Schizophrenie

Schizophrenie oder übersetzt „gespaltene Seele” ist eine psychische Störung (endogene Psychose). Aufgrund des vielgestaltigen Erscheinungsbildes ist es schwer alle dazu gezählten Erscheinungsbilder wirklich zu derselben Krankheit zu zählen. Man spricht deshalb auch von Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis. In der Bevölkerung sind durchschnittlich 0,5% an Schizophrenie erkrankt, wobei Männer und Frauen gleich häufig betroffen sind. Von 100.000 Erwachsenen erkranken jedes Jahr 15-50 Personen an dieser Krankheit. Die Erkrankungswahrscheinlichkeit steigt ab dem 40. Lebensjahr um 1% an. Die Ersterkrankung liegt überwiegend zwischen der Pubertät und dem 30. Lebensjahr.

INFO Endogene Psychose
endogen: Von innen, aus dem Organismus heraus, aber ohne erkennbare körperliche Ursache und ohne begründbaren Zusammenhang mit Erlebnissen. In der Psychiatrie bezieht sich endogen auf die Entstehung von Psychosen. Endogene Psychosen beschreiben eine zwar im Körper liegenden, jedoch nicht nachweisbaren, auf anlagebedingten Faktoren beruhenden Krankheitsursache.

Ursachen

Wie die Psychosen aus dem schizophrenen Formenkreis entstehen weiß niemand. Die Ursachen liegen weitgehend im dunkeln. Man geht davon aus, dass Menschen die schizophren erkranken, empfindsamer gegenüber Innen- und Außenreizen sind, d.h. bereits eine prämorbide Persönlichkeit Info besitzen. Eine besondere Verletzlichkeit (Vulnerabilität) ist ein Faktor, der bei der Auslösung und im weiteren Verlauf eine Rolle spielt.

Man nimmt eine multifaktorielle Bedingtheit an, der keine einheitliche Entstehungsursache zugrunde liegt. Es wird ein Bedingungsgefüge, ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren bei der Entstehung der Krankheit angenommen. Es können keine konkreten Aussagen getroffen werden, inwieweit welcher Faktor entscheidend für die Entstehung ist.
Faktoren:

  • biologisch: Vererbung (der Vulnerabilität)
  • biochemisch: Veränderungen im Gehirn, Stoffwechselstörungen
  • psychologisch: Störungen der Informationsverarbeitung u.a.
  • psychosozial: lebensverändernde Ereignisse, beruflicher Stress u.a.
  • sozial: familiäres Umfeld u.a.

INFO Prämorbide Persönlichkeit
Es besteht eine verborgene Krankheitsbereitschaft mit Herabsetzung der Toleranzschwelle gegenüber seelischen, körperlichen und biographischen Belastungsfaktoren, die zum Auslöser der Krankheit werden können.

Krankheitsbild

Schizophrenie ist gekennzeichnet durch ein sehr buntes und komplexes Erscheinungsbild.
Zu den grundlegenden Symptomen werden folgende Störungen gezählt:
Ich-Störungen : Das Bewusstsein der „Meinhaftigkeit” des Wollens, Erlebens, Denkens und Handelns geht verloren und die Ich-Identität zerfällt. Eigene Handlungen können nicht mehr als zusammengehörige Einheit der Person erlebt werden und die Unterscheidung zwischen Eigenem und Fremdem ist gestört.

Es entsteht der Eindruck einer übermächtigen Fremdbeeinflussung oder Verfolgung.
Störungen der Affektivität (Gefühlsansprechbarkeit) : Die Gemütslage ist von Schwankungen gekennzeichnet, welche durch das gleichzeitige bzw. unmittelbar hintereinander wechselnde Auftreten extremer Gemütslagen beschrieben wird. Depressionen kommen relativ häufig zum Vorschein. Bei gehobener Stimmung kann Albernheit und eine undifferenzierte, rücksichtslose Enthemmtheit vorherrschen. Vor allem im anfänglichen und akuten Stadium ist Angst nachweisbar, die sich aus dem Bedrohtheitserleben ergibt.

Störungen des Denkens: Das Denken erscheint zerfahren, zusammenhangslos und ohne innere Logik. Aufgrund dessen werden auch die sprachlichen Äußerungen zunehmend zusammenhangsloser und skurriler, bis hin zu Wortneubildungen.
Die nachfolgenden Symptome sind nicht schizophreniespezifisch, da sie sich mit anderen psychischen Krankheiten in vielfältiger Weise überschneiden (z.B. Depressionen, Persönlichkeitsstörung). Trotz alledem zählen sie zu dem Krankheitsbild der Schizophrenie.

Wahn: Nahezu alle Lebensumstände können Gegenstand eines Wahnes und zu einem Wahnsystem ausgebaut werden. Wahnstimmung, Wahnwahrnehmung, Wahneinfall.

