Kropf – Struma

Unter einem Kropf bzw. einer Struma versteht man eine gutartige Vergrößerung der gesamten Schilddrüse oder von Teilen der Schilddrüse. Etwa 15 Millionen Bundesbürger leiden unter dieser Erkrankung. Über 1% der Neugeborenen kommen bereits mit einer vergrößerten Schilddrüse auf die Welt. Je nach Größe des Kropfes unterscheidet man die Stadien I-III. In über 90% der Fälle bleibt trotz des vermehrten Schilddrüsengewebes die Hormonproduktion normal, und es kommt lange Zeit zu keinen wesentlichen Krankheitssymptomen. Das ist mit ein Grund dafür, dass diese Erkrankung häufig erst sehr spät erkannt wird.

Ursachen/Risikofaktoren

Am häufigsten ist ein Kropf durch einen chronischen Jodmangel bedingt. Lange Zeit galt vor allem der auf bestimmte Gebiete beschränkte, sog. endemische Jodmangel im Trinkwasser als Hauptursache für die Entstehung von Strumen (siehe auch Aktuelles). Doch dies scheint nur noch eine geringe Rolle zu spielen. Vielmehr ist wahrscheinlich eine gestörte oder verminderte Aufnahme von Jod über die Nahrung die Hauptursache.

Jod ist ein lebenswichtiger Nährstoff, der regelmäßig mit der Nahrung aufgenommen werden muss. Der Körper benötigt Jod für die normale Schilddrüsenfunktion und die Bildung der Schilddrüsenhormone. Die Schilddrüsenhormone wiederum sind an zahlreichen lebenswichtigen Vorgängen im Stoffwechsel beteiligt. Enthalten Nahrung und Trinkwasser zu wenig Jod, können nicht ausreichend Schilddrüsenhormone gebildet werden. Der Organismus versucht durch Vermehrung der Schilddrüsenzellen die größtmögliche Menge an Jod aus der Nahrung aufzunehmen, um diesen Mangel auszugleichen. Der chronische Jodmangel führt durch eine Vergrößerung und Vermehrung der Schilddrüsenzellen schließlich zu einer Größenzunahme der Schilddrüse und damit zur Bildung eines Kropfes. Zudem kann es in besonderen Belastungssituationen wie der Pubertät, während einer Schwangerschaft oder in den Wechseljahren durch einen vermehrten Schilddrüsenhormonbedarf zu einer Vergrößerung der Schilddrüse kommen.

Krankheitsbild

Häufig bleibt ein Kropf lange Zeit unentdeckt, da die Schilddrüsenvergrößerung langsam voran geht und nur selten Beschwerden bereitet. Erst bei stärkerer Größenzunahme der Schilddrüse kommt es zu einer Zunahme des Halsumfangs. Erste Anzeichen dafür sind nicht selten ein drückender Rollkragenpullover oder ein zu enger Hemdkragen. Wächst die Schilddrüse weiter, und bilden sich z. B. Knoten im Schilddrüsengewebe, können diese auf Luft- und Speiseröhre drücken und so zu Atem- und Schluckbeschwerden führen.

Auswirkungen

In über 90% der Fälle bleibt die Hormonproduktion auch bei einer vergrößerten Schilddrüse gleich, so dass besonders bei kleineren Kröpfen kaum Beschwerden entstehen. Wird die Schilddrüse jedoch größer, kommt es durch die Vermehrung des Halsumfanges meist als erstes zu Unannehmlichkeiten beim Tragen enger Krägen.

Da die Entwicklung eines Kropfes häufig Jahre oder Jahrzehnte dauert, nimmt der Patient die nur langsam fortschreitende Größenzunahme häufig gar nicht richtig wahr und toleriert leichte Beschwerden relativ lange. Durch die fortschreitende Einengung von Luft- und Speiseröhre können jedoch Atem- und Schluckbeschwerden auftreten. Die Einengung der Luftröhre kann so weit fortschreiten, dass der Patient Atemnot verspürt, beim Atmen ein hörbares Atemgeräusch (Stridor) entsteht und die Luftröhre dauerhaft geschädigt wird.

Durch Einblutungen in das gut durchblutete Schilddrüsengewebe kann es zu einer plötzlichen Größenzunahme des Organs mit akuter Erstickungsgefahr kommen. Schluckbeschwerden durch eine Verdrängung der Speiseröhre sind bei großen Strumen keine Seltenheit. Werden Nerven in Mitleidenschaft gezogen, die in der Umgebung der Schilddrüse verlaufen, ist nicht selten Heiserkeit die Folge.

Gerade bei großen Kröpfen entstehen durch die ständigen Wachstumsschübe oft kleine Knoten innerhalb des Schilddrüsengewebes. Diese Knoten produzieren teilweise unkontrolliert Schilddrüsenhormone. Man spricht dann von einer sog.

