Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist die häufigste chronische Krankheit im Kindesalter; wobei Jungen doppelt so häufig erkranken wie Mädchen. Allerdings verliert sich die Krankheit im Verlauf der Pubertät bei

mindestens 50% der betroffenen Kinder. Doch die Atemwege reagieren bei über der Hälfte der Patienten auch nach mehrjähriger Beschwerdefreiheit noch überempfindlich. Rund ein Drittel der im Jugendalter beschwerdefrei gewordenen Asthmatiker erleidet in seinem weiteren Leben einen Rückfall.

Unter den Erwachsenen gibt es etwa 1,5mal so viele an Asthma erkrankte Männer wie Frauen. Insgesamt rechnet man in Deutschland mit 8 Millionen Asthmatikern. Obwohl das Asthma bronchiale nicht heilbar ist, muss die Krankheit keineswegs einen schwerwiegenden Verlauf mit lebensbedrohlichen Komplikationen nehmen, denn das Spektrum der medikamentösen und therapeutischen Hilfen ist breit gefächert. Wichtig ist vor allem die frühzeitige Diagnose. Leider deuten viele Betroffene erste Anzeichen von Asthma falsch. In der Regel vergehen fünf Jahre, bevor die Krankheit erkannt wird. In dieser Zeit hat sich oft schon ein chronischer Zustand entwickelt.

Ursachen/ Risikofaktoren

Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Formen: das allergische und das nichtallergische Asthma bronchiale. Diese Unterscheidung wird allein aufgrund der auslösenden Ursache getroffen. Während dies beim allergischen Asthma (15%) spezifische Auslöser sind, welche auch als Allergene bezeichnet werden (siehe auch Allergie), entsteht die nichtallergische Form (5%) im Verlauf von Atemwegsentzündungen.

  • Spezifische Auslöser = Allergene, ursächlich für das allergische Asthma
  • Kot der Hausstaubmilben
  • Blütenpollen von Pflanzen, Bäumen und Sträuchern
  • Tierhaare
  • Schimmelpilze
  • bestimmte Stoffe am Arbeitsplatz, wie Mehl, Holzstaub etc

Da beide Asthma-Formen auch durch eine Reihe unspezifischer Auslöser hervorgerufen werden, stellen die sog. Mischformen mit 80% den größten Anteil dar. Die Unterscheidung der verschiedenen Asthmaformen hat große Bedeutung für die Therapie.

  • Unspezifische Auslöser, ursächlich für beide Asthmaformen
  • körperliche Belastung (Anstrengungsasthma)
  • psychische und emotionale Ursachen
  • kalte und verschmutzte Luft
  • bestimmte Medikamente, besonders Beta-Rezeptorenblockern (Medikament gegen Bluthochdruck) und Acetylsalicylsäure
Merkmal allergisch nicht allergisch
erstes Auftreten Kindheit, Jugend über 30 Jahre
Symptome nächtlich-morgendlicher trockener Husten ohne Infektzeichen

oft im Zusammenhang mit Allergenbelastung

erschwerte Ausatmung bei starker (physischer und /oder psychischer) Belastung

 nächtlich-morgendlich er trockener Reizhusten auch ohne Infekt

oft schwerer Verlauf

Verschlechterung beifieberhaften Infekten

oft im Zusammenhang mit Allergenbelastung Verschlechterung bei Infekten
oft schwerer Verlauf
Auslöser allergenspezifisch unspezifisch
Hausstaubmilben Atemwegsinfekte
Pilzsporen körperliche Belastung
Tierhautzellen bestimmte Medikamente
bestimmte Stoffe am Arbeitsplatz psychische und emotionale Belastungen
kalte oder verschmutzte Luft
Allergie-Hauttest meist positiv meist negativ
Atopie in der Familie häufig selten

