Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Die Kinderlähmung (Poliomyelitis) ist eine akute Virusinfektion, bei der es durch Befall des zentralen Nervensystems zu Lähmungen kommen kann.
Obwohl die Erkrankung (Kurzbezeichnung: Polio) vorwiegend Kinder befällt, ist der Name irreführend, da auch Erwachsene betroffen sein können. Durch die Schutzimpfung ist die Erkrankung in Europa und Nordamerika drastisch zurück gegangen. In tropischen Ländern kommt die Kinderlähmung immer noch häufig vor. Die Kinderlähmung wird durch Poliomyelitis-Viren verursacht und durch Schmierinfektion (fäkaloral) von Mensch zu Mensch übertragen. Die Inkubationszeit beträgt ein bis zwei Wochen. Die Infektion verläuft in mehr als 90% der Fälle symptomlos. Beim voll entwickelten Krankheitsbild durchläuft die Erkrankung typischerweise mehrere Stadien: Das Initialstadium dauert zwei bis drei Tage und verläuft wie ein grippaler Infekt mit Fieber, Abgeschlagenheit, Durchfall, Hals-, Kopf- und Gliederschmerzen. Nach einigen beschwerdefreien Tagen (Latenzstadium) mit Fieberabfall kommt es zum meningitischen Stadium, also zur Hirnhautentzündung (Meningitis). Die Erkrankten klagen über Kopfschmerzen, Berührungsempfindlichkeit und haben eine Nackensteife. Das Lähmungsstadium (paralytisches Stadium) tritt nur bei jedem 100. Erkrankten auf. Es kommt zu schlaffen Lähmungen unterschiedlicher Ausprägung und Verteilung. Am häufigsten sind die Beine betroffen, die Lähmungen sind asymmetrisch. Bei der sogenannten zerebralen Kinderlähmung können auch Krämpfe und Bewusstseinsstörungen auftreten. Als bedrohliche Komplikation kann die Lähmung auf das Atem- und Kreislaufzentrum übergreifen. Die Betroffenen müssen dann künstlich beatmet werden. In der Mehrzahl der Fälle bilden sich die Lähmungen innerhalb eines Jahres zurück, es können aber auch dauerhafte Schäden zurückbleiben, die zu Deformierungen, Problemen mit der Blutversorgung und Verlangsamung des Knochenwachstums führen können. Selten kommt es nach Jahrzehnten zu einer Zunahme der Lähmungen (Post-Polio-Syndrom). Eine Behandlung der Ursache ist nicht möglich. Eine Poliomyelitisschutzimpfung wird für alle Kinder sowie für Erwachsene mit inkomplettem Impfschutz empfohlen.

© 1997-2019 | -