Bemalt für die Ewigkeit – Tattoo und Co.

Ob an den Händen einer indischen Braut oder auf der Brust eines Afrikaners – Körperbemalungen gehören aus unterschiedlichen Gründen zu vielen Kulturen. Und das schon sehr lange Zeit: Die alten Ägypter schmückten sich bereits vor 8000 Jahren mit bedeutungsvollen Bemalungen. Meist haben Körperbemalungen Symbolcharakter und verdeutlichen Fruchtbarkeit, Glück und vieles mehr. Des weiteren verraten sie einiges über ihre Träger:

Zum Beispiel über Rangordnung oder Stammeszugehörigkeit.
Den gemalten Hautzeichen wurden auch schon immer magische Kräfte zugeordnet. Die „Kriegsbemalung” hat den Zweck, dem Kämpfer Mut und Stärke zu verleihen und den Gegner abzuschrecken. Heute drücken Tattoo und auch Piercing das Lebensgefühl junger Menschen aus.

Der Auslöser, sich tattoowieren oder piercen zulassen, ist häufig emotionaler Natur und resultiert meist aus bestimmten Umbruchphasen im Leben. “Meine Entscheidung zum Tattoo kam nicht von jetzt auf gleich, ich habe mir damit Zeit gelassen, bis ich mir wirklich sicher war. Letztendlich habe ich mich deshalb tattoowieren lassen, da ich mein Outfit optisch gezielt verändern wollte. Das traf gerade in die Zeit, als meine langjährige Beziehung in die Brüche ging. Ich brauchte eine Veränderung, auch wenn sie primär nur äußerlich war. Ich habe ein keltisches Motiv und finde es passt ich sehr gut zu mir”, erzählt der Medizinstudent Olaf Bayer*.

Der Wunsch nach Individualität und Selbstverwirklichung ist unterden Tattoo- und Piercing-Kunden häufig vorhanden – die Frage ist, wie bei allen Trends, inwieweit dieser umgesetzt werden kann oder man sich damit einer anderen Norm unterwirft.

Dieses neue Outfit lässt sich jedenfalls nicht mehr wirklich ändern. Das Piercing kann man zwar leicht wieder entfernen, was im günstigen Fall bleibt ist eine kleine reizlose Narbe. Beim Tattoo sieht das anders aus: Nur mit hochpräzisen Laseranwendungen des Hautarztes lassen sich die Male weglasern – wodurch aber meist als Resultat ein abgeblastes Tattoo übrigbleibt.

Tattoo-Techniken

„Echte Tattoos”

Beim echten Tätowieren wird Farbe mit einem spitzen Gegenstand in die Haut eingebracht. Dabei achtet der Tattoowierer darauf, dass er die Farbe in der mittleren Schicht der Haut – der Lederhaut (Dermis) ablegt. Einmal so weit in die Haut eingebracht, kann die Farbe vom Körper nicht mehr abgebaut werden und bleibt dort lebenslang. Deshalb ist die Qualität der verwendeten Farben ein wichtiges Kriterium. Seriöse Tattoo-Studios verwenden nur Farben die regelmäßig einer Qualitätskontrolle unterzogen werden und von Seiten der Hautärzte unbedenklich sind in Hinsicht auf allergieauslösende Substanzen und Schadstoffe.

Henna-Tattoos

Henna-Paste Info gibt es fertig in der Tube zu kaufen. Man kann sie aber auch selbst aus Henna-Pulver anrühren. Die Paste wird dann mit einem Pinsel oder Stäbchen auf zuvor gründlich gereinigte Haut aufgetragen. Wichtig ist, dass sie lang genug auf die Haut einwirkt. Dazu sollte sie mindesten 3-8 Stunden trocknen. In dieser Zeit sollte man die Stelle so wenig wie möglich bewegen. Ganz einfach lassen sich Henna-Tattoos aber auch mit Henna-Stiften anfertigen. Bekannt sind Henna-Tattoos aus Asien. Am bekanntesten sind Hand- und Fußbemalungen indischer Bräute, die auch hierzulande immer mehr Anklang finden – wenn auch aus weniger traditionellem Hintergrund. Henna färbt im Gegensatz zu den „echten” Tattoos nur die oberste Schicht der Haut – die sog. Epidermis. Die Farbe wird deshalb auch immer abgebaut. Das kann allerdings im Extremfall bis zu 6 Wochen dauern. Normalerweise verblassen Henna-Tattoos schon nach wenigem Waschen und verschwinden – abhängig vom Ausmaß der Körperpflege – innerhalb von wenigen Tagen.

