Wenn das Baby kommt!

Wenn sich die Schwangerschaft dem Ende neigt, werden die meisten Eltern schon Wochen vor der Niederkunft nervös. Wird bei der Geburt auch alles gut gehen und das Baby gesund zur Welt kommen? Selbst wenn man sich optimal auf die Entbindung vorbereitet, bleiben bis zum Schluss noch jede Menge Fragen offen. Und in den meisten Fällen kommt sowieso alles ganz anders, als man es sich vorgestellt hat. Fest steht, dass eine Geburt ein einschneidendes Erlebnis im Leben ist, und zwar ganz gleich, auf welche Art und Weise das Kind auf die Welt kommt.

Wann ist es soweit?

Die meisten Frauen haben davor Angst, dass das Baby ganz plötzlich kommen könnte und sie nicht mehr rechtzeitig ins Krankenhaus gelangen. Diese Angst ist sicherlich verständlich, doch gerade bei den Erstgebärenden zieht sich die Geburt in den meisten Fällen über mehrere Stunden hin. Nicht selten sind die Eltern viel zu früh in der Klinik und werden nach einem „falschen Alarm” wieder nach Hause geschickt.

Eine Geburt kündigt sie sich in der Regel durch folgende Anzeichen an:
Der Muttermund beginnt sich öffnen: ein gallertartiger Schleimpfropf, der bislang den Muttermund verschlossen hat, geht dabei ab und macht sich als blutvermengter, schleimiger Ausfluss bemerkbar. Hebammen sprechen dann von dem sogenannten „zeichnen”.

Das Fruchtwasser geht – tropfenweise oder im Schwall – ab.
Regelmäßig wiederkehrende Wehen setzen ein. Dabei verkürzen sich die Abstände auf 15 Minuten, 10 Minuten u.s.w.. Treten alle fünf Minuten die Wehen auf, sollte man sich auf den Weg ins Krankenhaus machen. Schwangeren wird empfohlen, den Weg ins Krankenhaus vorher mal „Probezufahren”, damit man ungefähr einschätzen kann, wie viel Zeit man für die Fahrt benötigt. Man muß außerdem damit rechnen, dass schlechte Witterungsverhältnisse und starkes Verkehrsaufkommen die Anfahrt ins Krankenhaus erschweren können.

Die Aufnahme in der Klinik

Sobald eine Frau zur Entbindung ins Krankenhaus kommt, wird sie von den Geburtshelfern betreut. Nach Aufnahme der Personalien wird die Schwangere von der Hebamme oder einem Arzt erst einmal untersucht. Diese erste Untersuchung dient vor allem um festzustellen, wie weit die Geburt bereits vorangeschritten ist. Der Gesundheitszustand von Mutter und Kind wird ebenso überprüft. Aber auch während der folgenden Geburtsphasen werden Wohlbefinden und Fortschreiten des Geburtsvorganges aufmerksam verfolgt.

Folgende medizinischen Untersuchungen werden in der Regel durchgeführt:

  • Messung von Blutdruck, Puls und Temperatur
  • Vaginale Untersuchung, um festzustellen, wie weit der
    Muttermund geöffnet ist und in welcher Lage sich der Kopf des
    Kindes befindet bzw. wie tief das Kind im kleinen Becken steckt
  • Elektronische Überwachung zur Überprüfung der Wehentätigkeit
    und der kindlichen Herzschlagrate (CTG) Ultraschalluntersuchung,
    um festzustellen in welcher Lage sich das Kind befindet
  • Überwachung des kindlichen Herzschlages mit Hilfe eines
    Stethoskopes, einem elektronischen Herzmonitor oder einem
    Pulsdetektor

Mit den ermittelnden Untersuchungsdaten und den Eintragungen aus dem Mutterpass erstellt die Hebamme ein Geburtsprotokoll. Diese Aufzeichnungen werden während des gesamten Geburtsvorganges stets aktualisiert.

Die Geburt

Generell lässt sich die Geburt in drei unterschiedliche Phasen (Eröffnungsphase, Austreibungsphase und Nachgeburtsphase) einteilen. Doch auch wenn die einzelnen Abschnitte nach demselben medizinischen Ablauf erfolgen, sind die Empfindungen und Erfahrungen bei der Geburt von Frau zu Frau völlig unterschiedlich. Sowohl körperlich als auch emotional. Schmerz, Furcht und Gefühle der Verzweiflung, aber auch Erregung, Freude und seelige Momente gehen in den meisten Fällen nahtlos ineinander über. Jeder Geburtsvorgang läuft individuell ab, richtet sich aber dennoch nach einem bestimmten Rhythmus: die Abstände der Wehen nehmen immer deutlicher ab und die Wehen selbst werden immer stärker.

