitdem Virusträger und es handelt sich jetzt um ein Herpes-Rezidiv, das heißt, um ein Wiederauftreten der Krankheit durch reaktivierte Viren.

Wie kommt es zu einem Rezidiv?
Der Erreger hat die Fähigkeit, sich im Nervengewebe des Menschen sicher zu verstecken, so dass die körpereigenen Abwehrkräfte ihm nichts anhaben können. Dort kann es in einem inaktivierten, nichtinfektiösen Zustand monate- oder jahrelang im “Dauerschlaf” liegen. In Situationen, in denen das Immunsystem besonders belastet ist, kann es jedoch zu einem Herpes-Rezidiv kommen. Risikofaktoren sind vor allem starke Sonneneinstrahlung (Herpes solaris), fieberhafte Infekte (“Fieberbläschen”), starke psychische Belastungen, z.B. Stress oder Ekel, extreme körperliche Belastungen, z.B. Unfälle, Hormonschwankungen, z.B. während der Menstruation (Herpes menstrualis) oder während einer Schwangerschaft.

Kann ich jemanden in meiner Umgebung mit Herpes anstecken?
Das ist höchst unwahrscheinlich, da fast alle Menschen Ihrer Umgebung vermutlich Antikörper seit ihrer unbemerkten Erstinfektion haben und deshalb vor einer Neuinfektion geschützt sind. Sie müssen sich aber unbedingt von Neugeborenen fernhalten, weil diese noch keinen Schutz gegen das Virus besitzen. Meiden Sie den Hautkontakt, solange Bläschen bestehen.

Kann man sich im Schwimmbad mit Herpes infizieren?
Nein, diese Gefahr besteht nicht. Herpes simplex-Viren werden nur durch direkten Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen. Außerhalb des Körpers sterben die Viren schnell ab. Ebensowenig kann man sich über Handtücher, Gläser oder Tassen und ähnliches anstecken.

Kann ich mich mit einer Diät vor einem neuen Rezidiv schützen?
Nein. Die Ernährung hat mit einer Herpes-Infektion nichts zu tun.

Wie kann ich meinen Lippenherpes behandeln?
Neben der Anwendung von Medikamenten, sogenannten Virustatika, die Ihnen Ihr Arzt verschreiben kann, gibt es eine Reihe von bewährten “Hausmitteln”: Das Auftupfen von Alkohol oder Zahnpasta (Anmerkung: Zinkpaste ist wahrscheinlich wirksamer als Zahnpasta) im akuten Stadium kann die Bläschen schneller zum Austrocknen bringen, Vaseline weicht die Krusten auf, eiskalte Kompressen bekämpfen Juckreiz, Schmerz und Schwellung.

Der Lippenherpes erwischt mich regelmäßig im Urlaub. Wie kann ich mich schützen?
Herpes labialis wird häufig durch Sonnenstrahlen ausgelöst, sowohl im Skiurlaub als auch an der See . Ebenso kann Stress der Auslöser sein, z.B. vor und während einer Prüfungssituation. Fragen Sie Ihren Arzt. Im Urlaub sollten Sie eine Lippencreme mit einem Sonnenschutzfaktor von mindestens 10 verwenden.

Seit Jahren leide ich mehrmals im Jahr an einem Lippenherpes. Wird das immer so weiter gehen?
Nein, glücklicherweise werden die Herpes-Rezidive mit der Zeit seltener und hören schließlich ganz auf. Durch eine Impfung mit einem “verwandten” Impfstoff, z. B. früher Pockenimpfstoff, jetzt inaktivierte Poliovakzine (IPV) oder Varizella-Impfstoff können Sie versuchen, Ihre Immunabwehr zu stärken.

Ich habe seit Jahren einen rezidivierenden Herpes im Genitalbereich. Darf ich ein Kind bekommen?
Es besteht für Sie kein Grund, auf ein Kind zu verzichten. Das Kind ist praktisch nur unter der Entbindung gefährdet. Sie sollten sich kurz vor dem Geburtstermin untersuchen lassen: Haben Sie keine Herpesbläschen, kann eine normale Geburt stattfinden. Befinden Sie sich dann gerade in einem aktiven Krankheitsschub, kann der Arzt einen Kaiserschnitt in Erwägung ziehen.

Kann ich mit meinem rezidivierenden Herpes genitalis meinen Partner/meine Partnerin anstecken?
Sie können Ihren Partner nur dann infizieren, wenn er/sie keine Antikörper gegen das Herpes simplex-Virus Typ 2 hat, das heißt, wenn er/sie selbst noch nie eine Herpes-Infektion durchgemacht und sein Immunsystem sich noch nie mit dem Erreger auseinandergesetzt hat. Dies ist sehr unwahrscheinlich. Zur Sicherheit kann man das in einer Blutuntersuchung feststellen lassen. Ist der Partner Antikörper-negativ, kann eine Ansteckung sowohl in der Zeit passieren, wenn Sie gerade aktiv erkrankt sind, aber auch in bestimmten Zeiträumen, in denen Sie ein symptomloser Virusausscheider sind. Wann das der Fall ist, ist leider schwer festzustellen. Phasen der Virusausscheidung kündigen sich oft durch allgemeine Mattigkeit und durch ziehende Schmerzen im Genitalbereich an – allesamt schwer deutbare Anzeichen. Am sichersten können Sie eine Ansteckung durch die Benutzung von Kondomen verhindern.

Ist das Herpes-Virus an der Entstehung von Krebs beteiligt?
Sehr wahrscheinlich nicht. Noch nicht ganz ausgeräumt ist der Verdacht, daß Herpes-Viren einer von vielen Ko-Faktoren bei der Entstehung von Gebärmutterhalskrebs sind.

Wichtige Adressen

Deutsche Dermatologische Gesellschaft DDG
Präsident
Prof. Dr. med. E. Schöpf
Direktor der Universitäts-Hautklinik
Hauptstr. 7
79104 Freiburg
Telefon: 0761-270-6716
Telefax: 0761-270-6936
E-Mail: E.Schoepf@derma.de Präsident

www.derma.de

Kategorie: Krankheiten
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