Kinder und Partnerschaft

Es passiert bei fast allen Paaren: seit Monaten wartet man gemeinsam sehnlichst auf das Kind und freut sich mit großer Erwartung auf das harmonische Familienglück. Doch kaum ist das Baby auf der Welt, fangen bei den meisten frischgebackenen Eltern die ersten Beziehungsprobleme an. Anstelle trauter Dreisamkeit sind Vater und Mutter voneinander schwer enttäuscht und liegen sich ständig in den Haaren. Die neue Lebenssituation hat sich anders als erträumt eingestellt und die gegenseitigen Erwartungen werden einfach nicht erfüllt. Die Frauen fühlen sich häufig schlichtweg im Stich gelassen und völlig überfordert, die Männer nicht selten missverstanden, schlecht behandelt und häufig auch vernachlässigt oder überdrüssig. Schon Kleinigkeiten reichen aus, um sich heftig in die Haare zu bekommen und gemeinsame Stunden zu zweit sind so gut wie gar nicht mehr möglich. Mütter werfen den Vätern die fehlende Verantwortung vor und die Männer fragen sich, was die Frau den ganzen Tag eigentlich macht. Beziehungsprobleme sind da vorprogrammiert und in einigen Fällen der Grund, warum sich manche Paare immer tiefer in eine Krise verstricken und sich schließlich trennen.

Vom Liebespaar zum Elternpaar – diese Entwicklung ist nicht ganz einfach und erfordert für beide Partner viel Arbeit:

Auch wenn die Frau den ganzen Tag zuhause ist: ein Kind zu versorgen ist ein Vollzeitjob. Das Füttern, die Pflege, das Ausfahren oder ein Kind zu beschäftigen nimmt täglich rund 10 Stunden – und manchmal auch mehr – in Anspruch. Da die Bedürfnisse des Kindes eigentlich immer zuerst gestillt werden, bleibt für die Mutter keine Zeit mehr übrig, ihren eigenen Bedürfnissen nachzugehen. Sich in Ruhe der Körperpflege widmen, den Haushalt in den Griff zu bekommen oder etwas leckeres zu kochen ist so gut wie gar nicht mehr möglich. Hinzu kommt, dass die meisten Kinder nachts noch gestillt oder gefüttert werden müssen oder sind einfach wach sind, weil sie noch keinen Tag-Nachtrhythmus haben. Die Frauen sind dadurch völlig übermüdet. Kaum eine Mutter nimmt sich die Zeit, sich hinzulegen und auszuruhen, wenn das Kind tagsüber schläft, sondern versucht, das häusliche Chaos so gut es geht in den Griff zu bekommen. Die meisten Mütter hoffen, dass sich der Mann nach Feierabend sofort dem Kind zuwendet, damit sie endlich ein, zwei Stunden für sich haben, um ihren Bedürfnissen nachzugehen.

Doch für den Mann stellt sich die Situation häufig völlig anders dar. Den ganzen Tag verbringt er an seinem Arbeitsplatz und muss ebenfalls vollen Leistungseinsatz zeigen. Und wenn er abends nach Hause kommt, wird von ihm erwartet, dass er mit ganzer Energie im Haushalt hilft, der Mutter das Kind abnimmt und sich noch um die alltäglichen Erledigungen kümmert. Die Frau schenkt ihre Liebe und Aufmerksamkeit nur noch dem Kind, Probleme oder Stress am Arbeitsplatz werden schlichtweg ignoriert und an sexuelle Bedürfnisse ist überhaupt nicht mehr zu denken. Und nicht selten ist die finanzielle Situation noch eine zusätzliche Belastung und die große Verantwortung kaum noch zu tragen.

Kein Wunder, dass beide Elternteile völlig überfordert sind, die Nerven brach liegen und schon kleine Auseinandersetzungen zu großen Streitereien ausufern.

Die meisten frischgebackenen Eltern müssen erst einmal lernen, mit dem neuen Tagesablauf zurecht zu kommen und mit der neuen Beziehungsform richtig umzugehen. Wichtig ist, dass sie sich nicht ständig gegenseitig nur Vorwürfe machen, sondern über ihre Bedürfnisse offen reden und versuchen, Rücksicht aufeinander zu nehmen. Damit größere Probleme nicht das Familienglück betrüben, sollten sich Mütter und Väter immer im Klaren darüber sein, welche Anforderung und Belastung des Partners die veränderte Lebenssituation mit sich bringt. Um bestimmte Probleme aus der Welt zu schaffen, können Mütter und Väter einiges tun:

Mütter sollten versuchen, Hilfe und Unterstützung von anderen Personen zu bekommen, damit sie etwas Zeit für sich hat. Vielleicht kann ein Familienmitglied oder eine Freundin ab und zu das Kind in Obhut nehmen oder die Mutter im Haushalt unterstützen. Oftmals hilft auch ein Babysitter, der das Kind einfach mal ein, zwei Stunden spazieren fährt schon weiter.

Mütter müssen sich davon freimachen, dass der Haushalt perfekt sein muss und sollten sich diesem Druck erst gar nicht aussetzen. Wenn es mal nicht ordentlich ist oder keine Zeit zum Kochen ist, ist das kein Verbrechen und auch andere Personen müssen dafür Verständnis haben.

Väter müssen sich im Klaren darüber sein, dass „Muttersein” ein Vollzeit-Job ist
und die Frau viel Unterstützung sowohl im Haushalt, als auch im Umgang mit dem Kind braucht.

Wichtig ist, dass sich beide Elternteile ab und zu einmal Zeit nehmen, um nur füreinander da zu sein. Vielleicht kann ein Babysitter abends auf das Kind aufpassen, so dass die Eltern mal gemeinsam ausgehen oder Stunden zu zweit verbringen können. Auch die gemeinsamen Freunde sollten nicht vernachlässigt werden, damit sich Eltern nicht gesellschaftlich isolieren.

Väter müssen darauf Rücksicht nehmen, dass die Frau sich sowohl körperlich und seelisch von den ganzen Strapazen der Geburt und den anstrengenden Wochen danach erst einmal erholen muss. Sie müssen der Frau Zeit geben, wieder zu ihrem Körpergefühl zurückzufinden und sie darin auch unterstützen.

Frauen dürfen nicht vergessen, dass sie nicht nur Mutter, sondern auch weiterhin die Geliebte und Partnerin des Mannes sind. Sie sollten sich nicht völlig gehen lassen und versuchen, auf ihre Attraktivität als Frau nicht zu verzichten.

Frauen müssen sich darüber im Klaren sein, dass nicht nur das Kind Zuwendung braucht, sondern auch der Partner. Sie müssen Verständnis aufbringen, wenn auch der Partner Stress beispielsweise im Beruf hat und mit der großen Verantworten zurecht kommen muss.

Mit viel Verständnis und Rücksichtnahme werden Eltern es schaffen, die neue schwierige Lebenssituation mit der Zeit in den Griff zu bekommen. Sie werden nach ein paar Monaten feststellen, da sich all die Anstrengung und Mühe lohnt und der Familienalltag sich harmonisch einstellt.

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