Hämorrhoiden

Hämorrhoiden sind ein weitverbreitetes Leiden des unteren Mastdarms und kommen bei 30 bis 50 Prozent aller Menschen vor. Die Hämorrhoiden werden in innere und äussere unterteilt.

Innere Hämorrhoiden:
Knotige Erweiterungen der Gefässe im Mastdarm, die beim Pressen in den Anus hervortreten und in der Regel keinerlei Beschwerden verursachen. Der Betroffene weiss meist gar nicht, dass er Hämorrhoiden hat.

Äussere Hämorrhoiden:
Knotige, schmerzhafte Blutergüsse, die durch geplatzte Blutgefässe in der Analgegend entstehen. Ähnlich wie bei Krampfadern können Hämorrhoiden die Folge einer anlagebedingten Bindegewebsschwäche sein.

Ursachen

Die Ursachen des Hämorrhoidalleidens sind vielfältig. Am Darmausgang (Anus) wird der Stuhlgang vor der Entleerung aufgestaut. Der After (Schliessmuskel) sorgt dafür, dass kleinere Stuhlmengen im Enddarm zurückgehalten werden.

Dieser Schliessmuskel alleine würde nicht für die absolute Abdichtung sorgen können. Deshalb ist noch ein weiteres Organ für die Sicherheit des Verschlusses verantwortlich: Am Darmausgang vorhandene Schwellkörper (Corpus cavernosum recti) sorgen für diese Sicherheit. Sie bestehen aus vielen Blutgefässen und Hohlräumen, die bei Bedarf mit Blut gefüllt werden können. Werden diese Schwellkörper und Hohlräume nicht benötigt, leeren sie sich wieder. Wenn die Schwellkörper sich aufgrund einer Bindegewebsschwäche nicht entleeren können, bleibt eine Schwellung zurück. Bei starker Ausdehnung der blutgefüllten Schwellkörper können sie stark hervortreten oder sogar aus dem After austreten, Hämorrhoiden entstehen.

Durch Pressen beim Stuhlgang werden die Hämorrhoiden allmählich infolge der dabei auftretenden Blutstauung etwas vergrössert. Sie wölben sich dann als Hämorrhoidalknoten immer mehr hervor. Schliesslich können diese Aussackungen auch nach aussen hervortreten.

Reflektorisch stellt sich wegen heftiger Schmerzen bei der Stuhlentleerung unwillkürlich Verstopfung ein – der Betroffene muss noch stärker pressen beim Stuhlgang. Als Folge dieses vermehrten Pressens vergrössern sich die Hämorrhoiden. Die vergrösserten Hämorrhoiden führen zu noch stärkerem Pressen… ein Teufelskreis! Hinzu kommen noch die infolge Stuhlverstopfung harten Kotballen, welche das Absetzen besonders schmerzhaft machen. Da sich der Betroffene nicht mehr richtig zu pressen getraut, bleiben immer wieder kleinere Stuhlmengen im Enddarm zurück.

Häufiges Sitzen und chronische Verstopfung sind für die Entstehung von Hämorrhoiden förderlich. Übergewicht und gelegentlich andere innere Leiden (z. B. Leberzirrhose) können auch für schmerzhafte Hämorrhoiden verantwortlich sein. Durch Leberschrumpfung sind die Blutgefässe in der Leber enger und daher nicht mehr so gut durchblutet. Als Folge dieser Engstelle sucht sich das Blut einen Umweg zu seinem Zielort. Diese Umleitung kann über den After erfolgen. Durch die vermehrte Durchblutung der Aftergefässe müssen sich diese Blutgefässe erweitern, damit die zu bewältigende Blutmenge auch transportiert werden kann. Das Endergebnis sind Hämorrhoiden.

Merkmale, Diagnostik, Verlauf

Hellrotes Blut auf dem Stuhl ist ein Zeichen von Hämorrhoiden, kann allerdings auch viele andere Ursachen haben. Deshalb ist es äusserst wichtig – auch bei bekannten Hämorrhoiden – bei neu auftretendem Blut im oder auf dem Stuhl immer den Arzt aufzusuchen. Unter Umständen kann sich hinter diesen Blutungen eine bösartige Erkrankung verstecken!