INFO Atopie:
Erblich bedingte Bereitschaft zu einer Allergie

Krankheitsbild

Die Symptome ergeben sich aufgrund der anfallsartig auftretenden Verengung der Atemwege (= Atemwegsobstruktion). Einerseits kann zwischen zwei Anfällen ein unterschiedlich langer Zeitraum mit völliger Beschwerdefreiheit liegen, und andererseits variiert die Schwere der Anfälle stark. Anfällige Personen leiden dabei unter Luftknappheit und Brustenge, wobei es dem Asthmatiker besonders schwer fällt, die in den Lungen befindliche Luft auszuatmen. Dies ist dann mit den typischen pfeifenden Geräuschen und dem Versuch verbunden, zähen Schleim abzuhusten. Typischerweise treten die Asthmaanfälle nachts und in den frühen Morgenstunden auf. Da es dem Asthmatiker schwer fällt, ausreichend Luft zu holen, hat er während der Anfälle große Angst zu ersticken. Die natürlichen Reaktionen unseres Körpers auf Angst verstärkt die Atemnot zusätzlich. Deshalb ist es für Sie als Patienten von größter Wichtigkeit, Mechanismen zu kennen, um diesen Teufelskreis zu durchbrechen (siehe auch Therapie).

Auswirkungen

Eine der gefährlichsten Folgen ist der Status asthmaticus. Dieser Zustand ist eine über mehrere Stunden andauernde Atemnot, bei dem sich der Patient in einem lebensbedrohlichen Zustand befindet. Deshalb sollte in diesem Fall sofort ein Notarzt gerufen werden. Mögliche weitere Folgen entstehen durch die Überdosierung von Anti-Asthmamitteln (siehe auch Aktuelles). Häufig liegt das an der falschen Handhabung der sogenannten Dosieraerosole. Dabei wird ein Gerät benutzt, das Medikamente so fein zerstäubt, dass diese über die Einatemluft aufgenommen werden können. Also lassen Sie sich die Anwendung ruhig wiederholt zeigen. Das gilt insbesondere beim Wechsel zu neuen Produkten.

Erkennung/Untersuchungen

Oft kann der Arzt durch die genaue Schilderung der Symptome, wie z. B. anfallsartig auftretende Luftnot, Brustenge, pfeifende Geräusche beim Ausatmen sowie Husten, eine erste Verdachtsdignose stellen. An dieser Stelle sind Sie gefragt: Berichten Sie Ihrem Arzt genau, wie, wann und wo Ihre Atemnot auftritt. Mögliche Zusammenhänge bestehen zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten, aber auch Ihre berufliche Tätigkeit kann von Wichtigkeit für Diagnostik und Therapie sein. Abhängig davon, wie oft bei Ihnen Symptome auftreten, lässt sich der Schweregrad des Asthmas festlegen. Diese erste Einteilung wird dann noch durch weitere diagnostische Tests, z.B. der Lungenfunktionsprüfung und einer ausführlichen Allergiediagnostik, ergänzt.

Einteilung des Asthmas nach Schweregrad:

Schweregrad Symptomhäufigkeit
1 = leicht häufiger als 3mal pro Woche
2 = mittel mehrfach täglich und nachts
3 = schwer ständig

Zur Allergiediagnostik gehört auch der Prick-Hauttest. Bei diesem Test bekommt der Patient Lösungen verschiedener Stoffe auf den Unterarm aufgetragen, auf die er möglicherweise allergisch reagiert. Ist das der Fall, kann der Arzt nach 15 – 20 min eine umschriebene Hautrötung und -schwellung feststellen.

Diese kann durch den sog. Allergenprovokationstest bestätigt werden. Für diesen Test wird dem Patienten der verdächtige Auslöser in abgeschwächter Form in die Nase getropft. Eine anfällige Person reagiert mit einer Schwellung der Nasenschleimhäute.

Therapie

Zunächst sollten Maßnahmen ergriffen werden, welche die auslösende Ursache direkt angehen. Sind Sie also an der allergischen Form des Asthmas erkrankt, müssen Sie die betreffenden Allergene meiden. Bei der nichtallergischen Form sollte jeder Betroffene sich gut vor entzündlichen Erkrankungen der Atemwege schützen.

