Lungenkrebs (Bronchialkarzinom)

Lungenkrebs ist in Deutschland bei Männern mit jährlich fast 60.000 Neuerkrankungen mit Abstand die häufigste Krebserkrankung. Bei Frauen zählt er zu den 5 häufigsten Krebsformen und hat steigende Tendenz. Man rechnet mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3%. Die Möglichkeiten zur Früherkennung sind begrenzt und in den allermeisten Fällen wird der Lungenkrebs erst sehr spät erkannt. Lungenkrebs ist nach wie vor sehr schlecht heilbar – nur etwa 10% der Männer und 17% der Frauen leben nach der Feststellung eines Lungenkrebs über einen Zeitraum von 5 Jahren hinaus. Jährlich sterben rund 54.000 Menschen an Lungenkrebs, davon sind ca. 29.000 Männer.

Krankheitsbild

Im frühen Stadium gibt es keine typischen Krankheitszeichen. Husten, Atembeschwerden und Brustschmerzen gelten als unspezifische Symptome. Lungenkrebs kann sich ähnlich äußern, wie eine schwere Erkältung, Lungenentzündung, Asthma oder chronische Bronchitis. Deshalb sollte jeder unklare Husten über vier Wochen und schlecht heilende Lungenentzündung an einen Lungenkrebs denken lassen. Tritt Bluthusten auf liegt oftmals schon ein spätes Stadium vor. Ebenso Lähmungen von Sprechnerven und Zwerchfellnerven.

Ist der Lungenkrebs in der Spitze der Lunge lokalisiert kann er die Brustwand angreifen und Nerven am Hals schädigen. Folgen können Rippenschädigungen, Armschmerzen, und -schwellungen und der sogenannte Horner-Komplex (enge Pupille, kleine Lidspalte, zurückliegender Augapfel) sein. Besonders beim kleinzelligen Lungenkrebs können paraneoplastische Syndrome auftreten.

INFO Horner-Komplex (zurückliegender Augapfel):
Besteht aus 3 Symptomen:
Verengung der Pupillen (Miosis)
Herabhängendes Oberlid (Ptosis)
Nach innen verlagerter Augapfel (Enophthalmus)

INFO: Paraneoplastische Syndrome:
Begleitphänomene eines Tumorleidens; sie beruhen auf hormoneller Fernwirkung und verursachen verschiedene Krankheitszeichen, die nach Entfernung des Tumors wieder verschwinden. Beispielsweise das Cushing_syndrom, bei dem ACTH produziert wird, welches wiederum für die Herstellung von körpereigenen Cortison zuständig ist. Durch das zuviel an Cortison bekommt der Körper ein typisches Aussehen mit Stiernacken, Stammfettsucht, etc.

Auswirkungen

Die Überlebensrate beim Lungenkrebs ist niedrig. Die durchschnittliche Fünfjahres – Überlebensrate liegt derzeit etwa bei 10%, die Einjahres-Überlebensrate bei etwa 30%. Das weist auf die geringen Heilungschancen hin. Das liegt zum einen daran, dass die Früherkennungsmöglichkeiten des Lungenkrebses sehr gering sind, zum anderen an der hohen Aggressivität, vor allem des kleinzelligen Lungenkrebses. An diesem Typ leiden bei den Männern etwa 20% der Betroffenen und bei den Frauen etwa 27%. Bei dieser Form des Lungenkrebses liegt die mittlere Überlebenszeit bei weniger als einem Jahr.

Erkennung/Untersuchungen

Erste Anzeichen für Lungenkrebs kann eine mehrwöchiger unklarer Husten sein. Häufig wird auch über Auswurf Info, Fieberschübe, Atemnot oder Gewichtsverlust geklagt. Allerdings sind diese ersten Anzeichen zu allgemein, um direkt einen Lungenkrebs diagnostizieren zu können. Häufig wird gerade bei Rauchern mit diesen Anzeichen eine chronische Bronchitis oder Lungenentzündung diagnostiziert.

