Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) M. Basedow

Die Schilddrüse ist ein kleines Organ vor der Luftröhre unterhalb des Kehlkopfes. Sie wiegt bei einem gesunden Erwachsenen durchschnittlich 20 – 30 g und besteht aus zwei Seitenlappen und einem schmalen Mittellappen. Sie ist normalerweise weder zu sehen, noch zu tasten. Hier werden die iodhaltigen Schilddrüsenhormone gebildet, die sämtliche Stoffwechselvorgänge im Körper regeln. Schilddrüsenhormone daher sind lebensnotwendig. Sie steigern den Energieumsatz im Körper. Man unterscheidet grundsätzlich zwei Schilddrüsenhormone, das L-Thyroxin und das Trijodthyronin.

Sie steuern bei Kindern das Wachstum und die normale Entwicklung von Kreislauf, Muskulatur, Nervensystem und Drüsen. Beim Erwachsenen sorgen Sie dafür, dass sämtliche Stoffwechselprozesse reibungslos funktionieren. Die Freisetzung der Schilddrüsenhormone wird durch das Gehirn gesteuert. Sinkt die Konzentration der Schilddrüsenhormone im Blut, wird über das Gehirn die Freisetzung neuer Schilddrüsenhormone eingeleitet. Kälte, psychische und körperliche Belastung führen wegen des erhöhten Energiebedarfs des Körpers zu einer höheren Konzentration an Schilddrüsenhormonen, Wärme und Ruhe senken die Konzentration an Schilddrüsenhormonen im Blut. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse vermehrt Hormone und gibt sie an den Körper ab. Da das Angebot an Schilddrüsenhormonen den Bedarf übersteigt, werden die von den Schilddrüsenhormonen beeinflußten Organe über das normale Maß hinaus angeregt. Jedes von den Schilddrüsenhormonen beeinflusste Organ muss daher zu viel arbeiten. Dies verursacht im Körper typische Veränderungen und Beschwerden.

Ursachen/Risikofaktoren

Eine Schilddrüsenüberfunktion kann zahlreiche Ursachen haben, die im Weiteren näher erläutert werden.

Morbus Basedow (Immunogene Hyperthyreose Typ Basedow)
Im Jahr 1840 hat der Merseburger Arzt von Basedow zum ersten Mal ein Krankheitsbild beschrieben, bei dem als klassische Symptome eine vergrößerte Schilddrüse, eine erhöhte Herzfrequenz sowie sog. Glotzaugen, eine Hervordrängen der Augäpfel, auftraten. Seit dieser Zeit wird diese Erkrankung nach ihm benannt. Nicht immer müssen alle drei Symptome zusammen auftreten. Ist das jedoch der Fall, wird von der sog. Merseburger Trias gesprochen. Ursache für den sog. Morbus (= Krankheit) Basedow ist die krankhafte Bildung von speziellen Antikörpern (Thyreoidea-stimulierende Antikörper TSI). Diese regen die Schilddrüse zur unkontrollierten Produktion von Schilddrüsenhormonen an, wodurch typische Beschwerden verursacht werden (s. Krankheitsbild). Bis heute weiß man nicht genau, welche Faktoren zu dieser Erkrankung führen. Es zeigt sich jedoch eine familiäre Häufung, so dass man vermutet, dass Anlagen für diese Krankheit möglicherweise vererbt werden.

Schilddrüsenüberfunktion wegen Schilddrüsenautonomie
In jeder gesunden Schilddrüse gibt es Bereiche, die unabhängig vom Bedarf an Schilddrüsenhormonen unkontrolliert, d. h. autonom Hormone produzieren. Diese sind normalerweise so gering, dass sie nicht ins Gewicht fallen und auch keine Beschwerden verursachen. Nehmen diese Areale jedoch an Größe zu, kann es sein, dass die Menge an Schilddrüsenhormonen den Bedarf übersteigt und es zum Krankheitsbild einer Schilddrüsenüberfunktion kommt. Ursache hierfür kann zum Beispiel ein chronischer Jodmangel sein (Jodmangelstruma oder Iodmangelkropf). Besonders gefährlich ist in diesen Fällen die plötzliche Gabe von Jod z. B. als Bestandteil von Medikamenten oder Röntgenkontrastmitteln. Die durch den chronischen Jodmangel geradezu ausgehungerten Schilddrüsenzellen nehmen das in großen Mengen angebotene Jod auf und bilden unkontrollierte Mengen an Schilddrüsenhormonen, was dann eine Schilddrüsenüberfunkton zur Folge hat.

