Wenn das Baby schreit

Da ein Baby noch nicht sprechen kann, ist Schreien die einzige Möglichkeit, seine Umwelt auf sich und seine Bedürfnisse aufmerksam zu machen. Jeder Schrei ist ein Hilferuf, ganz gleich, ob ein Kind körperliche Beschwerden hat oder sich seelisch einfach unwohl fühlt. Ein Baby ist total von seinen Eltern abhängig. Ihm bleibt gar nichts anderes übrig, als über lautstarken Protest Hilfe herbeizuholen. Sein Schreie sind so lautstark, dass sie von den Eltern einfach nicht ignoriert werden können. Und genau das ist für das Überleben des Säuglings wichtig. Verwöhnte Babys, die ihre Eltern einfach nur ärgern oder tyrannisieren wollen, gibt es in diesem Alter garantiert noch nicht. Genauso wenig schreien Babys, um ihre Lungen zu stärken. Diese Annahme, die Eltern noch bis vor wenigen Jahren vertraten, ist schlichtweg falsch.

In den ersten Lebenswochen ist das Schreien des neugeborenen Kindes noch ziemlich undifferenziert. Um so wichtiger ist es für die Eltern, der Ursache für das Schreien sofort auf den Grund zu gehen. Erst nach einigen Wochen kann das Kind unterschiedliche Schreirufe wie meckern, jammern, wimmern oder quengeln zum Ausdruck bringen. Die Eltern müssen mit der Zeit lernen, diese unterschiedlichen Lautäußerungen richtig einzuordnen und dementsprechend zu reagieren. Nach etwa drei Monaten ist es erfahrungsgemäß für die Eltern häufig leichter, die Hilferufe des Babys richtig zu interpretieren und können schneller handeln.

Das Baby hat Hunger

Hunger ist mitunter der häufigste Grund, warum ein Baby schreit. Ist das Kind hungrig, fängt es an aufgeregt herum zu strampeln, versucht seine Händchen in den Mund zu stecken oder schmatzend an seinen Fingern zu saugen. Es dreht seinen Kopf hin und her und sucht verzweifelnd nach seiner Nahrungsquelle. Selbst durch Hochnehmen und Schuckeln lässt es sich nicht beruhigen, sein Schreien wird zunehmend stärker. Viele Mütter versuchen, bestimmte Still- oder Fläschchenzeiten einzuhalten, um dem Kind, aber auch sich selbst, einen Rhythmus anzueignen. Das kann bei einigen Säuglingen durchaus gelingen, doch die meisten Babys haben bereits wieder Hunger, obwohl die nächste Mahlzeit noch gar nicht fällig ist. So ist es durchaus normal, dass Brustkinder oft schon nach anderthalb bis zwei Stunden wieder Hunger verspüren. Vielleicht hat das Kind zuvor nicht richtig gesaugt oder die Menge und Zusammensetzung der Milch waren unzureichend. Auch wenn ein Baby wieder einmal einen Wachstumsschub durchmacht, kann sich der Abstand der Stillmahlzeiten drastisch verringern. Selbst bei Flaschenkindern hält die Pre-Nahrung oftmals nicht länger als drei Stunden an.

Schreit ein Kind weil es hungrig ist, wird man es nur durch eine Stillmahlzeit oder ein Fläschchen zufrieden stellen können. Eltern, speziell Mütter, sollten sich darauf einstellen, dass das Kind den Rhythmus für die Mahlzeiten vorgibt und die Nahrungsbedürfnisse des Kindes umgehend befriedigen. Haben Erwachsene Hunger, gehen sie ja auch sofort zum Kühlschrank!

Das Baby hat Durst

Viele Eltern vergessen immer wieder, dass ein Kind nicht nur Hunger, sondern auch Durst hat. Gerade an heißen Sommertagen, in überwärmten Räumen oder wenn das Kind krank ist Fieber hat, fängt es an zu schreien oder quengeln, weil es durstig ist. Kinder, die gestillt werden, erhalten normalerweise ausreichend Flüssigkeit über die Muttermilch. Doch auch sie können unter den genannten Bedingungen durchaus Durst verspüren. Es empfiehlt sich daher, immer ein Fläschchen mit Tee oder abgekochtem Wasser parat zu haben, um dem Kind bei Bedarf ausreichend Flüssigkeit anzubieten.

