Allergie (allgemein)

Mindestens 20% der Bevölkerung in den Industrieländern sind gegen irgendeine Substanz allergisch – mit steigender Tendenz! Neue Untersuchungen ergaben, dass bei Kindern der Anteil sogar noch größer ist. Allein in Deutschland wird die Zahl der Allergiker auf 26 Millionen geschätzt.

Allergien sind überschießende Reaktionen des Immunsystems gegen von außen kommende, an sich harmlose Substanzen. Abhängig von der Art der auslösenden Stoffe kann diese Fehlregulationen zu individuell sehr unterschiedlichen Krankheitsbildern wie Heuschnupfen, Bindehautentzündung, Hautausschlägen, Magen-Darm-Beschwerden und Asthma bronchiale führen. Mitunter sind allergische Reaktionen sogar lebensbedrohlich – wenn ein sogenannter anaphylaktischer Schock eintritt.

Ursachen von Allergien

Ohne ausgeklügeltes Abwehrsystem hätte der Mensch kaum ein Chance, zu überleben: In kürzester Zeit wäre er Opfer von krankheitserregenden (pathogenen) Viren, Bakterien, Parasiten oder schädlichen Stoffen. Das Immunsystem – ein komplexes und noch nicht völlig enträtseltes Netzwerk von hochspezialisierten Zellen und Biomolekülen – schützt sehr effektiv vor Angriffen dieser Art: Es erkennt unwillkommene Eindringlinge und Fremdstoffe und bekämpft sie.

Eine Allergie entsteht dann, wenn das Immunsystem überreagiert und sich plötzlich auch gegen Stoffe richtet, die keine Bedrohung für die Gesundheit darstellen und in der Umwelt bzw. Nahrung vorkommen. Solche Überempfindlichkeitsreaktionen können durch eine Vielzahl unterschiedlicher Stoffe wie z. B. Pflanzenpollen, Tierhaare, Hausstaubmilben, Insektengifte, Medikamente, Nahrungsmittel, Konservierungsstoffe und Chemikalien ausgelöst werden.

Die erste Stufe einer allergischen Reaktion ist die Sensibilisierung, zu der bereits ein einmaliger Kontakt mit der Allergie-auslösenden Substanz, dem Allergen, genügen kann. In den Atemluftwegen oder anderen Geweben trifft das Allergen auf einen bestimmten Zelltyp, die Makrophagen, und wird von diesen in kleine Bruchstücke zerlegt. Durch Signalstoffe angeregt produzieren daraufhin bestimmte Immunzellen – die B-Lymphozyten (oder B-Zellen) – große Mengen eines Eiweißes (Proteins), die sogenannten IgE-Antikörper, die genau auf die Struktur des Allergens passen und sich mit ihm verbinden können. Ein großer Teil der IgE-Antikörper sammelt sich auf der Oberfläche von speziellen Zellen, den Mastzellen und Granulozyten.

Bis zu diesem Punkt ist noch nichts Dramatisches geschehen: Ist das Allergen inzwischen wieder verschwunden, läuft diese Phase ohne Symptome ab. Kommt es aber zu einem erneuten Kontakt mit der gleichen Substanz, bindet das Allergen innerhalb von Sekunden an die IgE-Antikörper auf den Mastzellen und Granulozyten und löst dadurch die Freisetzung großer Mengen Histamin und anderer Entzündungsstoffe aus.

Diese verursachen dann die gefürchteten allergischen Symptome:

  • sie verengen die Bronchien – Atemnot ist die Folge
  • sie verkrampfen die Muskulatur
  • sie erweitern die Blutgefäße, was zu Rötungen und Abfallen des Blutdrucks führt
  • sie machen kleine Blutgefäße durchlässiger (Gewebeschwellungen)
  • sie reizen Nervenendigungen (Hautjucken und -brennen) und
  • sie regen die Schleimabsonderung in den Atemwegen an

Die Mastzellen locken außerdem noch andere Immunzellen an, welche die Entzündung des betroffenen Gewebes weiter fördern.