Schilddrüsenautonomie. Bei älteren Patienten mit einer großen Knotenstruma findet man solche Autonomien besonders häufig. Und gerade sie sind extrem gefährdet. Nehmen sie eine erhöhte Menge Jod in Form von jodhaltigen Medikamenten oder Röntgenkontrastmitteln auf, kann es zu einer plötzlichen Überfunktion der Schilddrüse mit den typischen Symptomen kommen.

Erkennung/Untersuchungen

Die Diagnostik bei Verdacht auf eine Schilddrüsenvergrößerung umfasst neben der Untersuchung durch den Arzt folgende Verfahren:

eine Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse, in der die Größe und Ausbreitung der Schilddrüse bestimmt wird ggf. eine Röntgenuntersuchung des Brustkorbes, um eine Ausdehnung der Schilddrüse bis hinter das Brustbein aufzudecken ggf. eine Röntgenuntersuchung der Luftröhre, um eine mögliche Einengung durch die Schilddrüse zu erkennen Blutuntersuchung mit Bestimmung der Schilddrüsenhormonwerte und weiterer damit verbundener Blutwerte ggf. Schilddrüsenszintigraphie Info zur Darstellung einer Schilddrüsenautonomie (siehe auch Ursachen/Risikofaktoren).

INFO Schilddrüsenszintigraphie
Mit der Schilddrüsenszintigraphie kann man das hormonproduzierende Gewebe der Schilddrüse darstellen. Den Patienten wird dabei ein radioaktiv markierter Stoff verabreicht, der eine ungefährliche Form von Strahlen aussendet. Dessen Bestandteile reichern sich nur in den hormonbildenden Gebieten der Schilddrüse an. Bei einer gesunden Schilddrüse zeigt sich ein gleichmäßiges Verteilungsmuster. Bezirke, die besonders viel Hormone produzieren, z. B. im Falle einer Überfunktion der Schilddrüse, stellen sich als sog. „Heiße Areale” dar. Gebiete, in denen weniger oder gar keine Hormone mehr gebildet werden, wie z. B. bei einem bösartigen Schilddrüsentumor, fallen als sog. „Kalte Areale” auf. Zusätzlich kann man bei einem Kropf auch Areale darstellen, die der Ultraschalluntersuchung nicht zugänglich sind, so z. B. Teile der Schilddrüse, die hinter dem Brustbein liegen.

Therapie

Die Therapiemöglichkeiten richten sich stark nach der Größe des Kropfes, nach den Beschwerden und dem Alter der Patienten. Ist die Schilddrüsenvergrößerung noch gering, versucht man, mit der Gabe von Jod in Tablettenform die Schilddrüse wieder zu verkleinern. Dies zeigt besonders gute Erfolge bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Je nach Bedarf wird eine tägliche Joddosis von 100-200 Mikrogramm Jod pro Tag als Tablette gegeben.

Bei einer mäßigen Schilddrüsenvergrößerung und unter der Voraussetzung, dass keine Knoten vorhanden sind, die unkontrolliert Schilddrüsenhormone produzieren, kann man durch die Einnahme von Schilddrüsenhormontabletten den Kropf verkleinern. Schilddrüsenhormone werden heute synthetisch hergestellt und in Tablettenform verabreicht. Am weitesten verbreitet ist die Gabe von L-Thyroxin, das dem körpereigenen Hormon Thyroxin entspricht. Aber auch L-Trijodthyronin, das im Organismus aus Thyroxin gebildet wird, kann zur Therapie eingesetzt werden. Durch die Gabe der Hormone in Form von Tabletten wird die Schilddrüse teilweise ruhiggestellt. Das ungenutzte Gewebe verkleinert sich und der Kropf wächst nicht mehr weiter. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen der Blutwerte wird die individuell richtige Tablettendosis ermittelt.

Bei zu hoher Dosierung der Hormone können Symptome wie bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, bei zu geringer Dosierung bleibt der gewünschte Verkleinerungseffekt auf die Schilddrüse aus

Ist die Struma besonders groß, weist sie Knoten auf, die entweder unkontrolliert Schilddrüsenhormone produzieren oder möglicherweise bösartig sind oder macht sie Atem- oder Schluckbeschwerden, bleibt nur noch die Operation. Hierbei wird nahezu das gesamte Schilddrüsengewebe entfernt. Dies hat zur Folge, dass das restliche Schilddrüsengewebe nicht mehr ausreichend Hormone bildet und die Patienten ein Leben lang Schilddrüsenhormone in Tablettenform einnehmen müssen.

Kommt auf Grund von Operationsrisiken oder anderen Problemen eine Operation nicht in Frage, steht als letzte Möglichkeit die Radio-Jod-Therapie zur Verfügung, eine Art Strahlentherapie von innen. Hierbei wird den Patienten radioaktiv markiertes Jod verabreicht, das sich in den hormonbildenden Gebietes der Struma anreichert und diese durch die abgegebene Strahlung schädigt. So kommt es zu einer Reduzierung des Schilddrüsengewebes und dadurch zu einer Verkleinerung des Kropfes.