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Die Windel ist voll

Viele Kinder fühlen sich verständlicherweise unwohl, wenn die Windel voll und fangen an, sich lautstark zu äußern. Besonders unangenehm ist es für ein Kind, wenn die Haut des Babypopos gereizt oder wund ist und die Ausscheidungen nicht nur unangenehm, sondern auch schmerzhaft sind. Manche Kinder können nicht essen oder trinken, wenn vor den Mahlzeiten die Windel nicht gewechselt wurde.

Generell sollte man bei einem Kind sofort die Windeln wechseln, wenn es ein Häufchen gemacht hat. Der längere Kontakt mit Ausscheidungen greift die Haut stark an und führt schnell zu Rötungen und Entzündungen. Das Kind fühlt sich mit einer frischen Windel nicht nur wohler. Regelmäßiges Windelwechseln bewahrt es auch vor einem wunden Po.

Das Baby schwitzt oder friert

In den ersten Lebenswochen haben Neugeborenen noch Schwierigkeiten, ihren Kreislauf und Wärmehaushalt zu regulieren. Die meisten fangen zu schreien an, wenn sie ausgezogen werden, um die Windel oder Kleidung zu wechseln. Ein Baby kann noch keine Gänsehaut bilden oder vor Kälte zittern. Seine kalten Händchen oder Füße sind jedoch ein Zeichen dafür, dass es ihm nicht warm genug ist. Auch die Haut kann sich blassblau anfärben und erscheint marmoriert. Wichtig ist vor allem, dass die Füße (z.B. mit Wollschuhen) immer schön warm gehalten werden. Viele Babys in unseren Breitengraden werden allerdings viel zu warm angezogen. Wenn zu viele Kleidungsstücke oder Socken übereinander angezogen werden, bildet sich Schweiß auf der Haut. Die Kleidung saugt den Schweiß auf und wird feucht und kalt, anstelle zu wärmen. Die Kinder können sich dadurch viel schneller eine Erkältung zuziehen.

Wenn ein Baby stark schwitzt, hat es häufig ein warmes, rotes Gesicht und/oder ein schweißnasses Hinterköpfchen. Manchmal bilden sich auch rote Flecken auf der Haut oder es treten Hitzebläschen auf. Mit einem einfach Trick kann man leicht feststellen, ob es dem Baby zu warm ist: man steckt zwei Finger in den Halsausschnitt am Nacken. Fühlt sich die Haut warm oder feucht an, ist es dem Kind zu heiß. Erst wenn das Kind über 5 Kilogramm auf die Waage bringt, ist es gegenüber Temperaturschwankungen unempfindlicher und kann sich ihnen besser anpassen.

Das Baby ist müde

Fast alle Babys fangen zu schreien oder quengeln an, wenn sie müde sind. Sie wissen noch nicht, was „Schlafen” bedeutet und empfinden Müdigkeit als ein unangenehmes Gefühl, dass sie nicht einordnen können. Dann empfiehlt es sich, das Baby ins Bettchen oder in den Kinderwagen zu legen und ihn sanft über den Rücken oder das Köpfchen zu streicheln. Viele Kinder nehmen ihren Daumen in den Mund, wenn sie müde sind oder benötigen einen Schnuller, um einschlafen zu können. Die sanfte Melodie einer Spieluhr wirkt oftmals beruhigend.

Das Baby ist einsam

Viele Baby fangen zu schreien an, weil sie sich einsam fühlen. Niemand ist für das Baby da oder beschäftigt sich mit ihm. Mit Geschrei versucht es jetzt, auf sich aufmerksam zu machen. Erhält das Kind ständig oder regelmäßig zuwenig Zuwendung, kann es durch diese seelische Notlage wohl kaum ein gesundes Selbstvertrauen entwickeln. Eltern müssen begreifen, dass sie durch ihr Verhalten und ihre Erziehung für die seelische Entwicklung des Kindes mitverantwortlich sind und durch mangelnde Zuwendung Verhaltensstörungen hervorrufen können. Es ist bewiesen, dass Kinder, die von Anfang an viel Zuwendung, Liebe und Geborgenheit erfahren haben, ein großes Selbstwertgefühl entfalten, früher selbständig werden und sich auch allgemein deutlich besser entwickeln.

Das Baby ist krank

Ist das Baby krank, drückt es sein Unbehagen mit Schreien aus. Geht es ihm sehr schlecht, fängt gehen die Schreie in ein leises Wimmern über. Hat das Kind zusätzlich Fieber oder lässt sich über längere Zeit überhaupt nicht beruhigen, sollte man mit dem Kind einen Arzt aufsuchen.