Abhängig von den beteiligten Komponenten des Immunsystems können allergische Reaktionen unmittelbar nach dem wiederholten Kontakt mir dem auslösenden Stoff auftreten – man spricht dann von einer Sofortreaktion –, sie können aber auch erst nach vielen Stunden oder Tagen eintreten, es handelt sich dann um eine verzögerte Reaktion.
Ist das Allergen wieder verschwunden (wie das zum Beispiel bei Blütenpollen saisonal bedingt vorkommt), gehen auch die Symptome zurück. Allerdings besitzt das Immunsystem ein “Gedächtnis”, so dass bei erneutem Kontakt mit dem Stoff auch wieder die Beschwerden auftreten.

Fatal kann es werden, wenn ein Allergen in großen Mengen direkt in die Blutbahn gelangt, wie z. B. bei einem Wespenstich oder einer Penizillin-Injektion. Durch ein explosionsartiges Freisetzen der Entzündungsstoffe kann es dann bei einem Allergiker zu einem anaphylaktischen Schock kommen, der im schlimmsten Fall durch Kreislaufversagen oder Ersticken tödlich endet.

Bislang ist unbekannt, aus welchem Grund das Immunsystem überreagiert. Einige Modelle gehen davon aus, dass erhöhte Umweltbelastungen eine, wenn nicht sogar die treibende Kraft sind. Das vermehrte Auftreten von Allergien besonders in den Industrienationen könnte aber auch dadurch erklärbar sein, dass in hochentwickelten Ländern aufgrund der hohen Hygiene- und Gesundheitsstandards bestimmte Teile des Immunsystems “unterfordert” sind und sich in kontraproduktiver Weise gegen harmlose Substanzen richten.

Auch erbliche Komponenten spielen eine Rolle. Personen, bei denen beide Elternteile Allergiker sind, entwickeln mit einer Wahrscheinlichkeit von etwa 60% ebenfalls eine Allergie. Ist hingegen nur ein Elternteil betroffen, liegt die Wahrscheinlichkeit bei etwa 40%. Wissenschaftler haben kürzlich herausgefunden, dass eine bestimmte Gen-Mutation (in der Bauanleitung für den Interleukin-4-Rezeptor) die Wahrscheinlichkeit für eine Allergie um das Zehnfache erhöht. Sollten sich diese Erkenntnisse bestätigen, könnten in Zukunft neue Medikamente mit gezielteren Wirkmechanismen entwickelt werden.

Allergie-auslösende Stoffe

Bestimmte Stoffe sind besonders häufig an allergischen Prozessen beteiligt. Sie lassen sich in die folgenden Gruppen aufteilen:

  • Inhalations-Allergene (gelangen über die Atmung in den Körper): z. B. Gräser- und Blütenpollen, Pilzsporen (Schimmelpilze), Mehl, Wohnungsstaub (insbesondere der Kot der Hausstaubmilben), Tierhaare, Lösungsmittel in flüchtiger Form.
  • Kontakt-Allergene (kommen mit der Haut in Berührung): z. B. Wolle, Seide, Färbemittel, Lösungsmittel, Kosmetika, Salben, Augentropfen, Reinigungsmittel von Kontaktlinsen, Pflanzensekrete, Latex, Metalle wie Zink, Kupfer, Nickel oder Silber.
  • Nahrungsmittel-Allergene (Aufnahme bei der Nahrungszufuhr): Im Prinzip kann jedes Nahrungsmittel Allergien auslösen. Bei einigen ist aber die Häufigkeit besonders hoch, z. B. Milcheiweiß und Milchprodukte, Eier, Fleisch, Fisch, Schalentiere, Lebensmittelzusätze und Konservierungsstoffe, Nüsse, Samen, Obst, Erdbeeren, Soja, Gemüse (vor allem Sellerie und Karotten).
  • Arzneimittel-Allergene (Aufnahme durch Einnahme oder Injektion): z. B. Penizillin und andere Antibiotika, artfremdes Eiweiss in Injektionslösungen, Quecksilber aus Amalgamfüllungen
  • Insektengift-Allergene (gelangen durch Stich in den Körper): z. B. Bienengift, Wespengift.

