Diabetes mellitus – Zuckerkrankheit

Die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) ist eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der die Konzentration des Blutzuckers (Traubenzucker = Glukose) erhöht ist. Ursache ist ein Mangel an dem Stoffwechselhormon Insulin, das von den sogenannten Inselzellen (auch Beta-Zellen) der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gebildet wird. Insulin, bestehend aus 51 miteinander verbundenen Aminosäuren, bewirkt die Aufnahme von Glukose aus dem Blut in jede Körperzelle. Fehlt dem Körper Insulin, sammelt sich Zucker im Blut an und führt zu lebensgefährlichen akuten Symptomen (Koma, Schock) und zu schwerwiegenden Spätschäden (koronare Herzkrankheit mit Herzinfarkt, Gefäßerkrankung der Netzhaut mit Erblindung, periphere Durchblutungsstörung mit Amputationen). Diabetes mellitus ist in Deutschland die sechsthäufigste Todesursache bei den über 65jährigen. Jede Diabetes-Erkrankung ist unbedingt behandlungsbedürftig.

Mit mehr als 4 Millionen Patienten lässt sich Diabetes inzwischen als Volkskrankheit bezeichnen. Die Erkrankung greift in Wohlstandsgesellschaften wie der unsrigen unaufhaltsam um sich. Es lassen sich im Wesentlichen zwei Diabetes-Formen unterscheiden: Der seltenere Typ-1- und der weitverbreitete Typ-2-Diabetes (ca. 90%). Daneben existieren noch einige wenige Sonderformen.

INFO Sonderformen des Diabetes
Bei Schwangerschaft kann es zu einem Diabetes (Gestations-Diabetes) kommen, der nach der Entbindung meist folgenlos verschwindet. Auch Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) wie Entzündungen (Pankreatitis) und Tumore können die Insulinproduktion beeinträchtigen. Unter den Erkrankungen des Hormonsystems kann eine Schilddrüsenüberfunktion oder aber eine Hormonstörung, die Cushing-Syndrom genannt wird, für Diabeteszeichen verantwortlich sein. Für einen medikamentös verursachten Diabetes spielt die Einnahme von Thiazid-Diuretika und Glukokortikoiden (Steroiddiabetes) eine Rolle.

Ursachen/Risikofaktoren

Der Typ-2-Diabetes ist mit über 90% typischerweise eine Erkrankung des mittleren Erwachsenenalters (auch als Altersdiabetes bezeichnet). Beim Typ-2-Diabetes kommt es durch die langsame Erschöpfung der Insulinproduktion in der Bauchspeicheldrüse zu einem Insulinmangel. Insulin hat die Aufgabe, die Zellen in Muskulatur, Leber und Fettgewebe (= Zielorgane) gewissermaßen aufzuschließen, um den Eintritt des Blutzuckers zu ermöglichen. In der Zelle wird der Zucker zur Energiegewinnung oder -speicherung weiterverarbeitet. Der Insulinmangel führt zeitweise oder dauerhaft zu erhöhten Glukosewerten (Hyperglykämie) im Blut. Der hohe Zuckergehalt schädigt die kleinen und großen Blutgefäße (Mikro- und Makroangiopathie).

Die Stoffwechselerkrankung tritt häufig bei übergewichtigen Menschen mit Bewegungsmangel auf. Vorstufe der eigentlichen Zuckerkrankheit ist eine langandauernde Phase, in der das Hormon Insulin an seinen Wirkorten Muskulatur, Leber und Fettgewebe seine Wirkung verliert (Insulinresistenz, Metabolisches Syndrom). In dieser Phase kann sogar ein Insulinüberschuss (Hyperinsulinismus) bestehen. Später erschöpft sich die Insulin-Bildungsfähigkeit und der Diabetes tritt auf.

Genetische Faktoren haben beim Typ-2-Diabetes einen großen Anteil. Sind die Eltern oder nahe Verwandte betroffen, besteht Die Wahrscheinlichkeit für einen Diabetes mellitus bei den Nachkommen. Neben der erblichen Veranlagung ist aber auch eindeutig die ungesunde Lebensweise (Überernährung) für die Entstehung der Zuckerkrankheit verantwortlich.