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Das Baby „zahnt”

Bei den meisten Kindern treten zwischen dem 6. und 9. Lebensmonat Zahnungsschmerzen auf. Man kann das leicht daran erkennen, dass sie sich ständig die Finger in den Mund nehmen, auf allem herumbeißen, häufiger sabbern und deutlich mehr quengeln als sonst. Außerdem schlafen viele Kinder oftmals schlecht, essen deutlich weniger, bekommen Durchfall und einen wunden Po, wenn die ersten Zähnchen durchbrechen. In manchen Fällen zeigen die Kinder überhaupt keine Beschwerden.

Viele Eltern machen den Fehler, und führen das unleidliche Verhalten des Kindes während dieser Monate ständig auf das Zahnen zurück. Andere Ursachen werden dann oftmals gar nicht in Erwägung gezogen. Außerdem sind starke Zahnungsschmerzen eher selten. Die Kinder empfinden meist nur das Kribbeln, das starke Spannungsgefühl oder den ungewohnten „Fremdkörper” als besonders unangenehm und störend. Zahnt das Kind, sollten Eltern ihm ständig etwas zum Beißen anbieten. Am Besten eignen sich dafür trockene Brotrinden oder gekühlte Beißringe, die es speziell zu kaufen gibt. Ob spezielle Zahnungssalben, die auf die Zahnleisten eingerieben werden, tatsächlich eine Linderung der Beschwerden hervorrufen, ist nicht ganz geklärt. Den meisten Kindern tut es jedoch gut, wenn man ihnen die Zahnleisten massiert. Treten tatsächlich starke Schmerzen auf, kann ein schmerzlinderndes Zäpfchen helfen.

Das Baby hat Blähungen oder Verdauungsstörungen

Blähungen und Verdauungsstörungen können dem Baby gerade in den ersten drei Lebensmonaten Monaten schwer zu schaffen machen und starke Bauchschmerzen verursachen. Das Baby zieht dabei die Beine stark an und sein Bäuchlein bzw. Unterleib ist gespannt und fühlt sich hart an. Wenn Kinder an Blähungen leiden, können ganz unterschiedliche Ursachen dafür verantwortlich sein:

Häufig treten Blähungen auf, wenn das Kind zuviel Luft geschluckt hat. Beim Trinken – ganz gleich ob an der Brust oder aus der Flasche – schlucken Babys immer Luft. Damit sie diese wieder abgeben können, müssen fast alle Babys Saugpausen zum Aufstoßen einlegen.

Fließt die Muttermilch in großen Mengen und zu schnell aus der Brust, muß das Kind hastig trinken und kann sich dabei leicht verschlucken. Erhält das Kind Flaschennahrung, ist auf die richtige Saugergröße zu achten. Durch zu kleine oder zu große Sauglöcher wird das Luftschlucken gefördert.

Flaschenkinder machen häufig die Schaumblasen, die sich beim Durchschütteln der Fertignahrung bilden, zu schaffen. Diese Blasen lösen sich oftmals nicht richtig im Magen auf und verursachen Blähungen. Um die Bläschenbildung möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, die Flaschenmilch mit Fencheltee anstelle von Milch anzurühren und das Pulver mit einem langen Löffel einzurühren. Häufig hilft auch ein blähungslinderndes Entschäumungsmittel (z.B. Sab simplex), daß dem Kind vor dem Trinken verabreicht wird und im Magen die Schaumblasen ersetzt.

Manche Kinder reagieren besonders empfindlich auf bestimmte Nahrungsmittel, die die Mutter beim Essen aufgenommen hat und über die Muttermilch in den Verdauungstrakt des Baby gelangen. Häufig sind es blähende Gemüsesorten und Hülsenfrüchte, die beim Kind Blähungen verursachen. In selten Fällen ist es auch das tierische Eiweiß (z. B.: Milch, Eier, Fisch), dass in Spuren in die Muttermilch übergeht und Beschwerden beim Baby auslöst. Stillende Mütter sollten unbedingt darauf achten, sich ausgewogen zu ernähren, wobei auf blähende Nahrungsmittel (z.B. Hülsenfrüchte, Kohlsorten) verzichtet werden und tierisches Eiweiß in Massen aufgenommen werden sollte. Ein vollständiger Verzicht auf tierisches Eiweiß kann die Gesundheit der Mutter beeinträchtigen und sich negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken. Aus Angst vor Blähungen oder Unverträglichkeiten werden so viele Nahrungsmittel weggelassen, dass sich viele Mütter mangelhaft ernähren. Dies wirkt sich gravierend auf die Zusammensetzung der Muttermilch aus. Die Folge: das Kind wird beim Trinken nicht richtig satt und schreit noch viel mehr! Der Hunger wird in diesen Fällen häufig nicht erkannt!