Typische Merkmale von Hämmorrhoiden:

  • Afterjucken
  • Stuhlveränderungen (Durchfall, Verstopfung)
  • Schmerzhafte Stuhlentleerung
  • Blutbeimengungen im Stuhl.

Der Stuhlgang sieht dann wie oberflächlich bespritzt aus.
Bei länger bestehender Erkrankung kann es zum höchst schmerzhaften Vorfall von Hämorrhoidalknoten durch den After kommen

Ein weiteres “Merkmal” ist verschmierte Unterwäsche: Wegen der schmerzhaften Afterregion wird die Reinigung des Afters nach dem Stuhlgang oberflächlich.
Da Schmerzen und Grössen der Hämorrhoiden unterschiedlich sind, unterteilt man zur besseren Beurteilung und zum Vergleich in vier Schweregrade:

  • Schweregrad I: Beim Pressen wölben sich die Hämorrhoiden in den Darmbereich vor, von aussen sind sie aber noch nicht zu sehen.
  • Schweregrad II: Beim Pressen treten die Hämorhoiden aus dem Analkanal heraus.
  • Schweregrad III: Beim Stuhlgang werden die Hämorrhoiden durch den Stuhl aus dem Darm nach aussen gedrückt. Sie lassen sich aber wieder mit den Fingern in den Darm zurückdrängen. Dies kann allerdings sehr schmerzhaft sein.
  • Schweregrad IV: Im Unterschied zum Schweregrad III lassen sich die aus dem Darm ausgetretenen Hämorrhoiden nicht mehr dauerhaft zurückdrängen. Es besteht ein Fremdkörpergefühl.

In der Krankengeschichte eines Hämorrhoiden-Patienten treten häufig Verstopfungen auf. Auch Krampfadern können den Verdacht auf Hämorrhoiden erhärten. Durch die ausführliche Klärung der Krankengeschichte allein lassen sich aber keine Hämorrhoiden beweisen. Deshalb ist eine ausführliche körperliche Untersuchung notwendig.

Die (schmerzhafte) Untersuchung des Enddarmes mit dem Finger ist besonders hilfreich. Dabei wird der Analkanal beziehungsweise der Enddarm mit dem Finger abgetastet und auf Unregelmässigkeiten, Vorwölbungen der Schleimhaut oder knotige Veränderungen untersucht. Bei grösseren Hämorrhoidalknoten kann bereits während dem Abtasten eine Sickerblutung ausgelöst werden, oder es bleibt Blut auf dem Untersuchungshandschuh zurück. Diese Untersuchung ist auch deshalb so wichtig, da damit unter Umständen eine eventuelle bösartige Erkrankung im Mast- oder Enddarm ertastet werden kann.

Ergänzt wird die Austastung des Enddarms durch eine Spiegelung des Analkanals (Proktoskopie) oder durch eine Enddarmspiegelung (Rektoskopie). Bei der Proktoskopie wird ein starres Sichtinstrument über den After in den Analkanal eingeführt. Auf diese Weise lassen sich entzündliche Schleimhautveränderungen, Schleimhautrisse und Hämorrhoiden leicht voneinander unterscheiden. Bei tumorverdächtigen Erscheinungen kann auch eine Gewebeprobe zur mikroskopischen Beurteilung entnommen werden.

Wenn bereits mehrere Fälle von Hämorrhoidalerkrankungen in der Familie vorgekommen sind und sich eine Schwäche der Beinvenen zeigt oder andeutet, ist das Erkrankungsrisiko erhöht. Wenn ausserdem noch eine langanhaltende Verstopfung vorliegt, steigt die Wahrscheinlichkeit deutlich, an einem Hämorrhoidenleiden zu erkranken.

Komplikationen

Bei Hämorrhoiden kann es zu einigen Komplikationen kommen. So ist eine typische Komplikation bei leicht blutenden Gefässknoten deren Entzündung. Zusätzlich können diese Knoten auch ausserhalb der Stuhlentleerung sehr schmerzhaft sein.
Haben sich die Hämorrhoidalknoten entzündet, fangen sie an zu nässen und verursachen unangenehme Sekretabsonderungen. Diese Absonderungen sorgen dafür, dass die Unterwäsche stark verschmutzt und in Einzelfällen einen unangenehmen Geruch verbreitet.

