Nierenentzündung (Nephritis)

Bei einer Nephritis sind einzelne Regionen der Nieren entweder durch Bakterien infiziert oder aber durch eine fehlgeleitete Immunreaktion in ihrer Funktionsfähigkeit eingeschränkt – das Gewebe ist entzündet. Drei Bereiche können betroffen sein: Die Glomeruli Info (hier findet der Filterungsprozess statt), die Tubuli (feine Abflüsse, die in den Harnleiter münden) und das umgebende Gewebe wie beispielsweise das Nierenbecken (hier sammelt sich die auszuscheidende Flüssigkeit) sowie die Gefäße der Nieren.
Die Verläufe sind sehr unterschiedlich. Vielfach kann eine solche Entzündung mit Medikamenten behandelt werden. In einzelnen Fällen ist es ernsthafter – wenn die Erkrankung chronisch wird. Dann ist – wie beim chronischen Nierenversagen – eine Dialyse oder aber sogar eine Nierentransplantation unabwendbar.
Unter der Rubrik “Der Mensch” können Sie sich hier ausführlicher über die Niere und ihre Aufgaben im Organismus informieren.

Nierenentzündung: Ursachen/ Risikofaktoren

Für die sogenannten Glomerulopathien, also Erkrankungen der Nierenkörperchen (Glomeruli), sind in den meisten Fällen dreierlei Ursachen verantwortlich:
Infektionen mit Streptokokken, einer bestimmten Bakterienart, können eine Entzündung der Nierenkörperchen verursachen, ferner ein irregeleitetes Immunsystem oder Arzneimittel, insbesondere Drogenmissbrauch. Sind Streptokokken für eine Niereninfektion verantwortlich, kommt es zu folgender Immunreaktion des Körpers: Streptokokken verursachen beispielsweise eine eitrige Mandelentzündung des Betroffenen. Antikörper bilden sich gegen die eingedrungenen Bakterien und verbinden sich mit Bakterienbestandteilen zu einem Immunkomplex. Gelangen diese nun in die Nieren, verkleben sie – sehr vereinfacht gesagt – sozusagen die Filterwände der Nierenkörperchen. Die Filterleistung wird herabgesetzt. In einem von drei Fällen allerdings werden die Antikörper nicht nur gegen die Streptokokkenbestandteile aktiv, sondern richten sich auch gegen die Glomeruli selbst und schädigen diese direkt. Diese Art der Autoimmunkrankheit kann sich auch auf andere Organe ausdehnen, wo immer die Antikörper passende Angriffspunkte finden – wie zum Beispiel in der Lunge. Von einer Schmerzmittelniere spricht man, wenn die Niere durch Schmerzmittel ruiniert wurde. Medikamente, die in einer zu hohen Dosis oder über einen zu langen Zeitraum eingenommen wurden, können die Filterfunktion der Niere genauso herabsetzen wie beispielsweise ein Heroinmissbrauch. Wenn die Funktion der Niere plötzlich zusammenbricht, spricht man von akutem Nierenversagen.

Ist das umgebende Gewebe der Glomeruli betroffen, nennt man die Entzündungen Interstitielle Nephritis. Am bekanntesten ist die Entzündung des Nierenbeckens ( = Pyelonephritis). Die meisten Entzündungen dieser Art sind vom Bakterienstamm Escherichia coli verursacht. Bakterien dringen entweder (meist bei Mädchen bzw. Frauen) über den Genitalbereich in den Körper ein und kriechen durch die Blase, den Harnleiter bis ins Nierenbecken oder gelangen (häufiger bei Knaben und Männern) über den Darm auf dem Blutweg sozusagen absteigend “von oben” in die Niere. Eine andere Form der interstitiellen Nephritis ist zumeist auf einen Mißbrauch von Medikamenten zurückzuführen – oder aber auf eine überschiessende Körperreaktion (Allergie) nach der Einnahme von Medikamenten. Von Antibiotika, Diuretika oder Sulfonamiden, ja sogar von Acetylsalicylsäure sind allergische Reaktionen bekannt. Darüber hinaus können die Gefäße der Niere erkranken und dadurch zu einer Nierenkrankheit führen.

Krankheitsbild

Eine geringe Urinmenge, Blut im Urin, Wasser in Geweben (Ödeme), das Gesicht schwillt an: Das sind einige der auffälligen Krankheitszeichen einer Entzündung der Nierenfilter, der Glomeruli. Die Nierenkörperchen lassen Substanzen in den Urin gelangen, die normalerweise zurückgeholt werden. Eiweiß, rote und bisweilen auch weiße Blutkörperchen sowie Gewebereste gelangen nun in den Urin. Giftige Stoffwechselprodukte werden nicht mehr aus dem Blut entfernt. Auch winzige Blutgerinnsel bilden sich, der Filterapparat wird nicht mehr ausreichend mit Blut versorgt. Die Harnmenge nimmt ab. Der Harn wird zunehmend schlechter konzentriert. Müdigkeit, Leistungsabfall, Krankheitsgefühl, Bluthochdruck entwickeln sich . Säuren werden unvollständig aus dem Körper ausgeschieden. Mit der Zeit reichern sich immer mehr giftige Stoffwechselprodukte im Blut an. Die Folge: Bluthochdruck. Gehirnschwellungen mit Kopfschmerzen und Sehstörungen sind beispielsweise typische Symptome einer Glomerulopathie, die sich in Folge einer Halsentzündung entwickelt.

