Bänderriss

Oft schon konnte der leidenschaftliche Sport-Fan live am Fernsehen verfolgen wie ein großer Star los spurtete, plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht langsamer wurde, anfing zu humpeln oder auf einem Bein zu hüpfen – der erhoffte sportliche Erfolg blieb aus. Bänderriss lautet in solchen Fällen oft die spätere Begründung. Ein Ausfall für einige Wochen folgt nicht selten.

Ursache/Risikofaktoren

Ein Gelenk besteht aus zwei Skelettanteilen, die beweglich miteinander verbunden sind. Es bekommt seine Stabilität insbesondere durch die ihm anliegenden Bänder, seine Gelenkkapsel und durch die Muskeln, die es überspannen. Bänder und Kapsel werden gemeinsam auch als Kapselbandapparat bezeichnet, da sie häufig fest miteinander verbunden sind.

Eine Überschreitung der normalen Bewegungsgrenzen eines Gelenkes kann zu einem Bänderriss führen. Hierbei werden zumeist bei starken unerwarteten Dreh- oder Dehnungsbelastungen eines oder mehrere Gelenkbänder derart überlastet, dass es zu einem Riß (Ruptur) der Faserstrukturen kommt. Dieser Verletzungsmechanismus einer Zerrung, die in der Fachsprache als Distorsion bezeichnet wird, ist die häufigste Art der Gelenksverletzung überhaupt. Hierbei muss es jedoch nicht immer zur vollständigen Durchtrennung eines Bandes kommen. Je nach Stärke der Fehlbelastung kann auch eine leichte Dehnung, eine Bandteilruptur mit Riß einzelner Faserbündel oder ein kompletter Abriß die Folge sein.

Krankheitsbild

Ein Bänderrisses äußert sich wie auch die oben erwähnten harmloseren Folgen einer Gelenksverletzung durch Ruheschmerz, Schwellung, Bluterguß (Hämatom), Druckschmerzhaftigkeit sowie Bewegungseinschränkung des verletzten Gelenkes. Diese Krankheitszeichen können jedoch sehr verschieden ausgeprägt sein, so dass das wahre Verletzungsausmaß oft harmloser ist, als dies der starke Schmerz vermuten läßt. Umgekehrt verbirgt sich nicht selten hinter geringen Beschwerden ein kompletter Abriss eines Bandes, der den Betroffenen z.B. nicht daran gehindert hat, ein Fußballspiel zu Ende zu spielen. In besonders schweren Fällen kann auch eine Fehlstellung der Gelenkflächen zueinander sichtbar sein.

Erste Hilfe

Das betroffene Körperteil muss ruhig gestellt, hoch gelagert und gekühlt werden. Falls verfügbar, kann eine elastische Binde straff angewickelt werden. Durch diese Maßnahmen wird die Schwellung eingedämmt und das Gelenk ruhiggestellt. Die absolute Schonung des verletzten Gelenkes versteht sich von selbst; der Betroffene sollte sich stützen oder tragen lassen. Ein Arzt muß baldmöglichst aufgesucht werden.

Auswirkungen

Unbehandelte Bänderrisse haben eine Instabilität des Gelenkes zur Folge. Dadurch kommt es immer wieder zu weiteren Fehlbelastungen wie z.B. Umknicken des Fußes, was auf Dauer zu einem vorzeitigen Verschleiß des Gelenkknorpels (Arthrose) führt. Dieser Zustand ist nicht umkehrbar und muss daher unter allen Umständen vermieden werden. Die Wahl der geeigneten Behandlung (konservativ oder operativ) und eine frühzeitige Mobilisierung unter fachkundiger Anleitung sind hierfür grundlegende Voraussetzung.

Erkennung/Untersuchungen

Endgültig lässt sich ein Bänderriss nur mit Hilfe spezieller Röntgenaufnahmen (gehaltene Aufnahmen) feststellen. Dabei wird die Stabilität des Gelenkes beurteilt. Bei intaktem Band ist das Gelenk stabil und nur wenig aufklappbar. Liegt jedoch ein Bänderriss vor, so kann der Arzt den Gelenkspalt deutlich aufklappen, was durch Winkelmessungen auf dem Röntgenbild geprüft wird.

Eine Gelenkspiegelung (Arthroskopie) und neuerdings auch die Kernspintomographie geben in bestimmten Fällen genaueren Aufschluß, sie sind jedoch mit ungleich größerem Aufwand verbunden. Die möglichst verlässliche Klärung des Verletzungsausmaßes ist jedoch nötig, um die richtige Therapie zu wählen.

