Die anderen Umstände

Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit. Doch im Körper der werdenden Mutter spielen sich in den nächsten neun Monaten jede Menge Veränderungen ab, die sich auf den ganzen Organismus auswirken und das Wohlbefinden der Schwangeren positiv oder negativ beeinflussen. Besonders betroffen sind:

Die Brüste

Häufig sind schon in den ersten Schwangerschaftsmonaten Veränderungen in den Brüsten spürbar. Sie werden voller und wärmer. Oftmals können sie sich sogar oftmals schon kurz nach der Empfängnis schwer und gespannt anfühlen sowie überempfindlich gegenüber Berührungen sein. Auch stechende Schmerzen und ein komisches Prickeln sind durchaus völlig normal. Im Verlauf der Schwangerschaft nehmen die Brüste stark zu. Viele Frauen tragen gegen Ende der Schwangerschaft einen BH, der einige Nummern größer ist als der Bisherige! Die Größenzunahme der Brust liegt an der Vermehrung milchproduzierender Zellen und den entsprechenden Milchgängen. Auch die Brustwarzen werden meist größer und empfindlicher. Um den Brustwarzenhof werden kleine Drüsen, die sogenannten Montegomerischen Drüsen, sichtbar. Sie scheiden natürliche Öle aus, welche die Brustwarzen geschmeidig halten und die Brust auf das Stillen vorbereiten. Gegen Ende der Schwangerschaft werden die Brustwarzen und -höfe bei den meisten Frauen dunkler.

Das Blut

Rund fünf Liter Blut zirkulieren im Körper einer Frau. Im Verlauf der Schwangerschaft nimmt die Blutmenge um etwa anderthalb Liter zu, so dass kurz vor der Entbindung etwa 6,5 Liter Blut durch den Körper der Schwangeren fließen. Ein Viertel der zusätzlichen Blutmenge werden allein für die Versorgung der Gebärmutter benötigt. Der Rest verteilt sich auf die Brüste und andere Organe.

Das Gewicht

Klar, dass die Frau während der Schwangerschaft ordentlich an Gewicht zulegt. Die Gewichtszunahme sollte dabei zwischen 10 bis 15 kg betragen. Das Geburtsgewicht vom Neugeborenen hängt u.a. auch von der Gewichtszunahme der Schwangeren ab. Neugeborene, die zwischen 3 und 4 kg wiegen, sind in der Regel am gesündesten. Die Gewichtszunahme der Schwangeren setzt sich folgendermaßen zusammen:
Kind, Plazenta und Fruchtwasser 4,5 kg
Gewichtszunahme Gebärmutter 1,0 kg
Gewichtszunahme Brüste 0,4 kg
Gewebewasser 3,0 kg
Fett- und Eiweißvorräte 3,0 kg
—————————————————————–
Gewichtszunahme gesamt 11,9 kg

Auch eine Gewichtszunahme bis 17 kg gilt durchaus noch als normal.

Bei Schwangeren mit Untergewicht und geringer Gewichtszunahme bleibt in vielen Fällen das Wachstum des Kindes zurück. Bei Schwangeren mit starkem Übergewicht und hoher Gewichtszunahme können Komplikationen während der Schwangerschaft (z.B. Schwangerschaftsdiabetes und Gestose) und beim Geburtsverlauf auftreten. Da bei übergewichtigen Diabetikerinnen in vielen Fällen auch das Kind schwergewichtig ist, kann ein Kaiserschnitt notwendig sein. Auf eine Diät sollten werdende Mütter unbedingt verzichten. Eine Gewichtsreduktion entzieht dem ungeborenen Kind wichtige Nährstoffe, die es für sein Wachstum benötigt, und wirkt sich negativ auf die kindliche Entwicklung aus. Eine gesunde und ausgewogene Ernährung in der Schwangerschaft ist empfehlenswert.

