Demenz – Alzheimer

Ins öffentliche Bewusstsein gerückt wurde die Alzheimer-Krankheit durch den ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan. Er gab als einer der ersten Prominenten zu, am “Alzheimer” erkrankt zu sein. Die Alzheimer-Demenz ist eine langsam fortschreitende Erkrankung, die mit einem Schwund der Gehirnmasse einher geht. Fallen anfangs nur kleine Vergesslichkeiten auf, steigern sich die Symptome im Lauf einiger Jahre derart, dass nicht einmal mehr die eigenen Familienangehörigen erkannt werden. Die Alzheimer-Erkrankung schreitet unaufhaltsam fort, der Betroffene wird immer unselbständiger und muss schließlich umfassend versorgt und gepflegt werden. Die Erkrankung wurde erstmals 1907 von dem Neurologen Alois Alzheimer beschrieben. Mit 60–80% ist die Alzheimer-Demenz die häufigste Demenzform. In Deutschland sind derzeit etwa 800.000 Menschen erkrankt. Alzheimer-Demenz ist eine Krankheit des Alters: Ab dem 80. –90. Lebensjahr sind über 40% der Menschen an ihr erkrankt. Da die Lebenserwartung immer weiter steigt, wird uns die Krankheit in Zukunft vor außerordentliche medizinische, gesellschaftliche und finanzielle Probleme stellen. Für das Jahr 2030 wird hierzulande bereits mit etwa zwei Millionen Alzheimer-Kranken gerechnet. Für die Behandlung stehen Medikamente zur Verfügung, eine Heilung ist derzeit aber nicht möglich. An Ursache und Therapie der Alzheimer-Demenz wird weltweit fieberhaft geforscht.

Ursachen/Risikofaktoren

Der langsam und unaufhaltsam fortschreitende Abbau der Großhirnrinde (Hirnatrophie) bei Alzheimerscher Erkrankung beginnt meist im höheren Lebensalter, etwa ab 60 Jahren. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Erkrankung deutlich früher, d.h. schon im dritten und vierten Lebensjahrzehnt beginnt.

In bestimmten Gehirnabschnitten lagern sich infolge einer Störung des Protein(Amyloid)-Stoffwechsels teils in, teils außerhalb der Nervenzellen fehlgebildete Eiweißkörperchen ab, sogenannte Plaques und Neurofibrillen. Besonders stark in Mitleidenschaft gezogen sind Nervenzellen, die zur Signalübertragung untereinander den Botenstoff Acetylcholin benutzen. Sie sind vor allem für das Lernen und das Gedächtnis zuständig.

Die eigentliche Ursache des Gehirnabbaus ist nicht bekannt. Es scheint, als ob viele Risikofaktoren zusammenwirken müssen, um die Erkrankung auszulösen. Alter und genetische Faktoren haben aber einen großen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit, an Alzheimer-Demenz zu erkranken. In wenigen Fällen (maximal 5%) wurde bei familiär gehäuftem Auftreten eine Chromosomenstörung auf den Chromosomen 11, 14 und 21 festgestellt.

Noch nicht ausreichend geklärt ist die Rolle von Umwelteinflüssen und Entzündungen. Menschen, die früher einmal eine Schädelhirnverletzung erlitten haben, scheinen häufiger an der Alzheimer-Demenz zu erkranken. Menschen mit einem höheren Schul- und Ausbildungsgrad haben dagegen vermutlich ein niedrigeres Erkrankungsrisiko. Andere Demenzformen gehen auf Durchblutungsstörungen, Alkoholismus, AIDS und viele andere Erkrankungen des Nervensystems wie z.B. der Parkinson-Krankheit, zurück.