Therapie

Grundsätzlich stehen zwei Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung: Erstens die Ruhigstellung des Gelenkes in einem elastischen Stützverband oder durch einen Gips, was als konservative Therapie bezeichnet wird. Zweitens die operative Versorgung mit Bandnaht oder Bandersatz (Bandplastik). Welcher Therapieweg eingeschlagen wird, hängt nicht nur vom Ausmaß des Schadens ab, sondern auch davon, welches Gelenk betroffen ist und wie stark es in der Zukunft beansprucht werden soll. Im Anschluß an die Ruhigstellung folgt die frühzeitige Mobilisierung des Gelenkes unter krankengymnastischer Anleitung.

Bänderriss am oberen Sprunggelenk

Mit Abstand die meisten Bandverletzungen finden sich im oberen Sprunggelenk, welches Schien- und Wadenbein mit den Fußwurzelknochen verbindet. Die Haltebänder verlaufen an diesem Gelenk seitlich innen und außen. Der typische Unfallhergang ist das seitliche Umknicken des Fußes nach außen, wobei eines oder mehrere der 3 Außenbänder zerstört werden können. Entsprechend wird beim Umknicken nach innen das Innenband in Mitleidenschaft gezogen.

Wie bei allen Gelenkverletzungen können insbesondere im Sprunggelenk bei stärkerem Trauma zusätzlich zum Bänderriss auch Knochenbrüche oder knöcherne Ausrisse vorliegen, die dann meistens operiert werden müssen. Bei reinen Bandverletzungen wird am Sprunggelenk zunehmend die konservative Behandlung bevorzugt, d.h. es muss keine Operation erfolgen, sondern das Gelenk wird für ca. 6 Wochen in einer Gipsschiene oder einem Spezialverband ruhiggestellt. Anschließend folgt die Mobilisierung und Stabilisierung durch krankengymnastische Übungsbehandlungen.

Bänderriss am Kniegelenk

Das Kniegelenk besitzt einen vergleichsweise komplizierten Aufbau und ist durch biomechanische Besonderheiten beim Stehen, Gehen und insbesondere beim Sport oft extremen Belastungen ausgesetzt. Die an Innen- und Außenseite verlaufenden seitlichen Haltebänder verleihen dem Gelenk Stabilität gegenüber seitlichem Abknicken und Verdrehen. Zusätzlich spielen die im Innenraum verlaufenden Kreuzbänder für die Bewegungsführung eine entscheidende Rolle. Mehr als bei allen anderen Gelenken ist beim Knie die umgebende Muskulatur an dessen Stabilisierung beteiligt.

Der häufigste Verletzungsmechanismus am Kniegelenk ist eine plötzliche Außen- oder Innendrehung bei gleichzeitig feststehendem Fuß, z.B. beim Skifahren oder Fußballspielen. Oft findet sich dann eine kombinierte Verletzung von Kreuz- und Seitenbändern sowie zusätzlich von Meniskus, Knorpel oder Gelenkkapsel.

Der Bänderriss am Kniegelenk ist stets eine sehr ernst zunehmende Verletzung, da ein großes Risiko für einen dauerhaften Gelenkschaden (Arthrose) besteht. Nach sorgfältiger Untersuchung, oft mit Hilfe der Arthroskopie, ist die individuelle Therapieplanung entscheidend. Hierbei wird unter Berücksichtigung von Aktivitätsgrad, Lebensalter und Fähigkeit zur Mitarbeit des Patienten in der Mehrzahl der Fälle eine operative Versorgung angestrebt. Seitenbänder werden dabei vernäht, Kreuzbänder oft durch eine Bandplastik ersetzt. Auch ein konservatives Vorgehen kann angezeigt sein. Dies bedeutet jedoch nicht etwa überhaupt keine Therapie, sondern ein intensives Koordinations- und Muskelaufbautraining, welches die engagierte Mitarbeit des Patienten über einen langen Zeitraum erfordert, um einen befriedigenden Behandlungserfolg zu erzielen.

Bänderriss am Daumengrundgelenk

Diese auch als „Skidaumen” oder „Torhüterdaumen” bezeichnete Verletzung ist der häufigste Bänderriss der Hand. Er entsteht durch Sturz auf den abgespreizten Daumen oder eben durch das Hängenbleiben des Daumens in der Schlaufe des Skistockes beim Sturz. Der Daumen wird durch diesen Bänderriss erheblich instabil und kann seine Haltefunktion beim Greifen nicht mehr erfüllen.
Die Therapie des Skidaumens kann zwar konservativ im Gipsverband erfolgen, jedoch gibt es keine Garantie dafür, dass das Band komplett und in der richtigen Position zusammenheilt. Daher sollte die operative Versorgung mit anschließender Ruhigstellung im Gipsverband für 5 Wochen bevorzugt werden.

Wichtige Adressen

Deutsche Gesellschaft f. Orthopädische Sporttraumatologie
c/o Orthopädische Klinik München-Harlaching
Harlachinger Str. 51
81547 München
Tel: 089 6211 337
Fax 089 6422 887

Kategorie: Krankheiten
© 1997-2017 | -