Nagelpilz (Onychomykosen)

Nagelpilz gehört zu den häufigsten Nagelerkrankungen. Er tritt viermal häufiger an den Fuß- (meist große oder kleine Zehe) als an den Fingernägeln (meist Daumen) auf. Die Erreger lauern überall, auch in den eigenen vier Wänden. Gut 12 Millionen Bundesbürger sind von dieser Art Pilzbefall betroffen – häufig allerdings unerkannt. Nur maximal 2 Millionen sind in Behandlung. Dabei ist Nagelpilz mehr als ein kosmetisches Problem und bedarf dringend einer fachmännischen Behandlung.

Nagelpilz: Ursachen/Risikofaktoren

Die Ansteckungsgefahr für Nagelpilz ist groß. Bereits kleine Verletzungen des Nagels oder des Nagelhäutchens reichen für eine Infektion aus. Die Auslöser in Form von pilzhaltigen Hautschuppen lauern fast überall – vor allem in feuchtwarmen Räumen wie Schwimmbädern, öffentlichen Duschen oder Saunen, im Garten oder auch in Tierfellen, aber auch in den eigenen vier Wänden. Oft geht dem Nagelpilz eine Fußpilzerkrankung voraus.

Begünstigt wird die Entwicklung eines Pilzes durch das Tragen von Gummihandschuhen oder von luftundurchlässigen Schuhen wie Gummi-, Skistiefeln oder Turnschuhen; denn die Pilzerreger (meist Dermatophyten oder Hefepilze) fühlen sich in einem feuchtwarmen Klima besonders wohl. Auch Nagelkauen und eine mangelhafte Nagelpflege sind häufige Ursachen.

Neben bestimmten Berufsgruppen wie Malern, Lackierern, Friseuren, die viel mit Lösungsmitteln oder anderen chemischen Stoffen arbeiten, gehören auch Diabetes-Patienten, Personen mit Hauterkrankungen oder Immunschwäche zur stark gefährdeten Risikogruppe. Zuckerkranke entwickeln z. B. oft ein Taubheitsgefühl in den Füßen. Es handelt sich hier um eine Nervenschädigung, man spricht im Fachjargon von einer Polyneuropathie.

INFO Dermatophyten
Sammelbezeichnung für Pilzsorten, die sich in den äußeren Schichten der Haut, der Haare und der Nägel ansiedeln – in Regionen, wo der Gehalt des hornähnlichen Eiweißes Keratin besonders hoch ist. Als häufigster Erreger von Nagelpilzerkrankungen wird zu etwa 80% Trichophyton rubrum diagnostiziert.

 

 

INFO Polyneuropathie/Fusspflege
Die Füße von Diabetikern sind meistens schlecht durchblutet. Durch die Nervenschädigung (Polyneuropathie) kommt es zudem zu einer verminderten Schweißproduktion. Dadurch wird die Haut trocken, spröde und anfällig für Verletzungen. Der “diabetische Fuß” ist durch offene, schlecht abheilende Hautstellen, Geschwüre, Entzündungen, Infektionen oder Schwarzfärbung des Fußes, vorwiegend an einer oder mehreren Zehen, gekennzeichnet. Die Ursachen des diabetischen Fußes bestehen einerseits darin, dass die Sensibilität des Fußes im Rahmen der Polyneuropathie geschwächt oder aufgehoben ist und so die Schmerzwahrnehmung herabgesetzt ist oder vollständig fehlt. Andererseits werden durch eine zunehmende Muskelerschlaffung die Belastungspunkte am Fuß verändert.

Schätzungsweise führt die diabetische Polyneuropathie pro Jahr zu etwa 28.000 Amputationen im Bereich der Füße oder der Unterschenkel. Diabetiker sollten deshalb unbedingt orthopädisches Schuhwerk tragen und ihre Füße regelmäßig auf Verletzungen und Druckstellen absuchen bzw. untersuchen lassen.