Zu den wichtigsten bildgebenden Untersuchungsmethoden gehören Röntgen und Computertomographie. Die zentrale diagnostische Maßnahme stellt die Bronchoskopie dar. Hierbei werden die Bronchien und ihre Verzweigungen mit Hilfe eines durch die Luftröhre eingeführten optischen Gerätes (Bronchoskop) untersucht.

Die Sonde des Bronchoskop kann bis in Bronchialäste von bis zu 4 mm Durchmesser eingeführt werden. Ein wichtiges Ziel der Bronchoskopie ist die Entnahme von Zellabstrichen und Gewebeproben für die Untersuchung unter dem Mikroskop. Diese Gewebeproben werden auf Krebszellen untersucht. Durch diese Untersuchung kann festgestellt werden, ob es sich um Krebs handelt und welcher Typ vorliegt. Es können Tumore von 1-2 mm Durchmesser erkannt werden, und zwischen bösartigen und gutartigen Tumoren unterschieden werden, was mit einer Röntgenuntersuchung nicht möglich ist.

Eine weitere Möglichkeit der Diagnostik ist die Feinnadelbiopsie. Diese wird erst angewendet, wenn bei der Bronchoskopie keine aussagekräftigen Gewebeproben gewonnen werden konnten. Unter Sichtkontrolle mit der Computertomographie wird eine lange dünne Nadel durch die Brustwand in den verdächtigen Bereich vorgeschoben und etwas Gewebe angesaugt. Dieses wird anschließend unter dem Mikroskop nach Krebszellen untersucht. Neben dem Tumor wird auch nach Absiedelungen des Tumors (Metastasen) gefahndet. Diese Suche beschränkt sich nicht allein auf die Lunge. Gerade beim Lungenkrebs kommt es häufig vor, dass sich Metastasen in anderen Organen des Körpers bilden. Zur Untersuchung werden ebenfalls bildgebende Verfahren wie Ultraschall und Computertomographie herangezogen.

INFO Metastase
Absiedelung, z. B. Tochtergeschwulst; Ein Tumor, der durch die Verschleppung von Geschwulstzellen entfern

Therapie

Auch hier wird zwischen dem kleinzelligen und dem nicht-kleinzelligen Lungenkrebs unterschieden. Weiterhin sind für die Therapieentscheidung das Alter und der Allgemeinzustand des Patienten von Bedeutung, da die aggressive Therapie Einfluss auf die Lungenfunktion hat. Bei hohem Alter oder eingeschränktem Allgemeinzustand können bestimmte Therapieformen nur begrenzt oder gar nicht eingesetzt werden.

Bei der Behandlung des kleinzelligen Lungenkrebses wird vorwiegend die Chemotherapie Info eingesetzt, da dieser Typ gegenüber Zellgiften besonders empfindlich ist. Diese Behandlung mit einer Kombination aus mehreren Zellgiften stoppt die Zellteilung und das Zellwachstum des Krebses.

Der Nachteil der Chemotherapie besteht darin, dass das Medikament nicht nur die Krebszellen sondern auch gesunde Zellen angreift. Aus diesem Grund kommt es während der Behandlung zu Nebenwirkungen wie zeitweiligem Krankheitsgefühl, Abwehrschwäche und Haarausfall. Der Vorteil dieser Therapie ist, dass sie auf eine vollkommene Tumorrückbildung zielt, sie wirkt auch auf Tumorzellen, die sich an anderen Stellen des Körpers befinden.

INFO Chemotherapie:
Behandlung mit Medikamenten (Zytostatika), die Krebszellen zerstören oder deren Vermehrung verhindern

Im Anschluss an die Chemotherapie wird eine Bestrahlung des Tumorgebietes durchgeführt. Dadurch kann die Anzahl der Krankheitsrückfälle im Tumorgebiet gesenkt, möglicherweise wird auch die Chance auf Heilung verbessert werden.
Bei der Behandlung des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses hat die Operation die größte Bedeutung.

Wird bei der diagnostischen Untersuchung keine Tochtergeschwulst entdeckt, muss eine schnelle Operation angestrebt werden. Das Ziel ist es, den gesamten Tumor inklusive der befallenen Lymphknoten zu entfernen.