Halluzinationen: Am häufigsten sind akustische Halluzinationen, welche überwiegend als bedrohliche oder abwertende Stimmen gehört werden. Werden die Stimmen als das Wahrnehmen des eigenen Denkens erlebt, spricht man von Gedanken-laut-werden. Weiterhin gibt es Körper-, Geschmacks- und Geruchshalluzinationen und optische Halluzinationen.

Katatone Symptome (Antrieb u. Psychomotorik) : Es besteht eine Antriebsminderung hinsichtlich Aktivität, Zielstrebigkeit, Spontaneität und Initiative. Die emotionale Reaktionsfähigkeit und die spontane Zuwendungs- und Kommunikationsfähigkeit lassen nach.

Bei vollem Bewusstsein kann der Kranke völlig bewegungs- und reaktionslos sein (katatoner Stupor).

INFO Wahnstimmung
Beschreibt die Stimmung im Vorfeld eines Wahnes, bei welcher der Kranke die Gewissheit hat, dass etwas passiert, was er im einzelnen noch nicht kennt.

 

INFO Wahnwahrnehmung
Beschreibt eine falsche Bedeutungszuordnung von Vorgängen
in der Umgebung, wobei oft Alltagsvorgänge als Bedrohung oder Prüfung erlebt werden

 

INFO Wahneinfall
Beschreibt das Bewusstsein einer bestimmten Berufung (z.B. politisch), der besonderen Fähigkeit, Verfolgung oder des Geliebtwerdens. Wahneinfälle sind von der Wirklichkeit nicht immer scharf zu unterscheiden.

Auswirkungen/Verlauf

Um ein Gesamtbild des Verlaufs zu erhalten, ist es sinnvoll ihn in Phasen aufzuteilen, welche in der Realität so nicht unbedingt vorkommen. Genauso bunt und unendlich vielfältig wie das Krankheitsbild, ist auch der Beginn und Verlauf. Die Anfangssymptomatik kann akut ausbrechen oder sich schleichend, über einen längeren Zeitraum und für den Betroffenen selbst kaum spürbar, entwickeln.

In dieser Vorphase besteht zunächst eine besondere emotionale Empfindlichkeit, Angespanntheit und Interessenverlust. Durch die fortschreitende Fehleinschätzung der Wirklichkeit (Wahnvorstellungen, Entfremdungserlebnisse) kommt es zu einer gewissen Unsicherheit und sozialem Rückzug im alltäglichen Leben und die Krankheit bricht aus. Innerhalb der nächsten Phase breiten sich die Symptome rasch aus und das typische schizophrene Erleben (Mittelpunkt der Welt zu sein) tritt ein. Es kommt zur aktiven Phase und das Vollbild der Schizophrenie tritt zum Vorschein, bis zum Zerfall der Persönlichkeit des Erkrankten. Irgendwann beginnen die Symptome zeitweise / dauerhaft abzuklingen und der Schizophrene wird entspannter.

Es ist auch möglich, dass die Symptome lediglich abschwächen und es bleibt eine Restsymptomatik vorhanden. Bleibt das Vollbild der Schizophrenie bestehen, kommt es zu einer Chronifizierung. Vor allem Schizophrene mit Störungen der Gemütslage neigen besonders zur Chronifizierung. In der akuten Phase oder beim Vorhandensein einer Restsymptomatik kann es zu schweren Krisen mit Selbsttötungsabsichten kommen.
Die verschiedenen Phasen sind in der Regel von unterschiedlicher Intensität und Dauer, wobei eine Manifestation in einer Phase durchaus möglich ist.

Über die Hälfte aller Schizophrenien haben einen günstigen Verlauf, sodass keine Probleme innerhalb der sozialen Integration bestehen. Nach einer oder mehreren akuten Phasen können 40% geheilt werden. Weitere 40% behalten eine leichte Restsymptomatik und nur 8% haben einen schweren chronischen Verlauf. Der Rest der möglichen Verlaufsformen ist eher selten.

Erkennung/Untersuchungen

Bei der Diagnose Schizophrenie ist Vorsicht geboten. Aufgrund der unterschiedlichen Symptom- und Verlaufsmöglichkeiten kann eine Fehldiagnose schnell getroffen werden. Eine Diagnose darf nur gestellt werden, wenn eine Trübung des Bewusstseins, eine erkennbare Hirnerkrankung, eine nachweisbare Einwirkung psychedelischer Substanzen (z.B. LSD, Haschisch) oder andere psychische Störungen (z.B. Depression) ausgeschlossen werden können. Als erste Anzeichen breiten sich über einen längeren Zeitraum eine Vernachlässigung der Arbeit und der sozialen Kontakte, Unselbstständigkeit und Interessenverlust aus. Treten zusätzlich die schizophrenietypischen Symptome auf und können diese auf Dauer (meist ab 6 Monaten) beobachtet werden, kann von einer Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis ausgegangen werden.

Wichtig ist es die Symptome über einen langen Zeitraum im Gesamtzusammenhang zu betrachten, um eine frühzeitige Fehldiagnose ausschließen zu können. Die Grenzen der Schizophrenie sind nicht eindeutig und werden auch in verschiedenen Ländern unterschiedlich abgesteckt. Nur wenn die Symptomatik und das Krankheitsbild eindeutig ist, kann die Diagnose Schizophrenie gestellt werden.