Krankheitsbild

Häufig ist anfangs nur ein milchig-gelblicher Fleck am Nagelrand zu erkennen, der sich schleichend, aber kontinuierlich ausbreitet und den kompletten Nagel zerstört. Auch andere Verfärbungen der Nagelplatte, glanzlose, brüchige und unnatürlich dicke Nägel („Holznägel”) weisen auf eine Pilzerkrankung hin.

Auswirkungen

Leider werden heute noch Nagelpilze oft als rein kosmetisches Problem abgetan. Die ursprüngliche Schutzfunktion des Nagels vor z. B. Druck wird zerstört bis hin zu schmerzhaften Beeinträchtigungen beim Gehen oder Laufen. Auch bergen sie die Gefahr neuer Ansteckungen z. B. anderer Nägel oder der umgebenden Haut sowie auch von Kontaktpersonen. Hinzu kommt die seelische Belastung – Betroffene schämen sich wegen ihrer unansehnlichen Nägel und können im schlimmsten Fall sogar zeitweise ihren Beruf aus hygienischen Gründen nicht mehr ausführen.

Erkennung/Untersuchungen

Der Arzt entnimmt mit dem Skalpell eine Probe des befallenen Nagels. Diese Probe wird mikrobiologisch untersucht: Auf verschiedenen Nährböden, die speziell auf das ideale Wachstum der verschiedenen Pilzarten abgestimmt sind, werden sogenannte Kulturen gezüchtet. An der Stärke des Wachstums kann der Pilz nach vier bis fünf Wochen identifiziert werden bzw. festgestellt werden, ob überhaupt eine Pilzerkrankung vorliegt. Die Therapie wird anhand der Untersuchung entsprechend abgestimmt.

Sollte die Diagnose auf diesem Weg erfolglos sein, ist es möglich über die Gegenprobe mit Antipilzmitteln, sogenannten Antimykotika, unterschiedlich dosiert, den „Bösewicht” zu erwischen.

Die Untersuchung der Pilzinfektion ist schmerzfrei, da das befallene Nagelgewebe meist schon abgestorben ist.

Therapie

Generell gilt: Je früher die Pilzinfektion erkannt wird, desto besser sind die Heilungschancen in relativ kurzer Zeit.

Neben Salben, Cremes, Gelen und speziellen Pflastern werden immer häufiger medizinisch wirksame Lackzubereitungen eingesetzt. Der farblose Lack wird auf die erkrankte Stelle aufgetragen, um die Infektionsquelle zu „versiegeln” und eine Ausbreitung zu verhindern. Die enthaltenen Wirkstoffe wie z. B. Ciclopirox (rezeptpflichtig) oder Amorolfin (apothekenpflichtig) können auf diesem Wege ohne Einflüsse von außen auf den Nagel einwirken.

Sind mehr als die Hälfte der Nagelplatte befallen, verschreibt der Arzt in der Regel Tabletten mit pilzabtötenden Wirkstoffen (z. B. Itraconazol, Griseofulvin, Terbinafin). Diese Behandlung ist sehr effektiv, da der Wirkstoff von innen angreift und nicht die harte Nagelplatte durchdringen muss.

Die Behandlung muss konsequent durchgehalten werden, denn auch wenn keine Krankheitsanzeichen mehr sichtbar sind, können noch aktive Pilzgeflechte vorhanden sein. Die Therapie dauert einige Wochen bis Monate, wobei einige Präparate aufgrund eines lang anhaltenden Wirkspiegels nur zeitweise (Intervalltherapie) eingesetzt werden müssen. Aber bis der neue Nagel komplett nachgewachsen ist, vergeht einige Zeit – bei Fingernägeln ca. 6, bei Fußnägeln 12 bis 18 Monate. Vorübergehend kann eine Nagelprothese Info getragen werden.