Andere Demenzen

  • Durchblutungsstörungen
    Durchblutungsstörungen des Gehirns stellen die zweithäufigste Ursache von Demenz-Erkrankungen dar. Sie beruhen auf krankhaften Veränderungen der Blutgefäße. Wie auch am Herzen können die Gefäße z.B. verkalken und sich dadurch verengen oder gar verschließen. Dadurch, dass die Gefäßwände ihre Elastizität einbüßen, können die Gefäße sogar platzen. Dies führt dann zu einem Schlaganfall. Die Symptome der gefäßbedingten Demenz sind der Alzheimer-Demenz sehr ähnlich. Es existieren auch Mischformen der beiden Erkrankungen.
  • Frontalhirn-Demenz
    Der Alzheimer-Erkrankung ähnlich ist auch eine Demenzform, bei der hauptsächlich die vorderen Gehirnpartien (Stirnlappen) atrophieren, d. h. einen Schwund zeigen. Diese als Frontalhirn-Demenz bezeichnete Erkrankung fällt meist dadurch auf, dass sich die Betroffenen in ihrer Persönlichkeit verändern. Sie werden plump-vertraulich, taktlos, können eine Situation nicht mehr beurteilen. Häufig kommt es aus einer momentanen Laune heraus zu ganz unsinnigen Handlungen.
  • Etwa 20% aller Patienten, die einen Schlaganfall erlitten haben oder an der Parkinson-Krankheit leiden, erkranken anschließend an einer Demenz.
  • Chronischer Alkoholismus (Vitamin B1-Mangel), AIDS, Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK), Huntington-Krankheit und Mongolismus (Down-Syndrom) sind noch seltenere Ursachen.
  • Behandelbare Demenz-Ursachen sind insbesondere die Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) und ein starker Vitaminmangel (Vitamin B12 und Folsäure).

Krankheitsbild

Häufigstes Anfangssymptom der Alzheimer Erkrankung ist das Nachlassen des Gedächtnisses, besonders für kurz zurückliegende Ereignisse. Dinge werden “verlegt” und Verabredungen verschwitzt. Der Betroffene kann sich auch schlechter konzentrieren und das richtige Wort will ihm nicht mehr einfallen.

Im Lauf der Erkrankung kann die zeitliche Orientierung (welcher Tag ist heute?), später auch die räumliche Orientierung verlorengehen. So finden die Patienten beispielsweise nicht mehr nach Hause zurück und irren hilflos umher.

Das Denkvermögen verlangsamt sich zunehmend, die Handhabung von Gegenständen (Apraxie) wird schwierig und die Fähigkeit zur Abstraktion und Planung lässt nach. Die Patienten sind z.B. nicht mehr in der Lage, ihren Haushalt selbständig zu führen und ihre Geldangelegenheiten zu regeln.

Später können auch die einfachsten Tätigkeiten wie Ankleiden, Waschen, der Toilettengang etc. nicht mehr allein verrichtet werden. Auch länger zurückliegende Erinnerungen, z.B. an die eigene Jugend, beginnen zu verblassen. Es kann vorkommen, dass sogar der eigene Name vergessen wird.

Neben dem Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit treten sehr häufig auch Verhaltensstörungen auf: Die Patienten sind körperliche unruhig, wandern sinnlos hin und her, essen übermäßig und können sich im Beisein anderer nicht mehr “benehmen”. Wahnvorstellungen und Sinnestäuschungen (Halluzinationen) können den Patienten im Endstadium quälen.

Auswirkungen

Zu Beginn der Alzheimer-Demenz lassen sich die geistigen Einschränkungen durch einfache Hilfsmittel wie schriftliche Notizen, einfache Strukturierung des Alltagsablaufs, etc. bewältigen. Bei weiterem Krankheitsfortschritt muss der Beruf – falls zu diesem Zeitpunkt noch ausgeübt – aufgegeben werden und später wird die Betreuung durch eine Pflegekraft unumgänglich.

In späten Stadien ist eine ununterbrochene Betreuung oft unverzichtbar und vielfach wird die Einrichtung einer Vormundschaft notwendig. Solange der Patient entscheidungsfähig ist, sollten deshalb rechtliche Fragen, wie z.B. Erbschaftsangelegenheiten, geregelt werden.

Die Angehörigen sehen sich später meist zur Unterbringung des Patienten in einem Pflegeheim gezwungen. Die Lebenserwartung bei Ausbruch der Krankheit beträgt etwa 10–20 Jahre. Die meisten Patienten sterben bei zunehmendem körperlichen Verfall an Infektionen, meist an Lungenentzündungen.

