Scharlach

Scharlach ist unter Kindern im Vorschul- und Schulalter recht verbreitet, aber selbst im Erwachsenenalter ist Scharlach nicht ungewöhnlich. Nur Säuglinge sind meist noch durch die von der Mutter erhaltenen Antikörper vor Ansteckung relativ sicher. Die Erreger, die Scharlach verursachen, sind Bakterien (Streptokokken). Streptokokken zählen zu den häufigsten Erregern kindlicher Infektionen. Die Verbreitung der Krankheit erfolgt durch Tröpfchen – also Niesen, Husten oder Speichel –, andererseits aber auch durch verunreinigte Gegenstände (Hände, Besteck, Spielzeug). Auch gesunde Personen, die selbst immun sind, aber Kontakt mit einem Scharlachkranken hatten, können die Infektion weiterverbreiten.

Scharlach: Ursachen/Risikofaktoren

Scharlach wird hervorgerufen durch Bakterien (Streptokokken der Gruppe A Info), die meist über den Nasen – Rachenraum eindringen. Nur ausnahmsweise treten sie durch Hautwunden ein und verursachen dann den sog. Wundscharlich. Verantwortlich für die krankmachenden Symptome sind giftige Stoffwechselprodukte (Toxine) der Streptokokken. Sie verursachen beispielsweise die Veränderungen an Blutgefäßen in der Haut, die als typisches Scharlach-Exanthem bekannt sind. Es gibt verschiedene Streptokokken-Typen, die jeweils eine Infektion auslösen können, so dass eine Scharlacherkrankung bei einem Menschen durchaus mehrmals auftreten kann.

INFO Streptokokken der Gruppe A
Zu dieser Erregergruppe zählen ca. 80 Erreger, die die meisten bakteriellen Erkrankungen bei Kindern verursachen. Hierzu zählen u.a. Scharlach, Entzündungen der oberenAtemwege, entzündliche Erkrankungen der Haut und der Weichteile, Hirnhautentzündung, akutes rheumatisches Fieber mit Gelenk-, Herz- und Nierenentzündungen.

Krankheitsbild

Die ersten Kranheitszeichen treten 2 bis 7 Tage nach der Ansteckung auf.
Eine Scharlacherkrankung beginnt plötzlich mit Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, geröteten Wangen, Schüttelfrost, Erbrechen, Kopf- und Gliederschmerzen, Abgeschlagenheit und oft hohem Fieber. Erst etwas später treten die typischen Haut- und Schleimhautveränderungen auf: Der Rachen färbt sich feuerrot, Mundschleimhaut und Mandeln sind fleckig gefärbt. Die Zunge hat einen weißen Belag, der nach 3 bis 4 Tagen abgestoßen wird. Wegen der entzündeten und angeschwollenen Geschmackspapillen sieht die Zunge dann himbeerartig aus (“Himbeerzunge”).

Zwischen dem 2. und 4. Tag erscheint auch der feinfleckige, samtartige Scharlach-Ausschlag (Exanthem). Die hirsekorn- bis stecknadelkopfgroßen roten Flecken beginnen meist in der Leistengegend und an den Innenseiten der Oberschenkel und breiten sich dann über den gesamten Körper aus, nur das Mund-Kinn-Dreieck bleibt ausgespart. Der leicht erhabene, samtartig aussehende Ausschlag juckt nicht. Er unterscheidet sich in der Regel deutlich von den Ausschlägen bei Masern oder Röteln. Er verblasst unter dem Druck eines Holzspatels vorübergehend.

Bei wiederholter Ansteckung kann der Ausschlag auch fehlen! Nach ein bis drei Wochen verblasst der Ausschlag endgültig und die Haut schält sich. Besonders deutlich sind die Hautschuppen an den Handinnenflächen und den Fußsohlen.

Auswirkungen

Im allgemeinen verläuft die Erkrankung bei entsprechender Behandlung ohne Komplikationen. Sie kann jedoch von eitriger Mandel- und Mittelohrentzündung begleitet sein. Manchmal (häufiger nach einer Antibiotikabehandlung) kommt es drei bis vier Wochen nachdem die Symptome abgeklungen sind zu einer Zweit-Erkrankung mit Fieber, angeschwollenen Halslymphknoten und möglicherweise auch Entzündung der Nasennebenhöhlen.

Mögliche Spätkomplikation sind das rheumatische Fieber Info mit Herzmuskelentzündung und Nierenbeteiligung. Deshalb wird der Arzt 4 bis 6 Wochen nach dem Abklingen der Erkrankung die Nieren- und Herzfunktion untersuchen. Durch eine Untersuchung des Urins kann eine Nierenkörperchenentzündung (Glomerulonephritis) festgestellt werden.
Selten, aber gefährlich ist der septische Verlauf des Scharlachs, eine bösartige, eventuell sogar tödliche Verlaufsform mit plötzlich hohem Fieber, Erbrechen, Durchfall, Haut-Schleimhaut-Blutungen, Bewusstseinstrübung, schwerer Herzschädigung und Schock.

Erkennung/Untersuchungen

Der Arzt kann die klinische Diagnose anhand des charakteristischen Ausschlags und des typischen Krankheitsbildes stellen. Ein Abstrich aus dem Rachen dient zum exakten Nachweis des Erregers.