Die Eröffnungsphase

Wenn die Gebärmutter anfängt, sich regelmäßig zusammenzuziehen und dadurch die Öffnung des Muttermundes bewirkt, beginnt die sogenannte Eröffnungsphase. Die Wehen werden dabei immer stärker und ihre Abstände verkürzen sich. Mit jeder Wehe öffnet sich der Muskelring des Muttermundes ein Stückchen mehr und der Kopf des Kindes wird immer weiter in den Geburtskanal geschoben. Am Ende der Eröffnungsphase hat sich der Muttermund auf etwa 10 Zentimeter erweitert, so dass das Kind mit seinem Köpfchen in der Scheide steckt. Im Durchschnitt vergehen bis dahin etwa 6 bis 10 Stunden. Bei vielen Frauen in der Eröffnungsphase das Fruchtwasser ab, da die Eihäute unter dem von der Gebärmutter ausgeübten Druck zerreißen. Während der Eröffnungsphase sollte sich – wenn es die gesundheitlichen Zustand zulassen – die Gebärende nicht ins Bett legen, sondern herumlaufen. Dadurch wird auf natürliche Art und Weise Druck auf die Gebärmutter ausgeübt und der Geburtsvorgang beschleunigt. Durch die Scheide ertastet die Hebamme oder der Arzt regelmäßig, wie weit sich der Muttermund geöffnet hat.

Die Austreibungsphase

Ist der Muttermund vollständig geöffnet, beginnt die Austreibungsphase. Das Kind hat sich gedreht und schiebt sich durch den Muttermund und den knöchernen Beckenring. Mit seinem Kopf drückt es auf den Beckenboden und den Darm. Unter dem Druck des Kindes müssen sich der Beckenboden, die Scheide, und die äußeren Genitalien extrem dehnen. Bei jeder Wehe verspüren die Frauen einen besonderen Drang zu pressen. Wehe für Wehe wird das Kind ein Stück weiter nach draußen geschoben. Die Wehen sind dabei rund vier mal so stark als in der Eröffnungsphase. Das Kind hat Arme und Beine angezogen und wird durch den Geburtskanal und durch die Scheide geschoben. Wenn der Kopf durch den Scheidenausgang gedrückt wird, dehnt sich alles so stark, dass das Gewebe zu reißen droht. Die Hebamme schützt den Damm mit einem speziellen Handgriff, damit ein Dammriss möglichst vermieden wird. In vielen Fällen ist ein Dammschnitt nötig, um den Durchtritt des Kopfes zu erleichtern oder um den Durchriß des Schließmuskels zu verhindern. Sobald der Kopf durch den Scheidenausgang durch ist, folgen Schultern, Arme und Beine. Das Kind ist geboren!

Die Nachgeburtsphase

Unmittelbar nach der Geburt zieht sich die Gebärmutter wieder zusammen. Die Plazenta löst sich dadurch von der Gebärmutterwand ab und wird in der Regel durch schmerzfreie Wehen ausgestoßen. Die Nabelschnur wird durchgeschnitten. Die Geburt ist somit beendet. Die Geburtshelfer untersuchen gründlich, ob die Plazenta auch vollständig ausgestoßen wurde, da zurückgebliebene Plazenta im Mutterleib Komplikationen wie beispielsweise schwere Blutungen oder Infektionen verursachen können.

Schmerzen und Schmerzbetäubung während der Geburt

Jede Frau empfindet die Wehenschmerzen unterschiedlich. Während manche Frauen kaum ihre Wehen fühlen oder sie erst spüren, wenn der Muttermund bereits weit geöffnet ist, haben andere so starke Schmerzen, dass sie an ihre körperlichen Grenzen stoßen. Einige Frauen sind besonders schmerzempfindlich, andere können mit dem Schmerz einfach nur besser umgehen.

Wichtig ist, dass die Schwangere trotz aller Umstände versucht, sich zu entspannen. Spezielle Atemübungen, die in den Geburtsvorbereitungskursen geübt wurden, können der Frau helfen, die Wehen besser zu verarbeiten und dadurch weniger Schmerzen zu empfinden. Auch bestimmte Körperstellungen (Vierfüßlerstand, Schneidersitz mit rundem Rücken, sitzend auf einem Gymnastikball) und die Benutzung von Geburtshilfen (Gebärstuhl, Gebärrad oder Hocker) können vielen Frauen die Geburt erleichtern. Wichtig ist vor allem, dass die Frauen ihre Körperhaltung während der Geburt selbst wählen, je nachdem, was ihnen einfach gut tut.

