Keuchhusten (Pertussis)

Der Keuchhusten (auch Pertussis genannt) ist weltweit immer noch eine der häufigsten Infektionskrankheiten bei Kindern, aber auch bei Erwachsenen. Der Keuchhusten ist hochansteckend und führt bei den Betroffenen zu Hustenanfällen. Weltweit erkranken jährlich ca. 60 Millionen Menschen an Keuchhusten und ca. 350.000 sterben daran, zumeist Kinder. Allein in Deutschland werden ca. 100.000 Erkrankungsfälle pro Jahr verzeichnet.

Übertragung/Risikofaktoren

Erreger des Keuchhustens ist das Bakterium Bordetella pertussis, dessen einziger Wirt der Mensch ist. Die Übertragung des Keuchhustens erfolgt durch Tröpfchen, z.B. beim Husten, Niesen oder Küssen. Insbesondere Infizierte im Anfangsstadium der Erkrankung, die selbst noch keine Krankheitszeichen aufweisen, stellen für Ihre Mitmenschen eine große Ansteckungsgefahr dar. Die Keuchhusten-Bakterien sind hochansteckend: Von 100 (nicht geimpften) Angesteckten erkranken nicht weniger als 80 bis 90! Menschen jeden Alters können sich mit Keuchhusten anstecken und daran erkranken. Im Erwachsenenalter verläuft der Keuchhusten in der Regel untypisch und bleibt über längere Zeit damit oft unerkannt. Daher stellen auch Erwachsene neben Kindern eine ernst zu nehmende Infektionsquelle für Säuglinge und Kleinkinder dar. Am häufigsten treten die Keuchhusten-Erkrankungen im Kindergartenalter zwischen 3 und 5 Jahren auf. Die infizierten Kinder können ihre jüngeren Geschwister (z.B. Säuglinge) anstecken, welche dann lebensbedrohlich erkranken.

Krankheitsbild

Die Keuchhusten-Bakterien setzen ein spezifisches Gift – das Pertussis-Toxin – frei und verursachen so die Krankheitsbeschwerden. 1- 2 Wochen nach der Ansteckung kommt es zunächst zu Krankheitserscheinungen, die eine banale Erkältung vermuten lassen: , Schnupfen, Husten und Heiserkeit. Dieses erste Krankheitsstadium dauert etwa 1 – 2 Wochen an. Während des anschließenden 4 – 8 Wochen andauernden zweiten Stadiums kommt es zum charakteristischen “Keuchhusten”, der durch wiederholte krampfartige Hustenanfälle bis hin zur Atemnot gekennzeichnet ist. Der oft minutenlange Hustenanfall endet mit einem juchzenden Geräusch beim Einatmen, das auf einen Krampf des Kehlkopfes zurückzuführen ist. Oft folgt auf einen Keuchhustenanfall Erbrechen. Durchschnittlich kommt es zu 5 – 50 Keuchhustenanfällen innerhalb von 24 Stunden, nachts häufiger als tags. Im folgenden Krankheitsstadium nehmen die Hustenattacken allmählich ab, doch auch dieses Stadium hält noch 2 – 6 Wochen an. Insgesamt verlaufen etwa 2/3 der Erkrankungen im Kindesalter typisch, etwa 10 % zeigen schwere Verläufe. Besonders im frühen Säuglingsalter kann es anstelle der Hustenanfälle zu anfallsweise auftretenden Atemstillständen (Apnoe) kommen, die für das Kind lebensbedrohlich sind und eine stationäre Intensivtherapie erfordern.

Auswirkungen

Über 70 % der Todesfälle treten bei Säuglingen bis zum 5. Lebensmonat auf. Problematisch können auch die Folgeerkrankungen nach Keuchhusten-Infektionen werden, zu denen Mittelohrentzündung, Lungenentzündung und Erkrankungen des Gehirns gehören. Eine Lungenentzündung tritt z.B. im 1. Lebensjahr bei jedem fünften, im 2. bis 4. Lebensjahr bei jedem zehnten Kind auf, das an Keuchhusten erkrankt.

Erkennung/Untersuchungen

Die klinische Diagnose stützt sich auf die typischen Hustenanfälle. Ein weiteres Diagnosemerkmal ist Husten in der Nacht, wobei die Zunge herausgestreckt wird. Die Diagnosesicherung erfolgt durch Nachweis des Keuchhustenerregers aus dem hinteren Nasen-Rachenraum, was hauptsächlich im Anfangsstadium der Krankheit – in den ersten zwei Krankheitswochen – gelingt.

