Lungenentzündung (Pneumonie)

An einer Lungenentzündung (Pneumonie) erkranken pro Jahr in Deutschland über 100 000 Menschen jeglichen Alters. In den meisten Fällen ist sie Folge einer zunächst harmlosen Bronchitis, die sich dann auf das Lungengewebe ausbreitet. Als Pneumonie bezeichnet man eine Entzündung der Lungenbläschen (Alveolen) und/oder des Lungenbindegewebes. Typischerweise geht sie mit einer Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe einher. Lungenentzündungen sind die häufigste Todesursache unter allen Infektionskrankheiten und stehen in der Statistik der Todesursachen an 5. Stelle.

Ursachen/Risikofaktoren

Pneumonien können ganz unterschiedliche Ursachen haben. Meist sind sie die Folge einer Infektion mit Viren, Bakterien, Pilzen oder Parasiten. Besonders häufig sind Neugeborene und Säuglinge, Kleinkinder sowie ältere Patienten über 65 Jahren betroffen. Sie sind durch ihr noch nicht ganz ausgereiftes bzw. nicht mehr so leistungsfähiges Immunsystem anfälliger gegenüber diesen Erregern.
Erkranken die Patienten in ihrer alltäglichen Umgebung (ambulante Pneumonie ), so sind vor allem Bakterien (Pneumokokken, Mycoplasma pneumoniae, Chlamydia pneumoniae, Hämophilus influenzae) für die Entstehung der Pneumonie verantwortlich. Im Rahmen einer Grippeinfektion (Influenza) kann gelegentlich eine Lungenentzündung als Komplikation auftreten. Seltener sind andere Viren, Pilze oder Parasiten die Ursache.

Kommt es während eines Krankenhausaufenthaltes zu einer Lungenentzündung (nosokomialen Infektion) ist hierfür meist ein ganz anderes Bakterienspektrum verantwortlich (Pseudomonas, Klebsiellen, Enterobacter, Escherichia coli).

Diese Erreger leben meist schon längere Zeit im Krankenhausmilieu. Auch sie sind zunächst einmal durch Patienten in das Krankenhaus eingeschleppt worden, die dann mit Antibiotika behandelt wurden. Dadurch bekommen diese Bakterien meist rasch eine Resistenz gegenüber den gängigen Antibiotika, so dass sie sich als Krankheitserreger jeder weiteren Antibiotikatherapie widersetzen. Sind solche Keime die Ursache der Lungenentzündung, lässt sich diese nur sehr schwer behandeln.

Patienten mit einem geschwächten Immunsystem (z. B. bei Tumorerkrankungen, AIDS, Zuckerkrankheit, intensivstationärer Behandlung) sind besonders gefährdet, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Bei ihnen können auch Pilze, Viren (Cytomegalie-, Varizellen-, Herpesvirus) oder der Erreger Pneumocystis carinii die Ursache einer Lungenentzündung sein. Diese Erreger lösen bei einem gesunden, immunkompetenten Patienten normalerweise überhaupt keine Infektionen aus, sondern spielen nur bei immungeschwächten Patienten eine krankmachende Rolle.

So ist bei etwa der Hälfte aller AIDS-Patienten eine Pneumocystis carinii-Infektion die erste Manifestation der HIV-Erkrankung. Durch die Einwirkung von Röntgen- oder radioaktiven Strahlen und durch das Einatmen von giftigen Gasen kann es ebenfalls zu einer Lungenentzündung kommen. Eingeatmete Fremdkörper, welche die Schleimhaut der Bronchien reizen und die Atemwege teilweise verschließen, sind ebenfalls mögliche Ursache einer Lungenentzündung.

Menschen, die Papageien oder Wellensittiche als Haustiere haben, müssen bei grippeähnlichen Beschwerden oder beim Verdacht auf eine Lungenentzündung auch an die Möglichkeit einer sog.OrnithoseInfo (auch Psittakose oder Papageienkrankheit) denken. Als solche bezeichnet man eine Infektion mit dem Bakterium Chlamydia psittaci, das von den Vögeln mit dem Kot ausgeschieden wird und so den Menschen infizieren kann. Die Patienten leiden meist unter hohem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und sind schwer krank.

Krankheitsbild

Sind Bakterien – im speziellen Pneumokokken – die Auslöser der Lungenentzündung, so beginnt die Erkrankung oft plötzlich mit Schüttelfrost, hohem Fieber, Husten und Brustschmerzen beim Atmen. Die Patienten leiden unter Atemnot und fühlen sich schwer krank. Zusätzlich kann es zum Abhusten von rötlichem Schleim kommen. Bei einigen Patienten zeigt sich während der Einatmung eine starke Bewegung der Nasenflügel, das sog. “Nasenflügeln”, das auf eine erschwerte Atmung hinweist. Am 7.-9. Krankheitstag kommt es zu einer kritischen Entfieberung mit u.U. lebensbedrohlicher Herz-Kreislaufbelastung.