Vorsorge

Da ein großer Teil der Schilddrüsenvergrößerungen auf einen Jodmangel zurückzuführen ist, ist hier die Vorsorge denkbar einfach. Achten Sie auf eine ausreichende Jodzufuhr! Doch wie viel braucht man und in welchen Nahrungsmitteln findet man Jod?
Der tägliche Bedarf an Jod beträgt bei einem gesunden Erwachsenen ca. 150 Mikrogramm. Diese menge können wir mit unserer Nahrung zu uns nehmen. Grundsätzlich sollte man jodiertes Speisesalz verwenden. Das gibt es in fast jedem Lebensmittelgeschäft in Deutschland zu kaufen. Es enthält ca. 15-25 Milligramm Jod pro Kilogramm Salz. Doch allein mit Jodsalz ist der Tagesbedarf an Jod nicht zu decken, da auch eine zu hoher Salzverbrauch gesundheitsschädigend ist. Eine andere natürliche Jodquelle ist Fisch und hier besonders Seefisch. Seelachs, Scholle und Schellfisch enthalten besonders viel Jod. Zweimal pro Woche Fisch auf den Tisch und der Bedarf an Jod ist weitgehend gedeckt! Der Jodanteil in anderen Nahrungsmittel ist dagegen eher gering.
Werdende und stillende Mütter sowie Kinder und Jugendliche haben einen besonders hohen Bedarf an Jod (ca. 200 Mikrogramm/Tag). Hier ist dann eine Jodgabe in Tablettenform zu empfehlen, wenn keine ausreichende Jodaufnahme über die Nahrung gewährleistet ist. So kann in diesen Fällen einem Mangel vorgebeugt werden.

weiter Infos

Die These, dass der auf bestimmte Gebiete beschränkte Jodmangel im Trinkwasser für das gehäufte Auftreten von Strumen verantwortlich ist, wird durch neuere Untersuchungen des Bundesumweltamtes in Zweifel gezogen. Über hundert Jahre lang wurde davon ausgegangen, dass der Jodmangel im Trinkwasser an der Entstehung der zahlreichen Schilddrüsenvergrößerungen maßgeblich beteiligt ist. Doch Jodmangel im Trinkwasser kann nicht der ausschließliche Faktor sein. Selbst bei hohem Jodgehalt des Trinkwassers werden nur ca. 10% des Jodbedarfs über das Trinkwasser gesättigt. Der überwiegende Teil des Jods wird über die Nahrung aufgenommen.

Zudem zeigen neuere Untersuchungen, dass gehäufte Strumaerkrankungen auch in Gebieten mit hohem Jodgehalt des Trinkwassers auftreten. Man geht heute davon aus, dass ein Zusammenhang zwischen einem hohen Nitratgehalt des Trinkwassers und den regional gehäuften Kropferkrankungen besteht. Bei der gleichzeitigen Aufnahme von Jod- und Nitratsalzen kommt es zu einem Wettbewerb, der zugunsten der Nitrataufnahme ausfällt. Daraus resultiert dann ein Jodmangel. Weitere Inhaltsstoffe des Trinkwassers wie z. B. Huminsäuren stehen ebenfalls im Verdacht, die Jodaufnahme zu behindern und so zu einem Jodmangel zu führen.

Wichtige Adressen

Forum Schilddrüse e.V.
Helmhuder Straße 70
20148 Hamburg
Telefon: 040/41 70 95
Telefax: 040/41 47 84 50
Email: Gfek@mail.hamburg.com
Homepage: http://www.forum-schilddruese.de
Das Forum Schilddrüse e.V. nimmt sich der Problematik von Schilddrüsenerkrankungen an. Es sichtet neue Erkenntnisse zur Diagnose und Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen und arbeitet sie sowohl für die Information von Laien als auch von Ärzten auf.

Deutsche Gesellschaft für Ernährung
Postfach 930201
60457 Frankfurt/Main

Arbeitskreis Jodmangel
Postfach 1541
64505 Groß-Gerau
Homepage: http://www.jodmangel.de
Der Arbeitskreis Jodmangel wurde durch Mitglieder des Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung gegründet. Seine Aufgabe ist es, über die Verbreitung, Folgen und Abhilfemöglichkeiten des Jodmangels zu informieren. Ziel ist es, die Jodversorgung in Deutschland zu verbessern.

http://timegate2000.com/druese – Hinter dieser Adresse „verbergen” sich die „Schildbürger”, eine Selbsthilfegruppe für Schilddrüsenkranke und ihre Familien. Zielsetzung dieser Selbsthilfegruppe ist es, hilfesuchenden Menschen bei der Erkennung und Bewältigung ihrer Schilddrüsenerkrankung bestmögliche Hilfestellung zu leisten.

http://www.gfwendt.com/aktuell/jod.htm – Diese Homepage beschäftigt sich mit der Bedeutung von Jod für den menschlichen Organismus und den Folgen des Jodmangels. Sie ist in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Gesundheit und dem Arbeitskreis Jodmangel entstanden.

Kategorie: Krankheiten
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