Eisenmangel / Eisenmangelanämie

Mit 80% ist die Eisenmangelanämie die häufigste aller vorkommenden Anämien. Fast ausschließlich sind davon Frauen betroffen. Dieser Umstand lässt sich vor allem durch einen erhöhten Bedarf an Eisen während der Menstruation, der Schwangerschaft und der Stillperiode erklären. Nicht selten weisen auch Kinder eine Eisenmangelanämie auf. Doch auch ca. 3% der Männer leiden an Eisenmangel.

INFO Anämie
ist das medizinische Fachwort für Blutarmut. Dabei kommt es zu einer Verminderung der roten Blutkörperchen (Erythrozyten), des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) und/oder des Hämatokrit (Anteil der zellulären Bestandteile des Blutes in % am gesamten Blutvolumen) unter die entsprechenden altersbezogenen Referenzwerte. Da sich diese drei Werte nicht immer gleichsinnig verändern, empfiehlt es sich bei Verdacht auf eine Anämie, alle gleichzeitig zu bestimmen.

Funktion des Eisens

Der Eisenbestand unseres Organismus liegt in verschiedenen Formen vor.
Der größte Teil des Eisens (70%) kommt in unserem Körper gebunden an Hämoglobin, den roten Blutfarbstoff, vor. Die Hauptfunktion des sogenannten Hämeisens ist es, als Bestandteil von Hämoglobin Sauerstoff zu allen Geweben und Organen unseres Körpers zu transportieren.

Ein Gramm Hämoglobin enthält ungefähr 3,4 mg Eisen. Ein 70kg schwerer Mann mit 15g Hämoglobin pro 100ml hat bei einem Gesamtblutvolumen von ungefähr 5 Litern in seinem Körper also 2,55g an Hämoglobin (den roten Blutfarbstoff) gebundenes Eisen.

Für schlechte Zeiten speichert unser Körper ungefähr 1/5 des vorhandenen Eisens als Depoteisen vor allem in den Zellen des Knochenmarkssowie auch der Leber, der Milz und anderer Gewebe. Die körpereigenen Eiweiße, mit denen Eisen die Speicherform bildet wird, nennt man Ferritin und Hämosiderin.

Als sogenanntes Funktionseisen sind weitere 12% unserer Eisenkapazität gespeichert. Es ist ein unerlässlicher Bestandteil wichtiger Enzyme und befindet sich in unseren Muskeln unter der Bezeichnung Myoglobin. Myoglobin ist der dem Hämoglobin sehr ähnliche rote Muskelfarbstoff. Es ist ein Eiweiß, das im Vergleich zu Hämoglobin eine sehr viel höhere Anziehungskraft zu Sauerstoff besitzt und so als Sauerstoffspeicher im Muskelgewebe dient.

Ist das Eisen nicht gespeichert oder in irgendeiner Form gebunden, spricht man vom Transporteisen. Transportiert das Eisen durch ein Eiweiß, das Transferrin. Obwohl nur der minimale Anteil von 0,1% des gesamten Körpereisens in dieser Form vorliegen, erfüllt es eine zentrale Funktion: Abhängig vom Eisenangebot durch die Nahrung und dem Verbrauch durch den menschlichen Organismus wird das Eisen mit Hilfe des Transferrins zu den Eisenspeichern transportiert oder aus ihnen mobilisiert.

Ursachen/ Risikofaktoren

Als besondere Risikogruppen für Eisenmangel gelten Schwangere, Heranwachsende und sich vegetarisch Ernährende, insbesondere Veganer. Veganer essen weder Fleisch noch Fisch sowie auch keine Milchprodukte. Insgesamt kann man folgende Ursachen für einen Eisenmangel unterscheiden:

  1. Eisenverluste durch immer wieder auftretende Blutungen (sog. chronische Blutungen) sind die häufigste Ursache. Dazu zählen einerseits die natürlichen Monatsblutungen der Frau, aber auch Blutspenden und große Blutverluste durch eine Operation oder einen Unfall. Gehäuft auftretendes Nasenbluten und Blutungen aus dem Verdauungstrakt (Magengeschwür und Hämorrhiden) sind ebenfalls möglich.
  2. Der Eisenmangel kann auch in einer verminderten Zufuhr begründet sein, z.B. bei ehemaligen Frühgeborenen oder bei Säuglingen, die lange ausschließlich mit Milch ernährt werden, sowie bei Heranwachsenden und Vegetariern. Die empfohlene Eisenzufuhr mit der Nahrung sollte bei Männern 12 mg, bei menstruierenden Frauen 20 mg und bei Schwangeren sogar 30 mg pro Tag betragen.
  3. Auch eine mangelnde Aufnahme in den Organismus aus der zugeführten Nahrung durch den Magen-Darm-Trakt kann eine Rolle spielen. Beispiele dafür sind die teilweise Entfernung des Magens z.B. infolge eines großen Magengeschwürs oder das sog. Malassimilationssyndrom. Auch ein ständig wiederkehrender Durchfall ist als Ursache denkbar.
  4. In bestimmten Lebenssituationen hat der Körper einen gesteigerten Bedarf während der Schwangerschaft und Stillzeit, im Wachstum, sowie bei Sportlern. In diesem Fall muss für eine erhöhte Eisenzufuhr gesorgt werden, um Mangelerscheinungen zu vermeiden.

