Ist das Ungeborene gesund?

Kaum eine Frage beschäftigt die werdenden Eltern mehr, als die, ob das Kind auch gesund ist. Die Angst, dass dem Kind während der Schwangerschaft etwas zustoßen könnte oder es behindert auf die Welt kommt, beunruhigt fast alle werdenden Mütter und Väter. Es gibt eine Reihe von Krankheiten, die bereits im Mutterleib erkannt und zum Teil auch behandelt werden können. Deshalb ist es wichtig, alle Vorsorgetermine auch regelmäßig wahrzunehmen. Liegen bestimmte Risikofaktoren vor, sollten spezielle vorgeburtliche Untersuchungen durchgeführt werden.

Um besondere Risikofaktoren handelt es sich, wenn:

  • die Mutter älter als 35 Jahre ist und der Vater das 45. Lebensjahr überschritten hat
  • die Mutter bereits mehr als zwei Fehlgeburten hinter sich hat
  • die werdenden Eltern bereits ein behindertes Kind haben
  • Fehlbildungen oder Erbkrankheiten bei anderen Familienmitgliedern vorhanden sind

Es gibt ganz unterschiedliche Untersuchungsmöglichkeiten, die Schädigungen des Kindes im Mutterleib aufdecken. Zu den wichtigsten Methoden zählen:

Chorionzottenbiopsie

Bei Schwangerschaften mit hohem Risiko besteht die Möglichkeit, zwischen der 10. und 12. Schwangerschaftswoche eine Chorionzottenbiopsie durchzuführen. Mit dieser Technik lässt sich frühzeitig feststellen, ob das Ungeborene an einer Chromosomenanomalie oder einem Enzymdefekt leidet. Während dieser Untersuchung entnimmt der Arzt mit einer Hohlnadel durch die Scheide oder Bauchdecke Gewebe der Chorionzotten. Die Chorionzotten umgeben die äußere Haut der Fruchtblase. Ihre Zellen enthalten dieselbe Erbinformation wie die des Kindes. Bereits wenige Tage nach der Untersuchung liegt das Ergebnis vor. Der Eingriff kann ambulant und ohne Narkose durchgeführt werden.
Die Chorionzottenbiopsie führt zu einem schnelleren Ergebnis als eine Fruchtwasseruntersuchung. Auch wenn das Verfahren in den vergangenen Jahren dank zunehmender Erfahrung und moderner Techniken deutlich verbessert wurde: Das Risiko, eine Fehlgeburt auszulösen, ist bei der Chorionzottenbiopsie deutlich höher als bei der Fruchtwasseruntersuchung.

Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese)

Zwischen der 15. und 18. Schwangerschaftswoche besteht die Möglichkeit, bestimmte Behinderungen frühzeitig zu erkennen. Im Fruchtwasser befinden sich kindliche Zellen, die nach der Entnahme von Fruchtwasser mit speziellen Laborverfahren auf Krankheiten hin untersucht werden können. Aber auch erhöhte Konzentrationen eines bestimmten Eiweißstoffes im Fruchtwasser, dem sogenannten Alpha-Fetoprotein, geben Aufschluss auf mögliche Erkrankungen.
Mit Hilfe der Fruchtwasseruntersuchung lassen sich folgende Schädigungen feststellen:

  • Trisomie 21 (Down-Syndrom oder Mongoloismus)
  • Verschlußstörungen der Wirbelsäule (Spina bifida)
  • Glasknochen (Osteogenesis imperfecta)
  • die Stoffwechselerkrankung Mukoviszidose
  • Fehlen der Schädeldecke und von Teilen des Gehirns (Anenzephalie)

Außerdem lässt sich mittels der Fruchtwasseruntersuchung das Geschlecht des Kindes feststellen. Unter örtlicher Betäubung wird mit einer dünnen Kanüle rund 5 bis 15 ml Fruchtwasser aus der Fruchtblase entnommen. Der ganze Eingriff erfolgt unter Ultraschallkontrolle, so dass die Lage des Kindes ständig zu sehen ist. Dadurch wird verhindert, dass der Arzt versehentlich das Kind verletzt. Die Punktion findet ambulant statt und verursacht keine größeren Schmerzen. Allerdings muss die werdende Mutter darauf achten, sich nach dem Eingriff für mindestens ein bis zwei Tage zu schonen. Das entnommene Fruchtwasser wird in ein Labor geschickt. Die kindlichen Zellen werden dort auf Chomosomenschädigungen hin untersucht. Etwa 2 bis drei Wochen dauert es, bis ein Ergebnis vorliegt. Für die zukünftigen Eltern ist dieser Zeitraum oftmals sehr belastend. Nur in seltenen Fällen kommt es bei einer Fruchtwasseruntersuchung zu folgeschweren Komplikationen. Das Risiko, mit diesem Verfahren eine Fehlgeburt auszulösen, liegt bei etwa 0,2 bis 0,5%.

Fruchtwasserspiegelung (Amnioskopie)

Mit Hilfe der Fruchtwasserspiegelung kann das Fruchtwasser auf seine Menge, Farbe und seine Bestandteile hin beurteilt werden. Dafür führt der Arzt ein Sichtrohr durch die Scheide und den Muttermund an die durchsichtige Fruchtblase heran. Geht es dem Kind gut, ist das Fruchtwasser klar oder milchig-trüb. Ist das Fruchtwasser gelb-bräunlich verfärbt, ist Bilirubuin aus geschädigten roten Blutzellen des Kindes enthalten. Eine grünliche Verfärbung zeigt an, dass Darminhalt in das Fruchtwasser entleert wurde. Ein Hinweis dafür, dass das Kind unter Sauerstoffmangel leidet oder gelitten hat.

Triple-Test

Zwischen der 15. und 16. Schwangerschaftswoche kann der Triple-Test erste Hinweise auf eine mögliche Behinderung liefern. Dafür muss der Schwangeren eine Blutprobe entnommen werden. Im Labor wird das mütterliche Blut auf drei verschiedene Substanzen, das Alpha-Fetoprotein und zwei Plazentahormone untersucht. Diese Substanzen werden vom Fötus gebildet und treten ins Blutserum der Mutter über.
Das Untersuchungsergebnis wird anschließend mit weiteren Faktoren (z. B. Alter der Mutter) in Beziehung gesetzt. Das endgültige Resultat lässt allerdings nur eine Aussage zu, wie hoch das Risiko für die Schwangere ist, ein behindertes Kind zu bekommen. Auffällige Befunde geben keine endgültigen Rückschlüsse auf eine Gesundheitsschädigung des Kindes. Und Werte, die im Normbereich liegen, schließen eine mögliche Behinderung auch nicht aus.

Doppler-Sonographie

Mit Hilfe einer Doppler-Sonographie, einem speziellen Ultraschallverfahren, können sowohl die Funktionsfähigkeit einzelner Organe als auch die Blutversorgung des ungeborenen Kindes im Mutterleib untersucht werden. Dieses Verfahren macht den Blutfluss von den mütterlichen Gefäßen in die Plazenta und in den Körper des ungeborenen Kindes sichtbar. Die gemessene Menge des Blutes und seine Fließgeschwindigkeit geben Aufschluss darüber, ob das Kind genügend Sauerstoff und Nährstoffe über die Plazenta erhält. Liegt eine Durchblutungsstörung vor, kann der Arzt gegebenenfalls zu durchblutungsfördernden Maßnahmen greifen.

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