Familienmitglieder, die ihre erkrankten Angehörigen pflegen, leider sehr häufig unter psychischem Stress und laufen selbst Gefahr, Depressionen zu bekommen. Viele Angehörige von Patienten mit Alzheimer-Demenz organisieren sich daher in Selbsthilfegruppen und teilen in der Gemeinschaft die oft aufreibenden und belastenden Erlebnisse der Betreuung.

Erkennung/Untersuchungen

Bei ersten Anzeichen von Gedächtnis- oder Wortfindungsstörungen sollte eine Abklärung der Ursache erfolgen. Das normale Altern kann zwar auch mit einem Nachlassen der geistigen Leistungsfähigkeit einhergehen, die Krankheitszeichen lassen sich meist aber recht gut von einer richtigen Demenz abgrenzen.

Von der Alzheimer-Erkrankung unterschieden werden müssen auch die bereits erwähnten selteneren Demenzformen, insbesondere jene, die sich möglicherweise ursächlich behandeln lassen wie im führen Kindesalter eine Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose) oder im höheren Lebensalter ein hochgradiger Vitamin B12-Mangel (Addison-Biermer-Krankheit).

Immer wieder kommt es vor, dass Patienten mit depressiven Erkrankungen aufgrund der psychischen und körperlichen Verlangsamung für dement gehalten werden (“Pseudodemenz”). Bei Anwendung geeigneter Untersuchungen und Tests lässt sich aber durchaus zwischen den beiden Krankheiten unterscheiden.

Bildgebende Verfahren

Geräteuntersuchungen werden mit CT, MRT, in der Forschung auch mit PET- und SPECT-Verfahren durchgeführt. Es finden sich Zeichen des Hirngewebsschwunds (Hirnrindenatrophie) und ein erniedrigter Hirnstoffwechsel in den betreffenden Regionen.
Eine Untersuchung der Hirnflüssigkeit (Liquor) ergibt oft erhöhte Konzentrationen bestimmter pathologischer Eiweiße wie Betaamyloid und TauproteinDerzeit wird daran geforscht, welche weiteren biochemischen Veränderungen oder welche typischen Auffälligkeiten in den bildgebenden Verfahren als Frühzeichen der Alzheimer-Demenz dienen können. In verschiedenen Tests kann die geistige Leistungsfähigkeit beurteilt werden

Therapie von Alzheimer

Die Behandlung der Alzheimer-Demenz richtet sich derzeit nur gegen die Symptome. Eine ursächliche Therapie ist trotz großer Forschungsanstrengungen bisher nicht bekannt.

Gedächtnis- und Denkübungen (“Gehirn-Jogging”) führen beim Alzheimer-Patienten meist nicht zur Besserung. Im Gegenteil, der Patient versagt oft und ist frustriert. Allerdings lässt sich die geistige Leistungsfähigkeit durch Geschichten-Erzählen, Bilder-Malen und spezielle Übungen anregen. Trotz fortschreitenden geistigen Abbaus werden gefühlvolle Zuwendung und liebevolle Berührungen von den Patienten positiv aufgenommen.

Die Durchorganisierung und Vereinfachung des Tagesablaufs soll für eine möglichst lange Aufrechterhaltung der Alltagsbewältigung sorgen.

Die bekanntesten Medikamente sind Donepezil, Rivastigmin und das ältere Tacrin . Sie werden zur Behandlung der leichten und mittleren Krankheitsstadien verwendet. Die Medikamente verlangsamen den Abbau der geistigen Leistungsfähigkeit (kognitive Störungen) und des Gedächtnisses. Manchmal werden auch die Verhaltensstörungen günstig beeinflusst. In wissenschaftlichen Studien konnte die allgemeine Symptomverschlechterung häufig gebremst und die Pflegebedürftigkeit verzögert werden. Für den Patienten bessert sich die Lebensqualität. Die neueren Medikamente sind dabei besser verträglich als die älteren.