Die Spirale der Komplikationen eines entzündeten Hämorrhoidalknotens kann sich aber noch weiter drehen: Bildet sich durch die Entzündung eine Eiterhöhle aus, entsteht ein Abszess, der nur durch Operation beseitigt werden kann. Sehr unangenehm ist nach dem Stuhlgang ein verbliebenes Fremdkörpergefühl oder sogar das Gefühl einer unvollständigen Stuhlentleerung.

In besonders hartnäckigen Fällen können sich schlecht heilende Schleimhautrisse, sogenannte Analfissuren, oder Aftergeschwüre ausbilden, die durch einen entzündlichen Prozess das Entstehen von kleinen Schleimhautgängen (Fisteln) begünstigen. Diese Gänge können ebenfalls für unangenehme Sekretabsonderungen verantwortlich sein.
In ganz seltenen Fällen kann es durch den ständigen Blutverlust auch zu einer Blutarmut kommen.

Behandlung

Das A und O bei der Behandlung der Hämorrhoiden ist weicher und regelmässiger Stuhlgang. Er kann erreicht werden durch ballaststoffreiche Ernährung (Salate, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte) und ausreichende Flüssigkeitszufuhr. Wenn herausgetretene Knoten und Risse der Analschleimhaut vorliegen, kann sich der Schliessmuskel des Afters verkrampfen. Die Stuhlentleerung ist dann mit starken Schmerzen verbunden. In dieser Situation können örtlich angewendete krampflösende Zäpfchen (Spasmolytika) helfen.

Haben sich die kleinen Knötchen entzündet oder haben sich sogar schon Ekzeme gebildet, kommen entzündungshemmende Salben zur Anwendung. Diese Mittel enthalten entzündungshemmende Kortikosteroide und Schmerzmittel. Ein Dauergebrauch dieser Mittel kann jedoch zu einer Pilzerkrankung des Mastdarms und des Afterbereichs führen.
Gelegentlich können sich die Knoten spontan zurückbilden respektive von selbst veröden und sogar abfallen. Manchmal heilen verdickte Hämorrhoidalknoten auch zu unauffälligen Hautlappen ab (Marisken). Nach Abklingen der Entzündung können Hämorrhoiden auch verödet oder durch das Überstülpen eines Gummibandes von der Blutversorgung abgeschnitten werden, bis sie abfallen (Gummibandligatur).

Bei besonders ausgeprägten Beschwerden und eingetretenen Komplikationen hilft ein operativer Eingriff, bei der die Hämorrhoiden entfernt werden. Da die Hämorrhoiden meist als Folge einer anlagebedingten Bindegewebsschwäche entstehen, kommt es allerdings häufig zu Neubildungen, so dass nicht selten wiederholte operative Eingriffe notwendig werden.

Bei Hämorrhoidalabszess wird mit einem Skalpell unter Vollnarkose der Eiter abgelassen. Dieser Eingriff dauert nicht länger als fünf Minuten, die Nachbehandlung hingegen mehrere Wochen. Die Haut darf bei Infektionen nämlich nicht zugenäht werden, weil der Abszess sich sonst wieder entzünden könnte. Die Wunde wird offen gelassen und täglich der Verband gewechselt. Dei Heilung erfolgt von innen nach aussen. Diese Form der Wundheilung wird sekundäre Wundheilung genannt.

Vorbeugende Massnahmen

Weicher und regelmässiger Stuhlgang kann Hämorrhoiden vorbeugen. Hierzu trägt ballast- stoffreiche Ernährung (Salate, Gemüse, Obst, Vollkornprodukte) mit – ganz wichtig! – ausreichender Flüssigkeitszufuhr bei. Pressen bei hartem Stuhlgang erhöht den Druck im Bauchraum. Bei familiärer Veranlagung kann dadurch die Entstehung von Hämmorrhoiden begünstigt werden. Bestehende Hämorrhoiden können sich verschlimmern, indem sie aus dem Darm austreten und entzünden.

Regelmässiges Training der Afterschliessmuskulatur kann zur Entstauung der Venen führen und das Heraustreten von Knoten vermindern. Auch leichte sportliche Betätigung (zum Beispiel Schwimmen) und das Vermeiden von stundenlangem Sitzen können der Entstehung von Hämorrhoiden entgegenwirken.

Kategorie: Krankheiten
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