Therapie

Die Therapie baut auf 3 Ansatzpunkten auf : psychopharmakologisch, psychotherapeutisch und soziotherapeutisch. Alle Maßnahmen sollten zusammenwirken und individuell abgestimmt werden.

Eine wesentliche Rolle spielt die psychopharmakologische Therapie mit Neuroleptika Info (z.B. Haloperidol, Perazin). Neuroleptika werden v.a. in der akuten Phase zur Milderung der Symptome verabreicht. Mit dem Nachlassen der Symptome wird die Dosis in kleinen Schritten reduziert. Ist die Symptomatik ganz abgeklungen, muss trotz alledem eine Erhaltungsdosis mindestens über 6 Monate verabreicht werden, um eventuelle Rückfälle zu vermeiden. Bei Schizophrenen mit mehreren Rückfällen werden Neuroleptika noch 3-5 Jahre nach der akuten Phase eingenommen und bei chronisch Schizophrenen sogar dauerhaft. Antidepressiva können bei extremem Antriebsmangel / Depressionen im Zusammenhang mit soziotherapeutischen Maßnahmen über eine bestimmte Zeitperiode angewendet werden. Im Zusammenhang mit Neuroleptika ist auf eine individuelle Dosis, auf die Wirkung / Verträglichkeit und auf diverse Nebenwirkungen unbedingt zu achten.

Selbst bei richtiger Dosierung kann eine wesentliche Besserung erst nach ein paar Monaten eintreten. Ein besonderes Problem kann bei akuten schizophrenen Phasen die fehlende Krankheitseinsicht werden. Kommt eine Selbst- und Fremdgefährdung hinzu, ist eine Einweisung in eine geschlossene Station unabdinglich und eine Behandlung gegen den Willen des Kranken unumgänglich (unter bestimmten juristischen Voraussetzungen).
Sozio- und psychotherapeutische Maßnahmen können erst in Kraft treten, wenn die Kooperationsbereitschaft des Schizophrenen zunimmt. Innerhalb der Psychotherapie geht es v.a. um das Verarbeiten des Krankheitserlebens, meist schon vorhandene Lebensprobleme zu bewältigen und um die Hilfe sich selbst zu finden , die Wirklichkeit zu erkennen und zu bewältigen. Soziotherapeutische Maßnahmen zielen darauf ab, soziale Folgeschäden innerhalb der Familie, des Wohnenraumes, der Arbeit und des gesellschaftlichen Lebens zu vermeiden. Das Betreuungsangebot umfasst Arbeits- und Beschäftigungstherapien, Strukturierung der Tagesabläufe oder berufsrehabilitative Maßnahmen. Die Einbeziehung der Familie und des ganzen sozialen Umfeldes spielt eine wesentliche Rolle.

Im Umgang mit schizophrenen Menschen ist eine Über- bzw. Unterforderung zu vermeiden. Durch eine individuelle und stufenweise Förderung mit wachsenden Anforderungen ist es möglich, den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen. Schizophrenie ist behandelbar, aber nicht immer heilbar.

Die Spannbreite der Erscheinungsformen des schizophrenen Formenkreises ist erheblich. Sie reicht von leichten, zumeist schubweisen Verläufen bei Personen, die kaum eine Beeinträchtigung ihres sozialen Umfeldes erleben oder ohne große Schwierigkeiten beruflich zu integrieren sind, bis zu schwersten Verläufen mit aggressiven Wahnvorstellungen, die für sich und ihre Umwelt eine Bedrohung darstellen.

Häufige Fragen

In meiner Familie gibt es einen Fall von Schizophrenie. Habe ich dadurch ein erhöhtes Risiko schizophren zu werden?
Die Vererbung spielt bei der Schizophrenie eine gewisse Rolle, ebenso, wie biochemische Faktoren (Veränderungen im Gehirn, Stoffwechselstörungen), dass familiäres Umfeld, psychologisch bedingte Störungen der Informationsverarbeitung u.a..z. B. lebensverändernde Ereignisse, beruflicher Stress und vieles mehr. Dennoch können keine konkreten Aussagen getroffen werden, inwieweit welcher Faktor entscheidend für die Entstehung ist. Man nimmt eine multifaktorielle Bedingtheit an, der keine einheitliche Entstehungsursache zugrunde liegt. Es wird ein Bedingungsgefüge, ein Zusammenspiel von unterschiedlichen Faktoren bei der Entstehung der Krankheit angenommen.

Wichtige Adressen

Bundesverband d. Angehörigen psychisch Kranker in Deutschland
Thomas-Mann-Straße 49a
53127 Bonn
Tel. 0228/632646

Landesverband Mecklenburg-Vorpommern der Angehörigen
u. Freunde psychisch Kranker e.V. (LApK)
Heinrich-Ilsen-Straße 20
18106 Rostock (Evershagen)
Tel. 0381/722025

Kategorie: Krankheiten
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