Gute Erfahrungen wurden auch mit einem pflanzlichen Medikament, dem Ginkgo-biloba-Extrakt gemacht. Gemessen wird die Wirksamkeit der Medikamente – aber auch das Fortschreiten der Demenz – mit verschiedenen Tests zur geistigen Leistungsfähigkeit. Neben dem “Uhren-Test” ist der Mini Mental State Test (MMST) der einfachste und bekannteste Test. Er hat 30 Aufgaben und lässt sich in einer knappen halbe Stunde durchführen.

Verhaltensstörungen wie Ruhelosigkeit, Herumwandern, etc. werden meist mit Medikamenten aus der Klasse der Neuroleptika behandelt. Es kommen aber auch angstlösende Mittel (Anxiolytika) und stimmungsaufhellende Mittel (Antidepressiva) zur Behandlung der oft begleitenden Depression zum Einsatz. Alle Medikamente können jedoch das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz nicht stoppen. Erreicht werden kann aber eine Verzögerung des Krankheitsprozesses und eine Verbesserung der Lebensqualität. Die Patienten können auch länger in ihrem gewohnten Lebensumfeld bleiben.

Medikamentöse Therapie

Die am häufigsten zur Therapie der Alzheimer-Erkrankung verwendeten Medikamente sind die Acetylcholinesterase-Hemmstoffe. Sie reduzieren den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin, an dem ja ein Mangel besteht. Dies geschieht, indem die Medikamente die Körpersubstanz Acetylcholinesterase besetzen, deren Aufgabe es ist, den Botenstoff Acetylcholin unwirksam zu machen.

Wichtiger Hinweis

Mit zunehmender Lebenserwartung unserer Bevölkerung ist auch mit einer Zunehme von Alters-Demenzen zu rechnen.

Häufige Fragen

Meine 65-jährige Mutter vergisst immer häufiger, wohin sie gerade benutzte Gegenstände (z.B. ihre Brille) gelegt hat und was ich ihr kurz zuvor erzählt habe. Könnte es sich um die Alzheimer-Krankheit handeln? Zu welchem Arzt soll ich mit ihr gehen?

Vergesslichkeit ist tatsächlich eines der ersten Symptome einer beginnenden Demenz. Kurz zurückliegende Ereignisse werden dabei schneller vergessen als alte Erinnerungen. Ebenso finden sich zu Erkrankungsbeginn häufig Störungen der Sprache. Den Patienten fällt häufig das richtige Wort nicht ein oder sie drücken sich sehr unklar aus. Der Verdacht auf eine Demenz ergibt sich insbesondere dadurch, dass Freunde oder Angehörige merken, dass die Symptome stetig schlimmer werden.

Der Hausarzt – möglichst einer, der den Patienten schon seit längerem kennt – ist meist die erste Anlaufstelle und kann mittels einfacher Fragebogen und Tests die geistige Leistungsfähigkeit feststellen und eventuell notwendige Untersuchungen veranlassen. Im weiteren kann gegebenenfalls auch geklärt werden, ob es sich um eine Alzheimerdemenz oder eine andere Form der dementiellen Erkrankung (z.B. bei Durchblutungsstörungen des Gehirns) handelt. In manchen Städten existieren “Gedächtnissprechstunden”, die oft von erfahrenen Klinikärzten gehalten werden. Auch sie sind eine gute Anlaufstelle.

Vorsorge

Lebenslanges geistiges Training ist die bisher einzige Möglichkeit, einem geistigen Verfall im Alter vorzubeugen.

Wichtige Adressen

Deutsche Alzheimer-Gesellschaft
Büchsenstr. 34-36
70174 Stuttgart
Tel:0711/226 85 98
Fax: 0711/226 85 19

Alzheimer Gesellschaft München e. V.
Richard Strauss-Str. 34
81677 München
Tel: 089 / 47 51 85
Fax: 089 / 47 02 97 9

Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V. (AGB e.V.)
Albrecht-Achilles-Str. 65
10709 Berlin (Wilmersdorf)
Tel: 030 / 89 09 43 57

Kategorie: Krankheiten
© 1997-2017 | -