Sind die Schmerzen noch erträglich, verzichten viele Frauen auf schmerzlindernde Maßnahmen. Bei leichteren Beschwerden wirken Akupunktur und homöopathische Arzneimittel schmerzlösend und entspannend.

Sind die Schmerzen jedoch unerträglich, können verschiedene medizinische Methoden zur Schmerzlinderung beitragen. Je nach Geburtsphase und Umständen stehen folgende Maßnahmen zur Verfügung:

Spritzen oder Zäpfchen: sie bewirken eine Entkrampfung und bessere Dehnung des Muttermundes während der Eröffnungswehen
Verabreichung eines stark wirksamen Medikamentes (Pethidin) bei starken Schmerzen. Das Morphiumderivat wirkt auf Nervenzellen im Gehirn und kann die Schmerzwahrnehmung verändern. Allerdings kann damit auch das Bewusstsein beeinträchtigt werden und die Frauen in einen Dämmerzustand versetzten.
Lokale Betäubung: mit dem sogenannten Pudendus-Block lassen sich starke Dehnungsschmerzen beim Durchtritt des kindlichen Kopfes durch die Scheide während der Austreibungsphase ausschalten. Der Pressdrang wird dadurch nicht beeinträchtigt.
Periduralanästhesie: Die sogenannte PDA blockiert die Reizleitung der Rückenmarksnerven, so dass die untere Körperhälfte gefühllos wird und den Schmerz im gesamten Beckenbereich ausschaltet. Ein Lokalanästhetikum wird dabei zwischen den 3. und 4. Lendenwirbel gespritzt und kann über einen Katheder jederzeit nach dosiert werden.

Dammriss und Dammschnitt

Als Damm bezeichnet man das Gewebe zwischen der Scheide und dem Schließmuskel. Während der Geburt wird das Gewebe vor allem beim Austritt des Kindes in die Scheide stark gedehnt. Mit Hilfe eines speziellen Handgriffes, dem sogenannten „Dammschutz” kann die Hebamme den durchtritt des kindlichen Kopfes etwas abbremsen und den Damm durch vorsichtigen Gegendruck entlasten. Allerdings reicht dieser Schutz nicht immer aus und das Gewebe droht zu zerreißen. Damit der Ausgang für das Kind erweitert und ein Dammriss verhindert wird, machen viele Ärzte und Hebammen einen sogenannten „Dammschnitt”. Allerdings wird über den Sinn dieser Maßnahme immer stärker diskutiert. Untersuchungen haben gezeigt, dass viele Frauen nach einem Dammriss weitaus weniger Schmerzen haben als bei einem Dammschnitt und die Wunde außerdem besser heilt. Viele Geburtshelfer und Ärzte führen mittlerweile nur noch einen Schnitt durch, wenn es die Situation zwingend erforderlich macht.

Spezielle Yogaübungen und regelmäßige Damm-Massage während der Schwangerschaft steigern die Elastizität des Gewebes. Dadurch kann einem Dammriss oder Dammschnitt oftmals vorgebeugt werden.

Einsatz von Saugglocke/Geburtszange

Wenn eine Geburt nicht mehr vorangeht aber so schnell wie möglich beendet werden muss, ist der Einsatz von Saugglocke oder Geburtszange notwendig.
Der Einsatz von Hilfswerkzeuge wird notwendig

  • wenn Herzton-Veränderungen beim Kind auf einen Sauerstoffmangel hinweisen und der Kopf des Kindes bereits tief im Becken steckt
  • wenn die Wehen nicht stark genug sind
  • wenn die Mutter nach einer langen Eröffnungsphase zu erschöpft
    ist und nicht mehr pressen kann
  • wenn die Mutter aus gesundheitlichen Gründen nicht mitpressen
    darf (z.B. bei bestimmten Herzleiden, Blutdruckerkrankungen oder
    Asthma)
  • wenn bestimmte Lageanomalien korrigiert werden müssen
    Der Einsatz von Zangen oder Saugglocken ist bei rund 20% aller Geburten notwendig. In den meisten Fällen ist dafür ein Dammschnitt erforderlich.

Die Saugglocke

Bei der Saugglockengeburt wird eine flache Metallschale in die Scheide eingeführt und auf den kindlichen Kopf, der sich bereits im Geburtskanal befindet, gesetzt. An der Metallschale ist sowohl eine Kette als auch ein Schlauch befestigt. Der Schlauch ist mit einer Unterdruckpumpe verbunden, die ein Vakuum erzeugt, so dass sich die Metallschale am Kopf festsaugen kann. Im Rhythmus der Wehen zieht der Arzt mit Hilfe der Kette das Kind aus dem Geburtskanal heraus. Dadurch hat das Neugeborene einen Bluterguss am Köpfchen. Es ist in der Regel harmlos und verschwindet von selbst nach einigen Tagen.