Der Verlauf kann aber auch ganz untypisch sein mit langsamer Verschlechterung des Allgemeinzustandes, nur leichtem Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und einem trockenen, quälenden Husten ohne Auswurf. Hierfür sind Viren, Pneumocystis carinii sowie Bakterien wie z. B. Mykoplasmen verantwortlich. Diese Form der Lungenentzündung wird deshalb auch als atypische Pneumonie bezeichnet.

Auswirkungen

Durch die Entzündung des Lungengewebes werden in vielen Fällen die umgebenden Organe in Mitleidenschaft gezogen. So sind Rippenfellentzündungen (Pleuritis) sowie Wasser- (Pleuraerguss) oder Eiteransammlungen (Pleuraempyem) im Brustraum häufige Komplikationen.

Durch eine unzureichende oder zu spät einsetzende Behandlung kann sich die Lungenentzündung weiter in der Lunge ausbreiten, eine Eiteransammlung (Abszess) bilden oder auch chronisch werden. Chronisch wird eine Pneumonie dann genannt, wenn sich die Beschwerden nicht innerhalb von 8 Wochen zurückgebildet haben. Doch bereits nach 3-4 Wochen ohne wesentliche Besserung des Gesundheitszustandes sollte nach einer anderen möglichen Ursache gesucht werden. So muss man unter anderem ausschließen, dass es sich um einen Tumor, eine Lungentuberkulose oder um einen vollständigen oder teilweisen Verschluss der Atemwege z. B. durch eingeatmete Fremdkörper handelt.

Gelangen die Erreger ins Blut, können auch andere Organe infiziert werden. So treten gelegentlich Entzündungen von Mittelohr, Hirnhaut oder Herzklappen auf. Daher sollte man mit einer Lungenentzündung nicht leichtfertig umgehen und beim ersten Verdacht einen Arzt aufsuchen. Wird eine Pneumonie nicht rechtzeitig behandelt, kann es durch die Beeinträchtigung der Atmung und das Übergreifen der Entzündung auf den ganzen Körper zu einem lebensbedrohlichen Herz-Kreislaufversagen kommen.

Erkennung/Untersuchungen

Bei der Untersuchung sieht der Arzt meist dem Patienten bei der genauen Beobachtung die Lungenentzündung an. Er findet beim Abhören der Lungen mit einem Stethoskop (Auskultation) meist sichere Zeichen einer Lungenentzündung. Durch Flüssigkeitsansammlung im Lungengewebe sind sog. feinblasige Rasselgeräusche oder durch entzündlich verdichtetes Lungengewebe das sog. Bronchialatemgeräusch zu hören. Doch auch ein unauffälliger Auskultationsbefund schließt eine Lungenentzündung nicht aus. Endgültig lässt sich die Pneumonie dann nur mit Hilfe des Röntgenbildes stellen. Hier findet man sog. Verschattungen im Bereich des betroffenen Lungengewebes. Von einer Lungenentzündung können ein ganzer Lungenlappen oder nur ein Teil davon betroffen sein. Zudem unterscheidet man im Röntgenbild Pneumonien, die sich im Bereich der Lungenbläschen abspielen (alveolär) von denen, die mehr das Lungengewebe betreffen (interstitiell).

Durch eine Blutuntersuchung können die Entzündungswerte bestimmt und auch zur Verlaufskontrolle herangezogen werden. Um eine gezielte medikamentöse Behandlung zu ermöglichen, ist es wichtig, den Erreger zu kennen. Dazu untersucht man entweder den Auswurf oder das durch Absaugen gewonnenes Sekret aus den Bronchien. Doch der Nachweis des Erregers gelingt häufig nicht. So muss bei der Wahl der geeigneten Medikamente häufig darauf zurückgegriffen werden, die wahrscheinlichsten bakteriellen Keime zu behandeln. Man nennt diese Behandlung eine kalkulierte Antibiotikatherapie.

Therapie

Nachdem der Arzt Auswurf, Bronchialsekret und Blut zur Erregerbestimmung gewonnen hat, sollte in Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung sofort, d.h. ohne genaue Kenntnis des Erregers mit einer Antibiotikabehandlung begonnen werden, um keine Zeit zu verlieren. Die Wahl des Antibiotikums richtet sich nach dem Ort der Ansteckung (zuhause oder im Krankenhaus), der Schwere der Erkrankung, dem Alter des Patienten und eventuellen Begleiterkrankungen. Wird ein bestimmter Erreger nachgewiesen, kann gegebenenfalls das Antibiotikum gezielt darauf umgestellt werden.