Beim selteneren Typ-1-Diabetes (auch insulinabhängiger Diabetes = IDDM oder juveniler Diabetes genannt), der meist im Kindes- oder frühen Erwachsenenalter auftritt, sterben die Inselzellen sogar ab. Er ist überwiegend genetisch bedingt und wenig von den Lebensumständen abhängig. Es konnten Veränderungen (Mutationen) auf verschiedenen Chromosomen nachgewiesen werden.

Beim Typ-1-Diabetes ist höchstwahrscheinlich die Bildung von Abwehrstoffen (Antikörpern) gegen eigenes Körpergewebe (Autoimmunerkrankung) die Krankheitsursache. Möglicherweise ausgelöst durch einen Virusinfekt, greifen gegen eigenes Körpergewebe gerichtete Antikörper (Autoantikörper) die Insulin-produzierenden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse an. Wenn die Zellen zugrunde gehen, versiegt die Insulinbildung vollständig. Der Mangel an dem Hormon muss zwingend durch die Insulingabe ausgeglichen werden.

Krankheitsbild

Die Typ-2-Diabetes kann dem Betroffenen oft jahrelang verborgen bleiben. Häufig führen z. B. Stresszustände, Infektionen, Operationen zur Entgleisung der Zuckerregulation. Erstes auffallendes Krankheitszeichen ist meist ein starker Durst (Polydipsie) in Kombination mit häufigem Wasserlassen (Polyurie), gelegentlich tritt Heißhunger auf. Leistungsschwäche, Infektionen der Haut mit Pilzen oder eiterbildenden Bakterien (Pyodermie) oder auch wiederholte Entzündungen der Harnwege können weitere Frühzeichen sein.

Nicht selten wird die Zuckerkrankheit aber erst bei Auftreten der mannigfaltigen Spätschäden an Herz, Nerven, Auge, Niere und Fuß (siehe auch Auswirkungen) diagnostiziert. Einige Betroffene führen auch Potenzprobleme zum Arzt.

Akute Krankheitszeichen treten sowohl bei starker Unterzuckerung (Hypoglykämie) als auch bei starker Überzuckerung (Hyperglykämie) des Blutes auf. Der sogenannte hypoglykämische Schock und das hyperglykämische Koma können lebensbedrohlich sein.

Hypoglykämischer Schock

Ursache ist oft eine körperliche Anstrengung, das Vergessen einer Zwischenmahlzeit oder eine zu große Dosis der antidiabetischen Medikamente. Fällt der Blutzuckerspiegel unter den Wert von 50 mg/dl treten Zittern, Heißhunger, kalter Schweiß und Herzrasen auf. Es kann zu Sehstörungen, Verwirrtheit und Schwindel kommen, die Betroffenen können auch Krampfanfälle erleiden und bewusstlos werden. Ist der Kranke noch ansprechbar, kann ihm mit 1 bis 2 Löffeln Traubenzucker, mit mehreren Stückchen Würfelzucker oder mit gesüßtem Fruchtsaft geholfen werden. Bei Bewusstlosigkeit handelt es sich um einen Notfall, zu dem medizinische Hilfe gerufen werden muss.

Hyperglykämisches Koma

Bei Unterdosierung oder vergessener Einnahme von Insulin oder anderen Antidiabetika sowie bei exzessiver Zuckeraufnahme kann der Blutzucker auf Werte über 600 mg/dl steigen. Die Symptome beginnen mit Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durst und verstärktem Wasserlassen. Der Körper trocknet aus (Exsikkose). In schweren Fällen kommt es zur Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit. Es kann ein Kreislaufschock mit starkem Abfall des Blutdrucks und Herzrasen eintreten. Mitunter riecht die Atemluft nach Azeton (wie Nagellackentferner). Das diabetisches Koma ist ein Notfall, der nach Möglichkeit auf der Intensivstation behandelt werden sollte. In schweren Fällen sterben 5 bis 30% der Patienten. Ein hyperglykämisches Koma ist gar nicht selten das erste und überraschend eintretende Zeichen eines bis dahin unbekannten Diabtes (“Manifestationskoma”).