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Leiden Flaschenkinder unter einer Kuhmilch-Eiweiß-Allergie können ebenfalls starke Blähungen auftreten. Meist zeigen sich aber dann noch andere Symptome, wie z. B. Durchfall, Erbrechen oder Hautausschlag. Den Kindern sieht man es oftmals deutlich an, dass sie einfach nicht gut gedeihen. Für diese Säuglinge steht eine hypoallergene Spezialnahrung zur Verfügung, bei der das Eiweiß so stark verändert ist, dass es vom kindlichen Organismus nicht mehr als Fremdeiweiß erkannt wird. Diese Spezialnahrung wird irrtümlich häufig mit der sogenannten H.A.Nahrung verwechselt. Die Eiweißmoleküle in der H.A. Nahrung sind zwar soweit aufbereitet, dass sie weniger Allergien auslösen. Aber die H.A.Nahrung eignet sich nicht zur Ernährung, wenn eine Allergie tatsächlich vorhanden ist.

Was tun, wenn das Baby schreit?

Die Grundregel vorweg: bloß nicht nervös werden, wenn das Baby zu schreien beginnt. Unruhe und Hektik übertragen sich nämlich schnell auf das Kind, verunsichern nur das Baby zusätzlich und das Schreien wird noch schlimmer! Schreit ein Kind, können folgende Verhaltensregeln oder Maßnahmen schnell dazu beitragen, dass sich das Baby wieder wohlfühlt:

Fängt ein Kind zu schreien an, sollte man am Besten sofort der Ursache nachgehen: Hunger, Hitze, Kälte oder eine volle Windel lassen sich schnell feststellen und sollten auch sofort behoben werden.

Ein schreiendes Baby sollte immer sofort in die Arme genommen und gestreichelt werden. Ein Kind beruhigt sich in vielen Fällen schnell, wenn es getragen und hin und her gewogen wird, man es im Kinderwagen oder im Auto spazieren fährt, ihm etwas vorsingt oder vorsummt.

Man muss sich vergewissern, dass das Kind keine Schmerzen hat oder aufstoßen muss. Schreit es über längere Zeit vor Schmerzen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden.

Um Blähungen und Bauchschmerzen zu lindern oder sie erst gar nicht entstehen zu lassen kann man folgendes tun:

  • Babys Bauch mit sanften, kreisenden Bewegungen im Uhrzeigersinn massieren
  • Dem Kind warmen Tee aus Fenchel, Kümmel- und Anis verabreichen
  • Stillende Mütter sollten selber ein bis zwei Liter Fenchel, Anis-Kümmeltee trinken. Über die Muttermilch gelangen die blähungshemmende Substanzen des Tees in den Organismus des Kindes und können die Beschwerden lindern
  • Das Baby im Fliegergriff (Kind liegt in Bauchlage auf den Unterarmen) halten.
  • Geschluckte Luft entweicht in der Bauchlage nämlich deutlich leichter.
  • Häufig helfen auch eine Wärmflasche oder ein warmes Bad (37° Wassertemperatur)

Manche Eltern sind völlig verzweifelt, weil das Kind sehr häufig oder immer weiterschreit und es überhaupt nicht zu beruhigen ist. Die meisten Eltern sind nach längeren Schreiphasen nicht nur total hilflos und erschöpft, sondern reagieren aus Verzweiflung mit Hass und Wut, um das Kind endlich zur Ruhe zu bringen. Selbstverständlich hilft auch das nicht weiter, sondern verschlimmert nur noch die Situation. Eltern, die mit ihrem ständig schreienden Kind nicht mehr fertig werden, sollten sich unbedingt helfen lassen. In vielen Städten wurden an den Kinderkliniken sogenannte „Schreisprechstunden für Eltern” eingerichtet. Verzweifelte Eltern können sich aber auch an städtische Erziehungsberatungsstellen oder an den Kinderschutzbund wenden. Wenn ein Kind häufig lange schreit, muss erst dringend ein Kinderarzt aufgesucht und das Kind gründlich untersucht werden, damit körperliche Beschwerden ausgeschlossen bzw. behandelt werden können.

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