Da die Patienten meist schwer krank sind, ist Bettruhe dringend zu empfehlen. Um bei älteren Menschen während der Bettruhe die Gefahr einer Thrombose zu verringern, sollten nach Absprache mit dem behandelnden Arzt Heparinspritzen gegeben werden. Heparin verhindert die Bildung von Blutgerinnseln und beugt so einer Thrombose vor.

Je nach Beschwerden helfen zusätzlich schleimlösende Medikamente, Atemgymnastik und das Inhalieren von atemwegserweiternden Mitteln. Gerade bei hohem Fieber ist eine ausreichende Trinkmenge sehr wichtig, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Zudem sind bei stark erhöhtem Fieber ( > 39° C) fiebersenkende Maßnahmen wie Wadenwickel oder auch Fieberzäpfchen sinnvoll.
Gerade bei Kleinkindern und Säuglingen kann bei schweren Verläufen ein Krankenhausaufenthalt erforderlich sein. Oft muss das Antibiotikum über die Vene gegeben werden, um eine ausreichende Aufnahme zu gewährleisten. Zusätzlich ist die Gefahr des Flüssigkeitsmangels groß, so dass auch die Nahrungs- und Flüssigkeitsaufnahme u.U. zeitweise über die Vene erfolgen muss.

Vorsorge

Man weiß, dass Patienten mit einer Abwehrschwäche, nach der Entfernung der Milz oder mit einer Sichelzellanämie (Erbkrankheit mit Veränderung des roten Blutfarbstoffes) ein erhöhtes Risiko besitzen, an einer Lungenentzündung zu erkranken. Da hierfür meist ganz bestimmte Bakterien, die sog. Pneumokokken verantwortlich sind, ist eine Impfung gegen diese Erreger dringend zu empfehlen.Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert-Koch-Institut empfiehlt allen älteren Menschen > 60 Jahre eine Impfung gegen Pneumokokken.
Bei älteren Menschen sind es vor allem auch Grippe- bzw. Influenzaviren, die besonders in den Wintermonaten zu der Komplikation einer Lungenentzündung führen. Auch gegen diese Viren kann vorsorglich geimpft werden. Auch hier gibt es eine entsprechende Empfehlung der STIKO für alle älteren Menschen > 60 Jahre.

Da Grippeviren die Eigenschaft haben, ihr Äußeres zu verändern, legt die WHO jährlich die aktuellen Influenzavirusstämme fest, die für einen Impfstoff verwendet werden sollen. Der Impfschutz nach einer Impfung dauert etwa ein Jahr. Aus diesen Gründen – jeweils jährlich neuer Impfstoff und kurzdauernder Impfschutz – ist es notwendig, die Impfung in jährlichen Abständen zu wiederholen. Es wird empfohlen, die Impfung im Herbst eines jeden Jahres – also vor dem Beginn der Grippezeit – durchzuführen. Damit ist gewährleistet, dass der Schutz über die gesamte Grippesaison besteht. Da der Impfstoff in Hühnereiern hergestellt wird, kann er Spuren von Hühnereiweiß enthalten. Menschen mit einer klinisch manifesten Hühnereiweiß-Allergie dürfen daher nicht mit diesem Impfstoff geimpft werden.

Infos

Seit einigen Jahren sind in Deutschland neue Medikamente erhältlich, die zur Behandlung einer Infektion mit den Grippeviren (Influenzaviren) eingesetzt werden. Diese Medikamente gehören zu den sog. Neuraminidasehemmern. Mit diesem spezifischen Virushemmstoff wird das Enzym Neuraminidase der Influenza A- und B-Viren blockiert. Die sich in den infizierten Körperzellen vermehrenden Viren können sich dadurch nicht loslösen, werden an der Ausbreitung gehindert und können folglich auch keine anderen Zellen infizieren. Setzt die Therapie innerhalb der ersten zwei Tage nach Auftreten der Beschwerden ein, sollen die Symptome dadurch gemildert und der Erkrankungsverlauf verkürzt werden.

Der Wirkstoff Zanamivir verhindert eine Ausbreitung der Grippeviren im Körper und speziell in der Lunge . Zanamivir wird als Pulver mit Hilfe von speziellen Apparaten inhaliert. Dadurch gelangt der Wirkstoff in die Atemwege und kann dort direkt am Hauptinfektionsort angreifen.