Symptome/Auswirkungen

Je nach ihrem Auftreten haben die Allergene (siehe auch Allergie-auslösende Stoffe) Auswirkungen auf:

  • die Augen: Bindehautentzündung (Konjunktivitis), oft in Verbindung mit Heuschnupfen (allergische Rhinitis). Typisch ist ein quälender Juckreiz (Pruritus) und das Gefühl, als wären Sandkörner in den Augen. Außerdem eine verstärkte Tränenproduktion und Rötung und Schwellung der Bindehäute, oft begleitet von einer starken Schwellung der Lider.
  • die Nase: Sie ist meist das erste Organ, das mit einem Inhalationsallergen in Kontakt kommt. Meist werden aber auch die unteren Atemwege mit einbezogen, was zu schweren Atemproblemen führen kann. Die Nase reagiert zunächst mit Juck- und Niesreiz. Es wird vermehrt Sekret produziert, das dünnflüssig und klar ist. Oft schwellen die Nasenschleimhäute stark an, wodurch freies Atmen erschwert ist. Durch die mangelnde Belüftung der Nasennebenhöhlen können sich dort Entzündungen festsetzen.
  • die Bronchien: Oft machen sich allergische Reaktionen der Bronchien zunächst als Pfeifen beim Ausatmeten bemerkbar. Die Ursache dafür ist eine krampfartige Verengung der Bronchien. Das Gefühl der Atemnot (Asthma bronchiale) wird verstärkt durch eine Überproduktion von Bronchialsekret. Die Atemnot tritt meist in wiederkehrenden Schüben auf. Ohne entsprechende Behandlung können die Entzündungsreaktionen dauerhafte Schäden in der Bronchialschleimhaut hinterlassen.
  • den Verdauungstrakt: Besonders bei Kindern werden oft Verdauungsprobleme (Durchfall, Blähungen) beobachtet, die ihre Ursache in allergischen Reaktionen gegen Kuhmilcheiweiß, Eier und Fisch, sehr viel seltener auch Fenchel- und Kamillentee haben. Beim Erwachsenen sind diese Unverträglichkeiten eher selten. Hier spielen häufiger Allergien gegen bestimmte Obstsorten, Nüsse, Gemüse oder Gewürze eine Rolle. Gelegentlich treten auch sogenannte Kreuzallergien auf. Sie beruhen auf Strukturähnlichkeiten zwischen Eiweißstoffen unterschiedlicher Herkunft, so dass z. B. eine Überempfindlichkeit gegen Äpfel und Haselnüsse durchaus in einer Blütenpollen-Allergie begründet sein kann.
  • die Haut: Sie ist das größte Organ und steht direkt mit der Umwelt in Kontakt. Allergische Reaktionen äußern sich auf vielfältige Art und Weise: Quaddeln (Nesselsucht bzw. Urtikaria), rote Flecken (Erytheme), Schwellungen, Entzündungen mit nässenden Flecken und Ablösung der oberen Hautschichten. Begleitet sind diese Symptome meist von Juckreiz oder Brennen.Eine besonders vielfältige Hauterkrankung mit ganz unterschiedlichen Erscheinungsformen ist die Neurodermitis (= atopische Dermatitis = endogenes Ekzem). Allergien sind hier sicher mitbeteiligt, allerdings spielen auch psychosomatische und genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Bei allergisch bedingten Ekzemen werden nicht nur die oberen sondern auch tiefergelegene Hautschichten in Mitleidenschaft gezogen. Dadurch entstehen häufig aufbrechende und nässende Wunden.
  • den gesamten Organismus: Beim anaphylaktischen Schock ist der gesamte Organismus betroffen. Er tritt normalerweise nur ein, wenn relativ große Allergen-Mengen direkt in die Blutbahn gelangen, also etwa bei Insektenstichen oder Arzneimittel-Injektionen. Nahrungsmittel- oder Tierhaar-Allergene lösen in der Regel keinen Schock aus. Erste Anzeichen sind ein Kribbeln von Handflächen und Fußsohlen. Nach wenigen Minuten rötet sich das Gesicht, Hitzegefühl entsteht, der Pulsschlag wird schneller und der Blutdruck fällt rapide ab. Ohne Gegenmaßnahmen kann eine Ohnmacht eintreten, in schweren Fällen sogar Kreislaufversagen und Atemstillstand.