Weitere mögliche Symptome:
Übelkeit, Erbrechen und Gelenkschmerzen sowie Ödeme – auch in der Lunge. Je nach Art der Erkrankung variieren die Symptome. Die Anzeichen auf eine interstitielle Nephritis sind ähnlich wie die einer Harnwegsinfektion. Fieber, Schmerzen beim Wasserlassen und Schmerzen im unteren Rücken sind typisch. Die Symptome ähneln sich sehr, daher ist eine differenzierte Diagnostik nötig.

Auswirkungen

Die Folgen sind für den Betroffenen sehr unterschiedlich. Während eine Nierenbeckenentzündung bei rechtzeitiger Diagnose gut mit Antibiotika behandelt werden kann und für den Patienten keine Nachwirkungen der Erkrankungen bestehen bleiben, kann die Situation bei einer Nephritis oder einem nephrotischen Syndrom gefährlicher verlaufen. Denn einige Formen sprechen nicht auf die gängige Behandlung an. Nierenversagen droht – meist innerhalb von zwei Jahren nach Ausbruch der Erkrankung.

Erkennung/Untersuchungen

Je nach der entsprechenden Entzündung variiert das diagnostische Vorgehen – die drei folgenden Beispiele zeigen die unterschiedlichen Herangehensweisen auf und verdeutlichen eines: Die herausragende Bedeutung der genauen Beobachtung der Symptome.
Die auftretenden Symptome sind entscheidend für die weitere Diagnose: Schüttelfrost, Fieber, Schmerzen im unteren Rücken, Übelkeit und Erbrechen, Schmerzen beim Wasserlassen, vergrößerte und druckempfindliche Nieren sowie Nierenkoliken (Krämpfe im Harnleiter) sind typisch für eine Nierenbeckenentzündung. Deuten die Symptome auf diese Erkrankung hin, ergänzen zwei Laboranalysen die Diagnostik – von einer Urinprobe und einer Bakterienkultur. Welche Bakterien sind für die Erkrankung verantwortlich? Inwieweit ist der Urin bereits mit Eiweißen und Blut angereichert? Der Bakterienstamm wird identifiziert und bestimmt, in wieweit die Nierenfunktion schon eingeschränkt ist. Spricht eine Behandlung mit Antibiotika nicht innerhalb von 48 Stunden an, wird auf ein anderes, wirksames Mittel umgesetzt. Ferner wird die Diagnostik durch Verfahren der bildgebenden Diagnostik ergänzt – per Ultraschall oder durch Röntgenaufnahmen können dann Nierensteine oder strukturelle Veränderungen der Nieren entdeckt werden.
Im Falle einer Glomerulonephritis, die auf die Bildung von Immunkomplexen oder einer Autoimmunkrankheit beruht, gehen Ärzte folgendermaßen vor. Zunächst überprüfen sie die aufgetretenen Symptome.

Typisch sind: Schwäche, Erschöpfung, Fieber, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Gelenk- und Bauchschmerzen, Flüssigkeitsansammlungen in Geweben (Ödeme), kurz vor dem Nierenversagen kommen grippeähnliche Symptome hinzu. Erst Laboruntersuchungen verschaffen endgültige Klarheit über die Erkrankungsform – die Analyse von Blut und Urin. Der Urin ist bluthaltig, kann dabei aber auch mit dem bloßen Augen betrachtet klar erscheinen. Häufig sind die weißen Blutkörperchen im Blut vermehrt, es stellt sich teilweise eine Blutarmut ein.

Ein Nierenfunktionstest weist nach, inwieweit die Konzentration giftiger Stoffwechselprodukte schon im Blut angestiegen ist. Charakteristisch ist eine vergrößerte Niere – zu sehen in Ultraschall- oder Röntgenaufnahmen – die allerdings allmählich immer kleiner wird, Gewebe stirbt ab. Die Analyse von Nierengewebe, das per Biopsie mit einer winzigen Nadel entnommen wird, bestätigt endgültig den Krankheits-Verdacht und erlaubt auch Aussagen über die Verlaufsform der Nierenentzündung.

Patienten, die an der Streptokokken-bedingten Glomerulus-Entzündung leiden, zeigen folgende Symptome:
Ödeme, Urin mit roten Blutkörperchen, die Urinmenge nimmt ab, hoher Blutdruck, Gehirnschwellung mit Kopfschmerzen und Sehstörungen. Zusätzlich zu diesen Symptomen sind erhöhte Konzentrationen der Abbauprodukte Kreatinin und Harnstoff im Blut zu finden, im Urin schwanken die Eiweißkonzentrationen stark.

