Gehirnerschütterung (Commotio cerebri)

Ein Skiunfall, mit dem Fahrrad gestürzt oder die Treppe runter gepurzelt – es gibt viele Möglichkeiten, eine Gehirnerschütterung zu bekommen. Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücke und Erbrechen sind die typischen Krankheitszeichen einer Gehirnerschütterung (Commotio cerebri), die zu der Gruppe der gedeckten Schädel-Hirn-Verletzungen (leichtes Schädel-Hirn-Trauma, SHT) zählt. Im Gegensatz zu Platzwunden und Schädelbrüchen ist bei einer Gehirnerschütterung das Gehirn selbst betroffen, ohne dass die Haut oder der Schädelknochen verletzt sein müssen.

Ursachen/Risikofaktoren

Jede stumpfe Verletzung des Kopfes kann zu einer Gehirnerschütterung führen. Hierzu zählen Stürze, Schläge, Krafteinwirkung von fallenden Gegenständen sowie das Gegen- bzw. Durchstoßen von Gegenständen,

wie beispielsweise einer Windschutzscheibe. Die Gehirnerschütterung tritt überwiegend bei Unfällen im Haushalt, bei der Arbeit oder im Straßenverkehr auf. In seltenen Fällen wird sie durch mutwillige Schläge oder Tritte verursacht.

Krankheitsbild

Die Gehirnerschütterung ist eine leichte, gedeckte Hirnverletzung, bei der es zu keinen morphologischen Veränderungen am Gehirngewebe kommt. Sie heilt immer aus. Sie stellt also eine befristete “Betriebsstörung” des Gehirns dar. Ein Dauerschaden bleibt nie zurück. Das Vollbild einer Gehirnerschütterung ist durch drei Symptome (Krankheitszeichen) gekennzeichnet: Erstens die Bewusstlosigkeit, direkt ab dem Zeitpunkt des Unfallgeschehens.
Die Dauer der Bewusstlosigkeit beträgt meist nur wenige Sekunden. Äußerst selten bis zu einer Stunde. Zweitens eine Amnesie, eine Erinnerungslücke. Diese Erinnerungslücke betrifft nicht nur die Zeit der Bewusstlosigkeit. Oftmals fehlen in der Erinnerung die letzten Sekunden vor dem Unfallereignis, was erklärt, dass die Unfallopfer den Unfallhergang nicht nachvollziehen und erklären können. Auch nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit ist das Gehirn nicht wieder sofort in der Lage, seine Funktion vollständig aufzunehmen. Die Erinnerungslücke erstreckt sich oft noch auf einen meist kürzeren Zeitraum nach der Bewusstlosigkeit. Das dritte Krankheitszeichen nach der Bewusstlosigkeit und der Erinnerungslücke ist das Erbrechen.
Dies kann während der Bewusstlosigkeit oder später eintreten. Bisweilen bleibt es aus. Weitere Begleiterscheinungen können Übelkeit, Brechreiz, Schwindel, Kopfschmerzen und schläfriges Blinzeln sein.

Auswirkungen

Die meisten Patienten sind nach einigen Tagen wieder absolut beschwerdefrei. Bis dahin bestehen meist Kopfschmerz, Schwindel, Benommenheit und evtl. Kreislaufbeschwerden. Dauerschäden bleiben nach einer Gehirnerschütterung nie zurück.

Erkennung/Untersuchungen

Da der Patient dem Arzt meist keine Angaben über das Unfallgeschehen machen kann, ist die Beschreibung des Unfallhergangs durch Dritte nötig. Zeichen einer Schädelverletzung wie beispielsweise Schürfungen oder Beulen sind nicht immer vorhanden. Zum Zeitpunkt der ärztlichen Behandlung ist der Betroffene meist wieder bei Bewusstsein, erinnert sich aber an nichts mehr. Im Röntgenbild des Schädels sind keine Veränderungen zu erkennen, so dass der Arzt seine Diagnose aufgrund der Angaben, die ihm gemacht werden, stellen muss. In einigen Kliniken wird ein EEG (Elektroenzephalographie), also eine Messung der Hirnströme durchgeführt. Diese zeigt zwar Veränderungen, deutet jedoch nicht direkt auf eine Gehirnerschütterung hin. Einzelne Krankheitszeichen, wie ein Kollaps oder Erbrechen alleine stellen keine Gehirnerschütterung dar. Nur wenn eine Bewusstlosigkeit, eine Erinnerungslücke und Erbrechen vorliegen, liegt die Diagnose einer Gehirnerschütterung vor.

Therapie

Eine spezielle Behandlung ist bei einer Gehirnerschütterung nicht nötig. Dennoch werden die Patienten für 24 Stunden im Krankenhaus überwacht. Ein Unfall, der den Schädel betrifft, könnte eine Hirnblutung ausgelöst haben. Da eine Hirnblutung sehr langsam zu einer lebensbedrohlichen Eintrübung führen kann, werden Bewusstsein, Kreislauf und Pupillenreaktion engmaschig überwacht um sicher zu gehen, dass sich der Zustand des Patienten nicht verschlechtert. Es werden lediglich Kopfschmerzen, Erbrechen und eventuelle Kreislaufbeschwerden symptomatisch behandelt.

Wichtig: auch wenn eine Gehirnerschütterung nur eine leichte Verletzung ist, sollte man sich auf alle Fälle bei jeder Kopfverletzung, die mit einer Bewusstlosigkeit einhergeht, in ärztliche Behandlung begeben.

Vorsorge

Da Unfälle zu jeder Zeit, an jedem Ort unter den unterschiedlichsten Bedingungen passieren, kann man sich kaum durch vorsorgliche Maßnahmen vor ihnen und somit vor einer Gehirnerschütterung sicher schützen. Das Tragen von Helmen in Situationen, in denen das Risiko eine Kopfverletzung zu erleiden erhöht ist, ist die einzig angemessene Vorsorge. Im Arbeitsbereich sind dies Baustellen, im Straßenverkehr trifft dies auf Motorrad-, Moped- und Fahrradfahrer zu – selbst wenn keine Helmpflicht besteht. Inline-Skater, Wildwasserkanuten und Kletterer sollten ebenfalls einen Helm tragen.

Häufige Fragen

Mein Kind hat eine Gehirnerschütterung. Wann kann es wieder in die Schule gehen?
Solange Ihr Kind unter Kopfschmerzen und vielleicht Übelkeit, Brechreiz oder Erbrechen leidet, sollte es nicht in die Schule gehen. Nach ein paar Tagen lassen Kopfschmerzen und Erbrechen nach und Ihr Kind wird sich deutlich besser fühlen. deutlich munterer werden. Dann kann es auch wieder in die Schule gehen. Hier sollte man jedoch auf eine eventuelle Konzentrationsschwäche achten, die manchmal erst nach Wochen verschwindet.

Muss ich bei einer Gehirnerschütterung im Bett liegen?
Sie werden selbst spüren, was Ihnen gut tut und was Ihnen schadet. Sicherlich sollten Sie sich solange Sie unter Kopfschmerzen leiden nicht zu sehr anstrengen. Wenn Sie bei jeder Bewegung starke Kopfschmerzen bekommen, dann sollten Sie sich wirklich sehr ruhig verhalten und eventuell hinlegen. Wenn Sie sich jedoch nicht eingeschränkt fühlen, dann können Sie auch aufstehen.

Kategorie: Krankheiten
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