Mit dem Diabetes mellitus vergesellschaftet ist oft ein erhöhter Blutdruck und Störungen des Fettstoffwechsels. Die Kombination dieser drei Erkrankungen wirkt sich besonders ungünstig auf die Gefäße und das Herz-Kreislauf-System aus. Es kommt u.a. häufig zu Herzinfarkten und Schlaganfällen. Diese Erkrankungen sind es, die hauptsächlich für die geringere Lebenserwartung der Diabetiker verantwortlich sind.

Das Krankheitsbild des Typ-1-Diabetikers unterscheidet sich in vielen Punkten vom Typ-2-Diabetes. Beispielsweise wird beim Typ-1-Diabetes im Gegensatz zum Typ-2-Diabetes neben Erschöpfungszuständen auch eine Gewichtsabnahme der Patienten beobachtet. Am Typ-1-Diabetes erkranken vornehmlich Kinder und Jugendliche.

Auswirkungen

Der Diabetes mellitus führt unbehandelt zu schwerwiegenden akuten und chronischen Symptomen. Bei frühzeitiger und genauer Einstellung der Blutzuckerwerte kann die Gefahr für die meisten Spätschäden aber erheblich verringert werden.

Die typische Folgen der Zuckerkrankheit gehen auf krankhafte Langzeitveränderungen des Gefäßsystems zurück. Die Schädigung kleiner und großer Adern (Arteriosklerose) führt im gesamten Organismus zu einer Verschlechterung der Durchblutung. Die bekanntesten Spätschäden sind:

An Fuß/Bein

Der „diabetische Fuß” ist eine kombinierte Stoffwechselstörung. Eine schlechte Wundheilung in Verbindung mit einer geschwächten Immunabwehr und Gefühllosigkeit führt schon nach kleinen Verletzungen oder Druckstellen (z.B. durch schlecht sitzendes Schuhwerk) zu schlecht heilenden Wunden (diabetische Gangrän). Von den Wunden können Infektionen ausgehen, die sich manchmal auch medikamentös nicht beherrschen lassen. Leider wird sehr häufig die Amputation der Zehen, des Fußes oder des Unterschenkels notwendig. Daher ist die sorgfältige Beobachtung der Füße und die fachgerechte Fußpflege unabdingbar.

Am Auge

Netzhautschäden des Auges (diabetische Retinopathie) mit der möglichen Folge der Erblindung. Regelmäßige Kontrollen des Augenhintergrunds werden Diabetikern daher dringend empfohlen.

An der Niere

Nierenschäden (diabetischen Nephropathie) mit der möglichen Folge des Nierenversagens (Niereninsuffizienz) und der Notwendigkeit der Blutwäsche (Dialyse). Erstes Zeichen: Die Ausscheidung von Eiweiß im Urin (Mikroalbuminurie) Auch Verengungen der Blutgefäße, die zur Niere führen (Nierenarterienstenose) kommen vor und können zum nierenbedingten (renalen) Bluthochdruck führen.

Am Nervensystem

Die diabetische Polyneuropathie ist eine Erkrankung der Nerven, die sich meist zuerst an Fuß und Unterschenkel als Störung des Empfindungsfähigkeit (Sensibilitätsstörung) zeigt. Sie ist meist mit einer gesteigerten Schmerzwahrnehmung (Hyperalgesie) verbunden. Betrifft die Nervenschädigung auch die autonomen Nerven (autonome Neuropathie) kann es zu einer Reihe weiterer Symptome, z. B. im Herz-Kreislauf-Bereich kommen.