Erkennung/Untersuchungen

Am Anfang steht natürlich die Selbstbeobachtung. Symptome der Haut und Schleimhaut, der Atemwege und des Verdauungstraktes, die ohne erkennbaren Grund auftreten, sind möglicherweise Anzeichen für eine Allergie. Verdächtig sind insbesondere Ausschläge, Schwellungen und Quaddeln der Haut, Augenjucken und Fremdkörpergefühl, Niesreiz und rinnende Nase, “pfeifende” Atmung, Hustenreiz und Atembeklemmung sowie Durchfälle und Bauchkrämpfe. Sehr sinnvoll ist das Führen eines Allergie-Tagebuches, in dem alle Stoffe notiert werden, mit denen man in Berührung gekommen ist oder die man gegessen hat und die als Auslöser der Allergie in Frage kommen. Jede Verbesserung bzw. Verschlimmerung der Beschwerden sollte darin festgehalten werden.

Die Diagnose “Allergie” sollte aber auf jeden Fall dem erfahrenen Facharzt überlassen werden, da nur er die Symptome richtig deuten und von anderen Krankheitsbildern (wie z. B. Vergiftungen, Nahrungsmittel-Intoleranzen) abgrenzen kann. Hilfreich ist es, wenn man im Gespräch mit dem Allergologen die Beschwerden in einen örtlichen und/oder räumlichen Zusammenhang bringen kann und dadurch mögliche Allergenquellen einzugrenzen vermag (z. B. Atemnot bei Anwesenheit von Haustieren). Der Arzt wird dann versuchen, aus der Liste der vielen tausend möglichen Allergenen das für den Patienten zutreffende zu identifizieren.

Dafür stehen ihm verschiedene Testverfahren zu Verfügung:

Der Hauttest (auch Prick-Test genannt) eignet sich, wenn (wie beim Heuschnupfen oder anderen Inhalationsallergien) Sofortreaktionen nachgewiesen werden sollen. Auch manche Nahrungsmittelallergien lassen sich auf diese Weise bestätigen. Ein Tropfen einer Allergenlösung wird auf die Haut gesetzt und diese mit einer kleinen Lanzette angeritzt. Innerhalb von Minuten zeigt die Hautreaktion, ob der Patient auf die entsprechende Substanz allergisch reagiert.

Beim Pflastertest werden verschiedene Substanzen, die für eine Kontaktallergie verantwortlich sein könnten, auf den Rücken geklebt. Als Ausgangsbasis werden etwa 20 verschiedene Proben untersucht, bei speziellen Fragen kann die Zahl der Testsubstanzen vergrößert werden. Nach zwei Tagen wird das Pflaster entfernt und ein erster Befund erhoben. Die endgültige Beurteilung erfolgt am dritten Tag: an der Stelle, wo das gesuchte Allergen aufgetragen wurde, hat sich ein kleines Kontaktekzem gebildet.

Mit einer Blutprobe kann in vielen Fällen bestimmt werden, gegen welche Substanz(en) der Patient Antikörper bildet und in welchen Mengen sie vorhanden sind.