Therapie

Die Behandlungsmethode unterscheidet sich nach der Ursache:

  • bakteriell
  • immunologisch
  • medikamentös

1. Bakterien (wie Escherichia coli oder Streptokokken)
Die Nierenbeckenentzündung lässt sich in der Regel mit Antibiotika wirkungsvoll behandeln. Schon zwei Wochen nach Beginn der Behandlung sind die Erreger in der Regel nicht mehr nachzuweisen.

Die streptokokkenbedingte Nierenkörperchenentzündung hingegen lässt sich nur in Einzelfällen mit Antibiotika behandeln. Die Gabe von Kortison ist sogar kontraindiziert, d.h. Kortison kann die Erkrankung noch verschlimmern. Die Behandlung beschränkt sich daher auf einen Verhaltenskatalog: Eiweiß- und salzarm essen, Medikamente, die helfen, Wasser und Salz auszuscheiden (Diuretika), eventuell blutdrucksenkende Medikamente einnehmen. In den meisten Fällen erholen sich die Patienten vollständig von der Erkrankung.

2. Fehlregulation des Immunsystems
Routinemäßig ist eine Biopsie der Niere nötig. Hieraus kann die Therapie des Patienten und seine Prognose abgeleitet werden. Ist die Erkrankung schon weit fortgeschritten, wird sofort mit einer medikamentösen Behandlung begonnen.

Eine Woche lang wird dann hochdosiert Kortison gegeben , zusätzlich kann das Immunsystem durch Medikamente unterdrückt werden, um die Bildung weiterer Immunkomplexe zu verhindern. Mit Hilfe der sogenannten Plasmapherese filtern Ärzte zusätzlich Antikörper aus dem Blut – eine Immunreaktion wird damit soweit wie möglich unterdrückt. Ist die Erkrankung sehr weit fortgeschritten, kann eine Dialyse oder sogar eine Nierentransplantation nötig sein.

3. Medikamentenmissbrauch
In der Regel reicht ein Absetzen der Medikamente und die Symptome verschwinden. Begleitend dazu kann allerdings eine allgemeine Therapie eingeleitet werden, die sich nach den vorliegenden Symptomen richtet: Fett- und natriumarme Ernährung, normale Mengen an Eiweiß und Kalium, Diuretika zur Senkung des Blutdrucks sowie zur Reduktion der Ödeme.

Die häufigste Ursache für die Notwendigkeit einer Nierentransplantationist eine nicht ausgeheilte Nephritis, die allmählich über Jahre in ein chronisches Nierenversagen übergegangen ist.

Vorsorge

Die Ursachen sind sehr unterschiedlich. Deshalb gibt es auch keinen pauschalen Vorsorgetipp.

Nur soviel:
Beschränken Sie die Einnahme von Medikamenten, soweit wie möglich. Heilen Sie ihre Infektionskrankheiten (Angina, eitrige Hautinfektionen etc.) richtig aus

Häufige Fragen

Wer ist besonders gefährdet, an einer Entzündung der Nieren zu erkranken?
Die Nieren haben die Funktion, Giftstoffe aus dem Körper zu entfernen. Dazu gehören neben den vom Körper selbst produzierten Gifte aus dem Zellstoffwechsel auch Drogen wie Alkohol oder auch harte Drogen. Hochdosierte starke Medikamente können ebenso die Niere belasten.

Was ist eine Entzündung der Nieren? Kann sie gut behandelt werden?
Heißt die Diagnose Nierenentzündung, ist nie die gesamte Niere entzündet. Entweder sind die Filterapparate der Niere, die Glomeruli, die Zwischenräume, in denen der konzentrierte Harn gesammelt wird oder aber die Gefäße der Nieren betroffen. Bakterielle Entzündung wie beispielsweise die Nierenbeckenentzündung kann gut mit Medikamenten in der Griff bekommen werden. Andere Typen der Erkrankung sind da weitaus komplizierter zu behandeln – wie beispielsweise das nephrotische Syndrom Info. Hier gibt es kein Standardrezept.

Besteht die Gefahr, nach einer Entzündung der Nieren an die Dialyse zu müssen?
In der Regel ist davon nicht auszugehen. Wurde die Erkrankung allerdings lange verschleppt und sind einzelne Bereiche der Niere schon zerstört, ist eine Dialyse in Einzelfällen unabdingbar. Da sich die Erkrankungsformen teilweise stark unterscheiden, lässt sich hier allerdings keine allgemeingültige Aussage treffen.

Wichtige Adressen

Dialysepatienten Deutschlands e.V.
Weberstraße 2
55130 Mainz
Tel: 06131-85152
Fax: 06131-835198

Deutsche Dialysegesellschaft niedergelassener Ärzte e.V.
Postfach 132304, 42050 Wuppertal
Tel: 0202-445655
Fax: 0202-450508

Kategorie: Krankheiten
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