Schilddrüsenkarzinom
Nur in seltenen Fällen ist ein Schilddrüsenkarzinom für die vermehrte Bildung von Schilddrüsenhormonen verantwortlich, aber auch diese Möglichkeit muss bei dem Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion in Betracht gezogen werden.

Krankheitsbild

Besonders häufig klagen die Patienten über Beschwerden wie übermäßige Wärmeempfindlichkeit mit teilweise leicht erhöhter Körpertemperatur, vermehrtes Schwitzen, stärkeres Durstgefühl, Gewichtsabnahme trotz gesteigertem Appetit, häufigem Stuhlgang bis hin zu Durchfall, Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzklopfen und Herzrasen sowie rasche Ermüdung. Bei der Untersuchung durch den Arzt zeigen sich in vielen Fällen eine deutlich vergrößerte Schilddrüse (Kropf oder Struma), teilweise ein leichtes Zittern der Finger, warme und feuchte Hände, eine Muskelschwäche vor allem in den Oberschenkeln, ein erhöhter Pulsschlag bis zu über 90 Schlägen/Minute und in der Pumpphase des Herzens ein Herzgeräusch. Nur beim Morbus Basedow treten bei einem Teil der Patienten zusätzlich noch Glotzaugen auf.

Auswirkungen

Erkrankt ein Patient mit unerkannter Schilddrüsenüberfunktion zusätzlich z. B. an einer fiebrigen Erkältung oder bekommen Patienten mit einer nicht bekannten Schilddrüsenautonomie Jod in größeren Mengen zugeführt (durch Medikamente oder Röntgenkontrastmittel), kann eine lebensbedrohliche Situation entstehen. Durch die übermäßige Bildung von Schilddrüsenhormonen kommt es in diesen Fällen zu einer sog. Thyreotoxischen Krise bis hin zum Koma (Bewußtseinsverlust). Ein massives Ansteigen der Herzfrequenz, Herzrhythmusstörungen, Fieber bis zu 41°C, vermehrtes Schwitzen mit hohem Verlust von Körperflüssigkeit, Erbrechen und Durchfall, im weiteren Verlauf Bewußtseinsstörungen bis hin zum Bewußtlosigkeit (Koma) und sogar der Tod können die Folge sein.

Erkennung/Untersuchungen

Bei der genauen Befragung durch den behandelnden Arzt fallen meist schon die typischen Beschwerden auf, die den Verdacht auf eine Schilddrüsenüberfunktion lenken. Blutuntersuchungen, die erhöhte Blutwerte der Schilddrüsenhormone nachweisen, bestätigen den Verdacht. Handelt es sich bei der Erkrankung um einen Morbus Basedow, finden sich meist zudem die speziellen Autoantikörper TSI im Blut. Eine Schilddrüsenultraschalluntersuchung kann dann weiterhelfen, wenn die Ursache der Schilddrüsenüberfunktion nicht eindeutig zu bestimmen ist.