Therapie

Wegen der Gefahr von Folgeerkrankungen an Ohren, Herz und Nieren sollte bei einem Verdacht auf Scharlach immer ein Arzt hinzugezogen werden! Die Behandlung erfolgt üblicherweise mit Antibiotika über 10 Tage. Unter den zur Verfügung stehenden Antibiotika wird bei Scharlach in der Regel ein Penizillin oder ein Cephalosporin gegeben, da diese gegen die Scharlacherreger besonders gut wirksam sind. Alternativ kann auch das Antibiotikum Erythromycin gegeben werden. Kinder erhalten das Antibiotikum meist als Saft.

Vorsorge

Eine Impfung gegen Scharlach ist nicht möglich. Auch nach einer überstandenen Infektion kann man sich wiederholt anstecken, auch als Erwachsener.

Scharlachkranke Kinder sollten von anderen ferngehalten werden. Noch gesunde Geschwister von scharlachkranken Kindern sollten erst wieder Schule oder Kindergarten besuchen, wenn es der Arzt erlaubt. Durch einen Abstrich aus dem Rachen kann eine bereits erfolgte Ansteckung bei noch gesunden Familienmitgliedern festgestellt werden. Diese können im Falle einer Ansteckung bereits vor Ausbruch der Krankheit mit einem Antibiotikum behandelt werden, wodurch die weitere Verbreitung der Krankheit unterbunden wird. Ansteckungsgefahr besteht bis zu 24 Stunden nach Beginn einer erfolgreichen Antibiotikabehandlung. Wird auf eine Behandlung mit Antibiotika verzichtet, so verlängert sich die Ansteckungsgefahr bis zum Abklingen der Symptome nach ca. 3 Wochen.

Bei einem Ausbruch in einem Kinderheim o. ä. besteht die Möglichkeit, den noch gesunden Kindern bereits vorbeugend Antibiotika zu verabreichen. Mann nennt diese Maßnahme Chemoprophylaxe.

Nach einer Umfrage an deutschen Kinderkliniken kommt es häufig zu Komplikationen im Zusammenhang mit Scharlach-Erkrankungen, vor allen Dingen, wenn diese nicht richtig erkannt, verschleppt oder nicht konsequent mit Antibiotika behandelt wurden. Am häufigsten treten eitrige Mandelentzündungen (20%), Mittelohrentzündungen (20%) und Nierenentzündungen ( weniger als 3 %) auf.

Häufige Fragen

Kann die Behandlung nicht auch ohne Antibiotika erfolgen?
Scharlach ist wegen der möglichen schwerwiegenden Komplikationen, die entstehen, wenn sich der Erreger im Körper ausbreitet, eine gefährliche Krankheit. Besonders die rheumatischen Spätkomplikationen sind hierbei zu beachten. Deshalb sollte bei Verdacht auf Scharlach immer ein Arzt aufgesucht werden. Bestätigt sich dieser Verdacht, wird der Arzt zu einer Behandlung mit einem Antibiotikum raten, um den Erreger abzutöten und um das Risiko zu vermindern, dass Komplikationen auftreten. Eine generelle Ablehnung von Antibiotika ist daher nicht zu rechtfertigen.

Wie kann ich die ärztliche Behandlung zuhause unterstützen?
Sie können die Genesung unterstützen, indem Sie die regelmäßige Einnahme der Antibiotika sicherstellen und dem Patienten viel Ruhe ermöglichen. Bei Fieber hilft es, zusätzlich zur Bettruhe den Erkrankten regelmäßig zum Trinken zu motivieren, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen, und ggf. Wadenwickel anzulegen. Gegen Halsschmerzen und Schluckbeschwerden helfen Gurgeln (mit Salbei-, Eibischtee oder desinfizierenden Lösungen) und warme Halswickel.

Gibt es unterstützende homöopathische Mittel für Scharlachkranke?
Eine Unterstützung der Antibiotika-Behandlung durch homöopatische Mittel ist möglich, die ärztlich angeordnete Antibiotika-Behandlung darf jedoch keinesfalls durch eine homöopatischen Behandlung ersetzt werden.

Zur Unterstützung der Behandlung bieten sich je nach Krankheitsverlauf und Konstitution z.B. Belladonna, Ferrum phosphoricum, Apis und Aconitum an. Da die Art der homöopatischen Behandlung immer stark vom Einzelfall abhängt, sollte sie mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden.

Was gebe ich meinem Kind während der Erkrankung zu essen?
Die Ernährung sollte salz- und eiweißarm sein. Bei Schluckbeschwerden erhält das Kind seine Wunschkost möglichst in Breiform oder flüssig zubereitet. Bei Fieber ist es wichtig, viel trinken, z. B. mit Honig gesüßter Lindenblütentee Info. Um die natürliche Darmflora zu unterstützen, die durch die Antibiotikagabe beeinträchtigt wird, ist es empfehlenswert, regelmäßig Joghurt zu essen.

Wichtige Adressen

Robert Koch Institut
Bundesinstitut für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten RKI
Nordufer 20
13353 Berlin

Bundesverband der Ärzte für Kinderheilkunde und Jugendmedizin Deutschland’s eV
Mielenforster Str. 2
51069 Köln

Bundesverband der Ärzte für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie eV
Moltkestr. 43
76133 Karlsruhe

Kategorie: Krankheiten
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