“Fake-Tattoos”

Noch kurzlebiger sind die Klebe-Tattoos. Bestückt mit Glimmerartikeln glitzern sie als Disco-Gag oder einfach als Sommerspass meist nur einen Tag oder Abend lang. Ob im Romantik-Look, als Tiersymbol, filigrane Bändchen oder als Highlight in Form von Glitzersteinchen unterm Auge – momentan sind sie bei jung und alt ganz groß im Trend.

Tattoo-Stile

Comic, New School, Old Style oder alte Stammeszeichen der Indianer –sogenannte Tribal– ein geübter Tattoowierer kann verschiedene Stile verwirklichen. Man kann aber dem Tattoowierer auch eigene Vorlagen überreichen, die dieser nach eigenen Wünschen überarbeitet. Auch keltische Symbole werden immer öfter als Tattoo-Vorlage verwendet. Zwar haben die keltischen Stämme keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen, dafür viele Kunstwerke. Nicht nur ihre Gebrauchsgegenstände und Waffen haben sie mit ausdrucksstarken Mustern verziert, sondern auch den Körper.

Die Kelten hatten einen Blick für Symmetrie – deshalb sind die keltischen Zeichen alle spiegelbildlich gehalten. Auch abstrakte Tierzeichen waren bei den Kelten beliebt. Das wichtigste keltische Symbol war die Spirale, die für die Unendlichkeit steht. Sie wurde auch in ornamentale Muster eingefügt. Beliebt sind ebenso die Flechtmuster der Kelten – sie passen ideal an Arme oder Fußknöchel.

Was sind Bio-Tattoos?

„Einfach gesagt, ein Betrug am Kunden! Sie werden keinen seriösen Tätowierer finden, der Ihnen eine solche Arbeit ausführen wird.” sagt Frank Cullmann, der seit Jahren in der Nürnberger Tattoo und Piercing Szene arbeitet und sich vor kurzem selbständig gemacht hat.

Die Theorie vom Bio-Tattoo geht davon aus, dass nur mit einer sehr dünnen oder einer einzelnen Nadel gearbeitet wird. Dabei soll die Farbe lediglich in die oberste Hautschicht, die sogenannte Epidermis, eingebracht werden. Da diese Hautschicht einer ständigen Erneuerung unterliegt, würde sich das Tattoo in 2-3 Jahren wieder abbauen. „Praktisch gesehen ist die vorgebrachte Theorie vom Biotätowieren schlichtweg falsch. Zudem sind diese Aussagen Beweis genug, dass sich diese Anbieter über ihren Werkstoff, die Haut, nicht informiert haben.” meint Frank Cullmann und kann das medizinisch begründen: „Die Oberhaut wird vom Körper im Schnitt alle 28 Tage komplett erneuert. Das bedeutet das ein solches “Tattoo” auch nach 28 Tagen wieder verschwunden sein müsste. Da dies nie der Fall ist, wurden die Farbpigmente in der Lederhaut abgelegt. Diese Hautschicht unterliegt keiner Erneuerung, so dass die Farbpigmente bleiben – ein Leben lang.” Beim Bio-Tattoo gelangen durch das Bemühen des Tattoowierers nur die oberste Hautschicht zu treffen letztendlich die Farbpigmente manchmal –wenn er trifft– in die obere Schicht und ein anderes Mal in die mittlere Schicht, die Lederhaut. Denn keiner vermag die Dicke der Haut mit bloßem Auge abschätzen. Durch diese unregelmäßigen Farbablagerungen entstehen fleckige und unscharfe Konturen des Tattoos.

Achtung Allergie!

Allergische Reaktionen auf „Fake”-Tattoos können auftreten, wenn man das Klebemittel nicht verträgt. Das macht sich durch Brennen, Jucken und Rötung der Haut bemerkbar. Dann sollte man das Klebemotiv gleich abziehen und die Stelle mit Wasser und Seife abwaschen, bis auch kleinste Klebereste verschwunden sind.

Gegen reines Henna entwickeln nur sehr wenige Menschen eine Allergie. Diese Allergien sind extrem selten. Dennoch kann man vor dem Auftragen des Henna-Tattoos einen Allergietest selber durchführen: Man bringt eine kleine Menge der Paste auf die Haut an der Innenseite des Unterarmes. Die Stelle sollte ungefähr so groß wie eine 5-DM-Münze sein. Ebenso verfährt man selbstverständlich mit Henna-Stiften. Anbietern von Allergietestungen vor dem echten Tattoowieren sollte man äußerst kritisch gegenübertreten. Hautärzte meinen, dass gerade durch solche Austestungen Allergien erst provoziert werden können und somit keinerlei Vorteil bringen.

