Heilen mit Wasser: Die Hydrotherapie

Die Wirkung von Wasseranwendungen beruht auf einer thermischen und mechanischen Reizung. Die Reize auf der Haut und in tiefer gelegenen Hautschichten werden in innere Körperbereiche geleitet. Dadurch werden Kreislauf, Stoffwechsel und Immunsystem angeregt, Schmerzen gelindert und der Körper so richtig abgehärtet. Wie stark die einzelnen Therapien wirken ist individuell verschieden und meist von der Dosierung abhängig. Zu den bekanntesten und beliebtesten Wasseranwendungen gehören unter anderem Wassertreten, Güsse und Wickel.

Der Wickel

Wickel, Packungen und Auflagen gehören zu den erfolgversprechendsten Wasseranwendungen. Sie spielen nach wie vor eine wichtige Rolle bei der Behandlung von verschiedenen Beschwerden, ganz gleich, ob es sich um kalte, warme oder sogar heiße Anwendungen handelt. Alle Anwendungen werden im Bett verabreicht.

Beim „Wickel” werden einzelne Körperteile oder sogar der ganze Körper mit einem feuchten und zwei trockenen Tüchern umhüllt. Dabei werden – je nach Anwendungsdauer und Technik – sehr unterschiedliche Wirkungen erzielt.

Generell unterscheidet man folgende Wickeltechniken:

  • Ganzwickel
  • Dreiviertelwickel (von Achselhöhle bis zu den Füssen)
  • Halbwickel (von Achselhöhle bis Mitte Oberschenkel)
  • Halswickel
  • Brustwickel (Arme bleiben frei)
  • Armwickel
  • Lendenwickel
  • Beinwickel

Kalte Wickel

Bei den kalten Wickeln unterscheidet man:

Wärmeentziehende Wickel

Bei erhöhter Temperatur und zur Senkung von Fieber werden wärmeentziehende Wickel eingesetzt. Dabei wird ein in kaltes Wasser getauchtes Tuch nur leicht ausgedrückt (nicht ausgewrungen!) und an der entsprechenden Körperstelle angelegt. Sobald der Wickel die Körpertemperatur angenommen hat (in der Regel nach 15 bis 20 Minuten), ist die Wärmeabgabe beendet. Dann wird der Wickel abgenommen. Soll die Körpertemperatur weiterhin sinken, muss der Wickel erneuert werden. Friert der Kranke, muss man den Wickel sofort entfernen.

Wärmestauende Wickel

Zur Beruhigung, Schlafförderung oder Steigerung des Stoffwechsels werden wärmestauende Wickel eingesetzt. Dabei wird das in kalte Wasser getauchte Tuch stark ausgewrungen. Da der Kaltreiz deutlich verkürzt ist, wird dem Körper nur geringfügig Wärme entzogen. Schon nach kurzer Zeit erreicht der Wickel die Körpertemperatur. Da zwischen dem Körper und dem nassen Tuch eine Dunstschicht entsteht, die nicht „verdampfen” kann, staut sich die Wärme. Um einen guten Effekt zu erzielen, sollte man den Wickel rund eine bis anderthalb Stunden angelegt lassen. Empfindet der Patient den Wickel als zu kalt, sollte man ihm eine Wärmeflasche oder ein warmes Getränk verabreichen.

Schweißtreibende Wickel

Bei Erkältungs- und Infektionserkrankungen und zur Anregung des Stoffwechsels werden schweißtreibende Wickel eingesetzt. Dabei wird wie beim wärmestauenden Wickel das in kaltes Wasser getauchte Tuch stark ausgewrungen. Damit allerdings ein schweißtreibender Effekt erzielt wird, muss der Wickel länger als 1 Stunde (meist 2 Stunden) angelegt werden. Durch die Körperwärme zwischen der Haut und dem ausgewrungenen Tuch entsteht ein feuchtwarmer Luftraum. Diese Feuchtigkeit kann aufgrund der beiden äußeren Tuchschichten nicht verdunsten, so dass der Körper stark ins Schwitzen kommt. Sobald der Wickel abgenommen wird, muss der Körper sofort trockengerieben werden. Außerdem ist der Patient genau zu überwachen. Durch die Verabreichung von heißem Tee (z.B. Lindenblütentee) kann die Wirkung noch zusätzlich gesteigert werden.

Warme und heiße Wickel

Warme und heiße Wickel werden im Vergleich zu den kalten Wickeln einfach nur in warmes bzw. heißes Wasser getaucht. Optimal ist eine Temperatur zwischen 40 und 45°C. Der heiße Wickel wird für eine Dauer von 30 bis 45 Minuten angelegt. Ansonsten unterscheiden sie sich in ihrer Ausführung nicht von den kalten Wickeln. Meist werden sie jedoch mit Zusätzen wie beispielsweise Heublume, Haferstroh, Kamille angewendet.

Richtig „wickeln” – aber wie?