An Herz und Gehirn

Da die Zuckerkrankheit alle Gefäße in Mitleidenschaft zieht, sind auch die Kranzgefäße des Herzens (Koronarien) und die großen Schlagadern wie z.B. die Halsschlagadern von der Arteriosklerose betroffen. Die Folgen sind ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Die verminderte Lebenserwartung der Patienten geht meist auf die höhere Sterblichkeit an Spätschäden und Komplikationen zurück. Deren Vorbeugung und angemessene Behandlung ist für den Diabetiker von höchster Wichtigkeit.

Die wesentlichen Auswirkungen auf den Alltag bestehen in der Notwendigkeit, Nahrungsmittelmenge undzusammensetzung (Kohlenhydrate) genau zu kontrollieren und die Diabetes-Medikamente daran anzupassen. Hierzu wird die Nahrung in Broteinheiten (BE) umgerechnet.

Daneben muss besonders den gefährlichen Folgen der krankhaften Gefäßveränderungen entgegengewirkt werden. Diabetes ist hierzulande die häufigste Ursache für Amputationen. Diabetiker erleiden häufiger Herzinfarkte und Schlaganfälle; nicht selten kommt es zur Erblindung.

Bei gesunder Lebensführung und guter Behandlung kann der Diabetiker heutzutage ein weitgehend normales Leben führen. Auch eine Schwangerschaft ist – abgesehen von häufigeren ärztlichen Kontrollen und penibler Einstellung des Blutzuckers – meist unproblematisch.

Erkennung/Untersuchungen

Zur Früherkennung dienen einfache Urin-Teststäbchen, die vom Betroffenen selbst angewendet werden können. Die typische Verfärbung (positives Ergebnis) tritt auf, wenn der überschüssige Blutzucker über die Niere in den Urin abgegeben wird.

Der Diabetes lässt sich im Prinzip ganz einfach durch wiederholte Messungen der Zuckerwerte im Blut feststellen (z. B. Bluttropfen aus der Fingerbeere). Beim Diabetes mellitus liegt eine Blutglukosekonzentration nüchtern (Nüchternblutzuckerwert) von mehr als 120 mg/dl (6,7 mmol/l) vor, nach einer Mahlzeit (postprandial) steigen die Werte auf über 180 mg/dl (10 mmol/l) an. Ihren Blutzucker können Sie beim Arzt oder auch in vielen Apotheken kontrollieren lassen.

Bewegen sich die Blutzuckermesswerte im Graubereich zwischen eindeutiger Erhöhung und Norm (nüchtern unter 100 mg/dl; nach der Mahlzeit unterhalb von 140 mg/dl) werden zusätzliche Untersuchungsmethoden eingesetzt. Dazu gehören beispielsweise die Erstellung eines Blutzuckertagesprofils und der oralen Glukosetoleranztest (OGTT).

Wird ein Diabetes festgestellt, muss untersucht werden, ob er möglicherweise auf andere Krankheitsursachen oder Umstände zurückgeführt werden kann. Beispiele dafür sind der Schwangerschafts-Diabetes, Krankheiten der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), bestimmte Medikamente und andere Ursachen.

Therapie

Die Behandlung des Typ-2-Diabetes erfolgt nach einem Stufenplan:
Zuerst wird versucht, den Patienten zu körperlicher Aktivität und einer Gewichtsabnahme anzuhalten. In Verbindung mit einer speziellen Diabetes-Diät wird in vielen Fällen schon dadurch eine Normalisierung des Blutzuckers erreicht.

Lässt sich der Patient nicht motivieren oder fruchten diese Maßnahmen aus anderen Gründen nicht, beginnt die medikamentöse Therapie. Anfänglich werden oral einzunehmende Medikament (orale Antidiabetika) eingesetzt. Zu diesen Medikamenten gehören die sogenannten Resorptionsverzögerer , Sulfonylharnstoffe, Biguanide und Insulinsensitizer.

Führt die Behandlung mit diesen oralen Präparaten – möglicherweise auch mit mehreren gleichzeitig – nicht zur Normalisierung der Zuckerwerte, werden Insulin oder Insulinartige Medikamente eingesetzt. Insuline gibt es in vielen Zubereitungsformen mit unterschiedlich langer Wirkungsdauer.