Erst wenn diese Maßnahmen nicht ausreichen, müssen Beschwerden mit Medikamenten behandelt werden. Dabei richtet sich der Arzt nach dem Schweregrad der Erkrankung (siehe auch Erkennung/Untersuchungen) und behandelt Sie nach einem festgelegten Stufenschema.

Es kommen verschiedene Medikamente zum Einsatz:

  • Medikamente, welche die verengten Atemwege direkt entspannen und entkrampfen: sogenannte Bronchodilatatoren wie Terbutalin, Salbutamol; Theophyllin und Ipratropiumbromid
  • Medikamente, welche die chronische Entzündung beeinflussen:sogenannte Glukokortikoide wie Budenosid
  • Medikamente, die die Überempfindlichkeit gegen die auslösenden Stoffe vermindern sollen: Antiallergika wie Cromoglicinsäure
  • Medikamente, die das Abhusten des zähen Schleims verbessern: Bromhexin oder Acetylcystein

Patienten mit einem Asthma bronchiale können bei sachkundiger ärztlicher Betreuung und gesundheitsbewusster Lebensführung uneingeschränkte körperliche und geistige Leistungen vollbringen.

Oft müssen verschiedene Präparate gemeinsam eingenommen werden. Viele Arzneistoffe werden als Inhalationsspray (Dosieraerosole) in die Einatemluft gesprüht und wirken so direkt an den gereizten und verengten Bronchien. Andere Medikamente sind in Tablettenform einzunehmen.

Wichtig für Patienten ist die Teilnahme an einer Patientenschulung. Dort können Sie Fragen zu Asthma stellen und die richtige Handhabung der Dosieraerosole erlernen. Außerdem werden Ihnen durch Information und Übungen ein weiteres Verständnis für Ihre Erkrankung gegeben, und die Ängste vor eventuellen Notfällen abgebaut. Auch der Kontakt mit anderen Betroffenen macht für viele Patienten den Umgang mit der Erkrankung leichter.

Als wichtigstes Instrument zur Selbstkontrolle steht das Peak-Flow-Messgeräts zur Verfügung. Bei der Untersuchung werden während der Atemtätigkeit des Patienten verschiedene Werte gemessen. Damit kann man einerseits den individuellen tageszeitlichen Verlauf des Asthmas ermitteln und andererseits eine optimale Anpassung der Dosierungszeitpunkte festlegen. Allerdings sind die Messwerte in hohem Maße von der Mitarbeit des Patienten abhängig.

Als ergänzende therapeutische Mittel sind Entspannungsverfahren wie Atemtherapie, autogenes Training und eine unterstützende Psychotherapie zu nennen. Gerade die Kombination von Allgemeinmaßnahmen, medikamentöser und psychotherapeutischer Behandlung wird von den Patienten als sinnvolle Ergänzung zunehmend in Anspruch genommen. Das gemeinsame Behandlungsziel der Ärzte und Therapeuten ist es, Beschwerden im Alltag zu vermeiden und insbesondere bei Kindern die ungestörte Teilnahme am Schulunterricht, Sport und Spiel zu ermöglichen.

Vorsorge

Asthmatische Erkrankungen treten gehäuft innerhalb von Familien auf. Ein bekanntes Risiko für die spätere Entwicklung eines Asthma bronchiale besteht in der Allergenexposition während der frühen Kindheit. Allergenexposition bedeutet, dass ein ständiger Kontakt mit Stoffen, die einen Asthmaanfall bei Personen mit sehr empfindlichen Atemwegen auslösen, besteht. Besonders gefährlich ist vor allem der Kontakt mit der Hausstaubmilbe und Passivrauchen innerhalb des ersten Lebensjahrs.

Fraglich sind die Bedeutung der Ernährung und der Einfluss sozialer Faktoren. Bekannt ist allerdings, dass bei großer Geschwisterzahl Heuschnupfen seltener auftritt. Möglicherweise senken häufige Infekte in der frühen Kindheit das Risiko späterer allergischer Atemwegserkrankungen.

Allgemeine vorbeugende Maßnahmen bestehen im Verzicht auf Tierhaltung (Tierhautschuppen, Vorratsmilbe, Schimmelpilze) und unnötiger Staubquellen (Hausstaubmilben).