Gelegentlich kann es erforderlich sein, einen sogenannten Allergen-Provokationstest durchzuführen. Dabei wird der Patient unter kontrollierten Bedingungen mit dem verdächtigen Allergen konfrontiert (z. B. durch Einatmen von Inhalationsallergenen) und die Reaktion vom Arzt beobachtet. Wegen der Belastung des Patienten sollte dieser Test aber nach Möglichkeit vermieden werden.

Therapie

Trotz intensiver Forschung ist es (noch) nicht möglich, die Fehlsteuerung des Immunsystems zu korrigieren. Glücklicherweise treten Allergie-Symptome aber nur dann auf, wenn der Patient mit “seinem Allergen” in Kontakt kommt. Daher gelingt es in vielen Fällen durch Meiden der betreffenden Substanz die Symptome zu lindern bzw. sogar ganz zu vermeiden (Karenz-Therapie). Bei vielen Allergieformen (z. B. Tierhaar-, Arzneimittel- und bestimmten Nahrungsmittel-Allergien) kann die Karenz sehr erfolgreich sein, bei anderen dagegen – z. B. bei einer Staub- oder Pollen-Allergie – ist eine vollständige Karenz praktisch unmöglich. Hier muss versucht werden, die Exposition so gering wie möglich zu halten, z. B. durch Einsatz geeigneter Filter (z. B. im Auto, im Staubsauger), durch Verwendung Allergiker-gerechter Bettwäsche und milbendichter Matratzenüberzüge, durch Meiden bestimmter Reiseziele mit hoher Allergenbelastung, durch eine Umgestaltung der Wohnung (keine Teppiche, wenig Polstermöbel, nur feucht Staub wischen usw. Problematisch kann eine Karenz auch bei einigen Nahrungsmittel-Allergien werden, da viele Allergene versteckt und undeklariert in Nahrungsmitteln – besonders häufig in Fertigprodukten – vorkommen, wie z. B. Milch-, Ei- und Soja-Bestandteile.

Ist eine Karenz nicht oder nur unvollständig möglich, wirken – vor allem bei Hautallergien und Heuschnupfen – hochdosierte Calcium-Präparate vorbeugend und allergiemindernd. Auch das Arzneimittel Cromoglicinsäure wirkt vorbeugend und lindernd und kann als Nasenspray, Augentropfen oder Inhalationsspray appliziert werden. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass das Medikament regelmäßig und schon vor dem Kontakt mit dem Allergen angewendet wird. Die Wirkung tritt frühestens nach einer Stunde ein, die volle Wirkung erst nach einem bis mehreren Tagen.

Bei stärkeren Beschwerden werden zur örtlichen Behandlung sogenannte Antihistaminika in Tropfen-, Spray- oder Salbenform eingesetzt. Sie hemmen die entzündliche Wirkung des aus Mastzellen freigesetzten Histamins, und zwar schnell und – bei den meisten modernen Präparaten – relativ nebenwirkungsarm. Sie können zur Akut- und Langzeitbehandlung eingesetzt werden.

Nach wie vor spielt die örtliche Anwendung – auf der Haut oder durch Einatmung – von sogenannten Glukokortikoiden wie z. B. Kortison eine wichtige Rolle. Als Salbenbestandteil sind sie zur Behandlung akuter Hautreaktionen oft unverzichtbar. Sie wirken entzündungshemmend und dämpfen das Immunsystem. Bei lokaler Anwendung ist auf die richtige Dosierung zu achten. Die Salbe wird dünn aufgetragen und die Anwendung muß zeitlich befristet sein. Bei falscher Anwendung (z.B. über 14 Tage, oder zu hoch konzentriert auf der Haut) “verdünnt” Kortison die Haut – es kann zu bleibenden Hautschäden, wie narbige Einziehungen der Haut/Schleimhäute kommen.

Bei akuten allergischen Reaktionen mit schweren und bedrohlichen Symptomen (z. B. Asthmaanfällen, anaphylaktischer Schock) wird es in Einzelfällen erforderlich sein, Glukokortikoide intravenös zu spritzen. Der Arzt muss das Nutzen/Risiko-Verhältnis sorgfältig abwägen und eine Dosierung finden, bei der das Nebenwirkungsrisiko so gering wie möglich ist.