INFO Resorptionsverzögerer
Anfänglich kann die Behandlung mit Medikamenten erfolgen, welche die Aufnahme (Resorption) der Zuckerstoffe (Kohlenhydrate) aus dem Verdauungssystem verzögern. Ein Beispiel für die sogenannten Resorptionsverzögerer ist der sogenannte -Glucosidasehemmer Acarbose.

 

Sulfonylharnstoffe
Sehr stark verbreitet ist die Therapie mit Medikamenten, welche die noch funktionsfähigen Zellen der Bauchspeicheldrüse zur Bildung von Insulin anregen. Die sogenannte Sulfonylharnstoffe senken den erhöhten Blutzucker sehr wirkungsvoll, können dadurch aber auch gefährliche Unterzuckerungszustände herbeiführen. Typische Vertreter der Sulfonylharnstoffe sind Glibenclamid und Glimepirid.

 

Biguanide
Biguanide genannte Mittel hemmen ebenfalls die Zuckeraufnahme. Sie senken darüber hinaus auch den Blutzucker, indem sie die Glukoseaufnahme in die Muskelzelle fördern. Der bekannteste Wirkstoff ist das Metformin.

 

Insulinsensitizer
Eine neue Klasse von Medikamenten, die Gruppe der Glitazone, wirkt hauptsächlich auf die Zellen von Muskeln, Leber und Fettgewebe, in die der Blutzucker aufgenommen werden soll, also auf die Insulinresistenz. Diese Insulinsensitizer sind derzeit noch nicht in Deutschland zugelassen.

Konventionelle Insulintherapie

Der Tagesbedarf an Insulin wird bei der herkömmlichen (konventionellen) Insulintherapie mit 2 Mischinsulin-Injektionen (morgens und abends) durchgeführt. Die Nahrungsmenge und die körperliche Aktivität werden darauf abgestimmt.

Intensivierte Insulintherapie

Die intensivierte Insulintherapie nach dem Basis-Bolus-Konzept besteht aus dem nahrungsunabhängigen Grundbedarf (Basalinsulin, meist als Langzeitinsulin) und der zusätzlich notwendigen Insulinmenge (Bolus-Insulin als schnellwirkendes Normalinsulin gegeben), die vor dem Essen gespritzt werden muss. Berechnet wird die jeweils aufgenommene Nahrungsmenge und die geplante körperliche Aktivität. Die intensivierte Behandlung führt zu einer besseren Einstellung der Blutzuckers, ist für den Patienten aber aufwendiger, weil er den Blutzucker häufiger messen und häufiger Insulin spritzen muss. Nicht für jeden Patienten ist diese Form der Behandlung geeignet.

Insulinpumpentherapie

Eine weitere Form der Insulin-Behandlung besteht in der Einpflanzung einer kleinen Pumpe unter die Haut, welche die jeweils benötigte Insulinmenge automatisch in das Blut abgibt (Insulinpumpentherapie). Alternativ wird die Pumpe am Körper getragen, das Insulin gelangt über einen Schlauch (Katheter) in den Körper.

Neben den herkömmlichen Insulin-Medikamenten mit unterschiedlich langer Wirkdauer (Normalinsulin, Verzögerungsinsulin, Langzeitinsuline und Mischinsuline) werden auch gentechnisch hergestellte Insulin-ähnliche (Insulin-Analoga) Medikamente eingesetzt. Sie wirken wie die Normalinsuline, ihre Wirkung tritt aber schneller ein, so dass sie für den Patienten flexibler zu handhaben sind.

Im allgemeinen geht die Insulintherapie mit einer leichten Gewichtszunahme einher. Die gefährlichste Nebenwirkung ist die Auslösung von schweren Unterzuckerungszuständen (Hypoglykämien).