Damit ein Wickel auch tatsächlich seine optimale Wirkung erzielt und zur Linderung verschiedener Beschwerden beiträgt, muss er auch richtig angelegt werden. Ein „guter” Wickel besteht aus:

  1. einem kleinen Innentuch (am Besten aus Leinen), das nass und
    gut ausgewrungen ist
  2. einem trockenen Mitteltuch, das breiter ist als das nasse
    Innentuch
  3. einem wollenem Außentuch.

Wichtig ist, dass der Wickel straff angelegt wird und der Patient gut zugedeckt wird (Arme unter der Bettdecke!).

Was man beim Wickel unbedingt beachten muss!

Zwar können Wickel zur Linderung verschiedener Beschwerden beitragen, doch sie können den Organismus auch ganz schön belasten.

Damit ein Wickel auch effektiv wirken soll und gesundheitliche Beeinträchtigungen vermieden werden, sollte man Folgendes beachten:

  • Der Patient sollte vor der Anwendung mindestens eine halbe Stunde im Bett liegen, damit der Körper auch warm genug ist.
  • Kalte Wickel dürfen nicht angelegt werden, wenn der Patient friert oder kalte Füße bzw. Arme hat.
  • Bleibt beim kalten Wickel nach spätestens einer halben Stunde der gewünschte Erwärmungseffekt aus, muss dem Erkrankten mit einem heißen Getränk oder einer Wärmeflasche Wärme zugeführt werden. Bleibt auch daraufhin die gewünschte Wirkung auf, muss der Wickel sofort entfernt werden.
  • Heiße Wickel sollte man zwar so heiß wie möglich anlegen (40 bis 45°C), Verbrennungen müssen aber selbstverständlich vermieden werden!
  • Tritt bei einem heißen Wickel Schwindelgefühl oder Übelkeit auf, muss man den Wickel sofort entfernen.
  • Der Patient sollte beim Wickel auch die Arme unter der Bettdecke halten.
  • Darm und Blase sollten vorher entleert werden.
  • Ein Wickel sollte schnell abgenommen werden.
  • Nach Abnahme der Wickel sollte der Patient eine halbe Stunde ruhen, damit ein Nachdünsten und ein Abklingen der Körperreaktion stattfinden.
  • Ganzkörperwickel dürfen nicht bei Herzkranken und bei vollem Magen angelegt werden.

Welcher Wickel hilft bei welchen Beschwerden?

Je nach Symptomatik und Beschwerden werden ganz unterschiedliche Wickel angewendet. Zu den bekanntesten Wickeln zählen:

Der Halswickel

Ein kalter Halswickel wirkt bei z. B. bei Entzündungen der Atemweg-Schleimhäute (entzündungshemmende Wirkung!). Ein warmer Halswickel empfiehlt sich bei Lymphdrüsenschwellungen.

Der Brustwickel

Bei Bronchitis, Lungenerkrankungen und Neuralgien trägt der Brustwickel dazu bei, die Symptome zu lindern. Handelt es sich um fieberhafte Erkrankungen im Bronchialbereich, wird ein- bis zweimal pro Tag ein kalter Wickel (1 bis 2 Stunden) angelegt. Bei fieberlosen Bronchitiden, Keuchhusten und Rippenfellentzündung sollte man mehrmals täglich einen heißen Wickel (max. 30 Minuten) auflegen. Der Brustwickel reicht von der Achselhöhle bis unter den Rippenbogen.

Der Lendenwickel

Ein Lendenwickel wirkt besonders bei Bauchkrämpfen und Bauchschmerzen, Magengeschwüren, Entzündungen der Gallenblase und Gallenwege, sowie bei Übererregbarkeit und Schlafstörungen wohltuend und schmerzlindernd.

Der Wadenwickel

Der Wadenwickel ist die beliebteste Wickel-Technik. Sie wird besonders gerne bei Kindern angewendet. Er wird vor allem zur Senkung von Fieber eingesetzt, hilft aber auch bei Schlafbeschwerden und bei Müdigkeitserscheinungen in den Beinen.

Der Beinwickel

Der Beinwickel ist mit dem Wadenwickel vergleichbar. Er besitzt allerdings eine stärkere Wirkung!

Der Fußwickel

Bei einer Gelenksverstauchung oder einer Zerrung am Fuß, bei entzündlichen Senkfüssen, aber auch zur Ableitung von Kopfschmerzen und Mandelentzündungen kann ein Fußwickel eingesetzt werden und die Beschwerden lindern. Der Wickel umgibt dabei den Fuß bis über die Knöchel. Anstelle eines nassen Tuches eignen sich auch gut ausgewrungene Socken. Auch Mittel- und Außentuch können durch Socken (am Besten eignen sich dafür Wollsocken) ersetzt werden.

Der Ganzkörperwickel

Bei fieberhaften und chronischen Erkrankungen sowie Stoffwechselstörungen kann ein Ganzkörperwickel häufig die Beschwerden lindern. Dabei wird der Kranke vom Hals bis zu den Füßen eingepackt! Dafür wird zunächst das wollene Außentuch, im Anschluss daran das Mitteltuch und abschließend das feuchte Innentuch auf das Bett gelegt. Als Innentuch eignet sich am Besten ein Bettlaken, das nach dem Eintauchen ins kalte Wasser gut ausgewrungen werden muss. Der Kranke legt sich dann auf die vorbereiteten Tuchschichten. Ein feuchtes Handtuch wird ihm auf die Brust gelegt und zwischen Brustwand und Armen eingesteckt. Anschließend wird der Körper mitsamt seinen Armen straff eingewickelt und mit eine Bettdecke zugedeckt. Bei herzkranken Personen sollte diese Methode nicht angewendet werden.