Oftmals gute und langanhaltende Erfolge erzielt man durch eine sogenannte Desensibilisierung oder Hyposensibilisierung. Dem Allergiker werden über einen langen Zeitraum geringe, ganz langsam steigende Mengen der allergisch wirkenden Substanz injiziert, mit dem Effekt, dass die Überempfindlichkeit abnimmt oder sogar ganz verschwindet. Der Mechanismus, der diesem Phänomen zugrunde liegt, ist noch weitgehend unbekannt. Die Behandlung dauert aber mindestens drei Jahre und wird bevorzugt bei schweren Formen des Heuschnupfens, der Hausstaub-Milben-Allergie und der Insektenstich-Allergie eingesetzt. Bei konsequentem Durchhalten der Therapie liegen die Erfolgsaussichten im Bereich von 80 bis 90%.

Bei einem drohenden allergischen Schock müssen umgehend Kortikosteroide als entzündungshemmendes und Adrenalin als kreislaufstärkendes Mittel verabreicht werden. Kortison-Injektionen und andere begleitende Maßnahmen können entsprechend der Situation erforderlich sein.

Wichtige Hinweise

Patienten mit schweren Allergien, z. B. Insektengift-Allergie, sollten immer ein Notfallbesteck mit sich führen, um in allen Situationen einem drohenden anaphylaktischen Schock vorzubeugen. Ein solches Set enthält Antihistamin-Tropfen, ein trinkbares Glukokortikoid und Adrenalin zur Injektion. Fragen Sie Ihren Arzt und lassen Sie sich mit der Handhabung des Notfall-Sets vertraut machen.

Außerdem sollte jeder Allergiker einen Allergie-Pass bei sich tragen, der vom behandelnden Arzt ausgestellt wird. Darin sind Stoffe, auf die der Allergiker reagiert, genau aufgeführt. Besonders wichtig ist dies bei Medikamenten-Allergien, damit ein anderer Arzt sofort sehen kann, welche Arzneimittel er gefahrlos anwenden kann. Auch die spezielle antiallergische Therapie sollte im Pass vermerkt sein.

Vorsicht ist auch bei der Einnahme bestimmter Antiallergie-Präparate geboten, denn einige dieser sogenannten Antihistaminika können müde machen (z. B. der Wirkstoff: Diphenhydramin) und damit speziell die Fahrtüchtigkeit einschränken.