Bei der recht häufigen Hausstaubmilben-Allergie kann durch die Verwendung hautfreundlicher, milbendichter Kopfkissen und Matratzenüberzüge (evtl. auch “Allergiker-Matratzen”) der ständige Kontakt mit dem Allergen deutlich verringert werden. Wichtig ist auch das Einstellen von Tabakkonsum sowie das Vermeiden übertriebener körperlicher Anstrengungen. Die Raumreinigung sollte durch den Einsatz von Staubsaugern mit Feinstaubfiltern erfolgen. Etwa die Hälfte aller asthmatischen Erkrankungen könnte vermieden werden, wenn das vorhandene Wissen über Risikofaktoren angewendet würde.

weitere Infos

Zu hohe Dosis
Bei einer Untersuchung mit mehr als 6.600 Asthmatikern wurde die Dosierung ihrer verschriebenen Medikamente kontrolliert. Dabei stellte sich heraus, dass eine große Anzahl von Patienten ihre verordneten Medikamente permanent überdosiert einnehmen, und dadurch häufiger eine Krankhausbehandlung notwendig wird als bei den Patienten, die entsprechend dem Schweregrad ihrer Erkrankung dosieren. Dies galt insbesondere für Patienten, welche Medikamente für die Erweiterung ihrer Atemwege erhielten.
Quelle: Medizinische Fakultät der Johns Hopkins Universität von Baltimore/ Maryland

Häufige Fragen

Wie entsteht eigentlich das allergische Asthma?
Von einer Allergie spricht man ganz allgemein, wenn das körpereigene Abwehrsystem auf bestimmte Stoffe aus unserer Umgebung übersteigert reagiert. Während bei den meisten Menschen der Kontakt mit diesen Stoffen in ähnlichen Mengen ohne jegliche Folgen bleibt, führen die überschießenden Abwehrreaktionen bei anderen zum Krankheitsbild der Allergie. Diese allergieauslösenden Substanzen werden als Allergene bezeichnet und können auf unterschiedlichen Wegen in den Körper gelangen: zum einen werden sie mit der Luft eingeatmet (Inhalationsallergene wie z. B. Blütenpollen oder Hausstaub) oder über den Mund aufgenommen (Nahrungs- und Arzneimittel). Die allergischen Reaktionen führen bei verschiedenen Körperorganen zu Krankheitserscheinungen. Neben der Haut, den Augen, und dem Verdauungssystem sind insbesondere auch die Atemwege betroffen: Hier spricht man vom allergischen Asthma bronchiale.

Können allergische Erkrankungen ansteckend sein, ähnlich wie Erkältungskrankheiten?
Nein. Allergische Krankheiten werden nicht von Mensch zu Mensch durch Kontakt übertragen. Es liegt einerseits eine Veranlagung des Menschen (Atopie) und andererseits das Zusammenkommen verschiedener Faktoren vor.

Was sind Blütenpollen?
Pollen sind die befruchtenden Elemente der blühenden Pflanzen. Sie werden von Blumen, Gräsern, Kräutern, Sträuchern und Bäumen gebildet und sind pulverartige, gelbliche und mikroskopische kleine Körnchen. Sie können Auslöser von Allergien sein, die sich z. B. in Form eines Heuschnupfens äußern.

Wichtige Adressen

Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.
Westerholterstraße 142
45892 Gelsenkirchen
Tel.: 0209/30530
Fax: 0209/30530

Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind e.V.
Nassaustraße 32
35745 Herborn
Tel.: 02772/928-70
Fax: 02772/928748

Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst
Burgstraße 12
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252-931203

Deutsche Atemwegsliga e. V.
Burgstr. 12
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252/933615
Fax: 05252/953616
Faxabruf: 05252/933683
Homepage: http://atemwegsliga.de/
Das Informationsangebot der Deutschen Atemwegsliga richtet sich sowohl an Ärzte als auch an Patienten. Es werden Broschüren angeboten und die Adressen regionaler Gruppen aufgeführt.

Kategorie: Krankheiten
© 1997-2017 | -