Therapie

Eine frühzeitig Therapie mit Antibiotika (Erythromycin) führt zu einer Abkürzung der Zeit der Ansteckungsfähigkeit und zu einem abgemilderten Krankheitsverlauf, den Ausbruch der Krankheit kann sie jedoch nicht verhindern. Die Behandlungsdauer beträgt 14 Tage. Da schwerkranke Säuglinge oft nicht in der Lage sind den sich bildenden Schleim auszuhusten, müssen diese stationär behandelt und der Schleim abgesaugt werden. Aufgrund des komplexen Krankheitsgeschehens bei Keuchhusten verschafft Hustensaft meist keine Linderung.

Impfschutz

Der einzig wirksame Schutz vor einer Keuchhusten-Erkrankung ist die Impfung. Die Impfung schützt zwar nicht vor jeder Keuchhusten-Infektion, jedoch vor einer schweren Erkrankung. Die heute verwendeten azellulären Impfstoffe enthalten nur noch die für den Aufbau eines wirksamen Schutzes wichtigen Bestandteile der Keuchhusten-Bakterien. Sie werden biotechnologisch hergestellt und sind sehr gut verträglich.

Eine Impfung im dritten, vierten, fünften sowie zwischen dem 12. und 15. Lebensmonat sorgt für den notwendigen Schutz vor einer Keuchhusten-Erkrankung beim Kind. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt außerdem Jugendlichen zwischen elf und 18 Jahren eine Auffrischimpfung mit azellulären Keuchhusten-Impfstoff (siehe: Aktuelles).

Um bei einer Impfung gegen Keuchhusten gleichzeitig auch vor anderen Infektionskrankheiten wie z.B. Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung und Hib zu schützen, stehen Kombinationsimpfstoffe zur Verfügung.

Aktuelles

Die neuesten Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin sehen eine Keuchhusten-Auffrischimpfung für 11- bis 18jährige vor.

Durch die Auffrischimpfung soll der Schutz vor einer Keuchhusten-Erkrankung jetzt auch auf Jugendliche und Erwachsene ausgedehnt werden. Dies wird notwendig da sowohl die Immunität nach einer Keuchhusten-Erkrankung als auch der Impfschutz nur einige Jahre anhält.

Häufige Fragen

Weshalb werden die noch vor wenigen Jahren eingesetzten Ganzkeim-Impfstoffe nicht mehr verwendet?
Die früher gespritzten Ganzkeim-Impfstoffe setzten sich aus abgetöteten Keuchhusten-Bakterien zusammen. Obwohl dank dieser Impfstoffe große Erfolge im Kampf gegen den Keuchhusten erzielt werden konnten, war die Akzeptanz unter der Bevölkerung infolge der relativ schlechten Verträglichkeit gering.

Welche Nebenwirkungen können infolge einer Impfung gegen Keuchhusten auftreten?
Der heute verwendete azelluläre Impfstoff ist sehr gut verträglich. Dennoch kann es in seltenen Fällen zu einer Rötung, Schwellung oder leichten Schmerzen an der Einstichstelle kommen. Auch leichtes Fieber und allgemeines Krankheitsgefühl können in seltenen Fällen eine Nebenwirkung der Keuchhusten-Impfung darstellen.

Was ist der Grund für die hohen Erkrankungszahlen in Deutschland?
In den alten Bundesländern wurde in den Jahren 1975 bis 1990 wegen vermeintlicher Nebenwirkungen die Empfehlung einer Keuchhustenimpfung ausgesetzt. Dadurch stieg die Erkrankungshäufigkeit auf ca. 100.000 pro Jahr an. Auch jetzt nach Wiedereinführung der Impfung beläuft sich die Impfrate nur etwa 55 %, während sie in den neuen Bundesländern gegenüber den hohen Impfraten aus DDR-Zeiten (> 95 %) inzwischen auf etwa 70 % gefallen ist. Diese Rate liegt im unteren Bereich der außereuropäischen Entwicklungsländer, in denen immerhin ca. 80 % der Kinder gegen Keuchhusten, Wundstarrkrampf und Diphtherie geimpft werden.

Wichtige Adressen

Robert Koch-Institut
Nordufer 20
13353 Berlin
Telefon: 01888 754-0
Telefax: 01888 754-2328

Kategorie: Krankheiten
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