Durchstechende Momente beim Piercen

Beim Piercen wird eine Hohlnadel benutzt, deren Kanten messerscharf geschliffen sind. Diese Schneide formt den Stichkanal, der am Schluss das Piercing aufnimmt. Diese Wundflächen heilen im Normalfall schnell ab. Zwischen Piercen und Schießen liegt der wesentliche Unterschied darin, dass beim Schießen eines Durchgangs mit der Pistole, mehr Gewebe als nötig geschädigt wird. Bei diesem Verfahren wird der Einsatz mit hoher Wucht durch das Gewebe gestoßen. Da der Einsatz stumpf ist, reißt das Gewebe unkontrolliert auf. „Die entstandenen Risswunden heilen wesentlich schlechter, als die von Schnittwunden und haben meistens die Eigenschaft, ein Narbengewebe zu hinterlassen”, weiß Frank Cullmann. Durch die größere Wundfläche können sich auch Keime leichter festsetzen. Ein zusätzliches Risiko stellt die Pistole selbst da. Da diese meist aus Plastik bestehen, können sie nicht in einem speziellen Gerät sterilisiert werden.

Auf die richtige Hygiene kommt es an

Der erste Einsatz von Piercing sollte nur aus besonders körperverträglichem Material sein. Titan ist hier bestens geeignet, da dieses Metall als nickelfrei gilt. Nach der Abheilung können verschiedene Materialien zum Einsatz kommen, wie z.B. Acryl, Horn, Stein, Gold (min. 750) oder hochwertiger Stahl. Was Sie nicht verwenden sollten ist Silber und Modeschmuck.
Diese bestehen meistens aus Legierungen, die zu Hautreizungen führen können. Vor Piercing auf Jahrmärkten und Volksfesten haben Hautärzte gewarnt. Auf einem internationalen Kongress der Hautärzte in München berichtete Prof. Gerd Plewig, Chefarzt der dermatologischen Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München, von Fällen, bei denen durch Piercing Erreger von Leberentzündungen durch Hepatitis-B-Viren übertragen wurden. Die Mediziner beklagen, dass es keinerlei Regelungen für die Ausübung des Piercing gebe. Eine Aufklärung über mögliche Risiken unterbleibe häufig. Gepiercte müssten lediglich unterschreiben, keinerlei Rechtsansprüche an den Piercer zu stellen. Plewig warnte eindringlich vor Piercing im Urlaub.

«Wenn sich Menschen in Ländern piercen lassen, wo bestimmte Erreger, etwa HIV und Hepatitis, verbreitet sind, besteht die Gefahr, sich bei unsachgemäßem Piercing zu infizieren.» Der Metallschmuck bereite auch bei medizinischen Untersuchungen Probleme. Bei Kurzwellenbehandlungen oder Elektrotherapien könne es zu unliebsamen Nebenwirkungen kommen, wenn der behandelnde Arzt nichts von dem metallenen Körperschmuck wisse. Unsachgemäßes Piercen könne nicht nur Infektionen verursachen, sagte Plewig.

Es komme auch häufig zu organ- und gewebespezifischen Komplikationen. So können durchstochene Zungen wegen Wassereinlagerungen anschwellen. “Mein Zungenpiercing hat mich für einige Tage ausgeknockt – zuerst schwoll meine Zunge dermaßen an, dass ich meinte zu ersticken. Das Kortison, das mir der Arzt gab, hat mir dann sehr geholfen. Heute ist es einfach ein geiles Gefühl Metall im Mund zu spüren – man hat immer was zu spielen und die Mädels finden es ganz aufregend beim Küssen.” erzählt Markus Hohl* aus Stuttgart. Bei Entzündungen des durchlöcherten Ohrknorpels können sich unter Umständen bei unglücklichem Zusammentreffen von Stichkanal und Lage der Nerven und Gefäße Empfindungsstörungen bis zum völligen Funktionsverlust einstellen. Gefahren entstehen vor allem beim Piercen von Genitalien. Werde die Vorhaut des Penis durchstochen, besteht die Gefahr einer entzündlichen Vorhautverengung.

Das Piercing hat schon „Nachfolger”: Als Körperselbstverzierung kommen jetzt Brandzeichnungen (Branding) und Narbenritzungen (Scaring) stark in Mode, die medizinisch auch als «Selbstverstümmlung» bezeichnet werden können.

Kategorie: News
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