Künstliche Befruchtung

In Deutschland wünschen sich 15 Prozent aller Paare erfolglos ein Kind. Hat ein Paar mit einer normalen sexuellen Beziehung innerhalb eines Jahres keinen Erfolg, dann wird es als „steril” definiert. Die Tendenz ist steigend. Haben Frauen sich während der letzten 50 Jahre aus unterschiedlichen Gründen vor allem bemüht, nicht schwanger zu werden, so zeichnet sich jetzt der umgekehrte Trend ab: Sie nutzen verstärkt medizinische Hilfe, um noch im höheren Alter Kinder bekommen zu können. Insgesamt 7000 Kinder (Jahr 2002) werden in Deutschland jedes Jahr mit Hilfe fortpflanzungsmedizinischer Verfahren geboren. Es gibt verschiedene Verfahren, um dem Kind im wahrsten Sinnes des Wortes auf die Sprünge zu helfen. Den meisten Paaren mit Kinderwunsch kann geholfen werden. Allerdings ist das nicht ganz billig: In Deutschland kostet eine fortpflanzungsmedizinische Behandlung rund 40.000,- Euro.

Künstliche Befruchtung (in vitro Fertilisierung)

In vitro Fertilisation (IvF) bedeutet Befruchtung „im (Reagenz-)Glas”, also außerhalb des lebenden Organismus. Die Methode wird bei unfruchtbaren Frauen angewendet – zum Beispiel, wenn die Eileiter der Frau in ihrer Funktion gestört. In diesem Fall wird die Eizelle außerhalb des Körpers der Frau befruchtet. Der Vorgang läuft im Prinzip etwa so ab: Aus dem Körper der Frau werden Eizellen entnommen und in einem Gefäß mit den Spermien des Mannes zusammengebracht. Die Spermien befruchten die Eizelle und die daraus entstandenen Embryonen werden wieder in die Gebärmutter der Frau eingepflanzt.

Das erste Kind, das als so genanntes „Retortenbaby” in die Geschichte der Medizin eingegangen ist, war die Amerikanerin Louise Joy Brown. Sie wurde am 25. Juli 1978 geboren. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 400.000 Retortenbabys.

Intracytoplasmische Spermainjection (ICSI)

Lange Zeit suchte und fand man die Ursache für eine kinderlose Ehe stets bei der Frau. Heute weiß man, dass der Grund für Kinderlosigkeit in der Hälfte der Fälle an der Unfruchtbarkeit der Frau liegt, zur anderen Hälfte an der Unfruchtbarkeit des Mannes. Knapp 25 Jahre nach der Geburt des ersten Retortenbabys gab es jetzt auch eine Möglichkeit für Männer, trotz Infertilität Kinder zu zeugen. Das Verfahren wird Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI) genannt und wird seit 1992 angewendet. Von da an konnte auch Unfruchtbarkeit, die durch Funktionsstörungen beim Mann verursacht wurde, erfolgreich behandelt werden – zum Beispiel, wenn der Mann zu wenige oder zu wenig bewegliche Spermien besitzt. In diesem Fall werden die Samen direkt aus dem Hoden oder Nebenhoden des Mannes gewonnen. Ein einziges dieser Spermien wird herausgepickt und ganz gezielt in die Eizelle der Frau injiziert.

Diese Methode ist also der IvF ähnlich, mit dem einzigen Unterschied, dass bei der IvF die Spermien ganze Arbeit leisten müssen wie sonst auch, nur eben im Reagenzglas statt innerhalb des Körpers. Seit 1992 wurden weltweit mehr als 80.000 Kinder mit Hilfe der ICSI geboren. Allein in Deutschland sind es rund 10.000.

Keimzelltransplantation

Eine neue Therapie zur Verhinderung von Unfruchtbarkeit gibt es jetzt bald für Männer, die aufgrund einer medizinisch-therapeutischen Behandlung damit rechnen müssen, keine Kinder mehr zeugen zu können. Diese Männer geben vor der chemischen Behandlung eigene Vorläuferzellen von Spermien, die so genannten Spermatogonien, ab. Nach der Behandlung bekommen sie diese Zellen wieder eingepflanzt und können erneut Spermien produzieren. Diese Methode könnte zum Beispiel bei Jugendlichen angewendet werden, die eine Chemotherapie durchstehen müssen. Prof. Eberhard Nieschlag vom Institut für Reproduktionsmedizin an der Universität Münster, hält es für möglich, dass ein Mann auf diese Weise seine Zeugungsfähigkeit zurückerhalten könnte. Im Tierversuch hat die Methode bereits funktioniert, der Versuch beim Menschen steht noch aus.

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