Multiple Sklerose (Encephalomyelitis disseminata)

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems (ZNS), die mit herdförmigem Verlust der Nervenfaserumhüllungen (Markscheiden) einhergeht und meist in Schüben auftritt. In Deutschland sind ca. 70 von 100.000 Einwohnern betroffen. Die Ursache der MS ist bisher noch nicht sicher geklärt, vermutlich tragen mehrere Faktoren zur Krankheitsentstehung bei. Es werden autoimmunologische Vorgänge angenommen, auch eine Infektion mit einem bisher nicht identifizierten Virus vor dem 15. Lebensjahr wird diskutiert. Zwillingsstudien sprechen für eine genetische Veranlagung. Die Krankheitserscheinungen werden durch entzündliche Prozesse im Gehirn, an den Sehnerven und im Rückenmark ausgelöst, die nach dem Abheilen Narben (sog. Plaques) hinterlassen. Dadurch kann die Erregungsleitung betroffener Nervenstränge gestört oder sogar unterbrochen sein und es kommt zu neurologischen Ausfällen. Je nach Lage der Plaques treten unterschiedliche Symptome auf, wie zum Beispiel Taubheits- oder Kribbelgefühle in den Extremitäten, Gang- und Gleichgewichtsstörungen, Sehstörungen oder Blasenstörungen. Die Diagnose wird gestellt durch die Entnahme von Nerven-wasser (Liquor) aus dem Raum zwischen den Rückenmarkshäuten, das typische Eiweiß- und Entzündungswerte zeigt. Weitere Untersuchungsmethoden sind das Elektromyogramm (EMG), das Elektroenzephalogramm (EEG) und die Magnetresonanztomographie (Kernspintomographie). In der akuten Krankheitsphase versucht man mit einer Schubtherapie (Kortikoide, Immunsuppressiva) die Entzündung möglichst rasch zum Abheilen zu bringen. Daneben gibt es heute Langzeittherapien, die das Immunsystem modulieren und somit den Verlauf einer MS abmildern und verlangsamen können. Für gewisse Symptome kann eine entsprechende symptomatische Therapie Linderung verschaffen. Zu einem ganzheitlichen Behandlungs-konzept der MS gehören heute im wesentlichen auch stationäre oder ambulante Rehabilitation, die zum Beispiel Physio- oder Ergotherapie einschliessen.

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