INFO Nagelprothese
Bei einer professionellen Nagelmodellage wird der künstliche Nagel schichtweise auf den natürlichen Nagel aufgebaut. Der natürliche Nagel kann ganz normal weiter wachsen und wird gleichzeitig vor äußeren Einwirkungen geschützt, da der Kunstnagel ca. 20mal härter ist. Etwa alle vier Wochen sind Korrekturen nötig, weil der wachsende Nagel die Kunstharzschicht langsam verdrängt. Die erste Behandlung dauert etwa 2 Stunden und kostet ca. 100 Euro. Die Nachbehandlungen liegen bei etwa 50 Euro.

Vorsorge

Nagelhygiene ist das A & O! Um Pilzerkrankungen vorzubeugen, ist es wichtig, die Nägel zu pflegen, sich täglich gründlich zu waschen und sich gut abzutrocknen (vor allem auch zwischen den Zehen und Fingern). Ein täglicher Sockenwechsel und die Wäsche von Badematten und Handtüchern bei 600 C sind ratsam. Sie sollten in jedem Fall in öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern, Duschen und Saunen in Sportcentern, Badeschuhe tragen. Reinigen Sie auch Ihr Maniküre-Set regelmäßig und desinfizieren Sie Ihr Schuhwerk zum Schutz vor Fuß- bzw. Nagelpilz.

Speziell Diabetiker, ältere Menschen, Personen mit Schweißfüßen und starke Raucher sollten ihre Füße und Hände regelmäßig vom Arzt untersuchen lassen und zur professionellen Fußpflege gehen.

Spezielle Tinkturen und Bäder, z. B. aus warmem Olivenöl und Zitronensaft, halten die Nägel gesund und elastisch.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich, dass meine Nägel von Pilzen befallen sind?
Der infizierte Nagel verändert sich sowohl äußerlich als auch strukturell. Die Nagelplatte wir dicker, unelastisch, porös und brüchig – im fortgeschrittenen Stadium kann sie sich sogar vom Nagelbett ablösen. Weiter verfärbt sich die Nagelplatte selbst anfangs milchig-trüb, später gelblich.

Wie kann ich mich vor Nagelpilz schützen?
Pilze lieben eine feucht-warme Umgebung – daher ist es wichtig, sich immer gut abzutrocknen, auch zwischen den Zehen und Fingern. Tragen Sie in öffentlichen Einrichtungen, beim Baden oder Saunen, stets Badeschuhe. Außerdem sollten Sie luftundurchlässiges Schuhwerk wie Turnschuhe und Gummistiefel meiden .

Müssen befallene Nägel heute immer noch gezogen werden?
Nein! Früher war man zwar der Meinung, den Pilzen, die meist unter der Nagelplatte sitzen, mit der Entfernung des Nagels den Schutz zu nehmen. Dies war aber einerseits sehr schmerzhaft und führte andererseits zu Nagelwachstumsstörungen. Deshalb ist man von dieser Methode abgekommen. Heute werden pilzbefallene Regionen höchstens abgeschliffen, um dann die örtliche Therapie mit Antipilzmitteln gezielt durchzuführen.

Kann ich trotz der Verwendung eines therapeutischen Lackes noch Nagellack verwenden?
Ja – es ist völlig unproblematisch, über den vollständig getrockneten, therapeutischen, farblosen Lack farbigen kosmetischen Nagellack aufzutragen.

Wichtige Adressen

Informationszentrale Nagelpilz e. V.
An den Pappeln 18
60388 Frankfurt/Main

Selbsthilfegruppe für Pilzerkrankungen
Frau Schröder
Weskammstraße 11
12279 Berlin
Email: Pilze-CFS@www-pool.de
http://kunden.www-pool.de/cfs+mcs-berlin/

Deutsche Dermatologische Gesellschaft
Hauptstraße 7
79104 Freiburg
http://www.derma.de/ddg

Berufsverband Deutscher Dermatologen e. V. (BVDD)
Ärztehaus
Hofstraße 5
97070 Würzburg
Tel. : 0931/3534733
Fax : 0931/3534735
Email: 09313534733@t-online.de
http://www.derminform.de

Kategorie: Krankheiten
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