INFO Malassimilationssyndrom
fasst eine Gruppe von Erkrankungen bzw. deren Folge zusammen. Aufgrund unterschiedlichster Erkrankungen kann der Magen-Darm-Trakt nicht mehr (vollständig) seiner Funktion als Ort der Aufnahme von Nahrungsbestandteilen nachkommen. (Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Eisen…) dadurch kommt es zu Mangelerscheinungen der verschiedensten Art.

Krankheitsbild

Ein beginnender Eisenmangel bleibt meist unbemerkt und kann nur durch Blutkontrollen im Labor festgestellt werden. Bei einem ausgeprägten Eisenmangel sind die Symptome vielfältig.

Möglich ist eine Rillenbildung der Fingernägel, auch sog. Hohlnägel (Koilonychie) können durch Eisenmangel entstehen. Außerdem werden die Nägel und Haare brüchig, diffuser Haarausfall tritt auf. Trockene Haut und Juckreiz sowie immer wieder einreißende Schleimhaut in der Mundhöhle sind häufig. Oft treten auch schmerzhafte Risse in den Mundwinkeln auf, die besonders im Winter als sehr unangenehm empfunden werden. Eine Extremform des Eisenmangels ist das Plummer-Vinson-Syndrom, bei dem Schluckbeschwerden (Dysphagie) infolge einer sog. Schleimhautatrophie im Bereich von Mund, Rachen und Speiseröhre bei gleichzeitig bestehende Eisenmangelanämie auftreten. Die Ursache liegt in der Verminderung eisenhaltiger Enzyme bei ausgeprägtem Eisenmangel.

INFO Enzyme
In der lebenden Zelle gebildete proteinhaltige Moleküle, die bestimmte chemische Umsetzungen (Stoffwechsel) im Organismus bewirken, ohne selbst dabei verändert zu werden.

Auswirkungen

Ein leichter Eisenmangel steht im Verdacht, sich negativ auf die Gehirnfunktion (Lernfähigkeit) auszuwirken. Generell treten beim Eisenmangel eher unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen und Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit und Müdigkeit auf. Schwäche und belastungsabhängige Atemnot können ein Hinweis auf den mangelnden Sauerstoff im Körper sein. Anzeichen für eine Blutarmut sind neben einer blassen Hautfarbe vor allem blasse Schleimhäute. Es ist jedoch ein Trugschluss, nur aufgrund von Blässe auf Anämie Info zu schließen. Es gibt Menschen, die von Natur aus durch tiefliegende Hautgefäße oder verengende Gefäße eine blasse Haut (“Scheinanämie”) haben.

Erkennung/Untersuchungen

Eine Eisenmangelanämie entwickelt sich sehr langsam., da erst die Eisenspeicher des Körpers aufgebraucht werden. Frauen haben im allgemeinen einen kleineren Eisenspeicher wie Männer und gleichzeitig einen erhöhten Blutverlust durch die Menstruation, so dass sie einem doppelt erhöhten Risiko für eine Eisenmangelanämie ausgesetzt sind. Bei Männern und Frauen kann eine Eisenmangelanämie durch Blutverluste aus dem Magen-Darm-Trakt in Zusammenhang mit Magen-Darm-Geschwüren oder der Einnahme von Aspirin auftreten.

Die Abklärung des Eisenmangels geschieht durch eine ausführliche Anamnese (Frage nach Blutverlusten und Beschwerden) sowie eine einfache Blutuntersuchung. Dabei stellt der Arzt u.a. einen verminderten Hämoglobingehalt im roten Blutbild und einen erniedrigten Eisenspiegel fest.

Schwieriger gestaltet sich oft die Abklärung der Ursache für den Eisenmangel. Um die häufigste Blutungsursachen auszuschließen, wird der Stuhl untersucht, evtl. muss sich eine ausführliche Magen-Darm-Diagnostik anschließen. Auch die anderen Organsysteme, wie das Geschlechts- und das Harnwegssystem, müssen möglicherweise auf Blutungsquellen untersucht werden. Sie können Ihrem Arzt helfen, die Ursache zu ermitteln, indem Sie seine Fragen möglichst genau und ausführlich beantworten.

Therapie

In erster Linie wird eine Therapie angestrebt, welche die eigentlichen Ursachen beseitigt (Blutungsquellen). Außerdem müssen die entleerten Eisenspeicher aufgefüllt werden.