Allergie-Glossar

  • Allergen: die Substanz, die eine Überempfindlichkeitsreaktion auslöst
  • Allergenexposition: Kontakt mit Stoffen, die eine Allergie auslösen können.
  • Anaphylaktischer Schock: schwerste Form einer allergischen Reaktion mit Kreislaufzusammenbruch
  • Antigen: Substanz, die vom Immunsystem als fremd erkannt wird und eine Reaktion auslöst
  • Antihistaminika: antiallergisch wirkende Medikamente, welche die Histaminwirkung blockieren
  • Antikörper: von Immunzellen gebildete Eiweiße (Proteine), die an Antigene bzw. Allergene andocken und ihre Eliminierung veranlassen
  • Atopie: erblich bedingte Bereitschaft zu einer Allergie
  • Atopische Dermatitis: Neurodermitis
  • Bronchien: Verzweigungen der tiefen Atemwege von der Luftröhre bis in die Lungenlappen, die letztlich in die Lungenbläschen münden
  • Bronchitis: Entzündung der Bronchialschleimhaut
  • Dyspnoe: Atemnot
  • Ekzem: meist chronische Erkrankung der Oberhaut mit Bläschen-, Knötchen-, Schuppen- oder Schorfbildung, oft verbunden mit heftigem Juckreiz
    Eliminationsdiät: Auslass-Diät, Suchdiät; Stoffe, die im Verdacht stehen, dass sie eine Allergie auslösen, werden systematisch vom Speiseplan gestrichen
    Histamin: von Mastzellen produzierter Stoff, der eine entzündliche Reaktion hervorruft
  • Hyposensibilisierung: : syn. Desensibilisierung; Behandlungsform von Allergien, bei der dem Körper das Allergen in steigender Dosis injiziert wird, um die Allergieempfindlichkeit herabzusetzen bzw. ganz auszuschalten; erstreckt sich über mehrere Jahre
    IgE: Immunglobulin E-Antikörper
  • Immunglobulin: Antikörper; Bestandteil der körpereigenen Abwehr
  • Immunsystem: Abwehrsystem, das den Körper vor Krankheitserregern und schädlichen Stoffen schützt
  • Karenz: Vermeidung
  • Konjunktivitis: Bindehautentzündung
  • Kontaktallergie / -dermatitis: allergische Reaktion durch Hautkontakt mit einem Allergen (Kosmetika, Nickel (z. B. in Modeschmuck), Latex)
  • Kortison: hormoneller Wirkstoff in Medikamenten; wirkt entzündungshemmend und dämpft allergische Reaktionen; Nebenwirkungen treten praktisch nur nach Langzeit-Einnahme, nicht dagegen bei lokaler Anwendung auf der Haut oder bei der Einatmung auf.
  • Kortikoide: kortisonhaltige Medikamente
  • Kreuzallergie: Allergie auf verschiedene Allergene wegen einer ähnlichen molekularen Struktur der Eiweißstoffe
  • Leukozyten: weiße Blutkörperchen
  • Mastzellen: basophile Granulozyten; Zellen, die in Granula “verpackte” Entzündungsstoffe wie Histamin enthalten und bei Kontakt mit einem Allergen freisetzen.
  • Neurodermitis: chronische oder schubweise verlaufende entzündliche Erkrankung der Haut
  • Obstruktive Bronchitis: Verengung der Bronchien durch anhaltende Entzündung
  • Pollinose: Pollenallergie, durch Blütenstaub hervorgerufene allergische Reaktion
  • Prick-Test: Hauttest zur Bestimmung allergieauslösender Stoffe
  • Provokationstest: Kontrollierte Belastung des Patienten mit möglicherweise allergen wirkenden Substanzen
  • Pseudoallergie: allergische Reaktion, die sich durch Blutuntersuchungen nicht nachweisen lässt, aber die gleichen Symptome zeigt
  • Quincke-Ödem: Form eines Nesselausschlags
  • Rhinitis: Schnupfen
  • Rhinokonjunktivitis: Schnupfen, der mit einer Bindehautentzündung einhergeht
  • Sensibilisierung: Immunreaktion, die durch ein Allergen ausgelöst wird; Vorstufe der allergischen Reaktion
    Urtikaria: Nesselsucht

Wichtige Adressen

Allergie-Dokumentations- u. Informationszentrum (ADIZ)
Burgstraße 12
33175 Bad Lippspringe
Tel.: 05252 / 954500

Beratungsstelle für Allergiker und Asthmatiker
Lacomletstraße 9
40239 Düsseldorf
Tel.: 0211 / 622598

Allergie- und umweltkrankes Kind e.V.
Bundesverband
Westerholter Str. 142
45892 Gelsenkirchen
Tel.: 0209 / 30530

Deutsche Haut- und Allergiehilfe (DHA) e. V.
Gotenstraße 164
53175 Bonn
Die Elternbroschüre “Allergien bei Kindern” können Sie hier kostenlos anfordern

Deutsche Gesellschaft für Allergie- und Immunitätsforschung e.V.
BG Kliniken
Bürkle-de-la-Camp-Platz 1
44789 Bochum
Tel.: 0234 / 3026444

Hilfsorganisation Allergie und Asthmahilfe e.V.
Bonusstraße 32
21079 Hamburg
Tel.: 040 / 7631322

Kategorie: Krankheiten
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