Güsse

Güsse sind Wasseranwendungen, bei denen Wasser über bestimmte Körperregionen oder über den ganzen Körper gegossen wird. Im Bereich der begossenen Körperstellen verbessern Güsse die Blutzirkulation, wodurch der ganze Stoffwechsel angeregt wird. Über die Hautsegmente werden außerdem innere Organe beeinflusst.

Wie sieht die „Guss-Behandlung” aus?

Mit Hilfe einer Gießkanne oder einem Wasserschlauch (2 cm Durchmesser) wird das Wasser in einem spitzen Winkel auf die Haut gegossen, so dass die entsprechende Körperstelle von einem Wassermantel umschlossen wird. In der Regel fängt man mit einem Wechselguss an, d.h. man begießt den Körper abwechselnd mit heißem und kaltem Wasser.

Dabei sollte man beachten, dass

  • man immer mit einem kalten Guss aufhört
  • Wasserreize immer vom herzfernsten Körperteil aus in Richtung Herzen erfolgen (z.B. von den Händen zu den Ellenbogen, von den Füssen in Richtung Knie).
  • warme Güsse länger angewendet werden (ca. 40 Sekunden) als kalte Güsse (ca. 10 bis 20 Sekunden)
  • bei Krampfadern nur kalte Güsse erlaubt sind

Welcher Guss hilft bei welchen Beschwerden?

Der Gesichtguss

Der Gesichtsguss erfolgt von der rechten Schläfenseite zum Kinn und über die linke Gesichtshälfte zur linken Schläfe zurück. Danach wird der Wasserstrahl über die Stirn von rechts nach links und anschließend von der Stirn zum Kinn geführt. Die Augen müssen dabei geschlossen bleiben. Der Gesichtguss hilft vor allem bei Kopfschmerzen, Migräne, Zahnschmerzen, Müdigkeit und regt die Durchblutung im Gesicht an.

Der Armguss

Der Armguss führt von der rechten Hand über die Außenseite zur Schulter und nach kurzem Verweilen über die Innenseite zur Hand zurück. Anschließend folgt die linke Seite. Der Armguss hilft vor allem bei Abgeschlagenheit, Durchblutungsstörungen, Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, kalten Händen, Nervosität sowie Beschwerden am Ellenbogen.

Der Brustguss

Der Brustguss beginnt am rechten Arm und gelangt von der Achselhöhle aus in Schleifen über die Brust, anschließend vom linken Arm über die linke Achselhöhle zur Brust. Der Brustguss hilft vor allem bei chronischer Bronchitis, Bronchialasthma sowie Angina Pectoris.

Heilen mit Bädern – Die Balneotherapie

Über 100 Jahre nach dem Ableben von Pfarrer Sebastian Kneipp (1821-1897) werden dessen naturheilkundlichen Anwendungen nach wie vor in zahlreichen Kurbädern praktiziert. Aber auch zu Hause brauchen Sie auf die wohltuende Wirkung verschiedener Wasseranwendungen nicht zu verzichten. Nachfolgend erhalten Sie Wellnesstipps, die Sie ohne viel Aufwand in Ihren eigenen vier Wänden durchführen können:

Das Armbad

Das Armbad wirkt erfrischend und vertreibt die Müdigkeit. Halten Sie beide Unterarme etwa eine Minute in ein volles Becken mit kaltem Wasser. Anschließend etwa 2 Minuten lang die Arme langsam vor und zurück schwingen.

Bei Kreislaufstörungen können Sie das Armbad auch als Wechselbad durchführen, indem Sie zunächst Ihre Unterarme in 35 bis 38° C warmes Wasser halten und anschließend zum kalten Wasserbecken wechseln.

Das Vollbad

Bei seelischer und körperlicher Anspannung kann ein warmes Vollbad genau das Richtige sein. Es löst Muskelverspannungen und lindert Beschwerden wie Arthrose, Rheuma oder Gicht. Mit entsprechenden Badezusätzen kann man auch anderen Beschwerden entgegenwirken. Bei einem Erkältungsbad sollten Sie beispielsweise ca. 20 Minuten im 40°C warmen Wasser verbringen, das Sie mit Tymianextrakt ergänzen können.

Das Fußbad

Dem Fußbad sagt man heilende Kräfte hinsichtlich Schlafstörungen und Kopfschmerzen nach. Dabei stellt man seine Füße zunächst für etwa 10 Minuten in eine Wanne mit warmen Wasser und anschließend für 10 Sekunden ins kalte Wasser. Nachdem man dies zwei Mal wiederholt hat, trocknet man lediglich die Fußsohlen ab und zieht sich Baumwollstrümpfe an. Anschließend ruht man sich aus.

Kategorie: natürlich gesund
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