Die Geburtszange

Bei einer Zangengeburt werden die beiden Löffel einer Zange in die Vagina eingeführt und um den Kopf des Kindes gelegt. Der Geburtshelfer zieht während der Wehen daran um den Kopf zu drehen, den Geburtskanal zu dehnen oder das Kind komplett herauszuziehen. Eine Zangengeburt gilt im Vergleich zur Saugglockengeburt als schonender, wird aber nur noch in seltenen Fällen angewendet.

Der Kaiserschnitt

Rund 17% aller Babys kommen durch einen Kaiserschnitt zur Welt. In vielen Fällen stellt sich schon während der Schwangerschaft heraus, dass eine operativ Schnittentbindung unvermeidlich ist. Aber auch während einer normalen Geburt können unerwartete Komplikationen auftreten, die einen Kaiserschnitt notwendig machen. Ein Kaiserschnitt ist erforderlich, wenn:

  • die Plazenta so tief in der Gebärmutter liegt, dass sie den Ausgang versperrt
  • die Mutter an einer Gestose leidet
  • das Becken der Mutter zu klein ist und der Kopf des Kindes nicht hindurchpasst
  • die Lage des Kindes eine normale Geburt verhindert (z.B. Querlage, Beckenendlage)
  • das Baby im Geburtskanal stecken bleibt und die Geburt nicht mehr vorankommt
  • das Baby zuwenig Sauerstoff erhält, weil beispielsweise die Nabelschnur abgeklemmt ist
  • die Nabenschnur den Hals des Kindes umschnürt und Erstickungsgefahr besteht

In der Regel dauert der Eingriff etwa eine Stunde. Im Gegensatz zu früher muss ein Kaiserschnitt nicht immer unter Vollnarkose stattfinden. Mittlerweile werden viele Eingriffe mit Hilfe einer Epiduralanästhesie (örtlicher Betäubung) vorgenommen. Dadurch bleibt die Frau während des Eingriffs bei vollem Bewusstsein und kann ihr Kind sofort nach der Entbindung in die Arme schließen. Die Epiduralanästhesie ist weitaus weniger belastend als eine Vollnarkose, so dass sich die Frauen wesentlich schneller von dem Eingriff erholen.
Da man bei der örtlichen Betäubung immer erst auf die Wirkung der Betäubungsspritze warten muss, wird bei Notfall-Kaiserschnitten immer eine Vollnarkose durchgeführt.

Das Baby ist da!

Wenn nach all den anstrengenden Bemühungen und schmerzhaften Umständen das Kind endlich da ist, erleben in der Regel alle Eltern ein unbeschreibliches Glücksgefühl. Die Strapazen sind vorbei und es kommt der lang ersehnte Moment, auf den man seit Monaten gewartet hat: das Kind hat das Licht der Welt erblickt, der erste Schrei ertönt und die Eltern können ihr Baby zum ersten Mal in die Arme schließen. Noch etwas zerknittert und mit der Nabelschnur verbunden liegt das Neugeborene auf dem Bauch der Mutter. Das Kind spürt die Wärme der Mutter und lauscht auf das vertraute und beruhigende Pochen ihres Herzens. Und es erkennt die Stimme der Mutter, die es bereits im Mutterleib wahrgenommen hat.

Babys erster Check-up

Wenn der erste Kontakt zwischen Mutter, Vater und Kind stattgefunden hat, wird das Baby gebadet, gemessen und anschließend untersucht. Mit dem sogenannten AGPAR-Test wird der allgemeine Gesundheitszustand des Kindes überprüft. Danach werden folgende Funktionen beurteilt:

  • Atmung
  • Herzaktion
  • Durchblutung der Haut
  • Muskelspannung
  • Reflexe

Für jede einzelne Funktion werden 0 bis 2 Punkte vergeben. Optimal ist ein AGPAR-Wert von 10. Liegt er jedoch unter 6 Punkten, ist eine sofortige medizinische Hilfe notwendig.
Außerdem wird im Rahmen der ersten Vorsorgeuntersuchung etwas Blut aus der Nabelschnur entnommen und auf seinen Sauerstoffgehalt untersucht.
Das verschluckte Fruchtwasser wird abgesaugt und dabei gleichzeitig untersucht, ob die Speiseröhre frei durchgängig ist

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