INFO Hypoglykämischer Schock
Ursache ist oft eine körperliche Anstrengung, das Vergessen einer Zwischenmahlzeit oder eine zu große Dosis der antidiabetischen Medikamente. Fällt der Blutzuckerspiegel unter den Wert von 50 mg/dl treten Zittern, Heißhunger, kalter Schweiß und Herzrasen auf. Es kann zu Sehstörungen, Verwirrtheit und Schwindel kommen, die Betroffenen können auch Krampfanfälle erleiden und bewusstlos werden. Ist der Kranke noch ansprechbar, kann ihm mit 1 bis 2 Löffeln Traubenzucker, mit mehreren Stückchen Würfelzucker oder mit gesüßtem Fruchtsaft geholfen werden. Bei Bewusstlosigkeit handelt es sich um einen Notfall, zu dem medizinische Hilfe gerufen werden muss.

Zur Überwachung der korrekten Langzeiteinstellung der Blutzuckerwerte (Blutzuckerkontrolle) werden verschiedene Blutbestandteile untersucht. Hierzu zählt z.B. das gezuckerte (glykosylierte) Hämoglobin A1C (HbA 1C).

Schon zu Beginn der Erkrankung sollte eine „Diabetikerschulung” erfolgen. Hier werden alle notwendigen Informationen über die Erkrankung und ihre Behandlung vermittelt.

Wie schon erwähnt, ist für das weitere Patientenschicksal auch die Behandlung eines begleitenden Bluthochdrucks oder einer Fettstoffwechselstörung, sowie die Vorbeugung und Behandlung der zahlreichen Spät- und Folgeschäden wichtig.

Häufige Fragen

Bei meiner Frau ist vor 2 Jahren ein Diabetes festgestellt worden. Da ihre Grossmutter vor Jahrzehnten erblindet ist, macht sie sich jetzt Sorgen, dass es auch ihr so gehen könnte. Kann man gezielt etwas dagegen tun?
Sehstörung ist eine häufige und tragische Komplikation nach langjähriger Zuckerkrankheit, die auf die Schädigung der Netzhaut (diabetische Retinopathie) zurückgeht. Sie kann im weiteren Verlauf schließlich zur Erblindung führen. Ursache sind zuckerbedingte Veränderungen der kleinen und kleinsten Blutgefäße (Kapillaren) am Augenhintergrund.
Wichtigster Punkt in der vorbeugenden Behandlung ist die kontinuierliche optimale Blutzuckereinstellung mit wenigen Schwankungen in den Überzucker- (Hyperglykämie) und den Unterzucker-Bereich (Hypoglykämie). Sie ist derzeit am besten durch die sogenannte intensivierte Insulintherapie gewährleistet. Ferner sollte der Blutdruck – wie eigentlich bei allen Diabetikern – engmaschig überprüft und gegebenenfalls gesenkt werden.

Der regelmäßige Gang zum Augenarzt sollte für jeden Diabetiker selbstverständlich sein. Zu Erkrankungsbeginn ist meist ein Turnus von einem Jahr ausreichend, später sollte er alle 6 Monate erfolgen. Ist bereits ein Netzhautschaden eingetreten, wird der Abstand zwischen den einzelnen Untersuchungen vom Augenarzt festgelegt. Achtung: Durch die Untersuchung der Sehschärfe allein kann eine diabetische Retinopathie nicht entdeckt werden. Hierfür ist eine Augenhintergrunduntersuchung erforderlich.

Wichtige Adressen

Deutsche Diabetes Gesellschaft e. V.
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234/930956
Fax: 0234/930957

Deutscher Diabetiker-Bund,
Bundesgeschäftsstelle
Danziger Weg 71
58511 Lüdenscheid
Tel.:02351/989153
Fax: 02351/989150

Landesverband NRW
Musfeldstraße 161-163
47053 Duisburg
Tel.: 0203/666400
Fax: 0203/661753

BFJD e. V.
Berliner Fördergemeinschaft Junger Diabetiker e. V.
im Paul Gerhardt Stift
Müllerstr. 56 – 58
13349 Berlin
Tel. + Fax: 030 / 79 70 54 26
eMail: info@bfjd.de
Internet: www.BFJD.de

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