Haut, Haare und Nägel

Während der Schwangerschaft wird verstärkt Melatonin in die Haut eingelagert. Dies bewirkt vor allem bei dunkel- und schwarzhaarigen Frauen das Auftreten von Pigmentflecken. Sommersprossen, Leberflecken und Operationsnarben werden häufig etwas dunkler. Diese Veränderungen bilden sich nach der Entbindung wieder zurück. Aufgrund der hormonellen Umstellung während der Schwangerschaft können sich sowohl die Beschaffenheit der Haare als auch der Nägel ändern. Allerdings: Während bei manchen werdenden Müttern die Haare immer dichter und glänzender werden, leiden andere hingegen unter Haarausfall. Genauso verhält es sich mit den Fingernägeln: Bei manchen Schwangeren werden sie besonders brüchig, andere dagegen haben gerade in dieser Zeit besonders feste Fingernägel.

Die Scheide

Die hormonelle Umstellung während der Schwangerschaft beeinflusst auch den Genitalbereich. Schon zu Beginn der Schwangerschaft werden sowohl die Schamlippen weicher und dicker sowie die Klitoris sensibler. Manche Frauen verspüren ein gesteigertes sexuelles Verlangen. Da bestimmte Drüsen im Gebärmutterhals aktiver sind, schwellen auch die Schleimhäute an. Dadurch ist der Ausfluss aus der Vagina oftmals erhöht. Hierdurch und durch die generell in der Schwangerschaft verminderten Abwehrkräfte kommt es verstärkt zu Scheideninfektionen, die umgehend behandelt werden sollten.

Die Zähne

Während der Schwangerschaft kommt es häufig zu Zahnfleischerkrankungen, da der erhöhte Progesteronspiegel das Zahnfleisch anschwellen lässt. Entzündungen und Karies können dadurch leichter entstehen. Eine regelmäßige Zahnpflege ist deshalb besonders wichtig. Es wird außerdem empfohlen, während der Schwangerschaft ein- bis zweimal den Zahnarzt aufzusuchen.

Das Gemüt

Stimmungsschwankungen – vor allem während der ersten Schwangerschaftsmonate – sind vollkommen normal. Das liegt vor allem daran, dass der Östrogenspiegel im Körper einer Schwangeren etwa um das 1000fache ansteigt. Der Hormonhaushalt steht völlig Kopf und führt zu regelrechten Gefühlsduschen, die auf Schwangere dann niederprasseln. Kleinste Probleme – wenn überhaupt – reichen völlig aus, um einen Weinkrampf auszulösen. Und der kann sich innerhalb kürzester Zeit in Wohlgefallen auflösen.

Aber nicht alle Stimmungsschwankungen sind auf eine hormonelle Veränderung im Körper zurückzuführen. Stimmungsschwankungen können auch seelische Ursachen haben. Mit der Schwangerschaft stellt sich auch eine völlig neue Lebenssituation ein. Gerade Frauen, die unerwartet schwanger geworden sind, müssen sich damit erst mal zurecht finden. Nicht selten kommen dann Probleme in der Partnerschaft, im Beruf oder finanzielle Schwierigkeiten hinzu.

Was kann man dagegen tun?
Gegen Stimmungsschwankungen in der Schwangerschaft, die hormonell bedingt sind, ist so gut wie kein Kraut gewachsen. Sie vergehen meist genauso schnell, wie sie auch gekommen sind. Am leichtesten sind die Wechselbäder der Gefühle wahrscheinlich zu ertragen, wenn man sie einfach akzeptiert. Manchmal hilft ein Gespräch mit dem Partner oder Freunden weiter. Die Rücksichtnahme von Partner und Familie ist jetzt besonders wichtig.

Sind depressive Verstimmungen während der Schwangerschaft jedoch auf partnerschaftliche Konflikte zurückzuführen, so kann nur eine Aussprache zur seelischen Entlastung beitragen. In vielen Fällen können Beratungsstellen (z.B. Pro Familia, Schwangerschaftsberatungsstellen der städtischen Gesundheitsbehörden, Sozialdienst katholischer Frauen e.V., evangelischer Beratungsdienst) weiterhelfen.

© 1997-2017 | -