Sollte sich zum Zeitpunkt der Diagnose der Tumor schon sehr weit ausgebreitet haben, wird eine Strahlentherapie verwendet, deren Erfolgsaussicht allerdings geringer ist.
Da mehr als die Hälfte der Patienten zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Tochtergeschwulsten in anderen Organen hat, wird die Strahlentherapie auch zur Reduktion der Metastasen eingesetzt.

Vorsorge

Da in etwa 80-90% der Fälle das inhalierende Rauchen die Ursache ist, kann man sich durch `Nichtrauchen´ sehr gut schützen. Rauchen ist ein Risiko für alle Typen des Lungenkrebses, vor allem für den kleinzelligen Krebs. Raucher haben bekanntlich eine eindeutig niedrigere mittlere Lebenserwartung gegenüber Nichtrauchern von mehreren Jahren. Wer das Rauchen aufgibt, kann sein Krebsrisiko entscheidend senken. Fünf Jahre nach Ende des Rauchens ist es nur noch halb so groß, nach zehn Jahren beträgt es nur noch ein Zehntel des Ausgangswerts.

Inzwischen gilt als gesichert, dass auch das Passivrauchen ein Risikofaktor ist. Es wird geschätzt, dass in Deutschland pro Jahr etwa 400 Lungenkrebstodesfälle auf das Passivrauchen zurückzuführen sind.

Einen schützenden Effekt für den Lungenkrebs wird Betakarotin (in Blattgemüse und Karotten enthalten) zugeschrieben. Es hat sich allerdings gezeigt, dass eine durch Betakarotin ergänzte Ernährung die Lungenkrebsinzidenz Info nicht generell senkt. Bei Rauchern scheint der Gemüseverzehr allerdings einen stärkeren Schutz zu bewirken.

INFO Lungenkrebsinzidenz:
= Rate der neu an Lungenkrebs Erkrankten in einem bestimmten Zeitraum.

Häufige Fragen

Welche Ärzte können den Lungenkrebs diagnostizieren und muss ich dafür ins Krankenhaus?
Nein, nicht unbedingt. Der Lungenkrebs kann von Lungenfachärzten (Pneumologen), Radiologen und radiologisch tätigen Internisten diagnostiziert werden. Die Untersuchungen zur genauen Bestimmung des Lungenkrebses können meistens ambulant durchgeführt werden.

Ab welchem Alter tritt der Lungenkrebs etwa auf?
In den meisten Fällen tritt Lungenkrebs ab dem 50. Lebensjahr auf, er kann aber auch schon früher manifest werden; dies gilt für Männer und Frauen.

Ist die Untersuchung nach Lungenkrebs Bestandteil der Vorsorgeuntersuchungen?
Ja, Versicherte haben einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung zur Früherkennung von Krebskrankheiten, Frauen vom Beginn des 20. Lebensjahres an, Männer vom Beginn des 45. Lebensjahres an.

Wichtige Adressen

Der Krebsinformationsdienst (KID) im Deutschen Krebsforschungs-
zentrum in Heidelberg beantwortet bundesweit Fragen zum Thema Krebs. Er ersetzt aber nicht das Gespräch mit dem Arzt, kann aber helfen, sich darauf vorzubereiten.

Der telefonische Krebsinformationsdienst bietet aktuelle Informationen zu Krebsursachen, Krebsvorbeugung, Krebsentstehung, Krebserkennung, Krebsbehandlung, Krebsnachsorge und Ergebnissen der aktuellen Krebsforschung; gibt Hinweise auf kostenlose Broschüren und auf Bücher über Krebs; nennt Adressen von Einrichtungen der Krebsbehandlung, Krebsnachsorge und Beratung für Krebspatienten und ihre Angehörigen.

Sie erreichen den KID Montag bis Freitag von 8.00 bis 20.00 unter der Telefonnummer 06221/410121. Montag, Mittwoch und Donnerstag von 18.00 bis 20.00 Uhr werden Ihre Fragen auch in türkischer Sprache unter der gleichen Telefonnummer beantwortet.

Kategorie: Krankheiten
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