Oseltamivir ist ein antivirales Medikament in Tablettenform, das Grippeviren ebenfalls an der Vermehrung und Infektion neuer Zellen hindert. Hierdurch soll die Dauer einer Grippeinfektion verkürzt werden. Für dieses Medikament ist in Deutschland die Zulassung beantragt und wird voraussichtlich in den nächsten Monaten erteilt

Häufige Fragen

Was ist zu tun, wenn eine Lungenentzündung nach mehreren Wochen immer
noch nicht ausgeheilt ist?
Normalerweise dauert es längstens 2-3 Wochen, bis zumindest eine deutliche Besserung der Beschwerden und auch der Befunde im Röntgenbild eingetreten ist. Sollte sich die Lungenentzündung nach 3-4 Wochen immer noch nicht gebessert haben, muss eine andere Ursache der Beschwerden angenommen werden. Im Vordergrund steht hier der Verdacht auf einen bösartigen Tumor. Aber auch bei Erkrankungen, die eine Schwächung des Immunsystems zur Folge haben (HIV-Infektion, Diabetes mellitus, Lungentuberkulose, Pilzinfektion, andere Tumorerkrankungen), können die Ursache einer langanhaltenden Lungenentzündung sein. Die weiteren diagnostischen Maßnahmen sollten daher darauf ausgerichtet sein, diese Vermutung auszuräumen. Auch eine Tuberkulose oder ein Verschluss der Luftwege können eine lang anhaltende Lungenentzündung bedingen und müssen daher ebenfalls ausgeschlossen werden.

Was ist die Legionärskrankheit?
Bei der sog. Legionärskrankheit handelt es sich um eine durch Bakterien, sog. Legionellen verursachte Infektion, die vor allem die Lunge betrifft. Legionellen kommen weltweit vor und sind ein häufiger Pneumonieerreger. Die Symptome dieser Erkrankung reichen von leichten grippalen Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Lungenentzündungen mit hohem Fieber, Schüttelfrost und Atembeschwerden. Legionellen befinden sich vor allem in Wasseranlagen, z.B. in Duschköpfen, Warmwasser- und Klimaanlagen. Mit den Wasserdämpfen werden die Erreger eingeatmet und können so zu einer Ansteckung führen. Die Infektion tritt besonders häufig bei Patienten mit einem geschwächten Immunsystem (Alkoholiker, Krebspatienten, Diabetiker) oder vorbestehenden Herz- Nieren- oder Lungenerkrankungen auf. Auch hier ist das rasche Einsetzen einer antibiotischen Behandlung (mit Erythromycin) sehr wichtig und in vielen Fällen lebensrettend. Erhitzen des Wassers in den genannten Anlagen auf > 60° C tötet die Legionellen ab.

Wichtige Adressen

Deutsche Lungenstiftung e.V.

Podbielskistr. 380
D-30659 Hamburg
Tel:0511 / 906 – 33 47
Fax:0511 / 906 – 37 79
Die Deutsche Lungenstiftung e.V. will Öffentlichkeit, Patienten, Ärzte aber auch Entscheidungsträger auf politischer Ebene über die Möglichkeiten einer Verbesserung der Umwelt und damit verbundenen Verminderung der Zahl von Atemwegserkrankungen informieren. Sie beteiligt sich an Forschungsprojekten auf dem Gebiet der Lungenheilkunde und will so ihren Beitrag zur Verbesserung von Diagnostik und Therapie leisten.

Deutsche Atemwegsliga e.V
Burgstr. 12
33175 Bad Lippspringe
Tel:05252 / 93 36 15
Fax:05252 / 93 36 16
Die Deutsche Atemwegsliga hat es sich zur Aufgabe gemacht, Patienten und Öffentlichkeit über Lungenerkrankungen zu informieren und Ärzte auf diesem Gebiet weiterzubilden. Sie versucht, “neue wissenschaftliche Erkenntnisse auf dem Gebiet der Prophylaxe, Diagnostik, Therapie und Behandlung von Atemwegserkrankungen in die Praxis umzusetzen.”

Deutsche Emphysemgruppe
Bundesgeschäftsstelle
Steinbrecherstr.9
D-38106 Braunschweig
Tel.:0 53 1/33 46 61
Ziel der deutschen Emphysemgruppe soll sein, Informationen auszutauschen, sich gegenseitig mit Erfahrungen zu helfen und die Zusammenarbeit mit Ärzten zu verbessern. Da ein Lungenemphysem oft erst Jahre nach Auftreten der ersten Symptome richtig erkannt wird, ist rechtzeitige Information sehr wichtig. Sonst vergehen kostbare Jahre, in denen die Lunge weiter zerstört wird.

Kategorie: Krankheiten
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