Therapie

Je nach Alter der Patienten und der Ursache der Schilddrüsenüberfunktion stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Unabhängig davon, welche krankhafte Veränderung die Schilddrüsenüberfunktion ausgelöst hat, muss zunächst versucht werden, die Überproduktion an Schilddrüsenhormonen einzuschränken.Zum Einsatz kommen Medikamente, die die Bildung der Schilddrüsenhormone hemmen. Das geschieht z. B. durch die Wirkstoffe Thiamazol und Carbimazol. Sie verhindern den Einbau von Jod in die Schilddrüsenhormone. Dadurch sinkt die verfügbare Menge an Schilddrüsenhormonen im Körper nach ca. 2 Wochen. Das Gehirn versucht jedoch die Herstellung der Schilddrüsenhormone anzuregen, was zu einer stärkeren Durchblutung der Schilddrüse und dann zu einem Wachstum der Schilddrüse führt. Um dies zu vermeiden werden bei der Behandlung zusätzlich Schilddrüsenhormone in geringer Dosis zusätzlich verabreicht. Die Behandlung ist rein symptomatisch und behebt nicht die ursprüngliche Fehlfunktion der Schilddrüse. Doch mit ihrer Hilfe wird die Hormonmenge auf ein normales Maß reduziert. Die Behandlung wird meist 1-2 Jahre fortgeführt, wobei am Anfang mit einer hohen Dosis begonnen wird, die dann je nach Verbesserung des Gesamtbefindens und der Blutwerte des Patienten schrittweise gesenkt wird. Danach wird entschieden, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind.

Bei großen Schilddrüsen, die eventuell sogar Atem- oder Schluckbeschwerden verursachen, oder bei Schilddrüsen mit nur einem Autonomiebezirk werden nach Erreichen normaler Schilddrüsenhormonwerte häufig Teile der vergrößerten Schilddrüse operativ entfernt. Nach der Operation kann es in manchen Fällen dadurch zu einer Minderversorgung mit Hormonen kommen, so dass eventuell eine Schilddrüsenhormongabe in Tablettenform nötig wird.

Alternativ zur Operation wird z. B. bei einer Schilddrüsenüberfunktion wegen zahlreicher autonomer Gebiete meist eine Radio-Jod-Therapie Info angewandt. Radiojod reichert sich vor allem in den Gebieten an, die vermehrt Hormone produzieren und zerstrahlt fast ausschließlich diese Bezirke. Man kann auch hierdurch einen guten und bleibenden Therapieerfolg erzielen.

Häufige Fragen

Ich werde wegen einer Schilddrüsenüberfunktion behandelt. Meine Blutwerte werden regelmäßig kontrolliert. Versuchsweise wird die Dosis meines Medikamentes immer wieder gesenkt, aber dann geht es mir oft sehr schlecht. Daraufhin erhalte ich wieder die alte, hohe Dosis. Muss ich mir Sorgen machen?

Sie brauchen sich keine Sorgen zu machen, wenn Sie Ihrem behandelnden Arzt vertrauen. Es kommt oft vor, dass der Versuch, Dosierung des Medikamentes zu senken, beim ersten Versuch scheitert. Dann wird die Behandlung mit der hohen Dosis fortgesetzt und nach einem angemessenen Zeitraum wird dann erneut versucht, die Dosis zu senken. Sollte es dauerhaft nicht möglich sein, die Dosis zu senken, muss eine Operation oder eine Radio-Jod-Therapie Info in Erwägung gezogen werden.

Wichtige Adressen

Forum Schilddrüse e.V.
Helmhuder Strasse 70
20148 Hamburg
Telefon: 040/41 70 95
Telefax: 040/41 47 84 50
Gfek@mail.hamburg.com

Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Postfach 930201
60457 Frankfurt/Main

Empfehlenswerte Links

Das Forum Schilddrüse e.V. nimmt sich der Problematik von Schilddrüsenerkrankungen an.
Es sichtet neue Erkenntnisse zur Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen und arbeitet sie sowohl für die Information von Laien als auch von Ärzten auf.
http://www.forum-schilddruese.de/

„Die Schildbürger” Selbsthilfegruppe für Schilddrüsenkranke und ihre Familien.
Zielsetzung dieser Selbsthilfegruppe ist es, hilfesuchenden Menschen bei der Erkennung und Bewältigung ihrer Schilddrüsenerkrankung bestmögliche Hilfestellung zu leisten. http://www.timegate2000.com/druese/

Kategorie: Krankheiten
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