Dies geschieht zum einen durch eine Ernährungsberatung. Gleichzeitig wird mit der Einnahme von Eisen begonnen. Eine Eisentherapie sollte, da der Körper Eisen nur in begrenzten Mengen aus der Nahrung aufnehmen kann, über mindestens 3-6 Monate durchgeführt werden. Die Einnahme erfolgt meist 2x täglich mit 200-300mg Eisen in Tablettenform, oft in Kombination mit Folsäure, um die Aufnahme von Eisen zu verbessern. Da Eisenpräparate manchmal im Magen schlecht vertragen werden, gibt es auch Kapseln, die sich erst im Darm auflösen. Dadurch lassen sich viele Unverträglichkeitsreaktionen vermindern.

Eine Eisentherapie kann Ihren Stuhl schwarz verfärben, seien Sie also nicht beunruhigt. Achten Sie darauf, dass Sie das Eisen 1-2 h vor oder nach den Mahlzeiten einnehmen, da ansonsten unangenehme Bauchschmerzen auftreten können. Sollten Sie Verstopfungen bekommen, kann das ein Anzeichen für eine nötige Dosisverminderung sein.

Bereits nach 8-10 Tagen kann man erste Veränderungen im Blutbild erkennen. Vorstufen der reifen Blutkörperchen, die Retikulozyten, sind im Blutausstrich sichtbar und ein Zeichen dafür, dass eine gesteigerte Neubildung des Blutzellen erfolgt. Die Retikulozyten erkennt man an den blau gefärbten Kernresten, die reifen Blutzellen besitzen keine Kerne.

In besonders schweren Fällen von Eisenmangel muss die Gabe des Eisens direkt in die Blutbahn erfolgen. Auf diesem Weg werden die Verluste umgangen, die bei einer Aufnahme durch den Verdauungstrakt erfolgen würden. Hierbei sollte eine strenge Überwachung durch den Arzt erfolgen, damit Nebenwirkungen vermieden werden.. Eisenmedikamente müssen wie alle Medikamente stets sicher vor Kindern aufbewahrt werden! 10-20 Tabletten eines Eisenpräparates können bereits schwere, lebensbedrohliche Vergiftungserscheinungen verursachen.

Vorsorge

Der wichtigste Hinweis vorweg: eine ausgewogene Ernährung deckt den täglichen Eisenbedarf hinreichend. Da der Körper nur 10% des zugeführten Eisens aufnehmen kann, sollte die Nahrung also die 10fache Menge des täglichen Bedarfs enthalten. Unser Körper kann

aus tierischer Nahrung (Fleisch und Fisch) Eisen weitaus besser aufnehmen als aus pflanzlicher, weil in tierischen Erzeugnissen Eisen in gebundener Form vorliegt. Besonders grüne Gemüsesorten, Vollkorn- und Milchprodukte enthalten einen hohen Anteil an Eisen. Allerdings ist der in diesem Fall so oft strapazierte Spinat doch nicht so eisenhaltig wie früher immer angenommen wurde.

Bedenken Sie auch, dass Tee und Kaffee sowie Calcium, das in hohen Anteil in Milchprodukten enthalten ist, die Eisenresorption behindern. Vitamin C hingegen verbessert sie erheblich. Die gleichzeitige Anwesenheit von Hämeisen in Fleisch und Fisch steigert die Aufnahme ebenfalls.

Hinweis:
Untersuchungen mit Vegetarierinnen und Vegetariern ergaben, dass bei Männern keine und nur bei 17% der Frauen geringe Abweichungen der Blut-Eisenwerte nach unten zu verzeichnen waren. Als mögliche Erklärung wird eine Erhöhung der Aufnahmerate unter Eisenmangelbedingungen genannt. Auch konnten keine Anhaltspunkte gefunden werden, dass der um etwa 10% niedrigere Blutspiegel mit irgendwelchen Krankheiten verbunden war. Im Gegenteil: Es steht sogar ein geringeres Infektionsrisiko und eine Verringerung des Herzinfarktrisikos bei Frauen zur Diskussion.

Bei Schwangeren wird neueren Untersuchungen zufolge ein erhöhter Eisenbedarf durch eine während der Schwangerschaft deutlich erhöhte Aufnahmerate kompensiert. Ein medikamentöser Ersatz ist demnach oft nicht nötig, wenn zu Schwangerschaftsbeginn kein Eisenmangel herrscht.

Wichtige Adressen

Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V
Im Vogelgesang 40
60488 Frankfurt am Main
Tel.(069) 97 68 03- 0

Empfehlenswerte Links

www.aid-online.de/volltext/ALTERNAT/alternat.htm
(informative Seite über verschiedenen Arten von Ernährung (Trennkost, Vegetarimus…))

Kategorie: Krankheiten
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